Beide sind so etwas wie die Mannschaften der Stunde in der deutschen Bundesliga und könnten dennoch unterschiedlicher nicht sein. Bleibt Leipzig Tabellenführer oder setzt... Das Topspiel in Deutschland: RB Leipzig vs. Schalke 04

_Ralph Hasenhüttl - FC IngolstadtBeide sind so etwas wie die Mannschaften der Stunde in der deutschen Bundesliga und könnten dennoch unterschiedlicher nicht sein. Bleibt Leipzig Tabellenführer oder setzt Schalke seine Aufholjagd fort?

Die Ausgangslage

Das von einem großen Getränkehersteller ins Leben gerufene Projekt Rasenballsport Leipzig löst auch weiterhin unter den Fans heftige Kontroversen aus. Zu Recht wird immer wieder betont, dass es sich bei diesem Verein um Kunstprodukt handelt, welches vordergründig zu Vermarktungszwecken eines Produkts endstanden ist. Ein echtes Vereinsleben gibt es bei Rasenballsport in dieser Form nicht: das letzte Wort werden bis auf Weiteres die Konzernfunktionäre haben.

Natürlich verfügt aber auch dieses Thema über mehrere Facetten. So gut wie keine Mannschaft kann ohne üppige Gelder diverser Sponsoren im finanziellen Haifischbecken Profifußball lange überleben. Ein Verein wie Leipzig ist also letztendlich nur ein Symptom der aktuellen Verhältnisse, an deren kapitalistischen Grundfesten auch kein Hans-Joachim Watzke rütteln möchte, der ja immer nur zu gerne mit dem Finger auf RB zeigt und damit glaubt, das fleischgewordene Böse im Profifußball zu benennen, obwohl auch sein Verein Borussia Dortmund das Milliardenspiel mit Feuereifer betreibt.

Fans, die beispielsweise den Mannschaftsbus von RB mit Farbe beschmieren oder eine abgetrennten Bullenkopf präsentieren, fühlen sich aufgrund von Leuten wie Watzke moralisch im Recht, sind aber doch letztlich auch nur Teil des Systems. Und selbstgerechte Selbstdarstellung wird sowieso eher nicht dazu führen, dass Rasenballsport Leipzig sich aus dem Staub macht. Trotzdem sollten Projekte, wie das in Leipzig, auch weiterhin kritisch hinterfragt werden.

Nach diesem kurzen Exkurs kommen wir nun aber zum Sportlichen, denn auch hier gibt es über Leipzig einiges zu berichten. Das Team von Trainer Ralph Hasenhüttl ist nämlich nicht mehr oder weniger als der beste Aufsteiger aller Zeiten. Als einzige Mannschaft gewann Leipzig die letzten sieben Bundesliga –Spiele. Erstmals überhaupt schaffte ein Verein in einer Saison nach dem Aufstieg eine so lange Siegesserie.

Leipzigs Stärken liegen vorwiegend im Spiel gegen den Ball, es  zeichnet sie ein äußerst intensives und flexibles Pressingsystem aus. Mittlerweile wird aber auch das Ballbesitzspiel immer besser, sodass man individuell schwächere Teams ohne Probleme spielerisch dominieren kann, siehe den 4:1-Erfolg in Freiburg am letzten Wochenende. Hinzu kommt eine enorme taktische, wie defensive Disziplin und hohes läuferisches Engagement. Zudem hat sich innerhalb der Mannschaft scheinbar, aufgrund der Anfeindungen, eine „Wir gegen alle“ – Mentalität entwickelt.

Gegner Schalke 04 gilt in der Öffentlichkeit als so etwas wie der krasse Gegenentwurf zu RB Leipzig. Ein echter Traditionsverein mit einer langen und bewegten Geschichte, sowie emotionalen Fans. Gerne vergessen wird bei dieser überhöhten Idealisierung die Nähe zum russischen Riesenkonzern „Gazprom“ oder die andauernde finanzielle Zuwendung durch einen der größten Fleischfabrikanten Europas (Präsident Clemens Tönnies).

Nach einer Niederlagenserie, die sich zu Beginn der Saison über fünf Spiele erstreckte, blieb es auf Schalke erstaunlich ruhig. Eben jener Tönnies, aber auch die Fans und Presse, scheinen ein großes Vertrauen in die Arbeit der beiden neuen Macher Christian Heidel und Markus Weinzierl zu haben.

Und siehe da, die Unaufgeregtheit zahlte sich dann guter Letzt wohl doch aus. Schalke feierte jüngst fünf Pflichtspielsiege in Serie, und ist nun die letzten zwölf Pflichtspiele ungeschlagen. Weinzierl hat mit der taktischen Umstellung auf eine Dreierkette in der Abwehr, die gegen den Ball ganz modern zu einem Fünferriegel wird, scheinbar genau an den richtigen taktischen Stellschrauben gedreht. Nichtsdestotrotz sind die fünf Niederlagen zum Start weiterhin eine hohe Hypothek, sodass der Weg nach oben für Schalke immer noch ein weiter ist.

Der Zahlenvergleich

Der Vergleich der beiden Mannschaften zeigt, dass weder Leipzig noch Schalke ihr Spiel auf Ballbesitz aufbauen. Mit Werten von 50 Prozent (Schalke) und 49 Prozent (Leipzig) liegen beide Vereine in dieser Statistk jeweils nur im Bundesliga-Mittelfeld.

In puncto Passquote klafft zwischen beiden Mannschaften aber eine eklatante Lücke. Schalke liegt mit 80 Prozent angekommener Pässe auf Platz fünf, während Leipzig mit 72 Prozent nur auf Platz 14 rangiert. Ein Resultat des auf den vertikalen Pass ausgerichteten Spiels der „Bullen“.

Leipzig nimmt pro Spiel mehr Abschlüsse als Schalke und kreiert sich auch mehr Chancen. Vor allem aber in Sachen Shot accuracy liegt man weit vor den Königsblauen. Mit einem Wert von 53 Prozent führen die Sachsen die Liga in dieser Statistik an. Schalke liegt hier mit 42 Prozent nur im hinteren Mittelfeld.

Schalke produzierte zudem bisher um einiges mehr an individuellen Fehlern als die Leipziger: nämlich bereits sechs, wovon gleich vier (!) zu einem Gegentor führten; nach dem HSV und Leverkusen der schlechteste Wert in der Bundesliga. RB hingegen patzte erst zweimal gravierend, woraus ein Gegentreffer resultierte.

Personal & Schlüsselspieler

Herausragend bei Leipzig ist natürlich bisher die Leistung der Offensivspieler. Allen voran der Schwede Emil Forsberg, der die Bundesliga in Sachen Vorlagen mit sieben Assists anführt und auch bereits fünf Tore selbst erzielte. Neben und durch ihn glänzen derzeit vor allem Timo Werner mit sieben Saisontoren, sowie Marcel Sabitzer mit vier Treffern. Auch Mittelfeldspieler Naby Keita spielt bisher eine überragende Saison und bildet mit dem, vollkommen zu unrecht, im Schatten der genannten stehenden Laufwunder Diego Demme, eines der effizientesten Sechserpaare der Liga. Nicht vergessen werden darf die Leistung von Kapitän und Innenverteidiger Willi Orban, der das Herzstück des Leipziger Bollwerks (erst zehn Gegentore) verkörpert.

Gegen Schalke fehlen werden die Langzeitverletzten Lukas Klostermann und Bernardo, sowie Marvin Compper und Kyriakos Papadopoulos. Die Abwehr der Leipziger kommt also aktuell etwas dezimiert daher.

Besonders stark bei Schalke ist derzeit das zentrale Mittelfeldduo Johannes Geis und Nabil Bentaleb, der auch der aktuelle Toptorjäger der „Knappen“ ist. Nach der Umstellung auf die Dreierkette und die dadurch etwas offensivere Positionierung, hatte Sead Kolasinac seinen „Breaktrough“: der bullige etatmäßige Außenverteidiger bereitete bereits vier Treffer seiner Kollegen vor. In den letzten Partien spielte sich auch der Österreicher Alessandro Schöpf immer mehr in den Mittelpunkt bei den „Königsblauen“: drei Tore gehen immerhin schon auf das Konto des Mittelfeldspielers, der mit Leon Goretzka ein tolles Gespann bildet.

Gegen Leipzig fehlen werden Breel Embolo, Franco di Santo, Klaas-Jan Huntelaar, Coke und Atsuto Uchida. Im Gegensatz zu Leipzig klagt Markus Weinzierl also über einen Personalengpass im Offensivbereich.

So könnten sie spielen:

RB Leipzig: Gulasci – Schmitz, Ilsanker, Orban, Halstenberg – Demme, Keita – Forsberg, Sabitzer – Werner, Poulsen

Schalke 04: Fährmann – Höwedes, Naldo, Nastasic – Geis – Schöpf, Kolasinac – Bentaleb, Goertzka – Meyer, Choupo-Mouting

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