In einem bis zum Ende spannenden Spiel besiegt Werder Bremen die Borussen aus Dortmund mit 2:1. Unter der Woche hat Dortmund, angesichts der aktuellen... Bremer Weihnachtsfrieden nach 2:1-Sieg: Werders Raute entzaubert Dortmunds Aufbaubestrebungen

SV Werder Bremen - Wappen, LogoIn einem bis zum Ende spannenden Spiel besiegt Werder Bremen die Borussen aus Dortmund mit 2:1. Unter der Woche hat Dortmund, angesichts der aktuellen Situation, mit dem 2:2 gegen den VfL Wolfsburg einen Aufschwung erfahren, während Bremens Hoffnungen in Mönchengladbach zerschlagen wurden. Am Samstagnachmittag wendete sich das Blatt und die Werderaner konnten zuhause gegen den CL-Achtelfinalisten triumphieren. Dabei blieb Skripnik in der Aufstellung der Raute treu, was sich am Ende auch auszahlte.

Skripnik setzt auf Zentrumsverdichtung

Gegen die Westfalen lief Bremen im 4-3-1-2 auf und vertraute im Angriff auf die jungen Selke und Lorenzen, dahinter bildeten Kapitän Fritz, Bargfrede, Junuzovic und Bartels die Raute, wobei letztere zwei sich die Rolle hinter den Spitzen teilten.

Dortmund spielte in einer 4-1-4-1/4-2-3-1-artigen Formation, dessen Form von Oliver Kirchs Positionierung abhing. Auf der linken Seite agierte Großkreutz, die beiden anderen zentralen Mittelfeldspieler waren Gündoğan und Kehl, die rechte Seite wurde von Aubameyang besetzt und Immobile bildete die einzige nominelle Spitze. Allein durch die Aufstellung des Mittelfelds wird deutlich, dass Klopp auf Spielkontrolle und kombinatorische Durchbrüche setzte.

Dortmund war selbstverständlich das aktivere Team und wollte Ruhe ins Spiel bringen. Dieser Plan wurde nach wenigen Minuten durch Selkes Führungstreffer nach einem Abwehrfehler zerschlagen und die Borussia wollte das Tempo erhöhen, wurde jedoch von den Bremern ausgebremst. Auch gegen den Ball positionierten sich diese in der 4-3-1-2-Formation und versperrten somit komplett das Zentrum. Die Stürmer agierten dabei passiv und leicht breit, während der vorstoßende Junuzovic oder Bartels dynamisch den Sechser angingen. Meist war dies Gündoğan oder Kirch. Angesichts des drohenden Kräfteverschleißes war die Aufgabenteilung von Bartels und Junuzovic äußerst intelligent und sorgte für ein Überraschungsmoment im Konter. Die dahinter befindlichen Sechser verschoben in Richtung Angriffsseite der Dortmunder.

Bremen kommt zu Ballgewinnen

Das zwangsweise erhöhte Dortmunder Tempo war dem Aufbau abträglich und spielte Werder in die Karten. Oft versuchten die Innenverteidiger oder Sechser mangels Raum im Zentrum einen Flügelspieler anzuspielen, was am guten Aufrückverhalten Gebre Selassies und insbesondere Garcias scheiterte. In Kombination mit den hohen Außenverteidigern der Borussia öffnete das Räume für die Bremer. Zugriff im Gegenpressing erhielten sie nicht, weil Bremen sich oft und überraschenderweise mit ausgefeilten Kurzpasskombinationen schnell befreien konnte. Die Sechser Dortmunds rochierten oft auf außen, um die Flügelspieler und –verteidiger zu unterstützen. Besonders oft tat dies Oliver Kirch auf der rechten Seite.

Das Zentrum war für die Gäste komplett versperrt. Wurde dann mal seitens der Borussia über das Zentrum gespielt, gewann Werder die entscheidenden Zweikämpfe wegen nomineller Überzahl und konnte ebenfalls einen der vielen gefährlichen Konter einleiten. Generell unterliefen den eigentlich technisch begabten Borussen erstaunlich viele individuelle Fehler.

Die Bremer Konter

Werder konnte sich mit ihrem dynamischen Direktspiel zahlreiche Chancen erarbeiten. Der schnelle Selke konnte hierbei gut Bälle behaupten und zeigte individuell eine überragende Leistung. Oft konnte er sich aus schwierigen Positionen herausdribbeln und seine Mitspieler geschickt in Szene setzen, wie man beim 2:0 durch Bartels sehen konnte. Oft griff Bremen dabei über eine Seite an und spielte dann hinter die hohe Dortmunder Abwehrreihe. So musste Langerak mehrmals herauslaufen und Bälle abfangen, was ihm mit einer guten Präzision auch gelang.

Sehr großen Profit schlug der SVW aus dem Fokus auf Kompaktheit seitens der Dortmunder. Mit schnellen Spielverlagerungen verschaffte sich die Heimmannschaft große Räume und kam schnell vor das Tor der Borussen. Aus dem eigenen Aufbauspiel heraus bekam Bremen keine großen Chancen, was sie allerdings auch nicht fokussierten. Oft wurden daher lange Bälle geschlagen, um dem Dortmunder Pressing den Zugriff zu verwehren.

Wechsel in der 2. Halbzeit

In der zweiten Halbzeit setzte Klopp auf Kagawas Spielmacherfähigkeiten und beorderte Ex-Kapitän Sebastian Kehl dafür auf die Bank. Ab diesem Zeitpunkt glich die Formation der Gäste einem 4-3-1-2, wobei Großkreutz neben Kirch und Gündoğan rückte; Aubameyang unterstützte Immobile im Angriff. So sollte das Spiel über das Zentrum fokussiert werden mit dem Japaner als Dribbler. Zunächst gelang dies und der BVB stand auch flexibler mit dem dynamischen Großkreutz als aggressiv herausrückender Mittelfeldspieler, dennoch änderte dies nichts an der Bremer Grundordnung, die weiter auf schnelle Konter ausgerichtet war. So gelang den Hausherren, die sich dadurch vielversprechendere Chancen ausspielen konnten, das folgerichtige 2:0.

Nach der Einwechslung Kroos‘ für Lorenzen, rückte Bartels für Letzteren in die Sturmreihe neben Selke. Spätestens jetzt war Klopp erneut gefordert und reagierte mit der Einwechslung Kubas für Piszczek. Nun wurde Dortmunds Formation 4-2-3-1-artiger und war individuell hochoffensiv besetzt mit Großkreutz als rechtem Außenverteidiger. Mit zunehmendem Spielverlauf rückten Gündoğan und Kirch nach Ballverlust sehr schnell und aggressiv raus. Einige Male stieß Hummels im Aufbau ins Mittelfeld vor, um selbst das Spiel anzukurbeln und lief direkt ins Sturmzentrum und bot sich für Kopfbälle an. Allein dies zeigte die Hektik, die bei Dortmunder Rückstand in den letzten Wochen Usus war. Bremen passte sich an und wechselte auf ein stabileres 4-3-2-1 zum Spielende.

Fazit

Werder Bremen hat seine bis dato möglicherweise beste Saisonleistung zum richtigen Zeitpunkt abgeliefert und stand sehr stabil. Bis zum Gegentreffer durch den Eckball gab es keine zwingende Torchance für die Dortmunder. Hätte Selke in den intensiven 90 Minuten nicht so viele Konter ungenutzt gelassen, wäre den Bremern sogar noch das eine oder andere zusätzliche Kontertor zuzutrauen gewesen. Insgesamt ist der Sieg hochverdient für die Werderaner, die sich so tabellarisch von den Dortmundern distanzieren können. Für diese endet eine triste und in Teilen auch dramatische Hinrunde mit dem nächsten Paukenschlag. Insgesamt zehn Niederlagen musste der BVB hinnehmen – Coach Jürgen Klopp hat in der Winterpause also genug zu tun. Um sich aus der Krise hinauszumanövrieren, muss eine neue Idee her.

Shahin Bazani, abseits.at

Shahin Bazani

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