In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren,...

In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren, die beim österreichischen Teamchef Marcel Koller gute Karten haben. Gestern analysierten wir unter anderem die starke Leistung von Christian Fuchs, der sich ins kicker-Team der Runde spielte. David Alaba glänzte beim 0:6-Auswärtssieg der Bayern in Berlin ebenfalls als linker Abwehrspieler.

Der FC Bayern München setzte seine atemberaubende Serie an Kantersiegen auch vergangenes Wochenende fort und zerlegte Hertha BSC Berlin vor 74.000 Fans auswärts mit 6:0. In den letzten drei Pflichtspielen schoss der deutsche Rekordmeister 20 Treffer und David Alaba stand bei jedem einzelnen am Platz. Die Bayern dürfen sich auch ein wenig beim gegnerischen Trainer Otto Rehhagel bedanken, der ihnen mit seltsamen Personalentscheidungen in die Hände spielte.

Alaba und Lahm erzeugen viel Druck über die Flügel

Natürlich stehen die Abwehrspieler des FC Bayern München momentan ein wenig im Schatten der groß aufspielenden Offensivakteure Ribery, Robben und Müller, die im offensiven Mittelfeld im Moment nicht zu stoppen sind und sich in absoluter Bestform befinden. Die Offensivfraktion profitiert allerdings auch von der neuen Viererkette der Bayern, die mit Alaba auf der linken und Lahm auf der rechten Seite wesentlich mehr Druck nach vorne erzeugt. Gegen Hertha BSC gab es ein paar Szenen, in denen Alaba auch in der Defensive gefordert war und in denen er seinen Job gut und aufmerksam erledigte. Seine Zweikampfwerte sind ungewöhnlich stark, denn von 13 Zweikämpfen entschied er am Wochenende 12 für sich (92,31%)! Im Spiel nach vorne fällt weiterhin auf, dass er sich mit Ribery blendend versteht und den Franzosen sowohl in der Defensive entlastet, als auch in der Offensive unterstützt. Alaba machte gegen die Hertha kaum Fehler im Spielaufbau und brachte von 65 Pässen insgesamt 63 zu seinen Mitspielern (96,92%)! Natürlich hat diese tolle Statistik aber auch ihre Schattenseite, denn Alaba spielte den größten Teil seiner Pässe in die Breite, wie diese Grafik zeigt:

Diese Grafik soll aber keineswegs als Kritik verstanden werden, denn Alaba machte seine Sache ausgezeichnet und seine Aktionen hatten Hand und Fuß. Alaba erzeugte auch wie oben erwähnt über weite Strecken der Partie Druck auf seinem Flügel, allerdings hätte er gegen diesen schwachen Gegner noch etwas mehr machen können, da er oft genügend Platz vorfand. Auch die Tatsache, dass Alaba von den zwanzig Treffern in den letzten drei Spielen keinen Treffer und keinen Assist beisteuerte lässt vermuten, dass er etwas unwiderstehlicher in seinen Aktionen im letzten Spielfelddrittel werden müsste. Eine weitere Frage ist, wie sich Alaba auf dieser Position gegen Mannschaften behaupten kann, die den FC Bayern München wirklich fordern können. Unter den Bayern-Fans ist dieses Thema momentan wohl die größte Diskussion, da ihn einige, trotz der guten Leistungen in der Viererkette, lieber im zentralen Mittelfeld sehen wollen, während andere meinen, dass die Rolle des modernen Außenverteidigers ihm auf den Leib geschnitten ist. Alaba ist ein Spieler, der die modernen Anforderungen an beide Positionen erfüllt. Fürs österreichische Nationalteam wäre es sicher besser, wenn er bei seinem Verein im Mittelfeld zum Zug kommt, was aber angesichts der Personalsituation bei den Bayern in nächster Zeit eher unwahrscheinlich ist.

Alaba legte nach Luiz Gustavo die zweitgrößte Laufdistanz aller Bayern-Spieler zurück (10,43 Kilometer) und absolvierte 21 Sprints und 60 intensive Läufe. Während des gesamten Spiels ließ er jedoch keinen Schuss ab, schlug keine Flanke und steuerte keine Torschussvorlage bei. Vom Kicker erhielt der österreichische Nationalspieler die Note 2,5, sportal.de gab ihm eine 2.

Alaba trifft nächsten Samstag mit seinem Verein zu Hause auf Hannover 96, bei denen der Einsatz von Pogatetz noch ungewiss ist.

Sonderschichten statt Bundesliga für Pogatetz

Emanuel Pogatetz stand beim 4:1-Heimsieg seiner Mannschaft gegen den 1. FC Köln nicht am Platz, da der österreichische Innenverteidiger von seinem Trainer Mirko Slomka zu einem Einzeltraining verdonnert wurde. Der Coach ist mit seiner Einstellung nicht zufrieden, da sich Pogatetz aufgrund seiner Nichtberücksichtigung gegen Standard Lüttich lustlos aufwärmte und auch später nicht die richtige Einstellung zeigte. Ein Gespräch zwischen den beiden verschärfte die Situation, weshalb er gegen den 1. FC Köln aus dem Kader gestrichen wurde. Bleibt zu hoffen, dass sich Pogatetz schnell zurückkämpfen wird.

Martin Harnik mit unauffälliger Leistung

Martin Harnik feierte einen 2:1-Auswärtssieg gegen 1899 Hoffenheim, zeigte jedoch eine unauffällige Leistung ohne besondere Höhepunkte. Beide Treffer wurden zwar über seine Seite vorbereitet, jedoch nicht von ihm, sondern vom rechten Außenverteidiger Boulahrouz. Der Nutznießer dieser Aktionen war Vedad Ibisevic, der mit seinen beiden Toren seinen ehemaligen Klub im Alleingang abschoss. Ansonsten hatte Harnik, der in der 67. Minute ausgewechselt wurde, wenige Ballkontakte (30) und konnte sich nur selten in Szene setzen. Von 16 Pässen landeten 10 bei seinen Mitspielern (62,5%), von 14 Zweikämpfen gewann er 6 (42,86%). In der zweiten Halbzeit absolvierte er in den 22 Minuten überhaupt nur einen Zweikampf, ansonsten lief das Spiel an ihm vorbei, weshalb er auch für Cacau Platz machen musste. Immerhin war seine Laufleistung wie gewohnt sehr stark, denn in den 67 Minuten lief er 9,4 Kilometer und absolvierte 20 Sprints und 70 intensive Läufe!

Harnik bekam sowohl vom kicker, als auch von sportal.de die Note 4. Am kommenden Sonntag trifft er mit dem VfB Stuttgart auf den 1. FC Nürnberg.

Die weiteren Österreicher am 26. Spieltag der deutschen Bundesliga

Als Andreas Ivanschitz gegen den FC Augsburg in der 65. Minute für Allagui in die Partie kam, lag seine Mannschaft mit 1:2 zurück. Ivanschitz sorgte noch einmal für ein wenig Schwung und hatte in der Schlussphase noch eine gute Schussgelegenheit, scheiterte aber an Keeper Simon Jentzsch, der den gut platzierten, aber etwas schwach geschossenen Schuss sicher hielt. Ivanschitz lief in den 25 Minuten 3,13 Kilometer und absolvierte drei Sprints und 15 intensive Läufe. Er hatte 17 Ballkontakte und spielte fünf Pässe, von denen drei ankamen (60%). Von sieben Zweikämpfen entschied er vier für sich (57,14%). Der Kicker gab ihm aufgrund seiner kurzen Einsatzzeit keine Note, von sportal.de bekam er eine 3,5.

Martin Stranzl bekam sowohl vom kicker, als auch von sportal.de die Note 3,5. Der Abwehrspieler kam diesmal in der ungewohnten Rolle des rechten Außenverteidigers zum Einsatz und durfte sich über einen dramatischen 2:1-Auswärtssieg gegen Bayer Leverkusen freuen, der erst in einer dramatischen Schlussphase fixiert wurde, als Joker de Camargo in der 88. Minute den letzten Treffer des Spiels erzielte. Stranzl gewann 10 von 16 Zweikämpfen (62,5%), hatte 79 Ballkontakte und spielte 49 Pässe, von denen 39 bei den Mitspielern landeten (79,5%). Seinen Arbeitsschwerpunkt hatte er eindeutig in der Defensive, dennoch schoss er immerhin einmal aufs gegnerische Tor und sorgte für zwei Torschussvorlagen. Eine solide Leistung, die ihm viele auf dieser Position nicht zugetraut hätten.

Jonathan Schmid bekam vom Kicker dieselbe Bewertung wie Stranzl, sportal.de sah ihn etwas besser und gab ihm die Note 3. Der 21-Jährige kam diesmal im rechten Mittelfeld zum Einsatz und bereitete dem Hamburger SV durchaus Probleme. Beim 1:0-Führungstreffer hatte er seine Beine im Spiel, da ein von ihm getretener Freistoß abgefälscht wurde und bei Flum landete, der sich nicht zwei Mal bitten ließ. Schmied überzeugte mit einer starken Lauleistung (11,83 Kilometer). Zudem hatte der universell einsetzbare Spieler sowohl die meisten Sprints (25), als auch die meisten intensiven Läufe (79) aller Spieler. Von 24 Zweikämpfen entschied er zehn für sich (41,67%), von 18 Pässen kamen 13 bei den Mitspielern an (72,22%). Insgesamt eine solide Leistung des 21-Jährigen, der in der stark aufspielenden Mannschaft des SC Freiburg mittlerweile ein Fixbestandteil ist und seit 13 Runden jedes Mal in der Startaufstellung stand.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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