Nach den gefährlichsten Stürmern der Welt gefragt, antworteten Experten in den letzten Jahren immer wieder mit denselben Namen. Stets in der Liste der üblichen... Fernando Torres – Ein Superstar auf Abwegen

Nach den gefährlichsten Stürmern der Welt gefragt, antworteten Experten in den letzten Jahren immer wieder mit denselben Namen. Stets in der Liste der üblichen Verdächtigen: Fernando Torres. In letzter Zeit wurde es allerdings verdächtig ruhig um den 27-jährigen Torjäger.

Ein Riesentalent betritt die große Bühne

Wir schreiben das Jahr 2001, Frankreichs Jubel über den EM-Titel 2000 ist noch immer leise zu hören, in Spanien herrscht hingegen Katzenjammer. Nach einer souveränen Qualifikation, unter anderem mit einem 9:0-Heimsieg über Österreich, gewinnt man die Vorrundengruppe mit Norwegen, Slowenien und Jugoslawien. Im Viertelfinale bekommt man gegen die Franzosen in der 90. Minute die Chance zum 2:2 – doch Superstar Raul scheitert vom Elfmeterpunkt. Die „Furia Roja“ muss die Heimreise antreten, Frankreich kommt weiter und schießt sich sogar zum Titel. Die Spanier waren mit großen Hoffnungen ins Turnier gestartet – immerhin stehen mit Canizares, Hierro, Guardiola, Mendieta oder Raul internationale Top-Stars im Aufgebot. Doch die Iberer erleiden dasselbe Schicksal wie schon bei den vorangegangenen Großereignissen. Als einer der Favoriten und gespickt mit Weltklassekickern versagt man. Der Wunsch nach einer neuen, erfolgreicheren Generation wird immer lauter. Und siehe da – es gibt einen Silberstreif am Horizont. Fernando Torres darf 2001 erstmals bei der Kampfmannschaft von Atletico Madrid trainieren, 2002 folgen die ersten Einsätze in der Primera Division. Nachdem Urzaiz, Munitis & Co. bereits in die Jahre gekommen sind, schenkt man auch beim Nationalteam der Jugend das Vertrauen. Am 10. September 2003 gibt Fernando Torres im EM-Qualifikationsspiel gegen die Ukraine im Alter von 19 Jahren sein Team-Debüt. Zu diesem Zeitpunkt trägt er bei Atletico bereits die Kapitänsschleife.

Eine 23-jährige Legende

Es folgen vier Jahre, in denen „El Niño“ sich mit Toren am Fließband in die Herzen der Atletico-Fans schießt. In 214 Spielen trifft Torres respektable 89 Mal. Der Stürmer, der im zarten Alter von sechs Jahren seine Karriere bei Atletico begann, weckt damit aber auch Begehrlichkeiten in ganz Europa. Jahrelang schmettern die Madrilenen Angebote von Real Madrid, Barcelona, Manchester United oder dem FC Liverpool ab. Doch im Sommer 2007 ist es dann soweit. Torres, der bereits jetzt wie eine lebende Atletico-Legende gefeiert wird, wechselt mit 23 Jahren auf die Insel zum FC Liverpool. Die „Reds“ gewannen das Wettbieten gegen den FC Chelsea und überwiesen in etwa 38 Millionen Euro für den spanischen Nationalstürmer. Bei Atletico war man zwar traurig über Torres´ Abschied, die Fans wurden jedoch durch die Verpflichtung von Diego Forlan wieder versöhnt.

Ein Goldgriff für Liverpool

Torres hingegen schlägt in Liverpool ein wie eine Bombe. Ausgerechnet gegen Chelsea erzielt Torres eines seiner ersten Treffer für Liverpool. Experten, die meinen, Torres müsse sich erst an die Premier League gewöhnen, irren sich gewaltig. Torres trifft in seiner ersten Saison auf der Insel in 33 Spielen unglaubliche 24 Mal, dazu kommen sechs Tore in zehn Champions-League-Spielen. In der Königsklasse müssen sich Torres und Liverpool im Semifinale aber knapp dem FC Chelsea geschlagen geben. Es sollte nicht die letzte Begegnung mit dem Abramowitsch-Klub für Torres bleiben. Im Sommer 2008 erweitert der Mittelstürmer seine Erfolgsgeschichte um ein weiteres Kapitel. Wieder einmal geht Spanien als einer der Favoriten auf den Titel ins Turnier. Doch diesmal ruft das geniale Team sein ganzes Potential ab und krönt sich in Wien zum neuen Europameister. Der Siegestorschütze im Finale im Happel-Stadion heißt – richtig – Torres.

Luftige Höhen, tiefer Fall

Doch ab diesem Zeitpunkt schleichen sich in die Bilderbuchkarriere immer wieder Spielverderber. 2008/2009 macht Torres in 24 Einsätzen immerhin noch 14 Tore in Englands Premier League, im nächsten Jahr sind es nur noch 22 Einsätze – immer wieder stoppen Verletzungen den Goalgetter. Umso beeindruckender wirken die 18 Tore, die Torres in diesen 22 Spielen erzielt. Außerdem kommt der wichtigste Titel, den es als Fußballer zu gewinnen gibt, in Torres´ Trophäensammlung. Spanien wird in Südafrika Weltmeister. „El nino“ wird zwar in jeder Partie eingesetzt, erzielt aber kein einziges Tor. Ganz im Gegenteil, als Torres im Finale gegen die Niederlande in der Verlängerung eingewechselt wird, vergibt er die große Chance zur Entscheidung stümperhaft. Hohn und Spott sind ihm trotz des Sieges sicher. Der schleichende Abstieg setzt sich in der folgenden Saison fort. Endlich ist Torres wieder über einen längeren Zeitraum fit, in 37 Partien gelingen ihm aber nur zehn Tore. Mittlerweile ist er auch nicht mehr der Fanliebling von einst, für viele Liverpool-Fans stellt der Spanier nur noch einen teuren Schönwetterkicker dar. Auch im Nationalteam hat ihm längst David Villa den Rang als Nummer-1-Stürmer abgelaufen.

Ein riesengroßes Missverständnis

Im Jänner 2011 geht dann alles plötzlich ganz schnell. Liverpool verkauft Torres an den FC Chelsea, kassiert rund 58 Millionen Euro und verpflichtet Andy Carrol. 732 Minuten wartete Torres auf sein erstes Tor bei Chelsea, wieder einmal ist er Zielscheibe von Spott und Hohn der Fans. Eigens angefertigte T-Shirts, die auf seine Erfolglosigkeit bei Chelsea anspielen, werden zum Kassenschlager. In der heurigen Saison traf Torres für Chelsea insgesamt in 21 Ligaspielen bisher nur zwei Mal. Zuletzt saß er nur noch auf der Bank oder kam zu Kurzeinsätzen. Beim Londoner Spitzenklub scheint man sich bereits damit abgefunden zu haben, ein 58 Millionen teures Missverständnis produziert zu haben. Der letzte traurige Tiefpunkt für das einstige Wunderkind ist die Nicht-Nominierung von Vicente del Bosque für das Länderspiel Spaniens gegen Venezuela. Statt ihm bekommen Iker Muniain von Athletic Bilbao und Roberto Soldado vom FC Valencia eine Chance. Del Bosque fiel es nicht leicht: „Torres ist ein Spieler, den wir sehr schätzen und es schmerzt mich sehr, ihn nicht nominiert zu haben, aber ich muss fair gegenüber den Spielern sein, die mit guten Leistungen in den Kader drängen.“

Archimedes, abseits.at

Archimedes

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