Die Art und Weise hatte sich Karim Onisiwo womöglich anders vorgestellt, mit dem Ergebnis kann der Wiener allerdings zufrieden sein. Der 23-jährige Flügelspieler wechselt... Nach kuriosem Vertragschaos: Karim Onisiwo unterschreibt bis 2019 beim FSV Mainz 05

Karim Onisiwo - SV Mattersburg_abseits.atDie Art und Weise hatte sich Karim Onisiwo womöglich anders vorgestellt, mit dem Ergebnis kann der Wiener allerdings zufrieden sein. Der 23-jährige Flügelspieler wechselt vom SV Mattersburg zum FSV Mainz 05 und unterschrieb einen Vertrag bis Sommer 2019.

Der Aufstieg des athletischen Linksaußen geschah rasant und dennoch schleichend. Abseits der großen Fußballbühne pirschte sich Onisiwo über die Regionalliga Ost in den Westen zu Austria Salzburg. Weiterhin in der dritthöchsten Spielklasse wurden die Leistungen des körperlich oft überlegenen Onisiwo besser, 2013/14 war er bereits unverzichtbar für die violetten Salzburger.

Rasanter Aufstieg in Mattersburg

Es folgte der logische Wechsel in die sky go Erste Liga und ein nahezu perfektes Jahr in Mattersburg. Unter Ivica Vastic durfte sich Onisiwo frei von taktischen Zwängen entfalten, erzielte 18 Saisontore, bereitete zehn weitere vor und stieg mit den Burgenländern in die Bundesliga auf. Auf die Frage, ob sich der 188cm große Onisiwo auch in der Bundesliga durchsetzen könnte, gab er eine schnelle und klare Antwort. Mit Vollgas startete er in seine erste Saison in Österreichs höchster Spielklasse, glänzte in erster Linie als Einfädler.

Einfädlerkönig und die Belohnung durch Marcel Koller

Es sind die nicht sofort sichtbaren Werte, die Onisiwo zu einem Garanten für ein starkes erstes Saisonviertel der Mattersburger machten. Zwei Treffer in der Liga und einer im Cup muten nicht gerade spektakulär an, aber sieben Assists und sieben weitere Tore, bei denen der Neo-Mainzer seine Füße in der Entstehung im Spiel hatte, sprechen eine klare Sprache. Belohnt wurde er im November 2015 auch von Teamchef Marcel Koller, der ihn im Freundschaftsspiel gegen die Schweiz eine halbe Stunde vor Schluss einwechselte – Länderspieldebüt.

Ungeschliffen…

Dies ist eine Ehre, die der Ex-Mattersburger vor einem halben Jahr noch nicht verdient hatte. Onisiwos Spiel wirkte schmutzig, zu sehr von Athletik getragen, oft zu hastig. Aufgrund seines außergewöhnlichen Antritts und seiner allgemein athletischen Figur reichte dies gegen einige Gegner. In Österreichs zweiter Spielklasse sowieso, aber auch in der Bundesliga ließ er so manchen Gegner schlichtweg dank eines hohen Maßes an Dynamik stehen.

…aber schon bald verbessert

Im Laufe der Saison steigerte sich der 23-Jährige und wurde auch am Ball besser. Nach und nach wurde er im Abdecken des Balles, wie auch in der Weiterverarbeitung stärker. Zwar weiterhin auf relativ simplem Level, aber dennoch effizient. Diese punktuellen Verbesserungen in Onisiwos Spiel läuteten die beste Phase seiner ersten Bundesliga-Saison ein. Seine überragende Leistung beim 4:2-Auswärtssieg bei Rapid war der Startschuss für eine tolle Serie, die jedoch auch Gefahren in sich barg.

Wohin soll’s gehen?

Schnell wurde es laut um Onisiwo. Bevor er seine erste Bundesligasaison fertigspielte, wurde schon darüber gemutmaßt, wo die fußballerische Zukunft des begehrten Linksaußen liegen würde. Auch die offensive Flexibilität des „geilen Spielers“ (O-Ton Rapid-Sportvorstand Andreas Müller) wurde in alle Einzelteile zerlegt. Dass Onisiwo auch als Rechtsaußen bzw. im Sturmzentrum spielen kann, machte ihn interessant für die fluide Rapid-Mannschaft, die formativ variablen Salzburger und auch die Austria, die schon jetzt Ausschau nach einem frühen Ersatz für Alexander Gorgon, einen Rechtsaußen, suchen sollte. Abgesehen davon, dass mit Philipp Zulechner zuletzt ein Linksaußen abhandenkam.

Alle Topklubs hatten Interesse

Gespräche gab es da wie dort. Andreas Müller hatte etwa einen guten Eindruck vom Spieler, einen weniger guten von den Gehaltsvorstellungen von Spieler und Management. Die Austria hielt sich im Poker vornehm zurück und harrte der Dinge, die da kommen mögen. Salzburg bekundete offiziell Interesse und zog dieses kurz vor dem vollzogenen Mainz-Transfer auch wieder zurück, weil die Unregelmäßigkeiten mit Onisiwos Vertrag in Mattersburg nicht ins saubere Image passen, das in Wals-Siezenheim bzw. Fuschl am See gelebt wird. Sicher ist, dass Onisiwos Leistungen mit dem vielen Gerede um seine Person klar abfielen. In der zweiten Saisonhälfte zeigte der Shooting Star nur noch selten, was in ihm steckt. An den letzten beiden Spielen der Herbstsaison nahm er nicht mal mehr teil.

Ablösefrei statt sechsstelliger Summe für den SVM

Tatsächlich wirkt die Causa rund um Onisiwos Mattersburg-Vertrag ziemlich unprofessionell. Eine mündliche Vereinbarung über eine Ausstiegsklausel wurde nicht im Vertrag festgehalten. Allerdings auch nicht die obligatorische Gehaltserhöhung im Falle dessen, dass Mattersburg seine vereinsseitige Option bis 2017 ziehen würde. Das Arbeits- und Sozialgericht in Wien erklärte den Mattersburg-Vertrag Onisiwos für ungültig und der Neo-Teamspieler durfte ablösefrei wechseln.

Mit einem Auge bei der EM

Somit war auch schon fast klar, dass es den Offensivspieler ins Ausland ziehen würde. Die Position des linken Flügels ist im Nationalteam zwar klar an Stoke-Legionär Marko Arnautovic vergeben, aber Onisiwo könnte durch den Mainz-Transfer Nebenbuhler wie Florian Kainz überholen, der bei einem Verbleib in der Bundesliga in der ÖFB-Kaderhierarchie wohl vor Onisiwo geblieben wäre. Man schielt eben schon mit 1 ½ Augen auf einen Kaderplatz bei der EURO 2016.

Jairo oder Onisiwo?

Und in Mainz? Auf Anhieb einen Stammplatz zu ergattern wird kein Leichtes sein. Der Spanier Jairo lieferte zu Saisonbeginn und kurz vor der Winterpause tolle Leistungen als Linksaußen und glänzte vor allem mit der Effektivität, die Onisiwo erst dauerhaft beweisen muss: Drei Tore und sechs Assists sind die bisherige Bundesliga-Ausbeute des 22-Jährigen. Allerdings bietet Onisiwo in einer Hinsicht einen Gegenentwurf zum einstigen Sevilla-Kicker: Dieser gewann nämlich nur 35% seiner Zweikämpfe und liegt damit klar unter dem Mittelfelddurchschnitt der Mainzer. Onisiwo hielt in der bisherigen Bundesligasaison nach 391 Zweikämpfen bei einer Erfolgsquote von 49,1%, wobei er auch viele entscheidende Duelle gewann. Wenn Mainz von der feinen Klinge auf die Dampflok-Variante mit Durchschlagskraft umstellen will, ist Onisiwo sicher eine gute Option.

Schwächen des Positionskonkurrenten ausnutzen

Jairo wird der Hauptkonkurrent für den ÖFB-Legionär auf der linken Seite sein. Der kleine Argentinier Pablo de Blasis wechselte während der Saison von links nach rechts und rittert dort derzeit mit Christian Clemens um seinen Startplatz. Onisiwo sollte somit jedenfalls Nummer Zwei hinter Jairo als Linksaußen sein und darf auf Leistungen des Spaniers hoffen, wie dieser sie in der Mitte der Herbstsaison zeigte. In diesem Fall wird der 23-jährige Österreicher mit nigerianischen Wurzeln seine Chance bei den 05ern bekommen.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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