Egal ob Ägypten, Libanon, Syrien oder Bahrain – den Diktatoren in den jeweiligen Ländern sind die Fußballfans ein großer Dorn im Auge, da diese... Wer hat Angst vor Fußball-Fans?

Egal ob Ägypten, Libanon, Syrien oder Bahrain – den Diktatoren in den jeweiligen Ländern sind die Fußballfans ein großer Dorn im Auge, da diese bei Revolutionen organisiert an vorderster Front stehen.

Während in Ägypten nach der erfolgreichen Revolution gegen Hosni Mubarak der Meisterschaftsbetrieb wieder Fahrt aufnahm und die Ultras das erste Mal ohne Repressionen durch die Polizei auf den Rängen ihre Freiheit genießen können, ist in den anderen Krisengebieten der Fußball beinahe immer eines der ersten Opfer, wenn die Diktatoren um Macht kämpfen und gegen das eigene Volk Krieg führen. Zu groß ist die Angst, dass sich die Wut von organisierten, jungen Menschen, die noch dazu den Umgang mit den Polizisten gewohnt sind, entlädt. Anstatt die Fans in die Stadien zu lassen, gibt es Versammlungsverbote und die Rädelsführer der Fangruppen werden nicht selten von der Polizei von zu Hause abgeholt und in Gefängnisse gesteckt.

Facebook- oder Fußballrevolution?

Das soziale Netzwerk Facebook hat während der Revolution in Ägypten eine entscheidende Rolle gespielt. Die Dankbarkeit der Ägypter geht sogar so weit, dass ein Vater seine Tochter nach dem weltweit größten Netzwerk benannte. Das arme Mädchen heißt nun mit vollem Namen Facebook Jamal Ibrahim. Die ägyptische Regierung befahl nationalen und internationalen Netzbetreibern ihre Dienste einzustellen, allerdings waren die Ägypter nach fünf Tagen wieder online, auch weil Google und Twitter die Bevölkerung unterstützte und Alternativen wie Speak2Tweet entwickelten.

Mit dem Start der Proteste sagte die Regierung sämtliche Meisterschaftsspiele ab. Das hinderte die Ultras von Al-Ahly allerdings nicht sich zu organisieren und gegen die Truppen Mubaraks an vorderster Front zu kämpfen. Seit der Gründung im Jahr 2007 gab es ständig Konflikte zwischen dieser Ultra-Gruppierung und der ägyptischen Polizei, die den Auftrag bekam, diese Gruppe klein zu halten, die Anführer festzunehmen und den Mitgliedern durch will willkürliche Durchsuchungen und Festnahmen das Leben schwer zu machen. Für die Fans von Al-Ahly standen Gefechte mit der Polizei schon vor der Revolution an der Tagesordnung, sodass sie den Rest der Bevölkerung im Kampf gegen die Polizeieinheiten anführen konnten. Nach Mubaraks Festnahme stieg die Anerkennung der Fans in der Bevölkerung um ein Vielfaches und die Ultras von Al-Ahly wurden sogar vom Verein gebeten, dass sie die Sicherheitsmaßnahmen im Stadion in Zukunft selbst in die Hand nehmen.

Fußball vor leeren Rängen und verwirrte Machthaber

In Libanon wurden seit 2006 die Meisterschaftspartien vor leeren Rängen ausgetragen, da die Regierung Angst vor politischen Auseinandersetzungen hatte. Seit dem 03.Juli 2010 wurde dieses Verbot gelockert, allerdings müssen die Fans täglich damit rechnen, dass die alte Regelung wieder in Kraft tritt. Auch in Tunesien, wo die Ultras von Espérance Tunis eine ähnliche Rolle wie die Al-Ahly-Fans in Ägypten hatten, stehen Geisterspiele weiterhin an der Tagesordnung. In Syrien, Bahrein und Libyen sind die Meisterschaften unterbrochen, oder wurden gleich ganz abgesagt. Gaddafi, der im Jahr 2002 7.5% von Juventus Turin erwarb, hat übrigens mittlerweile sehr seltsame Ansichten zum Thema Fußball. In seinem Blog „algathafi.org“ warnte er vor einigen Jahren weltweit alle Fußballfans: „Medizinische Forschung bestätigt, dass die meisten Fußball-Enthusiasten und Süchtigen von psychischen und nervösen Krankheiten getroffen werden. Die führen zu Angina pectoris, Hirnschlag, Diabetes, Blutdruck und früher Senilität. Grund dafür sei die exzessive Einführung moderner Technologie. Der Mensch werde fauler und lascher. Sport verwandle sich von einer persönlichen Aktivität wie das Gebet, für das kein Ersatzmann einspringen kann, zur Ausbeutung und einer monopolistischen Aktivität der reichen Eliten.“

Na dann – Viva La Revolucion! 🙂

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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