In der Woche nach den Sechzehntelfinalspielen der Europa League hat die DFL als erste der großen fünf europäischen Ligen die restlichen exakten Terminierungen der... Anstoßzeitenanalyse zur Deutschen Bundesliga 2017/18

In der Woche nach den Sechzehntelfinalspielen der Europa League hat die DFL als erste der großen fünf europäischen Ligen die restlichen exakten Terminierungen der aktuellen Saison festgelegt. Vieles neu – so könnte man die Saison in Bezug auf Anstoßzeiten und TV-Rechteinhaber beschreiben Da es aufgrund des neuen TV-Vertrags zu den ersten Änderungen bei den Anstoßzeiten seit 2009/10 gekommen ist, lohnt sich ein Blick auf die Auswirkungen.

Was in den anderen vier großen europäischen Ländern schon länger Gewohnheit ist, passierte bei der Rechtevergabe im Sommer 2016 endlich auch in Deutschland und die Fans bekamen es im Geldbeutel zu spüren. Erstmals mussten sich die nämlich zwei Abos leisten, wenn sie weiterhin alle 306 Spiele der Saison sehen wollten. Dies liegt daran, dass Eurosport 40 Spiele pro Saison erwarb. Darunter fallen 30 Freitagsspiele und je fünf Spiele am Sonntag um 13:30 Uhr und Montag um 20:30 Uhr, wobei die beiden letztgenannten ein Novum darstellen. Die Argumente der DFL für die Montagsspiele waren Schutz des Amateurfußballs (dort finden die meisten Spiele sonntags statt) und die Entlastung der Teilnehmer an der Europa League. Der monetäre Aspekt dürfte allerdings auch nicht zu vernachlässigen gewesen sein. Ebenfalls neu: Die späte Anstoßzeit am Sonntag rückte von 17:30 Uhr auf 18:00 Uhr, sodass mehr Zeit zwischen dem Spiel um 15:30 Uhr liegt und dem Rechteinhaber Sky somit mehr Zeit für eine umfassendere Vor- und Nachberichterstattung gegeben werden kann. Weiterhin wurde die Anzahl der englischen Wochen auf zwei begrenzt. Vorher gab es keine feste Regel, aber z.B. letzte Saison waren es drei. Als letzte Neuerung ist die veränderte Regelung zum sogenannten Topspiel am Samstagabend um 18:30 Uhr anzuführen. Dazu weiter unten mehr.

Ebenfalls bei den Livespielen im Free-TV änderte sich der Sender. Übertrug vormals die ARD im Ersten den Hin- und Rückrundenauftakt am Freitagabend, ist nun das ZDF der Rechteinhaber und darf zudem eine weitere Begegnung freitagabends am 17. Spieltag zeigen.

Die zwei englischen Wochen sind aufgrund der Abweichung vom Regelspieltag nicht miteinbezogen wurden. Des Weiteren trägt man traditionell an den letzten beiden Spieltagen alle Spiele zeitgleich samstags um 15:30 Uhr aus, um Absprachen zu verhindern. Beide genannten Faktoren führten zu 30 Spielen am Samstag um 18:30 Uhr sowie am Sonntag um 15:30 Uhr und 18:00 Uhr. Sollte(n) Dortmund und/oder Leipzig das Halbfinale der Europa League erreichen, behält sich die DFL vor, von dieser Regel abzuweichen und das Spiel/die Spiele der Beteiligten am 33. Spieltag wegen des zuvor stattfindenden Halbfinal-Rückspiels das Spiel auf Sonntag zu verschieben. Außerdem gab es bedingt durch das Osterwochenende und dem in Folge in fast allen Bundesländern vorherrschenden ganztägigen Tanzverbots am Karfreitag, welches Sportveranstaltungen verbietet, keine Ansetzung an diesem Tag, sodass es insgesamt nur zu 29 Spielen am Freitagabend kam. In Jahren, in denen die Woche vor Ostern keine FIFA-Abstellungsperiode für Länderspiele oder UEFA-Woche war, hatte man dann das Freitagsspiel auf Gründonnerstag vorgezogen, was heuer aufgrund der stattfindenden Länderspiele nicht möglich war. Deshalb gab es für Hertha – Wolfsburg am 28. Spieltag eine Terminierung auf Samstagabend um 20:30 Uhr. In dieser Analyse wird es aber wie ein Freitagsspiel behandelt, weil es auch ein Eurosport-Spiel ist.


Da dies der einzige Regeltermin von Eurosport ist, schauen viele Fans natürlich genau hin, ob es sich im Endeffekt gelohnt hat, zum Saisonstart ein Jahresabo für den Eurosport Player abzuschließen und ob eine faire Verteilung über alle Teams hinweg stattgefunden hat. Dazu sollten die drei Spiele bedacht werden, die parallel im Free-TV im ZDF liefen (Bayern – Leverkusen, Gladbach – HSV, Leverkusen – Bayern) und das eine Spiel (Köln – Dortmund), welches Eurosport unverschlüsselt übertrug, sodass man für eine reine Betrachtung der exklusiven Spiele bei Eurosport diese abziehen müsste.

Wenig gerecht erscheint die ungleiche Verteilung von Heim- und Auswärtsspielen. Drei Klubs waren nur mit Auswärtsspielen bedacht. Als Fan hofft man natürlich, dass einen die Freitagsspiele möglichst als Heimspiele treffen, weil dann für mehr Leute die Option Stadionbesuch besteht. Des Weiteren ist ein bunter Mix aus Klubs mit großem und kleinem Fananhang zu erkennen, weshalb alles in allem doch recht ausgeglichene Ansetzungen hier vorzufinden sind. Auffällig ist allerdings das nur eine exklusive Spiel von Branchenprimus Bayern München. Zudem sind Hoffenheim, Leipzig und Dortmund wegen ihrer Donnerstagsspiele in der Europa League hier im unteren Bereich angesiedelt.



Am traditionellen Termin am Samstag um 15:30 Uhr finden immer noch die meisten Spiele statt, nämlich gewöhnlich fünf parallel. Dadurch platziert man hier eher unbeliebte Klubs bzw. nicht so massenattraktive Partien. Deshalb sind mit den Ausnahmen Frankfurt und Stuttgart auf den ersten sieben Positionen Klubs mit nicht gerade großem Anhang. Umgekehrt gilt natürlich: Wer hier wenige Spiele zu absolvieren hat, gilt als attraktiv, weil alle anderen Termine Einzelslots sind und somit durch keine parallelen Begegnungen Aufmerksamkeit abhandenkommt. Natürlich gibt es auch noch den Faktor Champions League und Präsenz in der Sportschau, die sehr hohe Einschaltquoten generiert (erklärt den hohen Wert von Bayern) und den Wunsch einer möglichst ausgeglichenen Verteilung am Freitag und Samstagabend, sodass vor UEFA-Wochen die Teilnehmer an diesem Wettbewerb möglichst nicht sonntags spielen sollen, um eine längere Regenerationszeit zu haben. Interessant ist die Betrachtung der drei Teilnehmer an der Europa League, die nach der Gruppenphase ausgeschieden sind. Hoffenheim (19) weist hier deutlich mehr Spiele als Hertha (15) und Köln (11) auf. Diese Reihenfolge und Spielanzahlen passen zu dem oben angesprochenen Phänomen von mehr Spielen der unattraktiveren Klubs.

Ferner wird hier die Beliebtheit von Bremen, Schalke und Gladbach deutlich, waren doch alle ohne internationale Verpflichtung. Bei Schalke war nur der Faktor DFB-Pokal zu beachten, weil die Knappen es bis ins Halbfinale schafften.


Seit dieser Saison existiert hier die bereits oben angesprochen neue Beschränkung, die acht Spiele jedes Klubs erlaubt. Die Verteilung von Heim- und Auswärtsspielen ist dabei egal. Vormals waren es nur sechs Spiele für jeden Klub (3x Heim- und 3x Auswärtsspiele). Da dieser Termin als sogenanntes „Topspiel“ vermarktet wird, wundert es nicht, dass Augsburg, Freiburg und Mainz gar nicht und Wolfsburg nur einmal angesetzt wurden. Bei Hannover und vor allem den dieser Saison stark aufspielenden Frankfurtern ist es dagegen erstaunlich. An der Spitze sind natürlich „die üblichen Verdächtigen.“




Vergleicht man die beiden Sonntagstermine, fällt auf, dass die eben angesprochenen Klubs mit keinen Samstagabendspielen dafür im oberen Bereich des 15:30-Uhr-Termins zu finden sind. Dies kann somit als Kompensation angesehen werden, um ihnen doch eine Einzelspielpräsenz zu geben. Allerdings erzielt das spätere Spiel fast immer höhere Einschaltquoten, z.B. wegen der durch vorher stattfindenden Amateurfußball verhinderten oder von Familienausflügen zurückgekehrten Personen. Folgerichtig sind um 18:00 Uhr wieder die attraktiveren Klubs mit mehr Spielen bedacht worden, wobei natürlich aber auch die Teilnehmer an der Europa League untergebracht werden müssen.




Die beiden neuen Anstoßzeiten sind auf jeweils fünf Spiele begrenzt und dienen wie bereits angesprochen laut DFL dem Schutz des Amateurfußballs (dort finden die meisten Spiele sonntags statt) und der Entlastung der Teilnehmer an der Europa League. So sind auch meistens Letztere hier gefordert gewesen (acht der zehn Spiele mit Beteiligung dieser).



Der Unterschied zwischen drei und sechs ist nicht so groß, sodass sich eine Beschwerde über eine ungerechte Verteilung rechtfertigen ließe. Allerdings hat wie bereits angesprochen Bayern aufgrund der parallelen Übertragung von zwei Spielen im ZDF mit nur einem exklusiven Spiel bei Eurosport dann doch eine herausgehobene Stellung.


Abschließend die Gesamtwertungen der Samstags- und Sonntagsspiele sowie die Einzelansetzungen:


Die Zusammenfassungen in den Regionalprogrammen der ARD generieren am Sonntag weniger Zuschauer und außerdem ist sonntags keine Werbung erlaubt, was der Grund dafür ist, dass die ARD wenige Spiele mit Beteiligung von Bayern am Sonntag möchte. Ansonsten ist hier wieder der Blick auf die Europa-League-Teilnehmer, die nach der Gruppenphase ausgeschieden sind, interessant. Alle mussten mindestens sechs Sonntagsspiele haben, weil die Montagsspiele erst in der Rückrunde terminiert werden. Bei Hoffenheim kam nur eins noch dazu (7), bei Hertha drei (9) und bei Köln dagegen sieben (13). Damit ist die Wertung dieser drei Klubs umgekehrt im Vergleich zum weiter oben analysierten 15:30-Uhr-Termin. Trotz der miserablen sportlichen Saison bekam Köln also aufgrund der Popularität mehr Sonntagsspiele und damit Einzelansetzungen.


Es fällt sofort auf, dass mit Ausnahme Frankfurts die wohl sechs unattraktivsten Klubs auf den sechs letzten Plätzen stehen. Wegen der vielen wohl von der ARD gewünschten Samstagsspiele kann Bayern das Ranking nicht anführen. Nichtsdestotrotz findet man andere populäre Klubs vorne. Dass sportlicher Erfolg nicht das einzige Kriterium ist, zeigen die Plätze von Köln und Frankfurt. Wenn es danach gehen würde, müsste es nämlich umgekehrt sein. Zwar spielte Köln Europa League, aber dadurch waren ihnen nur sechs Einzelspiele sicher.

Christoph Trompeter, abseits.at

Christoph Trompeter