Die aufgrund der zentralen Vermarktung und der damit einhergehenden Fixeinnahmen vor allem für Clubs aus Ligen jenseits der Topnationen besonders lukrative Europa League geht... Europa League Vorschau – Teil 3: Hannover 96 trifft auf Sevilla – Hammerlos, aber für wen eigentlich?

Die aufgrund der zentralen Vermarktung und der damit einhergehenden Fixeinnahmen vor allem für Clubs aus Ligen jenseits der Topnationen besonders lukrative Europa League geht in ihre dritte Saison. Nachdem wir im ersten und zweiten Teil dieser Serie bereits sechs Partien voranalysierten, geht es nun an die letzten vier Spiele!

Metalist Charkiw – Sochaux

Metalist ist gelungen, wovon bei Dnipro noch geträumt wird, man hat sich in den letzten Jahren in Europa etabliert. 2008, noch als international gänzlich unbeschriebenes Blatt, gelang es in der letzten Qualifikationsrunde des UEFA Cups Besiktas mit einem Gesamtscore von 4:2 zu eliminieren und in die Gruppenphase einzuziehen. Dort wurden gegen Hertha BSC, Galatasaray, Olympiakos Piräus und Benfica insgesamt zehn Punkte erreicht, ohne dabei ein einziges Gegentor hinnehmen zu müssen. Auch Sampdoria Genua wurde in der nächsten Runde ohne Gegentor ausgeschaltet, bis dann im Achtelfinale gegen die Landsleute von Dynamo Kiew Endstation war. Ein Jahr später lief es weniger erfolgreich, man scheiterte bereits im Europa League Playoff an Sturm Graz. Letzte Saison gelang wieder der Einzug in die Gruppenphase des zweithöchsten UEFA-Clubbewerbs, die auch erfolgreich überstanden wurde, im Sechzehntelfinale kam jedoch das Aus gegen Bayer Leverkusen. Metalist setzt auf eine Mischung aus ukrainischen und südamerikanischen Spielern, die mit viel Geld in die Ukraine gelockt werden. Heimstätte ist das 41.000 Zuschauer fassende Metalist Stadion, das für die bevorstehende Europameisterschaft umgebaut wurde.

Sochaux ist der Werksverein von Automobilfabrikant Peugeot und belegte in der Ligue 1 den fünften Rang, international wurde mit dem Einzug ins Semifinale des UEFA Cups 1981 der größte Erfolg erreicht. Zuletzt war der ostfranzösische Verein in der Saison 2007/08 international tätig, das Aus kam jedoch bereits in der ersten Runde gegen Panionios Athen. Zuletzt wurde mit Ideye Brown der erfolgreichste Stürmer der Vorsaison (15 Tore in der 35 Ligaspielen) ausgerechnet an einen Verein aus dem Land des kommenden Europacupgegners verkauft, der Nigerianer war Dynamo Kiew rund neun Millionen Euro wert.

Roter Stern Belgrad – Stade Rennes

Wie der schottische kann auch der serbische Vereinsfußball schon seit längerer Zeit nicht mehr mit vergangenen Erfolgen, die noch unter jugoslawischer Flagge gefeiert wurden, mithalten. Durch den Zerfall des Vielvölkerstaats vor zwei Jahrzehnten kam es auch zu einer Neustrukturierung im Fußballbereich; anstatt einer einheitlichen jugoslawischen Liga erhielt jeder Staat seine eigene Meisterschaft, was sich entscheidend auf die Qualität auswirkte. Somit ist es Jahr für Jahr als Erfolg zu bezeichnen, wenn sich Roter Stern oder Partizan für eine Gruppenphase qualifizieren, anderen serbischen Vereinen ist dies noch nicht gelungen. In der Vorsaison schieden die Hauptstädter bereits in der dritten Qualifikationsrunde der Europa League gegen Slovan Bratislava aus, eine Gruppenphase wurde zuletzt 2007 erreicht, wo jedoch alle Spiele verloren wurden, unter anderem eine dramatische Partie gegen Bayern München in den Schlussminuten mit 2:3. Seit 2010 verfügt der Verein mit Gazprom über einen äußerst potenten Sponsor, der eine öffentlich nicht genannte Summe zur Verfügung stellt. Das Traineramt hat aktuell der Kroate Robert Prosinečki inne, der den Club in neue Höhen führen soll. Das Publikum lechzt jedenfalls danach, in der letzten Qualifikationsrunde kamen knapp 40.000 Zuschauer zum Rückspiel gegen Ventspils – dreimal soviel wie durchschnittlich in der Meisterschaft.

Stade Rennes nahm zuletzt 2008/09 am Europacup teil, wo man jedoch früh an Twente Enschede scheiterte. Im Jahr zuvor gelang der Sprung in die Gruppenphase des UEFA Cups, wo aber nicht mehr als zwei Remis erreicht werden konnten. Der bretonische Club, bei dem Alexander Frei vor seinem Wechsel zu Borussia Dortmund tätig war, qualifizierte sich als Sechster der Ligue 1 für Europa. Verstärkt wurde die Mannschaft unter anderem durch den Zuzug von Jonathan Pitroipa vom Hamburger SV, ablösefrei musste man hingegen Stammtorhüter Nicolas Douchez zu Paris SG und Sylvain Marveaux zu Newcastle ziehen lassen.

Panathinaikos – Maccabi Tel-Aviv

Schlechter hätte die Saison für Panathinaikos nicht starten können, mit dem Aus in der Champions League Qualifikation gegen Odense geht dem Verein aus dem hoch verschuldeten Land nicht nur für viel Geld verloren, nicht einmal die Gruppenphase der Europa League kann fix gebucht werden. Auch nach der Auslosung werden die Vereinsverantwortlichen wohl kaum Freudensprünge vollführt haben, denn das Team rund um den mittlerweile zu Lazio Rom gewechselten Djibril Cissé muss gegen Maccabi Tel-Aviv antreten, was durchaus als anspruchsvolle Aufgabe angesehen werden kann.

Nicht nur österreichische Vereine hatten in den letzten Jahren große Probleme mit Vereinen aus Israel, auch in Griechenland haben sie sich mittlerweile einen Namen gemacht. Im Vorjahr gelang es Maccabi Tel-Aviv den Panathinaikos-Erzrivalen Olympiakos Piräus in der in der Europa League Qualifikation zu bezwingen, was dem damaligen Trainer der Griechen, Ewald Lienen, den Job kostete. Im Playoff zog man dann gegen Paris St.Germain den Kürzeren, obwohl nach einer Heimniederlage (0:2) die Partie in Frankreich noch mit 4:3 gewonnen werden konnte. Maccabi setzt vornehmlich auf einheimische Spieler, der vermeintlich bekannteste Mann im Kader ist Stürmer Roberto Colautti, der zuvor für Borussia Mönchengladbach aktiv war. Ein Auge sollte auf den bosnisch-niederländischen Doppelstaatsbürger Haris Medunjanin geworfen werden. Der Mann, der einst von Alkmaar nach Valladolid wechselte, ist bei einigen europäischen Vereinen im Gespräch.

Hannover 96 – Sevilla

Das Durchatmen in Salzburg war groß, der vielleicht unangenehmste ungesetzte Gegner wurde umschifft, stattdessen muss sich nun Sevilla mit Hannover 96 herumschlagen. Komplett konträr stellte sich vermutlich die Gefühlslage nach der Auslosung in der niedersächsischen Landeshauptstadt dar, könnte der erste internationale Auftritt seit 1992 (damals zog man im seligen Cup der Cupsieger im innerdeutschen Duell gegen Werder Bremen den Kürzeren) doch nach zwei Spielen bereits wieder zu Ende sein, denn zumindest auf dem Papier ist der UEFA Cup-Sieger von 2006 und 2007 haushoher Favorit. Jedoch auch Sevilla wird sich vermutlich ein einfacheres Los als den Überraschungsvierten der Bundesliga gewünscht haben, so dass man gespannt sein kann, wie viele Probleme Pogatetz und Co. dem spanischen Starensemble bereiten werden können.

Neben den Fans der Vereine werden auch die Manager von SAT.1 und Sky bei diesem Spiel mitzittern, denn sollte sich nach Mainz mit Hannover bereits der zweite Bundesligist in der Qualifikation verabschieden und Bayern München wie erwartet die Hürde FC Zürich in der CL-Qualifikation nehmen, bliebe mit Schalke, das sich vermutlich gegen HJK Helsinki durchsetzen wird, nur ein deutscher Verein in der Europa League Gruppenphase. Apropos Fernsehen: Ob das Rückspiel aus Sevilla in Deutschland zu sehen sein wird, ist ebenfalls alles andere als gesichert, denn in den letzten Jahren kam es bei den TV-Verhandlungen mit spanischen Vereinen und hier Sevilla im Speziellen immer wieder zu Problemen, so dass etwa 2008 Salzburgs Auftritt in Sevilla nicht zu sehen war und auch das ZDF benötigte 2006 einen Kraftakt, um in fast letzter Minute Schalkes Semifinalrückspiel aus der andalusischen Stadt ins Programm zu nehmen.

OoK_PS, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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