In dieser Rubrik gehen wir auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, wo die Hintergründe und Motive beleuchtet werden. Wieso holt eine Mannschaft... Transfers erklärt (4): Weshalb zahlte Paris SG 40 Millionen € für Lucas Moura und warum wird Newcastle von Neuzugang Mathieu Debuchy profitieren

Paris St.Germain, FrankreichIn dieser Rubrik gehen wir auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, wo die Hintergründe und Motive beleuchtet werden. Wieso holt eine Mannschaft diesen Spieler? Wer ist dieser Spieler überhaupt? Was erwartet sich sein neuer Verein von ihm? Kann er die Erwartungen in seinem neuen Verein erfüllen? Diese Fragen sollen beantwortet werden. In dieser Ausgabe blicken wir auf zwei interessante Transfers in der französischen Liga.

Lucas Moura: von FC Sao Paulo zu Paris St. Germain

Ein Jungspieler, an dem bereits United Interesse zeigte, kann nicht so schlecht sein – insbesondere wenn Sir Alex gewillt schien, über 30 Millionen € in den besagten Spieler zu investieren. Doch er wurde von Paris St. Germain und ihrem neuentdeckten Reichtum überboten und für die stolze Summe von 40 Millionen € wechselte der Brasilianer Lucas Moura nach Frankreich. Der französische Titelanwärter und CL-Teilnehmer köderte ihn neben der Einbettung in den Plänen der teuer zusammengestellten Startruppe sowie viel Geld auch mit ein paar Landsmännern und mit dem Versprechen, ihn ein halbes Jahr in Brasilien zu lassen – der Transfer ist nämlich schon seit Sommer fix, doch erst jetzt wechselt Lucas das Trikot. Dadurch konnte er die Meisterschaft noch bei seinem Heimatverein Sao Paulo beenden und sich weiterhin für die Nationalmannschaft empfehlen, wo er schon 14 Spiele bestritt.

Die Stärken des 20-Jährigen liegen in seiner hohen Dynamik und dem Dribbling. Immer wieder kann er seine Gegner überlaufen oder sie mit Finten verladen, außerdem besitzt er ein sehr gutes Gespür für offene Räume und kann sie mit seiner Schnelligkeit infiltrieren. Allerdings leidet er an der üblichen Krankheit brasilianischer Dribbler: manchmal läuft er sich fest oder in strategisch ungünstige Räume, des Weiteren ist er etwas zu ballverliebt.

Dennoch ist er ein herausragendes Talent. Gut im Kombinationsspiel, passable Flanken, sehr gute Ballführung, unglaubliche Geschwindigkeit mit Ball am Fuß und auf den ersten Metern. Arbeiten muss er aber neben seiner Konstanz auch an der körperlichen Stärke und der Erfolgsstabilität in seinen  Aktionen – aus seinen Dribblings und Läufen muss etwas Effektives entstehen, wenn er sich in einem Verein mit viel Konkurrenz behaupten will.

Ein Stammplatz bei PSG wird keine einfache Aufgabe, denn die Positionen sind gut besetzt. Diese Saison spielen sie bevorzugt mit einem 4-2-3-1, wobei auch ein 4-3-2-1 und die Raute im 4-4-2 genutzt wurden. In den letzten vier Spielen wurde aber erfolgreich das 4-2-3-1 praktiziert, wo Javier Pastore, Jeremy Menez und Ezequiel Lavezzi in der offensiven Dreierreihe hinter Starstürmer Zlatan Ibrahimovic auflaufen.

Ob er sich einen Stammplatz erspielen kann, scheint fraglich. Bei Verletzungen dürfte er aber angesichts der geringen Konkurrenz die erste Alternative auf den Flügeln sein. Einzig Nenê dürfte ihm vorgezogen werden. Clément Chantôme wurde vorrangig aus Mangel an Alternativen oder für eine defensivere Ausrichtung genutzt, während Lucas erlaubt, das Spielsystem beizubehalten. Alternativ könnte er auch Lavezzi oder Menez verdrängen oder statt dem kreativen Pastore eine dynamischere Option werden – Carlo Ancelotti hat letztlich einen dringend benötigten Ersatzspieler mehr, der alleine deswegen auf ausreichend Einsatzminuten kommen sollte. Außerdem kann der italienische Trainer seine Mannschaft nun besser an Gegner anpassen, ohne die Formation ändern zu müssen.

Mathieu Debuchy: vom OSC Lille zu Newcastle United

Ein riesiges Talent kam nach Frankreich, ein etwas reiferer Spieler verließ die Liga. Zehn Jahre lang spielte Mathieu Debuchy für die Jugend des OSC Lille und ebenso lange für das erste Team, nachdem er 2003 in den Profikader befördert wurde. Diese Saison durfte er sogar neunmal die Kapitänsbinde tragen, wechselte aber dennoch in die englische Liga zum letztjährigen Überraschungsteam Newcastle United.

Diese verpflichteten somit einen überaus interessanten Rechtsaußen. Ursprünglich wurde er zu einem defensiv mitarbeitenden Spielmacher ausgebildet, der zumeist als kreativer Part einer Doppelsechs im 4-4-2 genutzt werden sollte und diese Rolle einige Male auch auf Profiniveau spielte. Doch mit der Saison 2005/06 wurde er verstärkt auf den offensiven Flügelpositionen eingesetzt und ab 2008/09 sollte er noch eine Ebene nach hinten wechseln, nämlich auf die Position des rechten Verteidigers. Dennoch ist ihm die Rolle als Sechser oder linker Flügelstürmer ebenso bekannt, wie die gesamte rechte Seite.

Aktuell ist er ein sehr offensiver Rechtsverteidiger, der seinem Vordermann ermöglicht, in die Mitte zu ziehen. Er kann das Spiel breit machen, in der Offensive dank seiner guten Technik am Kombinationsspiel teilnehmen oder Flanken schlagen. Durch seine unermüdliche Ausdauer und seine Dynamik kann er auch defensiv seine Seite trotz den vielen Vorstößen sichern und ist somit ein Pluspunkt für seine Mannschaft in sämtlichen Aspekten. Insbesondere seine Laufstärke ist neben seiner Schnelligkeit extrem wichtig für seine Spielweise, doch manchmal fehlt es ihm am Timing und Spielintelligenz – eventuell ist dies auch ein Grund, wieso er als Profi auf den Flügel geschoben wurde.

Gelegentlich lässt er seine Position zu stark verwaisen oder spielt sich in Sackgassen. Dennoch ist er ein Rechtsverteidiger von internationalem Format und steht Newcastle gut zu Gesicht. Dem Premier-League-Verein fehlte bislang einerseits ein zweiter Rechtsverteidiger und andererseits ein Rechtsverteidiger von internationalem Format. Bislang wurde Danny Simpson dort eingesetzt, während dessen Ersatz James Perch ins zentrale Mittelfeld geschoben wurde. Einziger Ersatz für Simpson war somit der junge Linksverteidiger Davide Santon, der dann aber immer die Seite wechseln musste.

Mit Debuchy gibt es dieses Problem nicht mehr. Simpson dürfte ins zweite Glied rücken und Debuchy dürfte mit Landsmann Hateem Ben Arfa ein sehr interessantes Pärchen auf dem rechten Flügel bilden. Bei Formschwächen der anderen Spieler wäre auch eine Positionierung im Mittelfeld statt Perch oder auf dem Flügel denkbar, erscheint aber unwahrscheinlich – Cabaye und Tiote stellen, wenn nicht verletzt, eine sehr starke Doppelsechs dar.

Mit seiner geradlinigen Spielweise sollte Debuchy eigentlich bestens nach England passen. Sein Spiel lebt von seiner Athletik und seiner Offensivstärke, während er defensiv trotz seiner herausragenden Laufarbeit gelegentlich an seine Grenzen stößt. Für Newcastles Verhältnisse als Überraschungsteam, welches mit einem Formeinbruch zu kämpfen hat, dennoch eine sehr gute und taktisch interessante Neuverpflichtung, die auch in das System zu passen scheint. Damit wurde auch ein Großteil des für Demba Ba eingenommenen Geldes sofort in die Mannschaft reinvestiert.

René Maric, www.abseits.at

Rene Maric