Heute steht das nächste Duell der Giganten an: Bayern und Dortmund treffen im DFB-Pokal-Finale in Berlin aufeinander. Schafft es der BVB die Bayern zum... Und täglich grüßt das Murmeltier: DFB-Pokalfinale zwischen Bayern und Dortmund – eine Vorschau

Heute steht das nächste Duell der Giganten an: Bayern und Dortmund treffen im DFB-Pokal-Finale in Berlin aufeinander. Schafft es der BVB die Bayern zum fünften Mal hintereinander zu schlagen oder behalten die Bayern die Oberhand und sichern sich so den ersten von noch zwei möglichen Titeln?

Historische Anekdoten zum Duell: Es hat den Anschein, dass mit der Entwicklung von Borussia Dortmund unter Jürgen Klopp dem FC Bayern ein Konkurrent auf Augenhöhe erwachsen ist. Dies erinnert an die Situation Mitte der 90er-Jahre als der BVB  unter Präsident Gerd Niebaum und Manager Michael Meier versuchte, sich den Erfolg mit teuren Spielern, wie Andreas Möller, Karlheinz Riedle, Paolo Sousa oder Julio Cesar zu erkaufen. Unter Trainer Ottmar Hitzfeld konnte man sich 1995 die Meisterschaft sichern, wobei der FC Bayern nur Sechster wurde. Im darauffolgenden Jahr versuchten die Bayern mit dem sogenannten „Dream Team“ (u.a. Jürgen Klinsmann und Andreas Herzog) den Dortmundern den Titel wieder abzujagen was jedoch nicht gelang. Der BVB feierte die zweite Meisterschaft in Folge und konnte, ironischerweise, ausgerechnet in München 1997 den Champions-League-Titel erringen. Es folgte ein schwaches Jahr und der Wechsel von Ottmar Hitzfeld auf den Sportdirektorposten. Dies war dem Erfolgstrainer irgendwann nicht mehr genug und so wechselte er 1998 ausgerechnet zum FC Bayern, dem er die erfolgreichste Ära seit den 70ern bescherte. Der BVB wäre in dieser Zeit 2001 sogar fast abgestiegen. Der ehemalige Bayern-Trainer Udo Lattek rettete die Westfalen in Verbund mit Mathias Sammer. Wieder einmal öffnete Manager Meier die Schatulle und so verpflichtete man Tomas Rosicky, den er den Bayern vor der Nase wegschnappte, was später auch beispielsweise bei Sebastian Kehl und aktuell bei Marco Reus funktionierte, und konnte sich 2002 die Meisterschaft sichern. Nach dem finanziellen Kraftakt folgte der wirtschaftliche Absturz. 2005 schrammte der BVB nur knapp am Konkurs vorbei. Bei dem Versuch sich als Bayern-Konkurrent Nummer eins zu etablieren übernahmen die Dortmunder sich und konnten nur dank der Hilfe von Reiner Rauball und Hans-Joachim Watzke gerettet werden. Während die Bayern in den folgenden Jahren viermal Meister wurden und das Champions-League-Finale 2010 erreichten, dümpelte der BVB im Mittelfeld vor sich hin. Den größten Erfolg in dieser Zeit markierte das DFB-Pokalfinale 2008 gegen, na klar, den FC Bayern. Unter Trainer Thomas Doll verlor der BVB unglücklich nach Verlängerung mit 1:2. Dieses Jahr sollte aber zum Wendepunkt werden. Doll wurde entlassen und Watzke und Rauball verpflichteten den Mainzer Jürgen Klopp, der davor in Verhandlungen mit dem FC Bayern stand. Uli Hoeneß bezeichnet es immer noch als größten Fehler der jüngeren Vergangenheit Jürgen Klinsmann statt Klopp geholt zu haben. Seitdem wird Klopp immer wieder mit den Bayern in Verbindung gebracht, was dem gebürtigen Stuttgarter aber meist nur ein müdes Lächeln abringt. 2010 zog Dortmund das erste Mal unter Klopp ins internationale Geschäft ein. Ab diesem Zeitpunkt musste man den BVB wieder auf der Rechnung haben, was sich mit den Meistertiteln 2011 und 2012 bestätigte. Im Vergleich zu den 90ern versuchen Klopp, Manager Michael Zorc und Vorstandschef Watzke nicht auf Teufel komm raus mit den Bayern mitzuhalten – man tut es einfach. Die Diskussion der letzten Monate, ob der BVB Bayern nicht etwa auf Augenhöhe begegnet, sondern gar national schon den Rang abgelaufen hat, ist wohl etwas verfrüht und übertrieben. Klar ist jedoch, dass man das Duell Bayern gegen Dortmund um Titel in den nächsten Jahren häufiger erleben wird. Dank klugem Personal-und Wirtschaftsmanagement ist der BVB nämlich hier um zu bleiben und bereit dem FC Bayern auf Jahre hinaus ein gebührender Gegner zu sein.

Die Ausgangslage vor dem Finale: Die könnte besser eigentlich nicht sein. Beide Mannschaften strotzen aufgrund der letzten Erfolgserlebnisse nur so vor Selbstvertrauen. Für das Team von Jürgen Klopp wäre das Double (übrigens das erste in der Dortmunder Vereinsgeschichte) die Krönung einer jetzt schon historischen Saison. Mit dem Gewinn des Pokals würde sich dieses Dortmunder Team endgültig ein Denkmal in der langen Vereinshistorie setzen. Wie man die Bayern schlägt haben die Dortmunder in den letzten zwei Jahren schon oft genug bewiesen. Auch am Samstag wird das junge BVB-Team die Bayern mit ihrem Pressing und ihrer atemberaubend Laufbereitschaft, sowie dieser unbändigen Gier auf Erfolg, wieder viele Nerven kosten. Klopps Mannen wissen haargenau was zutun ist, um die großen Individualisten der Bayern in Schach zu halten. Zudem ist dieses Finale das letzte Dortmunder Hurra in dieser Saison. Alle Kräfte können auf dieses Ereignis konzentriert werden. Ein klarer Vorteil. Nebenbei bemerkt liegt der Druck beim FC Bayern. Die Münchner haben diese Saison noch nichts Zählbares erreicht und müssen diesen Titel, allein schon aus eigenem Anspruchsdenken heraus, holen. Zweite Plätze zählen an der Säbener Straße nichts, der Pokal muss her! Trotzallem gehen die Bayern als leichter Favorit in das Finale. Zu groß scheint das Selbstvertrauen aufgrund des Erreichens des „Finale dahoam“. Außerdem wird man, bei allen Gedanken an selbiges, alles daran setzen nicht schon wieder von den Dortmundern besiegt zu werden und nebenbei zu zeigen, wer wirklich die beste deutsche Mannschaft ist, das eigene Weltbild also versuchen wieder zurechtzurücken.

Das Personal: Beide Mannschaften können personell aus dem Vollen schöpfen. Trotzdem wird Klopp, Stand jetzt, Mario Götze nicht von Anfang an bringen. Zu groß ist wohl noch dessen Rückstand. Bange sein muss einem als Dortmunder deswegen natürlich nicht. Mit Jakub Błaszczykowski, Shinji Kagawa und Kevin Großkreutz verfügt man über eine exzellente Offensivreihe, die ja auch noch von dem 22-Tore-Mann Robert Lewandowski unterstützt wird. Auch in der Abwehr kann der BVB in Topbesetzung auflaufen. Mit genau jener Abwehr also, die der bajuwarischen Offensivmaschine schon mehrmals den Zahn gezogen hat. Lukasz Piszczek wird wieder im Verbund mit Sebastian Kehl versuchen die Kreise von Franck Ribery so eng wie möglich zu machen, was in dieser Saison schon mehrfach gelang. Interessant wird auch das Aufeinandertreffen von Arjen Robben und Neven Subotic. Beide verbindet nach Subotic`s Entgleisung im letzten Bundesligaspiel der beiden Mannschaften ein besonders inniges Verhältnis. Gerade Robben hat aber aufgrund seines miserablen Auftrittes in eben jenem letzten Aufeinandertreffen, bei dem er beim Gegentor das Abseits aufhob, einen Elfmeter verschoss und eine hundertprozentige Torchance vergab, einiges Gut zu machen und wird dementsprechend topmotiviert in die Partie gehen.  Auf Seiten des FC Bayern wird zudem entscheidend sein, ob Mario Gomez sich auch defensiv einbringen und die Kreise von Mats Hummels stören kann. Was sich etwas merkwürdig anhört, kann aber zu einem enorm wichtigen Faktor werden, ist Hummels doch derjenige, der die meisten BVB-Angriffe einleitet. Auf der anderen Seite hat Lewandowski schon bewiesen, wie man Badstuber und Boateng effektiv im Spielaufbau stört. Ein ebenfalls wichtiger Faktor wird sein, ob Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos dem Spiel ihren Stempel aufdrücken können. In den vorangegangen Spielen konnte nämlich keiner der beiden im Dortmunder Pressingwahn das Heft in die Hand nehmen und für Ordnung im Offensivspiel der Bayern sorgen. Gelingt dies, hat der FC Bayern beste Chancen, zum sechzehnten Mal den Pokal nach München zu holen. Schaffen es die Dortmunder jedoch abermals den Bayern ihr Spiel aufzudrücken, heißt der DFB-Pokalsieger 2012 Borussia Dortmund.

Die Trainer: Auf den ersten Blick könnten Jürgen Klopp und Jupp Heynckes verschiedener nicht sein. Hier Jürgen Klopp, der emotionale Vulkan, der an der Seitenlinie immer vor kurz vor der emotionalen Eruption steht. Auf den der anderen Seite der „elder statesman“ der Bundesliga, der im Laufe der Jahre schon alles gesehen hat und den nichts aus der Ruhe zu bringen scheint. So unterschiedlich die beiden Erfolgstrainer nach außen wirken mögen, gibt es doch auch Parallelen. Hier ist zu aller erst der Umgang mit den Spielern zu nennen. Beide verstehen es, sich ein Team zueigen zu machen, sodass dieses ihnen bedingungslos folgt. Zugleich stellen sie sich bei Misserfolg vor ihre Mannschaften, können dennoch intern die Zügel anziehen. Klopp ist vielleicht noch mehr Taktiker als Heynckes, der Entscheidungen oft aufgrund seines großen Erfahrungsfundus zu treffen scheint.

Pokalbilanz: Bisher schaffte es Borussia Dortmund in vier Begegnungen nur einmal den FC Bayern im Pokal zu besiegen. Das war 1992 der Fall. In der zweiten Pokalrunde setzten sich die Westfalen nach Elfmeterschießen durch, wobei der heutige Manager Michael Zorc den entscheidenden Elfer verwandelte. 1966 und 1981 konnte sich der FC Bayern souverän durchsetzen. Im letzten Aufeinandertreffen im Pokal setzten sich die Bayern im Finale 2008 2:1 nach Verlängerung durch. Luca Toni markierte den entscheidenden Treffer, während sich Franck Ribery mit dem Pokal aus dem Staub machte.

Ral, abseits.at

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