Mit dem Meistertitel in der Sky Go Erste Liga schaffe der SV Mattersburg nach zwei Jahren Abstinenz den Wiederaufstieg in die Bundesliga. Die Burgenländer... Kontinuität im Burgenland: Kann sich die SVM-Offensive auch in der Bundesliga behaupten?

_Karim Onisiwo - SV MattersburgMit dem Meistertitel in der Sky Go Erste Liga schaffe der SV Mattersburg nach zwei Jahren Abstinenz den Wiederaufstieg in die Bundesliga. Die Burgenländer überzeugten in der letzten Saison vor allem mit ihrer Offensivkraft, erzielten 69 Tore in 36 Spielen. Zudem hatten sie ein überragendes Mittelfeldtrio. Können sie diesen Schwung in die höchste Spielklasse mitnehmen? abseits.at nimmt die Schlüsselspieler des SVM unter die Lupe.

Während sich andernorts das Transferkarussell wild dreht, verlief der Sommer beim SV Mattersburg bisher recht ruhig. Die gewohnt hohen Forderungen von Präsident Martin Pucher sorgten dafür, dass die Mannschaft zusammengehalten werden konnte und Ivica Vastic das Team weiter formen kann.

Metronom, Einfädler und Vorbereiter

Ein extrem wichtiger Baustein zum Erfolg in der letzten Saison war das Mittelfeldtrio im 4-3-3 der Burgenländer. Es sorgte für eine enorm sichere Ballzirkulation, was zur Folge hatte, dass der SVM einerseits die eigenen Angriffe strukturiert einleiten konnte und andererseits defensiv wenig gefordert wurde. Gerade Ballverluste im zweiten Drittel bzw. in der Aufbauphase sind im Allgemeinen sehr heikel. Kein Team in der Sky Go Erste Liga kassierte weniger Gegentore als Mattersburg.

Die personelle Besetzung des zentralen Mittelfelds war weitestgehend gleich. Als zentraler Sechser agierte Jano. Der spanische Neuzugang war das Metronom und wohl der Königstransfer der letzten Saison in der Sky Go Erste Liga. Herausragend war einerseits sein Passspiel. Wie man anhand der obigen Grafik sehen kann, hatte er ligaintern die beste Passquote aller Mittelfeldspieler und spielte extrem viele Pässe. Dabei variierte er zwischen verlagernden, beruhigenden, strukturierenden Pässen in die Breite und beschleunigenden vertikalen Zuspielen. Andererseits war er auch der überragende Balleroberer mit 3,46 Tackles und 7,23 abgefangenen Bällen pro 90 Minuten.

Neben Jano agierten Sven Sprangler und Michael Perlak. Letzterer kam ebenfalls neu vor der Saison. Der 29-Jährige hatte, wie man anhand seines Radars sehen kann, eine außergewöhnliche Produktivität. Sowohl bei den Torschussvorbereitungen und Assists als auch den Torschussbeteiligungen und Scorerpunkten ist er im Spitzenfeld. Perlak war so in den meisten Spielen enorm auffällig, profitierte jedoch auch von Jano und Sprangler. Der 20-Jährige war dabei das Bindeglied.

Spranglers Spiel war, auch aufgrund dessen, dass er deutlich weniger Ballkontakte als seine Nebenleute hatte, eher unauffällig. Wie Perlak agierte er kleinräumig im Passspiel, bewegte sich aber in der Vertikalen sehr viel. Gerade aufgrund dieser Balanceaufgaben wird dem Youngster eine nicht unwesentliche Rolle in der kommenden Saison zukommen. Kann er diese Aufgaben schultern und damit seine Anlagen bestätigen, so könnte er sich in die Reihe jener Talente einreihen, die den SVM zu renommierten Vereinen verlassen haben.

Zwei Fixpunkte im Angriff

Viel Lob bekamen die Mattersburger für ihre Offensivstärke. Mit Markus Pink (21 Saisontore) und Karim Onisiwo (18 Saisontore) stellten die Burgenländer die besten beiden Torschützen der abgelaufenen Saison. Insbesondere Pink sorgte dabei für großes Aufsehen, erzielte er seine Treffer doch hauptsächlich im Frühjahr. Damit etablierte er sich als Fixpunkt, nachdem Vastic im Herbst die Sturmreihe immer wieder umstellte. Sieht man sich die Statistikdaten von Pink an, so findet man ihn in den klassischen Stürmerdisziplinen fast überall ganz vorne.

1,11 Tore bei 3,09 Schüssen pro 90 Minuten führen zu einer eindrucksvollen Chancenauswertung von 36,2%. Andererseits kann der 24-Jährige auch eine gute Ausbeute bei den Assists vorweisen. In den anderen Kategorien fällt er jedoch deutlich ab – ein Hinweis auf seine Spielweise. Pink wird selten in Kombinationen eingebunden, sondern setzt sich hauptsächlich in der Gefahrenzone in Szene. Somit ist er stark von seinen Mitspielern abhängig. Pink war ein wichtiger Baustein zum Aufstieg, könnte jedoch aufgrund seiner Spielweise auch jener SVM-Akteur sein, der in der Bundesliga am meisten abfällt.

Onisiwo überzeugte während der ganzen Saison und wurde zum besten Spieler der Liga ausgezeichnet. Im Herbst wurde er vereinzelt auch als Stürmer eingesetzt, hauptsächlich agierte er aber am linken Flügel. Der 23-Jährige ist ein athletisch sehr starker Akteur, hatte die drittbeste Zweikampfquote aller Stürmer mit mehr als 500 Einsatzminuten. Auch hinsichtlich der Balleroberungen ist er gut dabei. Onisiwo ist zudem auch individuell sehr stark. Seine Technik und Ballbehandlung ist zwar ausbaufähig, aufgrund seiner Athletik entwickelt er aber viel Durchschlagskraft. Kann er seine Leistungen bestätigen, dürfte er Mattersburg spätestens am Ende der Saison verlassen. Dann endet nämlich sein Vertrag.

Vielseitiger Kapitän

Die dritte Position im Angriff wurde von Vastic variabel besetzt. Eine interessante Variante war dabei Patrick Farkas. Trotz seiner erst 22 Jahre ist der gebürtige Burgenländer bereits ein sehr erfahrener Spieler, hat bereits 115 Bundesligaspiele in den Beinen. Schon vor dem Abstieg gab es immer wieder Gerüchte um einen Abschied, er verlängerte seinen Vertrag jedoch bis 2017, aus dem er noch nicht herausgekauft wurde.

Früher wurde Farkas hauptsächlich als rechter Verteidiger bzw. als defensive Variante im rechten Mittelfeld eingesetzt. Gerade während den beiden Jahren in der zweithöchsten Spielklasse entwickelte er jedoch eine positionelle Flexibilität. Vereinzelt sah man ihn auf links oder sogar im defensiven Mittelfeld. Farkas bringt individuell – vor allem was die Athletik angeht – alles mit um alle Außenpositionen zu besetzen.

Seine Technik und seine Kombinationsfähigkeit sind für einen Außenverteidiger sehr gut, verglichen mit Flügelspielern ist er in der Defensive stark. Darüber hinaus glänzt er generell mit seiner dynamischen und zielgerichteten Spielweise. In den letzten beiden Saisonen kam er so auf vier Tore und 16 Assists in der Liga. Dass Farkas diese Leistungen nicht bestätigen kann, scheint unwahrscheinlich. Bei ihm wird sich vielmehr die Frage stellen, ob er in seiner Entwicklung den nächsten Schritt setzen kann und ob er den SV Mattersburg nach der Saison endlich verlassen wird.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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