Dem SV Darmstadt 98 gelang mit dem Sieg gegen Bayer Leverkusen am vierten Spieltag eine ganz große Überraschung. Der Aufsteiger holte nach drei Unentschieden... Nach drei Remis der erste Sieg | Garics entführt drei Punkte aus Leverkusen

György Garics (FC Bologna)Dem SV Darmstadt 98 gelang mit dem Sieg gegen Bayer Leverkusen am vierten Spieltag eine ganz große Überraschung. Der Aufsteiger holte nach drei Unentschieden in Folge den ersten Sieg in der aktuellen Meisterschaftssaison und bleibt somit auch nach dem vierten Spieltag ungeschlagen. Das Prunkstück des Teams war auch gegen Roger Schmidts Mannschaft die gut organisierte Defensive, in der Gyuri Garics abermals mitwirken durfte.

Bayer-Neuzugänge Kampl und Chicharito erst ab 58. Minute im Spiel

Erstmals seit Februar mussten die Fans in der BayArena nach einem Meisterschaftsspiel das Stadion mit einer Niederlage verlassen. Die Zuschauer erwarteten gespannt die Einsätze der zwei prominenten Neuzugänge, doch Roger Schmidt brachte Javier “Chicharito“ Hernandez und Kevin Kampl erst in der 58. Minute mit einem Doppelwechsel ins Spiel. Die beiden brachten durchaus frischen Schwung in die Partie und taten der Heimmannschaft gut, insbesondere weil der für Kampl ausgewechselte Hakan Çalhanoğlu diesmal blass blieb und keinerlei kreativen Impulse setzen konnte. Kampl wirkte spielerisch stärker und brachte alleine durch seine Aggressivität im Mittelfeld neue Impulse. Chicharito kam in der 76. Minute zu einem gefährlichen Kopfball, den Darmstadts starker Schlussmann Mathenia jedoch gekonnt entschärfte. Auf der Gegenseite begann György Garics wieder als rechter Außenverteidiger und man sah dem Neuzugang nicht an, dass er erst vor kurzem zur Mannschaft stieß.

Garics beweist starke Antizipation

Gerade im Spiel gegen den Ball zeigte er sich speziell in der Anfangsphase enorm bissig und legte ein starkes Zweikampfverhalten an den Tag. Obwohl Bayer insgesamt öfters über seinen Flügel die Angriffe nach vorne trug, gelang es den Flügelspielern Julian Brandt und Wendell nicht, etwas Brauchbares bei ihren Vorstößen zu kreieren. Garics gewann 11 seiner 19 Zweikämpfe (57,9%), machte aber in erster Linie durch sein starkes Stellungsspiel auf sich aufmerksam. Er antizipierte stark die nächsten Aktionen seiner Gegenspieler und fing auf diese Art gleich sechs Pässe ab – mehr als jeder andere Spieler am Platz. Insbesondere in der Anfangsphase, als die Gäste überraschend offensiv ins Spiel starteten, schaltete er sich gut in die Angriffe mit ein, allerdings blieb eine Flanke dabei seine einzige Ausbeute. Was fehlte war noch die Präzision in seinen Pässen, denn von seinen 14 Zuspielen kam nur die Hälfte der Versuche an. Lobenswert ist hingegen seine Laufleistung, die mit 10,7 Kilometern ordentlich ausfiel. Auch sein Vordermann Marcel Heller, der insbesonders in der ersten Halbzeit mit seiner Schnelligkeit den Hausherren jede Menge Probleme bereitete, wird mit dem rechten Außenverteidiger zufrieden sein, da Garics ihn bei seinen Vorstößen hinten gut absicherte. Sowohl der kicker, als auch sportal.de gaben dem Österreicher die Note 3,5, wobei er sich für die Leistung sicherlich auch eine glatte 3 verdient gehabt hätte.

Große Gegensätze zum Ex-Klub Bologna

Trainer Dirk Schuster wollte mit der Verpflichtung von Garics Routine in sein Team bringen und bis jetzt zahlt ihm der Außenverteidiger das Vertrauen voll zurück und spielt genau das, was das Betreuerteam sich erhoffte. Beim FC Bologna war der langjährige Italien-Legionär zuletzt nicht glücklich und stellte dabei sogar den Vergleich auf, dass die Spiele dort wie Kondome behandelt werden würden: „Du wirst verwendet und dann weggehaut.“ Nun ist er bei einem Team angekommen, bei dem die Akteure wertgeschätzt werden, bei dem der Zusammenhalt und die Kollegialität innerhalb der Mannschaft hochgeschrieben wird, da der Klub mit Menschenkenntnis und Motivation den finanziellen Nachteil gegenüber der Konkurrenz wettmachen muss. Im Verein blühen einige Fußballer auf, die bei ihren vorigen Klubs ausgemustert wurden. Verrückte Spieler sind willkommen, Fehler werden offen angesprochen, aber auch schnell vergeben. Die Diskrepanz zwischen dem FC Bologna und dem SV Darmstadt könnte in dieser Hinsicht kaum größer sein und wir freuen uns für Gyuri, dass er im Herbst seiner Karriere einen Klub fand, der perfekt zu ihm passt. Auch Marcel Koller wird sich freuen, dass sein Florian-Klein-Backup wieder regelmäßig spielt und dabei sogar starke Leistungen abliefert. Mit Spielen wie gegen Bayer Leverkusen beweist der Deutschland-Legionär, dass man sich keine Sorgen auf der rechten Abwehrseite machen muss, sollte Florian Klein verletzt oder gesperrt sein.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger