Der 54jährige Däne Frank Arnesen war über lange Zeit der Chefanalytiker, Vorstandsmitglied und Sportdirektor beim FC Chelsea. Seit 2011 ist Arnesen der starke Mann... Dank Arnesens Personalkonzept: Mancienne, Töre und Sala zum HSV!

Der 54jährige Däne Frank Arnesen war über lange Zeit der Chefanalytiker, Vorstandsmitglied und Sportdirektor beim FC Chelsea. Seit 2011 ist Arnesen der starke Mann für die sportlichen Belange des Hamburger SV und sorgt nach einer biederen Saison 2010/11 auf Anhieb für frischen Wind bei den Norddeutschen.

Insgesamt 3,9 Millionen Euro nahm Arnesen, der in seiner Zeit bei PSV Eindhoven bereits für die Transfers von Ronaldo, van Nistelrooy, Robben oder Ji-Sung Park verantwortlich zeichnete, in die Hand, um junge Toptalente aus London an die Reeperbahn zu locken. Je ein Spieler für defensives, offensives und rechtes Mittelfeld, allesamt verhältnismäßig günstige Perspektivspieler, die den schwierigen Sprung von Chelseas Reservemannschaft in die „Erste“ nicht schafften, werden ab kommender Saison in Hamburg spielen.

OFT VERLIEHENES LAUFWUNDER

Der bekannteste Neue ist Michael Mancienne, ein laufstarker, 23jähriger Mittelfeldspieler für den Defensivbereich, der alle Nachwuchsnationalteams Englands durchlief und von Chelsea bereits in der Vergangenheit an die Queens Park Rangers und Wolverhampton verliehen wurde. Der Transfers Manciennes nach Deutschland brachte Chelsea kolportierte 2,5 Millionen Euro, was angesichts der teilweise astronomischen Ablösesummen für durchschnittliche Premier-League-Kicker ein Schnäppchen bedeutete. Scouten musste Profi-Analyst Arnesen Mancienne freilich nicht. Schließlich war er es, der dem 23jährigen vor fünf Jahren die Premier-League-Tauglichkeit bescheinigte und ihn aus gutem Grund an einen Ligakonkurrenten verlieh, um dem Laufwunder aus Isleworth Spielpraxis zu ermöglichen.

EDLER TRICKSLER MIT DEUTSCH-KENNTNISSEN

Anders als Mancienne (Juni 2015) bekam der Deutsch-Türke Gökhan Töre einen Vertrag bis 2014. Töre wechselte ablösefrei aus der U17-Elf von Bayer Leverkusen in die U18-Mannschaft des FC Chelsea und spielte im Reserveteam des Abramovich-Klubs unter anderem mit dem Österreicher Philipp Prosenik zusammen. Der 19jährige gilt als trickreicher, vorbereitender Mittelfeldspieler für den Offensivbereich und soll über kurz oder lang die „Zehnerposition“ in der Hansestadt bekleiden. Für Töre, der 34 Spiele für die Nachwuchsauswahlen der Türkei absolvierte, überwies Arnesen 1,3 Millionen Euro nach London.

ITALIENISCHER RECHTSAUSSEN ALS SCHNÄPPCHEN

Der Dritte im Bunde ist Italiener, 19 Jahre alt und heißt Jacopo Sala. Der Ex-Nachwuchskicker von Atalanta Bergamo, den Arnesen bereits im Alter von 16 Jahren an die Stamford Bridge holte, bestritt bis dato 28 Spiele für die U16-, U17- und U19-Auswahlen Italiens und gilt als einer der talentiertesten Rechtsfüße des Landes. Für Sala musste der HSV nur 100.000€ berappen.

HOHE ABLÖSE FÜR VERLIEHENE „AUSSCHUSSWARE“

Junge Zukunfthoffnungen einzukaufen und diese bald wieder zu verleihen gehört zum allgemeinen Personalkonzept Chelseas. Vitesse Arnheim, vergangene Saison beinahe Absteiger aus der holländischen Eredivisie, sicherte sich mit Torhüter Matej Delac, dem hochtalentierten Innenverteidiger Slobodan Rajkovic und dem körperlich robusten defensiven Mittelfeldspieler Nemanja Matic gleich drei Spieler des englischen Traditionsklubs. Ein Jahr zuvor verlieh Chelsea den Slowaken Miroslav Stoch an Twente Enschede, wo dieser zum Star wurde. Das Ziel der Londoner ist klar: Entweder bekommen die Spieler eine Top-Vorbereitung auf größere Aufgaben bei Chelsea, oder man verkauft die Spieler gewinnbringend weiter. Stoch wechselte vor einem Jahr um 5,5 Millionen Euro zu Fenerbahce Istanbul, Nemanja Matic wurde erst vor wenigen Wochen um 5 Millionen Euro zu Benfica Lissabon transferiert. Die vielen anderen Leihspieler des FC Chelsea bekommen noch weitere Chancen sich bei ausländischen Klubs zu profilieren – ob sie es schaffen oder nicht, die Visitenkarte, die ihnen Chelsea damit ermöglicht, ist beeindruckend genug für einen goldenen Vertrag im Anschluss an das Leihgeschäft. Sei es bei Chelsea selbst oder bei einem anderen Topklub, der die Bühnenplatzierung der Chelsea-Jungspunde stets mit Argusaugen beobachtet.

LANGFRISTIGE KONZEPTÄNDERUNG BEIM HSV?

Arnesen kennt die Arbeitsweise der Verantwortlichen des FC Chelsea, wusste wie er Mancienne, Töre und Sala nach Hamburg lodsen konnte, um lästige oder unsichere Leihgeschäfte zu vermeiden. Zudem holte der neue HSV-Sportdirektor (Arnesen sitzt auch in Hamburg im Vereinsvorstand) durch die Bank Spieler, die ihn schon seinerzeit bei Chelsea überzeugen konnten. Dieses Know-How spielte er jetzt erstmals beim Hamburger SV aus und man darf gespannt abwarten, welche Schachzüge dem Managerfuchs aus Kopenhagen in weiterer Folge einfallen, um aus dem biederen Hamburger SV wieder ein deutsches Topteam zu machen.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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