Die moderne Technik ist nicht immer ein Segen. Schon Mahatma Ghandi sagte: „Es gibt Wichtigeres im Leben als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“ Heute... Anekdote zum Sonntag (55) – Kein Schwein gehabt

Christoph Leitgeb_abseits.atDie moderne Technik ist nicht immer ein Segen. Schon Mahatma Ghandi sagte: „Es gibt Wichtigeres im Leben als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“ Heute geht alles ruckzuck: Für ein Telefongespräch muss keine Münze mehr eingeworfen werden, man oder frau zückt einfach das Handy. Sollte noch weniger Zeit vorhanden sein, wird eine Kurznachricht in den Mini-Computer – denn Handy kann man zu einem Smartphone eigentlich nicht mehr sagen – getippselt: Short-Message-Service. Die daraus resultierende fehlende Aufmerksamkeit fabriziert aber so manchen Betriebsunfall. Christoph Leitgeb kann ein Lied davon singen: Der Mittelfeldspieler gehörte zum Aufgebot für die Heim-EM und befand sich im März 2007 im Trainingslager in Stegersbach. Dort bereitete Teamchef Hickersberger seine Mannen für die Länderspiele gegen Ghana und Frankreich vor. Der heute 31-Jährige zählte damals zu den Hoffnungsträgern des ÖFB-Teams. Aber obwohl Leitgeb schon in seinen Zwanzigern großes Talent zugeschrieben wurde, konnte er nie konstant überragende Leistungen bringen. 2007 wechselte er nach Salzburg, spielte dort und im Nationalteam regelmäßig, war zwischenzeitlich sogar Kapitän der Bullen, der Sprung in eine ausländische Topliga gelang ihm aber nie. Aktuell plagen den gebürtigen Grazer wieder Knöchelbeschwerden.

Im Frühling 2007 waren im Hotel Balance Resort Harmonie und Ruhe allgegenwärtig. Hickersberger führte ruhig und bestimmt das Kommando und die Spieler waren in dem Luxushotel gut aufgehoben. Trotz allem sollte ihnen ermöglicht werden nach drei arbeitsreichen Tagen das Gelände zu verlassen um Familie und Freunde zu treffen. Christoph Leitgeb verabredete sich an diesem Urlaubstag in seiner Heimatstadt mit Jugendfreund Hubert auf einen Kaffee. Leiti fuhr 50 Minuten nach Graz und wartet am verabredeten Ort auf seinen Freund. Doch Hubert kam nicht. Da zückte der Spieler sein Handy, tippte eine kurze SMS ein und versendete sie. Dummerweise waren Christophs Finger flinker als sonst und statt an den angelegten Kontakt „Hubsi“ schickte er die Kurznachricht an den Kontakt „Hicke“. Der ÖFB-Trainer persönlich bekam Leitgebs Nachricht also zugestellt. Erstaunt sah Hickersberger, der am Stegersbacher Golfplatz eine Entspannungsrunde spielte, auf das Display seines Mobiltelefons: „Wo bist, du Sau!“ musste er dort lesen. Prompt trudelte die Entschuldigung an. Leitgeb war die Situation mehr als peinlich: Er hoffte, dass er die Sachlage in seiner zweiten Nachricht ausreichend erklärt hatte, schlich jedoch mit betretenem Gesicht am nächsten Tag zum Vormittagstraining. Bei der Sprinteinheit und dem anschließenden Trainingsspiel wahrte Hicke noch sein Pokerface, danach ließ er den 21-jährigen jedoch zu sich in die Kabine rufen. Mit gespielter Wut stauchte er den Grazer vor Herzog und Persidis – die in die Sache eingeweiht waren – zusammen. Er drohte Leitgeb sogar damit, ihn aus dem Kader zu streichen. Leiti wurde leichenblass. Das alles wegen einer blöden SMS. Irgendwann konnte der Trainer sich jedoch nicht mehr halten und musste über die immer tiefer werdenden Sorgenfalten seines Spielers schmunzeln, auch Herzog und Persidis brachen im Chor in ein meckerndes Lachen aus. Da merkte Leitgeb was für ein Spiel mit ihm gespielt wurde und ein Gesteinsbrocken löste sich von seinem klopfenden Herzen. Die oscarreife Strafpredigte bewegte ihn jedoch dazu bei der Telefonnummernsuche in Zukunft doppelt vorsichtig zu sein.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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