In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren,...

In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren, die beim österreichischen Teamchef Marcel Koller gute Karten haben. Nachdem wir im ersten Teil unter anderem Martin Harniks Torfestival analysieren durften, sehen wir uns heute vorrangig die Leistungen der Werder-Spieler Junuzovic und Arnautovic an.

Der SV Werder Bremen empfing die TSG 1899 Hoffenheim und Thomas Schaaf schickte die jüngste Werder-Mannschaft aller Zeiten auf den Platz. Der Altersdurchschnitt seiner Truppe lag bei 24,3 Jahren und die junge Mannschaft musste gleich in der vierten Minute einen Rückstand verkraften, als Hoffenheim-Innenverteidiger Vestergaard per Kopf seinen ersten Treffer in der Bundesliga erzielte. So früh traf Hoffenheim in dieser Saison noch nie. Thomas Schaaf stellte wieder einmal eine Raute im Mittelfeld auf, wobei Bargfrede den defensiven und Ekici den offensiven Part übernahm. Auf der Halbposition links spielte Ignjovski, rechts bekam abermals Junuzovic das Vertrauen ausgesprochen. Da Pizarro aufgrund einer Sperre nur auf der Tribüne saß, durfte Arnautovic im Angriff neben Rosenberg beginnen.

Junuzovic laufstark, zweikampfschwach und mit zu wenigen Geistesblitzen

Junuzovic durfte 71 Minuten lang sein Können zeigen, wobei seine Leistungsdaten an sein Debüt gegen den SC Freiburg erinnern. In den 71 Minuten absolvierte er 10,17 Kilometer, was aufgerechnet auf die volle Spielzeit 12,89 Kilometer ergeben hätte, was mannschaftsintern klar der Bestwert gewesen wäre. Was die Sprints angeht liegt er mit 25 Stück mannschaftsintern an der dritten Stelle, bei den intensiven Läufen ist er sogar am zweiten Platz. Wieder gilt, dass er über 90 Minuten in beiden Kategorien den Bestwert erreicht hätte. Leider verschlechterten sich aber seine schwachen Zweikampfwerte gegenüber der letzten Partie. Schon gegen den SC Freiburg gewann er bloß 33,33% seiner Duelle – diesmal kam es noch schlimmer: Von 22 Zweikämpfen entschied er nur fünf für sich (22,73%). Gratulieren darf man ihm jedoch zu seiner Passstatistik, denn von 35 Pässen kamen 32 bei seinen Mitspielern an (91,43%). Mit 61 Ballkontakten hatte er gegenüber der letzten Runde, wo er auf 48 kam, wesentlich mehr, obwohl er 20 Minuten kürzer am Platz stand. Außer einem Torschuss glänzte er in der ersten Halbzeit mit einem genialen Pass auf Rosenberg, was seine mit Abstand beste Aktion war:

 

 

 

 

 

Junuzovic sieht das Rosenberg startet und spielt gleich den Lochpass (Klick zum Vergrößern)

 

 

 

 

 

Der Pass kommt im perfekten Moment

 

 

 

 

 

Leider kann Rosenberg diese riesige Chance in weiterer Folge nicht nutzen

Junuzovic ist überall zu finden

So wie gegen den SC Freiburg beackerte der Mittelfeldspieler praktisch den ganzen Platz und fand sich nicht in der Rolle des klassischen Flügelspielers. Bei Werder Bremen läuft sehr viel über die Mitte, wodurch der Raum oft eng wird und die Mannschaft Schwierigkeiten hat viele Chancen herauszuspielen. Seine Heatmap zeigt deutlich an, dass er einen großflächigen Arbeitsbereich hatte:

 

 

 

 

 

Junuzovic hatte, so wie bei seinem Debüt in der vergangenen Runde, wieder einen riesigen Aktionsradius

Arnautovic behält die Nerven

Marko Arnautovic zeigte über die 90 Minuten keine überragende Vorstellung, rechtfertigte aber seine Aufstellung mit dem wichtigen Tor in der 90.  Minute. Rosenberg verlängerte einen hohen Ball per Kopf zum österreichischen Stürmer, der die Nerven behielt und den Ball an Starke vorbeischob. Thomas Schaaf bewies ein gutes Händchen indem er Arnautovic durchspielen ließ.

Arnautovic ließ sich im Unterschied zu Rosenberg oft weit zurückfallen und holte sich die Bälle von hinten. Er lief insgesamt elf Kilometer, absolvierte 26 Sprints und 63 intensive Läufe, eine absolut zufriedenstellende Leistung in diesen Kategorien. Dennoch wirkte seine Körpersprache besonders im späteren Verlauf der Partie wieder ein wenig frustriert und es sah stellenweise nicht danach aus, als ob er viel Spaß hatte. Umso lobenswerter ist es, dass er im entscheidenden Moment voll da war und die Heimniederlage verhindern konnte. Der Österreicher gab mit 3 Torschüssen die meisten seiner Mannschaft ab, was aber auch zeigt, dass insgesamt zu wenige zwingende Chancen herausgespielt wurden. Arnautovic kam auf 53 Ballkontakte, immerhin elf mehr als Sturmpartner Rosenberg, was eben daran lag, dass er sich die Bälle aktiv von hinten holte. 22 gelungen Pässen stehen 11 Fehlpässe gegenüber, was aber auch daran lag, dass er einige Male Rosenberg mit dem schwierigen letzten Pass bedienen wollte. Ansonsten zeigte er in einigen Situationen wieder einmal sein technisches Können – insbesondere wenn der Raum eng wird, was bei der Bremer-Spielanlage leider nicht selten vorkommt, kann er die Situationen weitaus besser lösen als sein Sturmpartner Rosenberg. Arnautovic erhielt vom Kicker die Note 3, wobei er ohne seinen Treffer sicher eine Note schlechter beurteilt worden wäre. Immer noch besser als Sturmpartner Rosenberg, der eine 4,5 erhielt. Junuzovic erhielt vom deutschen Fachmagazin übrigens eine 3,5, was eine faire Bewertung darstellt. Immerhin erhielt er von allen Werder-Mittelfeldspielern die beste Bewertung.

Baumgartlinger kommt zur Halbzeit, Ivanschitz gibt sein Comeback

Der 1. FSV Mainz 05 traf auf Hannover 96, bei denen Pogatetz weiterhin seine Sperre absitzen muss. Bei den Mainzern begannen im zentralen defensiven Mittelfeld Soto und Polanski, sodass für Baumgartlinger vorerst kein Platz in der Mannschaft war. In der Halbzeit wurde er für den eher schwachen Soto eingewechselt und zeigte eine ganz anständige Leistung, ohne jedoch wesentlich aufzufallen. Der Mittelfeldspieler kam in eine schnelle und intensiv geführte Partie hinein und fiel gegenüber dem Rest nicht ab. Entscheidende Akzente konnte er jedoch nicht setzen. 20 Minuten nach seiner Einwechslung hatte er das 2:0 auf dem Fuß legte sich aber den Ball zu weit vor.

Positiv ist auf alle Fälle, dass Ivanschitz in der Bundesliga sein Comeback gab. Der Österreicher kam in der 81. Minute für den starken Zidan in die Partie, der in der siebenten Minute für die frühe Führung der Hausherren sorgte. Sein Einsatz hatte allerdings kein Happy-End, denn knapp vor Schluss erzielte der eingewechselte Sobiech den verdienten Ausgleich für Hannover 96. Ivanschitz hatte sechs Ballkontakte, spielte drei Pässe, von denen zwei ankamen und sorgte für eine Torschussvorlage. In den nächsten Runden werden wir wieder bestimmt mehr von ihm sehen, was auch Marcel Koller freuen wird.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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