Im Finale der U-17 Europameisterschaft trafen die iberischen Nationen Portugal und Spanien aufeinander. Wir haben die Partie für euch analysiert. Prinzipielle Ausrichtungen Die Portugiesen... Verdienter Finalsieg über Spanien: Portugal ist U17-Europameister

Portugal - Flagge_abseits.atIm Finale der U-17 Europameisterschaft trafen die iberischen Nationen Portugal und Spanien aufeinander. Wir haben die Partie für euch analysiert.

Prinzipielle Ausrichtungen

Die Portugiesen formierten sich in einem 4-1-4-1 im Angriffspressing und richteten dieses recht mannorientiert aus. Die beiden Achter sollten die spanischen Sechser decken, während der eigene Sechser sich am Zehner Diaz, der sich meist im Zwischenlinienraum aufhielt, orientierte. Dies  gab zwar prinzipiell Zugriff auf die Gegner, sorgte jedoch auch für eine schwache vertikale Kompaktheit. Dennoch konnte man durch die schwachen Aufbaustaffelungen der Spanier sowie deren fehlende Lauffreudigkeit den Aufbau weitestgehend eindämmen und teilweise recht hoch am Spielfeld Ballgewinne erzielen. Die fehlende Torwarteinbindung auf Seiten der Spanier half hier zusätzlich beim Pressing.

Im eigenen Aufbau nahm man 4-3-3 Staffelungen an, hatte jedoch Probleme mit dem gut organisierten Pressing der Spanier. Die Verbindungen ins Mittelfeld waren schwach und so wurde meist zum hohen Ball gegriffen. Erst nachdem Quina konstant diagonal in den tiefen linken Halbraum abkippte konnte man den Ball besser nach vorne bringen. Der junge West Ham United-Spieler war nun Dreh- und Angelpunkt des portugiesischen Spiels, was auch die Spanier zu weiträumigen Verschiebebewegungen zwang. Dies nutzte vor allem Leite für hohe Wechselpässe, die stets sehr genau kamen und leicht zu verarbeiten waren.

In einem sehr positionsgetreuen 4-2-3-1 bauten die Spanier auf und taten dies mit den Sechsern auf meist fast gleicher Höhe. Natürlich standen Busquets und Kapitän Morlanes ein Stück weit gestaffelt, jedoch gab es keine fixe Rollenverteilung wer der tiefere, aufbauende von den Sechsern war, wie es bei vielen Mannschaften mit einer Doppelsechs der Fall ist. Dies führte, zusammen mit der fehlenden Bewegung der Flügelstürmer, die zum Beispiel hätten einrücken können, sowie die Manndeckung von Fernandes auf Diaz, zu großen Verbindungsproblemen in Aufbau der Spanier.

Im Mittelfeldpressing formierte man sich meist in 4-4-2 Staffelungen, wobei die Doppelspitze konsequent die vertikalen Pässe ins Zentrum zustellte und so den portugiesischen Aufbau auf die Seite leitete, wo man die Pressingfalle zuschnappen ließ. Falls sich einer der Achter in den Halbraum fallen ließ wurde dieser sofort von Diaz im Zentrum gedeckt, sodass ein Pass auf ihn meist zu riskant schien. Die Nachbarn aus Portugal wählten jedoch meiste die sicheren Varianten,  um keine Ballverluste zu erzeugen.

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Spanien mit gutem Zugriff im Pressing. Dies war noch vor dem konstanten Abkippen Quinas, das zu Beginn noch durch einen herausschiebenden Sechser attackiert wurde.

Portugal intensiv, Spanien ohne Verbindung

Die Portugiesen agierten auch zwangsweise primär über die Flügel, da im ersten Drittel das Zentrum durch die spanischen Stürmer versperrt war. Quina kippte als Achter nach wenigen Minuten konstant diagonal ab und bildete eine Doppelsechs im Aufbau, was den Aufbau nun deutlich verbesserte, konnte man doch nun die Halbräume neben der Doppelspitze besser nutzen, wenngleich man dies nicht konstant tat. Nichtsdestotrotz waren in der Anfangsphase die Portugiesen die durchschlagskräftigere Mannschaft. Dies lag vor allem an der Schnelligkeit und der Dribblingfähigkeit von Linksverteidiger Vinagre. Zudem war Quina nach der Anpassung zum Abkippen besser eingebunden, beteiligte sich an vielen Szenen und hatte einen großen Aktionsradius auf der linken Seite. Wirklich torgefährliche Aktionen gelangen den Portugiesen jedoch nicht, da die meisten Angriffe nur über die Flügel vorgetragen wurden. Die spanische Doppelsechs wusste stets die Passwege in die Mitte und die Halbräume rechtzeitig zuzustellen. Als Lösung suchte man nun hohe Bälle aus dem Mittelfeld hinter die kleingewachsene spanische Abwehr. Filipe suchte stets die Tiefe und Gomes nutzte seine physische Präsenz im Sturmzentrum. Diese Unterlegenheit wirkte sich auf die Strafraumverteidigung aus, die beim 1:0 der Portugiesen in Minute 28 nicht ausreichend genug nach einer Flanke war. Dalot verwertete die Hereingabe von links aus dem Rückraum kommend.

Im Ballbesitz taten sich die Spanier merklich schwer, die Verbindungen ins Mittelfeld- und im Angriffsdrittel waren schwach. Dies lag zum einen an der zu flachen Staffelungen der sechs Aufbauspieler, zum anderen auch an deutlich zu wenig Bewegung. Das mannorientierte Pressing der Portugiesen führte eine gewisse Lauffaulheit bei den Spaniern hervor. So fand kaum Dreiecksbildung im Ballbesitzspiel statt und Angriffe versandeten meist in Dribblings oder recht aussichtslosen Hereingaben. Die Portugiesen agierten zudem kollektiv sehr intensiv im Gegenpressing, wenngleich es nicht immer toll strukturiert war. Die fehlende Unterstützung der Spanier untereinander machten Ballgewinne im Nachsetzen für die jungen Portugiesen einfacher. Dennoch konnten die Spanier ausgleichen: Nach einer kurz gespielten Ecke wurde die folgende Flanke von Diaz über Torhüter Costa geköpft, der somit sein erstes Gegentor des Turniers hinnehmen musste.

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Spanien ohne Verbindungen ins Mittelfeld

Die zweite Halbzeit

Nach Wiederanpfiff blieb Portugal dominant und Spanien behielt die Probleme im Aufbau. Das hohe Pressing der Portugiesen schon beim Abstoß stellte die Spanier vor Fragen, die sie nicht zu beantworten wussten. Spanien agierte einfallslos und konnte weiterhin kaum Torgefährlichkeit ausstrahlen, eine Einzelaktion von Diaz war der einzige Lichtblick. Eine bis dahin enttäuschende Vorstellung der eigentlich favorisierten Ost-Iberer, deren Trainer Santi Denia keine Anpassungen fand, die seiner Mannschaft weiterhalfen.

Das hohe Tempo und die Dauer dieses Turniers zehrten jedoch mit Fortlauf der Spielzeit an den Portugiesen, man zog sich zusehends etwas zurück und ließ Spanien länger den Ball halten. Man rückte nicht mehr so aggressiv an den Ballführenden und fokussierte sich nach Ballgewinn auf schnelle Konter, nach denen man nach fehlendem Erfolg sofort gegenpresste, da man mit ausreichend Spielern nachrückte. Bei einigen Durchbrüchen über die Seiten kamen die nachfolgenden Flanken meist sehr ungenau, in der Mitte verdribbelte man sich bisweilen sehr oft, sodass man zwar gefährlicher wirkte, es jedoch kaum war. Schüsse aus aussichtsreichen Positionen gab es auf beiden Seiten eigentlich gar nicht. So ging das Spiel ins Elfmeterschießen, wobei Spanien hier Torhüter Peña  auswechselte, um den Elferspezialisten Adrián zu bringen. Portugal setzte sich vom Punkt jedoch trotz dieser Maßnahme durch.

Fazit

Ein Spiel, geprägt von der Unfähigkeit klare Chancen herauszuspielen. Portugal war jedoch nach der klugen Anpassung von Trainer Emilio Peixe die deutlich dominantere Mannschaft, während Spanien meist nur den eigenen Strafraum verteidigte. Spanien konnte keine gefährliche herausgespielten Aktion herausspielen, ihre iberischen Nachbarn waren hier doch um ein Stück weiter. Das Pressing der Portugiesen war zudem gut organisiert und sehr intensiv, man war neben Deutschland die taktisch beste Mannschaft in diesem Turnier und hat sich den Sieg verdient,

Auffällige Spieler:

Diogo Leite, geb. 23.01.1999, der Innenverteidiger vom FC Porto überzeugte mit gutem Stellungsspiel, einigen wichtigen gewonnenen Zweikämpfen gegen den dribbelstarken Díaz und mit guten Diagonalbällen.

Ruben Vinagre, geb. 09.04.1999, der Linksverteidiger vom AS Monaco zeigte stets starke diagonale Dribblings, machte das Angriffsspiel seiner Mannschaft somit unberechenbarer. In der Defensive zeigte er sich sehr engagiert und nutzte seine Schnelligkeit gut.

Domingos Quina, geboren 18.11.1999, von West Ham United überzeugte als linker Achter mit spielmachenden Fähigkeiten, guter Ballbehandlung und auch angedeutete Torgefahr.

Brahim Díaz, geb. 03.08.1999, der Zehner von Manchester City war der einzige wirklich auffällige Akteur der Spanier, der immer wieder zeigte, dass er es im Dribbling auch mit mehreren Gegnern aufnehmen konnte.

David Goigitzer, abseits.at

David Goigitzer

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