Der 1. FSV Mainz 05 holte nach einer kämpferisch starken Partie gegen Hertha BSC Berlin einen Punkt und qualifizierte sich nach dem 0:0-Unentschieden für... Nach starken Anfangsphase fehlte es an Handlungsschnelligkeit: Onisiwos Leistung gegen Hertha BSC Berlin

_Karim Onisiwo - ÖFB, FSV Mainz 05Der 1. FSV Mainz 05 holte nach einer kämpferisch starken Partie gegen Hertha BSC Berlin einen Punkt und qualifizierte sich nach dem 0:0-Unentschieden für die direkte Teilnahme an der Europa League, während die Berliner in die Qualifikation gehen müssen. Nachdem wir bereits die Leistung von Julian Baumgartlinger analysierten, wollen wir uns nun Karim Onisiwo zuwenden.

Grundsätzliche Aufgaben

Im 4-4-2 spielte Onisiwo auf der linken Außenbahn, sein Hintermann Bussmann half ihm beim “Bearbeiten“ dieser Seite. Onisiwo bekleidete diese Rolle sehr konservativ, hatte keine besonders kreativen Aufgaben zu erledigen und sollte vor allem der Exekutor auf dem Flügel sein, Tempo in die Angriffe bringen und flanken. Zwar rückte er situativ immer wieder ein, bekam jedoch selten den Ball im Halbraum, was auch gut war. Onisiwo zeigte nämlich kaum Umblickverhalten, was auf dem Flügel jedoch nicht so schlimm ist, da aus dem Out, im Gegensatz zum Halbraum, kein Gegner in den Rücken kommen kann,

In der Defensive sollte er im Mittelfeldpressing primär die Halbräume zustellen und mit seinen Läufen diese stets abzudecken versuchen. Hier nutzt er seine Athletik sehr gut, kann Pässe abwarten und länger die Mitte abdecken, bevor er dann zum Passempfänger sprintet, da er schnell genug ist um den Angespielten rechtzeitig zu attackieren. Aufgrund dessen sind seine Antizipationsfähigkeiten, im Pressing jedoch nicht derartig ausgebildet, da er ja den Großteil seiner Karriere allein von seiner Athletik im langsameren österreichischen Fußball leben konnte.

Explosiver Start

Onisiwo verlegte sich in tieferen Zonen auf simple Ablagen zurück, war im Passspiel diesbezüglich wenig kreativ, seine fokussierte Einbindung sollte jedoch sowieso in höheren Zonen stattfinden. Wenn er dort den Ball bekam dribbelte er den Gegner klug diagonal an und provozierte Aktionen. Meist zog er in die Mitte und suchte die frühe Flanke, die sich zum Tor drehte. In den ersten Minuten war er der deutliche Aktivposten der Mainzer Offensive, konnte zwei Mal aufs Tor schießen und legte per Flanke eine Torchance auf.

Der junge Wiener rückte im Ballbesitz oft ein, um sich dann jedoch anschließend wieder in den von ihm frei gelaufenen Raum zu bewegen und den Ball zu fordern. Bei Antizipation eines hohen Balles begab er sich teilweise auch auf Stürmerhöhe, um im Fall des Falles hinter die Abwehr sprinten zu können.

Onisiwo wusste sich meist gegen seinen Gegenspieler Peter Pekarik durchsetzen, da er eine gute Ballbehauptung mithilfe seiner engen Ballführung und seines athletischen Körpers besitzt. Den Geschwindigkeitsvorteil, den er gegenüber den Slowaken hatte, konnte er jedoch allenfalls nur andeuten, da die Hertha sich bei drohenden Kontersituationen sehr schnell zurückzog und es nicht wirklich Raum hinter Pekarik gab, wo der ehemalige Mattersburger hätte hinein starten können.

Probleme mit der Handlungsschnelligkeit

Onisiwo sah früh in der zweiten Halbzeit die gelbe Karte, er kam beim Versuch einen Pass von Pekarik zu blocken klar zu spät, was seine Probleme in der Antizipation unterstrich, da er zum Zeitpunkt der Mitnahme des Slowaken deutlich zu weit weg stand. Mit vorausahnender, jedoch balancierter Bewegung Richtung Pekarik, ohne die Mitte zu entblößen hätte er diese Situation besser lösen können. Das Spiel wurde immer mehr in kämpferischer Hinsicht geprägt und Hertha zeigte das deutlich bessere Ballbesitzspiel. Deshalb konnte Onisiwo, der auf der Seite ohnehin nicht sehr viele Ballkontakte bekam, noch nicht wirklich in der Offensive glänzen. Im Pressing gab es weiterhin Szenen, in denen er um den kleinen Deut zu spät kam, trotz seines herausragenden Antritts. Seine Freilaufbewegungen waren nun noch eindimensionaler und leichter auszurechnen, wobei dies auch daran lag, dass die Mainzer Defensivspieler die Bälle nur selten effektiv aus den Gefahrenzonen brachten und den Ball meistens wegschlugen. Baumgartlinger war hier jedoch die Ausnahme, was wir schon in der Analyse zuvor beschrieben. Auch Onisiwos Dribblings waren nun kaum von Erfolg gekrönt, der Wiener wirkte etwas müde und es war auffällig, dass er oft zu spät schaltete, sei es am oder ohne Ball. Am Auffälligsten wurde er lediglich durch einen Fouleinwurf in der 90. Minute, als er diesen falsch ausführte und somit der Hertha den Ball schenkte, der folgende Angriff brachte jedoch zum Aufatmen der Mainzer nichts ein, das Spiel endete 0:0.

Fazit

Unauffällige Leistung des Flügelsprinters, dem nach einer guten Anfangsphase zunehmend die fehlende Handlungsschnelligkeit zu schaffen machte. Ihm war diesmal das Tempo taktisch noch zu hoch, er konnte einfach nicht auf gewisse Aktionen schnell genug reagieren, wenngleich er die physischen Voraussetzungen dazu hat. Onisiwo wird sich taktisch und auch spielerisch weiterentwickeln müssen und sein Fähigkeitenprofil etwas breiter auffächern, um in der Bundesliga bei Mainz langfristig Fuß zu fassen und Stammspieler zu werden. Seine Physis stellte er jedoch beeindruckend unter Beweis, weshalb er auch bei den Mainzern die meisten gewonnenen Zweikämpfe (14) verbuchen konnte. Zudem machte er die mit Abstand meisten Sprints am Feld (30), sowie die meisten intensive Läufe (85) seiner Mannschaft.

David Goigitzer, abseits.at

David Goigitzer