In den letzten zwei Spielen gegen die Topmannschaften der Liga setzte es elf Gegentore für die Admira. Diese empfingen nun die Grazer; einen Gegner... Negativtrend der Admira setzt sich fort – Sturm entführt drei Punkte aus der Südstadt

In den letzten zwei Spielen gegen die Topmannschaften der Liga setzte es elf Gegentore für die Admira. Diese empfingen nun die Grazer; einen Gegner in einer ähnlichen Tabellenposition, gegen welchen sie ihren Negativtrend aufhalten wollten. Doch nach zwei Treffern um die Halbzeitpause herum bahnte sich die nächste Niederlage an, welche trotz eines Anschlusstreffers nicht mehr verhindert werden konnte.

 

Die Formation der Admira

Die Admira begann in ihrem defensivorientierten 4-4-2-System, mit welchem sie vorrangig übers Konterspiel und ihre Stärken im Umschalten kommen sollten. Auch in der Wahl der Aufstellung gab es wenig Überraschungen, sie stellten dieses Mal aber zwei klassischere Stürmer auf: nämlich Issiaka Ouédraogo und Benjamin Sulimani, die somit einem der Flügelstürmer vorgezogen wurden. Dies bedeutete auch einen höheren Konkurrenzkampf um die Positionen auf den offensiven Außenbahnen, wo sich Coach Dietmar Kühbauer für Marcel Sabitzer auf rechts und Thorsten Schick auf links entschied.

Zentral brachte er Patrick Mevoungou neben Lukas Thürauer auf der Doppelsechs. Letzterer hatte einen etwas offensiveren Part inne, Mevoungou sollte insbesondere seine Athletik ins Spiel bringen und dadurch die Defensive etwas stärken. In der Viererkette begannen Stephan Palla und Stephan Auer auf den Seiten, zentral liefen Andreas Schrott und Peter Pöllhuber auf.

Die Aufstellung Sturms

Die Grazer begannen etwas anders, als man es sich erwartet hätte. Sie stellten Richard Sukuta-Pasu auf den rechten Flügel in einem asymmetrischen 4-2-3-1-System, dafür rückte Rubin Okotie in die Mitte. Okotie sollte sich flexibel zeigen, während Sukuta-Pasu einerseits seine enorme Athletik in der Defensive und im Umschaltspiel miteinbringen sollte, andererseits hatte er auch eine Rolle als verkappter Stürmer. Auf links begann Florian Kainz, der sich nicht so diagonal, sondern invers zeigte. Immer wieder gestaltete er das Spiel mit, zog nach innen und war einer der Aktivposten in der Partie.

Dazwischen spielte Imre Szabics als hängender Stürmer, abgesichert wurden die Offensivakteure von der Doppelsechs Tobias Kainz und Michael Madl. Diese beiden rückten sporadisch mit auf und unterstützten ihre Vordermänner, ebenso wie es die recht offensiv ausgerichteten Außenverteidiger Leonhard Kaufman und Vorlagengeber Christian Klem taten. In der Innenverteidigung begannen Nikola Vujadinovic, der bereits seinen vierten Saisontreffer erzielen konnte, und Milan Dudic.

Sturms Defensivformation

Interessant zu sehen war die Transformation des 4-2-3-1 in der Defensive. Es war keine Raute, es war auch kein 4-2-3-1 oder ein 4-3-3, sondern klar ein 4-4-1-1, in welchem sich sogar Sukuta-Pasu weit nach hinten fallen ließ und sich mannorientiert am gegnerischen Außenverteidiger orientierte. Damit wollte Hyballa natürlich die gegnerischen Vorstöße über die gefährlichen Außen einschränken, was weitestgehend gelang.

Dabei konnte auch Szabics eine ideale Rolle bekleiden. Der Routinier spielte etwas hängend und „zockte“ oder unterstützte das Defensivspiel; dank seiner Erfahrung wählte er die passende Möglichkeit aus und bewegte sich generell überaus gut. Desweiteren konnte er seine Fähigkeiten im Umschaltspiel als Zwischenstation für Kurzpässe und Kombinationspartner miteinbringen, sowie in der Endfolge des Angriffs mit Okotie und Sukuta-Pasu in die Mitte ziehen und Räume überladen.

Die Rolle von Florian Kainz

Ein weiterer interessanter Aspekt aus taktischer Sicht war natürlich die Spielweise von Linksaußen Kainz. Im Gegensatz zu den drei eigentlichen Mittelstürmern war er in der offensiven Vier der einzige wirkliche Mittelfeldspieler in der Offensive, übte dennoch viel Torgefahr aus und beschäftigte die gegnerische Abwehr. Von seiner Position auf den Außen schob er immer wieder in die Mitte, von wo er aus den Raum zwischen den Linien im 4-4-2 der Admira attackieren konnte. Gepaart mit den Läufen von Szabics hatte er viel Raum und kam öfters zu guten Pässen, Hereingaben oder gar selbst zum Abschluss.

Diese Spielweise scheint ihm wie auf dem Maß geschneidert zu sein, da er durch seine Dynamik schnell Raum machen und dann aus einer neuen Position unerwartete Aktionen spielen kann. Ob Schuss, Pass oder ein Seitenwechsel: ihm steht alles möglich, was die Spielweise für den Gegner erschwert. Stehen sie zu eng, sind Räume auf der anderen Seite frei, wo der hoch aufrückende Rechtsverteidiger den Ball erhalten kann. Stehen sie zu breit, ist womöglich eine Schnittstelle für die einrückenden Stürmer frei, welche dann diese Löcher attackieren können.

Das Problem der Admira im Rückstand

Ein nachteiliges Merkmal in der Fokussierung auf die Umschaltmomente wurde in diesem Spiel abermals bei der Admira merklich. Nach dem zweiten Gegentreffer schoben sie höher und in der Schlussphase standen die Gäste sehr tief, wodurch die eigentliche Kontermannschaft der Mödlinger das Spiel gestalten musste. Dies gelang aber selten, weil sie zu wenig Torgefahr und Bewegung ausübten, desweiteren waren ihre Aktionen in die Spitze nicht kreativ genug, um konstant für Gefahr zu sorgen.

Es kamen überaus viele Flanken und weite Bälle aus dem Halbfeld, welche zu 50:50-Situationen führten. Erst gegen Ende, als sie nach dem späten Anschlusstreffer noch die Chance auf einen Punkt witterten, entstanden konstant Probleme bei den Grazern, welche aber die Führung über die Zeit bringen konnten.

Fazit

Keine absolut überzeugende Partie der Grazer, welche aber die bessere Mannschaft waren und den Negativtrend der Admiraner fortsetzten. Sie zeigten eine gute Leistung in der Anfangsphase und standen in der zweiten Halbzeit als führendes Team relativ sicher, während die Admira den letzten Schuss an besonderen Angriffen und präzisen Aktionen vermissen ließ. Viele Bälle kamen blind in die Mitte und resultierten in einem Kampf um zweite Bälle, welchen die Grazer zumeist gewannen.

Mit einer präziseren Spielweise hätten sie hier womöglich früher den Anschluss erzielen können, doch man sah, wo die Probleme liegen: eine auf Umschaltmomente getrimmte Mannschaft wird in längeren Phasen von eigenem oder auch gegnerischem Ballbesitz früher oder später Schwächen zeigen. Offensiv zeigt sich dies durch mangelnde Qualität der Angriffe, wenig Gefahr und Kreativität sowie resultierend daraus kaum Toren nach längeren Ballbesitzphasen. Defensiv erkennt man die Probleme an geöffneten Schnittstellen bei Gegnern, welche den Ball zirkulieren lassen, und natürlich individuellen Fehlern oder Unachtsamkeiten.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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