Nach der ernüchternden 0:1-Heimniederlage gegen den FK Krasnodar trifft Red Bull Salzburg am zweiten Spieltag der Europa League auf den FC Schalke 04. Wir... Keine Revolution unter neuer Leitung: Das sind Spielweise und Kader des FC Schalke 04

FC Schalke 04 - Wappen mit Farben_abseits.at

Nach der ernüchternden 0:1-Heimniederlage gegen den FK Krasnodar trifft Red Bull Salzburg am zweiten Spieltag der Europa League auf den FC Schalke 04. Wir stellen die Spielweise und den Kader des vermeintlichen Gruppenfavoriten vor.

Der Saisonstart ist Schalke gründlich misslungen. Nach fünf Spieltagen stehen die Königsblauen am Tabellenende der deutschen Bundesliga. Als einziges Team ist man noch punktelos. Dabei wurden sie im Sommer von vielen sehr hoch eingeschätzt, denn man wagte einen äußerst gründlichen Schnitt.

Neue sportliche Führungsstrukturen

Es waren weniger die Investitionen in den Kader, die die Schalke-Fans Mut machte, sondern vielmehr die Verpflichtungen von Manager Christian Heidel und Trainer Markus Weinzierl. Ersterer beeindruckte bei Mainz 05 mit seinen überaus überlegten Handlungen auf allen Ebene und war maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich die Rheinhessen in der Bundesliga etablierten – nicht nur aus sportlicher Sicht. Seinem Vertrauen entsprangen nicht nur Jürgen Klopp und Thomas Tuchel sowie zahlreiche Spieler, denen Mainz ein erstklassiges Sprungbrett war, Heidel stellte den Verein auch wirtschaftlich und infrastrukturell auf sehr tragfeste Beine.

Mit Weinzierl holte Schalke einen der gefragtesten deutschen Trainer ins Boot. Der 41-Jährige war in den letzten vier Jahren beim FC Augsburg tätig und das Gesicht des Vereins. Unter ihm entwickelte man sich nicht nur zu einem soliden Bundesligisten, sondern schaffte 2015 sogar den Sprung in den Europacup. Im Jahr davor erhielt er sogar die Auszeichnung zum besten Trainer der Saison – noch vor Pep Guardiola und Klopp.

Noch keine wesentlichen Änderungen

Weinzierl überzeugte in Augsburg taktisch gleichermaßen mit innovativen Ideen und Flexibilität. In den Spielen gegen die Topfavoriten war man immer extrem gut eingestellt, wagte das eine oder andere Mal sogar sehr unkonventionelle Anpassungen. Gegen Teams auf Augenhöhe versteckte man sich nicht und zeigte trotz der überschaubaren individuellen Qualitäten des Kaders teilweise spektakulären Offensiv- bzw. Kombinationsfußball. Natürlich war man als Fan dann extrem darauf gespannt, wozu Weinzierl mit international konkurrenzfähigem Material imstande ist.

Gemessen an den Erwartungen waren die bisherigen Spiele aber nicht nur aus Ergebnissicht eine große Ernüchterung. Nichts zu sehen von einer taktischen Revolution. Das Grundgerüst erinnert noch stark an letzte Saison. Die Schalker verteidigen im wesentlich recht gut und variabel, konnte damit auch den FC Bayern am zweiten Spieltag lange in Schach halten. Allerdings haben sie nach drei Monaten unter Weinzierl weiterhin Probleme, wenn sie das Spiel machen müssen. Die magere Ausbeute von zwei Toren in der Bundesliga unterstreicht dies.

Es wirkt allerdings nicht so, dass der neue Cheftrainer diesen Mängeln nicht aktiv entgegenwirken möchte. Neben der standardmäßiger 4-2-3-1-Formation probierte er es auch mit 4-4-2- und 4-3-3-Grundordnungen. Auch personell sucht er offenbar nach den richtigen Stellschrauben, denn er wechselte bisher in allen sieben Pflichtspielen seine Startelf. Die qualitativ und quantitativ große Spielerauswahl scheint hier das Finden den optimalen kurzfristig vermutlich nicht zu fördern.

Zwei Ur-Schalker als defensive Stützen

Keine Diskussion gibt es zwischen den Pfosten, wo Ralf Fährmann gesetzt ist. Vor 13 Jahren kam der 28-Jährige nach Gelsenkirchen, verabschiedete sich 2009 aber nach Frankfurt, weil es an Manuel Neuer kein Vorbeikommen gab. Nach dessen Wechsel zum FC Bayern holte Schalke Fährmann als Nummer eins zurück und ist ein überaus sicherer Rückhalt. Zwar spielt er weit weniger antizipativ als viele Torhüter, jedoch ist er auf der Linie extrem stark und zuverlässig.

Mit Abwehrchef Benedikt Höwedes verteidigt davor ein weiterer Ur-Schalker. Auch er ist ein sehr konstanter Spieler, der sich kaum Schnitzer leistet. Zudem ist er in der Viererkette auf allen Positionen einsetzbar. Gerade DFB-Bundestrainer Jogi Löw setzt den Schalker Kapitän gerne als Außenverteidiger ein. Es gibt keine Disziplin, in der der Weltmeister individuell und taktisch nennenswert abfallen würde.

Um die zweite Position in der Innenvereidigung gibt es ein Duell. Auf der einen Seite hat Weinzierl in Naldo einen weiteren sehr routinierten zur Auswahl. Das 34-jährige Bundesliga-Urgestein kam im Sommer aus Wolfsburg und könnte vor allem mit seiner Torgefahr dafür sorgen, dass bei den Knappen der Knoten platzt. Allerdings befindet sich der Deutsch-Brasilianer merkbar am absteigenden Ast. Einzig seine Torgefahr könnte noch für ihn sprechen.

Die andere Alternative ist Matija Nastasic, von dessen Wechsel man sich im Jänner 2015 viel erwartete. Der Serbe galt als hochveranlagter und kompletter Innenverteidiger, der Schalke viele taktische Möglichkeiten ermöglichen sollte. Ein Achillessehnenriss, wegen dem er die gesamte letzte Saison verpasste und der schon die zweite schwere Verletzung war, muss der 23-Jährige aber noch hart kämpfen um diesen Lorbeeren gerecht zu werden.

Weinzierls Musterschüler links hinten

Noch mehr Fragezeichen gibt es auf der rechten Außenverteidiger-Position, wo bereits drei verschiedene Akteure spielten, nachdem sich mit Coke der dafür eigentlich verpflichtete Spieler schwer verletzte ohne am Rasen gestanden zu sein. Die bisher häufigste Variante war es, mit Naldo und Nastasic innen zu spielen und Höwedes nach außen zu stellen. Er interpretiert diese Rolle zwar nicht überaus spektakulär und sein Einsatz dort würde wohl das Aufbauspiel etwas schwächen, dennoch hätte man die rechte Außenbahn verlässlich geschlossen.

Eine andere Möglichkeit ist es einen gelernten Rechtsverteidiger aufzubieten. Trotz der Verletzung Cokes gibt nämlich noch deren zwei im Kader. Einerseits ist das der 27-jährige Brasilianer Junior Caicara, der letzte Saison dort meistens gesetzt war und vor allem mit seinen Vorstößen überzeugen kann. Allerdings stand er in den letzten fünf Pflichtspielen nicht im Kader. In den vergangenen beiden Spielen setzte Weinzierl stattdessen Sascha Riether ein. Trotz seiner 33 Jahre gilt dieser als Dauerläufer und regelmäßiger Rotationsspieler.

Auf der linken defensiven Außenbahn sind die Verhältnisse hingegen klar. Dort konnte Schalke nämlich kurz vor Transferschluss Abdul Rahman Baba leihweise von Chelsea verpflichten. Schon in Augsburg war der Ghanaer ein wichtiger Spieler für Weinzierl, da er sowohl im athletischen Bereich gut veranlagt ist und für Durchbrüche sorgen kann.

Als Ersatz für Baba steht mit Dennis Aogo ein spielerisch starker und erfahrener Akteur zur Verfügung. Der 29-Jährige tritt zudem gute Standards und spielte in der Vergangenheit zeitweise auch im Mittelfeld. Ebenso wie Sead Kolasinac, der mehr über seinen Athletik kommt. Nachdem er relativ zügig zu regelmäßigen Einsätzen kam, stagniert der 23-jährige bosnische Teamspieler mittlerweile.

Sehr talentiertes defensives Zentrum

Im zentralen Mittelfeld kann Weinzierl auf einige sehr talentierte Spieler zurückgreifen. Der wohl vielversprechendste ist Leon Goretzka, der bei der abgelaufenen Olympischen Spielen die deutsche Auswahl als Kapitän anführte. Die Figur des 21-Jährigen ist zwar schlaksig, dennoch ist er ein technisch sehr ausgereifter Spieler, dessen individuelle Schwäche paradoxerweise der Zweikampf ist. Aus diesem Grund wird Goretzka häufig als höchster Zentrumsspieler eingesetzt. Zeitweise lief er auch als spielmachender und stark einrückender Flügelspieler.

Oberflächliche Parallelen gibt es zudem mit dem zweiten 21-Jährigen im Zentrum: Nabil Bentaleb. Auch er ist großgewachsen und 21 Jahre alt, allerdings mit anderem taktischen Schwerpunkt. Der Algerier, der leihweise von Tottenham kam, ist ein strukturgebender Passspieler. Trotz seiner kurzfristigen Verpflichtung lebte er sich schnell ein und ist möglicherweise genau jener Spieler, der die nötigen Verbindungen herstellen kann. Gelingt ihm das, wird Schalke die Kaufoption höchstwahrscheinlich ziehen.

Neben Bentaleb holte man im Sommer mit Benjamin Stambouli von Paris St. Germain einen weiteren neuen Spieler fürs defensive Mittelfeld. Der 26-Jährige ist allerdings eher ein spielintelligenter, Abräumer und Balancespieler als Kombinierer. Auch er wurde von Weinzierl ins kalte Wasser geworfen und erfüllte seine Aufgaben im Großen und Ganzen zufriedenstellend.

Diese beiden kurzfristen Transfer gingen vor allem zulasten von Johannes Geis gehen, dessen Verpflichtung im letzten Jahr noch im Fokus stand. Geis ist ein sehr dominanter, weiträumiger und technisch sauberer Passspieler, der den Rhythmus variieren bzw. bestimmen kann und oft Angriffe einleitet. In kleinräumigen Kombinationen und dem Stellungsspiel hat er allerdings noch Luft nach oben. Zudem fehlt ihm manchmal die Ruhe, wenn sein Team unter Druck gesetzt wird.

Trickreiche Spieler in der Offensive

Auch im offensiven Mittelfeld hat Weinzierl seine perfekte Aufstellung noch nicht gefunden. Hier haben die Knappen ebenfalls den einen oder anderen sehr talentierten Kicker in ihren Reihen. Allen voran muss hier der 21-jährige Max Meyer genannt werden, der trotz seines Alters bereits seit drei Saisonen Stammspieler ist. Am besten zur Geltung kommt er auf der Zehnerposition, wo er mit seinen Dribblings und tororientierten Läufen für Dynamik und in weiterer Folge Gefahr sorgen kann. Zuweilen kommt Meyer aber auch als spiel- und kombinationsstarker Außenspieler zum Zug.

Ein ähnliches Positionsprofil findet man bei Alessandro Schöpf, dem einzigen Österreicher auf Schalke. Grundsätzlich glänzt der 22-Jährige im offensiven Zentrum. Er bewegt sich sehr gut zwischen den Linien, verfügt über eine sehr saubere Technik, die es ihm erlaubt, mit der ersten Ballberührung Richtung Tor zu starten. Am Flügel agiert er zwar spielerisch unauffälliger, jedoch torgefährlicher, was er gleich nach seinem Wechsel im letzten Winter eindrucksvoll zeigte. Fünf seiner sechs Scorerpunkte holte er als Flügelspieler.

Die Konkurrenz für den ÖFB-Legionär ist sehr groß, weshalb er aktuell Rotationsspieler ist. Am vorletzten Tag der Transferperiode lieh Schalke einen weiteren namhaften Mitbewerber um Schöpf-Position aus: Yevhen Konoplyanka. Der 26-jährige Ukrainer ist ebenfalls ein sehr trickreicher, kleinräumiger Akteur. Nachdem er fast zehn Jahre für Dnipro wagte er letzten Sommer den Sprung zum FC Sevilla, mit der er zwar Europa-League-Sieger wurde, sich aber nicht durchsetzen konnte.

Eric Maxim Choupo-Moting dürfte einer der wenigen gesetzten Spieler bisher unter Weinzierl sein, denn er stand in jeder Bundesligapartie und im ersten Gruppenspiel in der Startelf. Er ist körperlich anders veranlagt als die oben genannten Offensivspieler – nämlich viel größer und durchsetzungsfähiger. Dennoch hat auch der 27-Jährige eine durchaus hohe Affinität zum Dribbling und bewegt sich gerne in enge Räume. Zudem ist er mit Vorstößen aus dem Rückraum immer wieder für Tore und hochkarätige Torchancen gut.

Vielseitiges Angebot im Angriff

Den Angriff führt seit sechs Jahren Klaas-Jan Huntelaar an. In seiner Blütezeit gehörte der mittlerweile 33-jährige Niederländer zu den besten Strafraumstürmern Europas. Man darf gespannt sein, wie lange er noch gesetzt sein wird. Neben den ohnehin bekannten Mängeln im Kombinationsspiel und der kaum vorhandenen Defensivarbeit, nimmt in letzter Zeit auch die Torquote ab.

Franco di Santo hat seine Stärken ebenfalls in der Gefahrenzone, jedoch ist der Argentinier um einiges lauffreudiger und stellt sich mehr in den Dienst der Mannschaft. Auf der anderen Seite fehlt dem Argentinier die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss und es hapert am Positionsspiel. Möglicherweise stellte Weinzierl den 27-Jährigen deshalb in der ersten Bundesligarunde völlig überraschend auf den rechten Flügel.

Der Transfer, der um Schalke herum für die größte Aufmerksamkeit sorgte, war jener von Breel Embolo, welcher um 22,5 Millionen Euro vom FC Basel kam. Bei ihm sticht vor allem seine hohe Athletik heraus. Verbunden mit seiner Spritzigkeit, Dribblingstärke, Dynamik und Torgefahr macht das den 19-Jährigen zu einem der größten Talente Europas. Eingesetzt wird er entweder als Rechtsaußen oder als hängeden Spitze. Kann er seine Anlagen konstant abrufen, ist Schalke nicht das Ende der Fahnenstange. Er wäre allerdings nicht das erste hochgelobte Talent, dessen Karriere bei den Königsblauen ins Wanken gerät.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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