Zum Saisonende in Deutschland lieferten sich die zwei Giganten dieser Spielzeit noch ein letztes Duell. Die spannende Partie haben wir für euch analysiert. Prinzipielle... Bayern München holt elftes Double: Entscheidung fiel erst im Elfmeterschießen

FC Bayern München vs Borussia DortmundZum Saisonende in Deutschland lieferten sich die zwei Giganten dieser Spielzeit noch ein letztes Duell. Die spannende Partie haben wir für euch analysiert.

Prinzipielle Ausrichtungen

Die Dortmunder agierten in der Defensive mit einer Fünferkette in der Abwehr, mit Weigl als Sechser davor und auf der Acht fanden sich der variable Castro und Mkhitaryan ein. Der BVB hatte sich bei Atlético etwas abgeschaut, so wurde das Vorderlaufen von Alaba stets vom zentralen Mittelfeldspieler verfolgt, während meist Aubameyang das Loch im Zentrum stopfte. Im Mittelfeld agierte man diesmal, außer in höheren Zonen,  weitestgehend ohne Mannorientierungen, in der Abwehrkette tat man dies situativ jedoch sehr wohl. Die Mannorientierungen konnten meist gut abgesichert werden, wenngleich es gefährlich wurde, wenn Bayern einen Angriff über die Flügel vortrug, der Flügelstürmer und der Achter entgegen kamen und der Achter verfolgt wurde. Denn, in diesem Fall war es Müller, konnte sich der Achter handlungsschnell drehen und in die Tiefe starten – Bender konnte diese Situationen jedoch gut verarbeiten. Die Abwehrkette bewegte sich generell hoch, die vertikale Kompaktheit war so gut wie immer gegeben, man manövrierte sich in den richtigen Situationen nach vorne oder nach hinten oder hielt die Höhe.

Im Aufbau bildete man gleich eine Dreierkette,  da Schmelzer und Pisczek auf Mittelfeldhöhe schoben. Hummels konnte an diesem Tag seine Aufbaustärke jedoch kaum einbringen. Dies lag am guten und intensiven Anlaufen Costas und Lewandowskis, das ihn stets in Situationen brachte, in denen er seinen schwächeren linken Fuß verwenden musste, was ihn sichtlich einschränkte. Bei der Chacnen-Aufarbeitung wurden Schnellangriffe forciert, jedoch kamen zu Beginn die Bälle hinter die Abwehr meist zu ungenau. Zudem hatte Bayern mit Kimmich und Boateng ein schnelles Innenverteidiger-Duo, das auch gut in der Antizipation ist. Aubameyang wich oft weit auf den rechten Flügel aus, während Reus das Sturmzentrum besetzte und Mkhitaryan in dieses immer wieder aus der Tiefe hineinstach.

Die Bayern versuchten in der vordersten Reihe die Breite des Spielfelds so gut wie möglich auszunutzen, spielten aber mit inversen Flügelstürmern, nämlich Ribéry auf links und Costa auf rechts.  Man war in der ersten Aufbaulinie wie gewohnt sehr variabel und baute manchmal zu zweit, dann wieder zu dritt auf. Alaba war hierbei ausschlaggebend und half entweder im Halbraum, oder machte das Spielfeld breit und schob nach vorne. Lahm hingegen rückte konstant in den rechten Halbraum und half Vidal beim Spielaufbau. Letzterer spielte viele hohe Wechselpässe, die jedoch nicht immer perfekt kamen. Und gegen einen Gegner wie Dortmund müssen sie das.

In der Defensive staffelte man sich in einem 4-1-4-1, wobei die Achter situativ weit nach vorne rückten um zu attackieren. Das Pressing richtete sich prinzipiell am Mittelfeld aus, jedoch versuchte man Schritt für Schritt die Dortmunder nach hinten zu drängen und Rückpässe zu erzwingen. Im Gegenpressing agierte man gewohnt aggressiv, jedoch offenbarte man leichte Verwaisung des Zwischenlinienraums, wenn man zu weit aufgerückt war, was in zwei Situationen nach verlorenen ersten Bällen zu Kontern des BVB führte.

Vertikalität vs. Vertikalität

Beide Trainer zeigten sich von ihrer „deutschen“ Seite, der Fokus war vor allem bei den Bayern wie in vielen Spielen dieses Jahrs deutlich auf Flügelangriffe gelegt, welche durch Pässe von Boateng und Vidal initiiert werden sollten. Vor allem letzterer konnte in Bedrängnis immer wieder einige Zauberpässe spielen, die ihresgleichen suchen. Die Dortmunder hingegen legten ihr Pressing recht tief an und wollten über die Schnelligkeit von Aubameyang und Reus kontern. Dies gelang auch gar nicht mal schlecht, so erwischte man die Bayern in zwei Situationen mit offenem Zwischenlinienraum beim Kampf um den zweiten Ball. Der gabunische Stürmer im Diensten der Dortmunder wich oft weit auf den linken Flügel aus, wo er Alaba körperlich ein Stück überlegen war und so einige Luftzweikämpfe und Sprintduelle gewinnen konnte.

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Das Dortmunder 5-4-1

Die letzte Genauigkeit bei den Hereingaben von der Seite fehlte noch, um echte Torchancen zu generieren. Mit Fortlauf der Spielzeit agierten die Dortmunder immer mehr im 5-4-1, Lahm schaffte es Reus im Mittelfeld zu binden. Dieser war jedoch bei Angriffen ebenso präsent wie in der Defensive und schuf nach Ballgewinn durch Sprints in die Tiefe immer wieder für Raum für Dribblings und seine nachstoßenden Mitspieler. Die Dortmunder Konter waren meist unsauber fertig gespielt, und die herausragende Athletik von Boateng, Alaba und teilweise auch Kimmich konnte die Schnellangriffe gut im Griff halten. Die Bayern hatten hingegen stark mit den konsequent verteidigenden Dortmundern zu kämpfen, die Flügelstürmer bekamen zu wenig unterstützende Läufe, sodass der Flügelverteidiger stets vom Halbverteidiger im Duell gegen Costa/ Ribéry abgesichert war. So gelang es keiner der beiden Mannschaften reelle Torchancen herauszuspielen, sodass man mit einem 0:0 in die Pause ging.

Die Anpassungen des Thomas Tuchel

Das weite Herausrücken der Flügelverteidiger, musste immer abgesichert werden. In einer Situation in der ersten Halbzeit, sowie nach Wiederanpfiff in der 50. Minute wurde das nicht getan. Aufgrund der Mannorientierung musste der Halbverteidiger den zurückfallenden Achter verfolgen, was Raum hinter den Rücken der beiden ergab. Die Bayern wussten dies zwar noch nicht zu nutzen, hatten diesen Schwachpunkt jedoch registriert. Diese brachen nun konstanter auf den Flügeln durch und brachten scharfe Hereingaben in den Strafraum, den Lewandowski und Müller stets dynamisch besetzten. Vor allem über Dortmunds linke Seite konnte man viel Betrieb machen, Lahm und Müller überluden diese Seite konstant und halfen Costa in Eins-gegen-Eins Situationen gegen Schmelzer zu kommen. Beide Teams hatten nun kurze unsaubere Phasen, vor allem die Bayern waren im Mittelfeld im Gegenpressing schwach. Castro zeigte ein hervorragendes Spiel auf Seiten der Dortmunder und gewann einige Bälle und wusste diese auch stets produktiv zu verarbeiten.

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Abbildung 2: Überladungsmechanismus auf Bayerns rechter Seite, so konnte man zwei Mal gut durchbrechen.

Nach circa 65 Minuten passte Tuchel an, im Pressing agierte man nun im 5-2-3, Mkhitaryan wechselte nun ins Sturmzentrum. Dies war dem nun öfter vorkommenden Abkippen Vidals geschuldet, der BVB wollte den Druck auf Bayerns Abwehr im Aufbau erhöhen. Die drei Stürmer taten sich jedoch schwer Vertikalpässe zu verhindern, sodass die Bayern mit ihrer schon generell hohen Präsenz im Zwischenlinienraum dort immer wieder hinein spielten und mit hohem Tempo auf die Dortmund-Abwehr zuliefen. Deshalb wurde diese Anpassung schnell wieder zurückgenommen und man formierte sich wieder im 5-4-1. Costa war auf rechts jedoch weiterhin ein Unruheherd. Der Brasilianer spielt invers deutlich variabler und ist in seinen Durchbruchsversuchen nicht so vorhersehbar wie auf links, wo er stets nur die Linie runter will. Tuchel brachte Durm für Schmelzer, Ginter für Hummels. Ersterer war als gelernter Stürmer nun auch deutlich aktiver in der Offensive und ermöglichte Reus wieder das Besetzen der Halbräume im Ballbesitz. Bei den Bayern agierte Ribéry nun teilweise deutlich zentraler und zeigte hier seine Nadelspielerqualitäten. Auf beide Seiten gab es zwei große Torchancen, die von den Trainern genau in dieser Art gefordert wurden: Bayern hatte zwei gute Hereingaben von Costa, die erst in letzter Sekunde geblockt wurden, der BVB erspielte sich zwei gefährliche Konter, die Aubameyang durch eine schwache Schusstechnik jeweils vergab. Den Matchball hatten nun beide nicht verwerten können, also ging’s in die Verlängerung.

Verlängerung geprägt von Krämpfen

Die erste Halbzeit der Verlängerung war geprägt von deutlich niedrigerer Intensität, Dortmund beschränkte sich jetzt zunehmend aufs bloße Verschieben, die Bayern suchten ständig den Rücken der schwarz-gelben Abwehr, konnten ihn jedoch nicht finden. Die Ruhrpotter verteidigten diszipliniert und konsequent und hatte in Minute 102 auch die Chance auf eine Führung nach Konter über den einmal mehr starken Mkhitaryan. Aubameyang verpasste dessen Hereingabe nur knapp. Kagawa kam nun nach dem Seitenwechsel für Gonzalo Castro auf den Platz, der einer der besten Spieler im Cup-Finale war. Der Japaner spielte nun im Ballbesitz als Zehner hinter Aubameyang. Guardiola wechselte ebenfalls, da Ribéry Krämpfe hatte kam Coman für ihn, Costa wechselte nun nach links und der junge Franzose situierte sich auf der rechten Flanke. Nun hatten mehrere Spieler Probleme mit Krämpfen, weshalb es einige Unterbrechungen gab. Die Bayern flankten nun mit hoher Frequenz, versuchten den Ball in den Strafraum zu zwingen. Die Frische von Kagawa war deutlich und half den Dortmundern enorm, im Pressing ging er die Wege für die anderen, im Ballbesitz konnte er Bälle behaupten und für seine, mittlerweile eher langsam, nachrückenden Mitspieler ablegen. Doch weder Coman noch Kagawa brachten die Entscheidung, sodass es ins Elfmeterschießen ging, wo sich der FC Bayern durchsetzte.

Fazit

Die Dortmunder wussten auf alle Bayern Aktionen lange Zeit eine Antwort, auf der Gegenseite sah dies jedoch genau gleich aus. Bis auf zwei sehr große Chancen gab es für beide Teams kaum entscheidende Szenen vor dem gegnerischen Tor, dennoch boten beide ein starkes Spiel. Die Bayern zeigten sich konsequent in ihrem direkten Spiel, konnten in den wenigen Momenten, wo sich dies anbot, jedoch auch kombinieren und den Zwischenlinienraum nutzen. Die Dortmunder Defensivleistung war herausragend, mit den richtigen Anpassungen, der hohen vertikalen Kompaktheit und einer starken Absicherung konnten die schwarz-gelben bis zum Elfmeterschießen die Null halten.

David Goigitzer, abseits.at

David Goigitzer

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