Wie schon in der vergangenen Winterpause gehen wir in dieser Rubrik auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, wo die Hintergründe und Motive... Transfers erklärt: Darum wechselte Gareth Bale zu Real Madrid (1)

Gareth Bale (Tottenham Hotspur)Wie schon in der vergangenen Winterpause gehen wir in dieser Rubrik auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, wo die Hintergründe und Motive beleuchtet werden. Wieso holt eine Mannschaft diesen Spieler? Wer ist dieser Spieler überhaupt? Was erwartet sich sein neuer Verein von ihm? Kann er die Erwartungen in seinem neuen Verein erfüllen?

Diese Fragen sollen hauptsächlich beantwortet werden. Auch die taktische Perspektive soll nicht zu kurz kommen, immerhin ermöglicht ein neuer Spieler oftmals eine Vielzahl neuer Kombinationen und Synergien, die ebenfalls kurz erläutert werden sollen.

In dieser Ausgabe blicken wir auf den größten Transfer des Sommers – und womöglich aller Zeiten (Zahlen schwanken zwischen 91 Millionen € und 100 Millionen €) –, für den sich Real Madrid verantwortlich zeigt. In einem umstrittenen Transfer holten sie einen Tag vor Transferschluss Gareth Bale und werden versuchen den walisischen Superstar in ihre Mannschaft aufzubauen. In dieser dreiteiligen Serie wollen wir Bale und seinen Werdegang vorstellen, dann ihn als Spieler erklären und die Ablöse begründen, während wir im letzten Teil die taktischen Nutzungsmöglichkeiten bei Real darlegen.

Von der Lachnummer zum Superstar

Im Sommer 2007 wechselte Gareth Bale von Southampton zu Tottenham. Zu jener Zeit galt er als eines der größten Talente des britischen Fußballs – bereits mit 16 Jahren debütierte er für Southampton und machte sich einen Namen, als er fünf Saisontore, davon vier per Freistoß, erzielte. Er galt als Kreativposten seiner Mannschaft, obwohl er zu jener Zeit noch als Linksverteidiger agierte. Tottenham überwies dann sieben Millionen Pfund für den knapp 18-jährigen Waliser, dem der Durchbruch aber lange Zeit verwehrt bleiben sollte.

29 Spiele über vier Saisonen hinweg blieb seine Mannschaft ohne Sieg in der Liga, wenn Gareth Bale spielte. Als Stammspieler hatte er gar erst im Januar 2010 gegen Fulham seinen ersten Dreier eingefahren und brach diese dunkle Serie. In der Zwischenzeit hatte sich das Bild vom „größten Talent Großbritanniens“ gewandelt. Für viele galt er als zu verletzungsanfällig, verpasste extrem viele Spiele wegen verschiedener Operationen und kleinerer Wehwehchen – Bale stagnierte. Assou-Ekotto verdrängte ihn auf der Linksverteidigerposition und Bale musste lange Zeit auf der Bank Platz nehmen.

Doch im Laufe der Jahre fand er eine neue Position – und eine neue Spielweise. Durch die Arbeit in der Reha und seinem eigenen Ehrgeiz hob der ohnehin schon athletische Bale sich in den nächsten Jahren auf ein neues Level. Dabei orientierte er sich an Cristiano Ronaldo, den er auch als Vorbild betitelt. Zu seiner schon immer existierenden Schnelligkeit – bereits mit 14 Jahren soll er die 100 Meter in 11.4 Sekunden und die 1500 Meter in 4:18 gerannt sein – kam noch die nötige Ausdauer und körperliche Stärke hinzu.

In der Saison 2010/11 ging er dann auf die Position des linken Flügels und feierte seinen Durchbruch; gegen den damals amtierenden Champions-League-Sieger Inter zeigte er eine hervorragende individuelle Leistung gegen Maicon, der zu jener Zeit als einer der besten Rechtsverteidiger der Welt galt. Im Hin- und Rückspiel (3:4 und 3:1) erzielte er drei Tore und legte zwei weitere auf, desweiteren war er der Hauptgrund für die extrem schnellen und durchschlagskräftigen Konter.

Und neben seinen Fähigkeiten im Flankenspiel und seinem tollen Abschluss stach auch die Athletik Bales ins Auge. Mühelos überlief er Maicon und tat dies mehr als nur einmal. Die Statistiken in dieser Partie waren beeindruckend: Insgesamt lief Bale 12 Kilometer, was für einen Flügelstürmer ein sehr hoher Wert ist. Davon lief er mehr als 1,1 Kilometer in „hoher Intensität“ (> 21km/h) und davon wiederum 719 Meter im „Sprint“ (> 24km/h); die Durchschnittswerte für diese beiden Bereiche liegen bei circa 700 Metern und 330 Metern.

Auch sein kroatischer Mitspieler Luka Modric, der nun bei Real Madrid wieder mit ihm vereint wird, sprach davon, dass Bale nicht zu stoppen sei: „Ich weiß nicht, wie man ihn stoppen kann. Wenn er immer so spielt wie in den letzten Partien, ist er nicht aufzuhalten.“

Doch Bale konnte die Form nicht ganz halten. In der Rückrunde 2010/11 war er nicht mehr konstant stark (nur neun Scorerpunkte in der Liga) und überzeugte nicht durchgehend. Zwar wurde er 2010/11 zum besten Spieler der Premier League gewählt, aber in der folgenden Saison gewann Robin van Persie diesen Titel. Die Kritik an Bale wuchs kurzzeitig wieder.

Ist er nur ein „one-trick-pony“, das man einfach bändigen kann? Reicht es, wenn der Außenverteidiger nicht aufrückt, um im Konterspiel nicht ausgespielt zu werden? Kann seine Schnelligkeit neutralisiert werden, wenn man ihm Raum gewährt und passiv wird, bis er mit einem Sprint beginnt und man ihn dann in die Enge leitet?

Letztlich strafte Bale seine Kritiker (abermals) Lügen. In der Saison 2011/12 brachte er insbesondere ab der Rückrunde Konstanz in seine Leistungen und erweiterte sein Repertoire. Außerdem wurde er deutlich effektiver und steigerte sich dann zur Saison 2012/13 nochmals. Er konnte alleine in der vergangenen Saison 21 seiner 43 Liga-Tore und 9 seiner 31 Vorlagen in nur 33 Spielen (von insgesamt 146) erzielen. Somit kam er auf einen Schnitt von 0,91 Scorerpunkten pro Spiel – zuvor waren es 0,39 Scorerpunkte, obgleich hier natürlich seine frühere Zeit als Linksverteidiger ebenfalls berücksichtigt werden muss.

Nichtsdestotrotz ist der endgültige Entwicklungssprung Gareth Bales nicht zu verkennen. Seit seiner Zeit als Lachnummer, mit der Tottenham nicht gewinnen kann, hat sich extrem viel verändert. Bale hat sich spielerisch, körperlich und mental weiterentwickelt. Seine Evolution und die Bereitschaft Reals eine solche Rekordablöse für ihn zu zahlen sind aber nicht nur auf diese Faktoren zurückzuführen. Sie bezahlen nicht so viel, weil Bale sich die Kritik an sich zu Herzen nahm, weil er ehrgeizig ist und weil er – wie jeder junge Fußballer – sich in puncto Spielstärke, Leistungsstabilität, Konstanz und Effektivität weiterentwickelt hat.

Bale ist auch einer jener Fußballer, der sich in den vergangenen Saisonen – insbesondere eben in dieser letzten Saison unter André Villas-Boas – taktisch stark weiterentwickelt hat und seine Stärken nun besser in das Mannschaftsgefüge einbringen kann. Um diesen Aspekt und eine kleine Betrachtung seiner Fähigkeiten geht es im nächsten Artikel.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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