Auch in diesem Jahr lohnt sich ein Blick auf die Anstoßzeitenverteilung in den verschiedenen europäischen Ligen, um Klarheit zu diesem bei vielen Fans umstrittenen... Anstoßzeitenanalyse zur La Liga 2017/18

Auch in diesem Jahr lohnt sich ein Blick auf die Anstoßzeitenverteilung in den verschiedenen europäischen Ligen, um Klarheit zu diesem bei vielen Fans umstrittenen Thema zu schaffen. Die stärkste Liga der Welt verteilt ihre Spiele auch weiterhin so stark wie keine andere.

Zehn Spiele, zehn verschiedene Anstoßzeiten – so sieht in der Regel ein Regelspieltag in Spaniens höchster Spielklasse aus:

Freitag: 1 Spiel um 21 Uhr
Samstag: je 1 Spiel um 13:00, 16:15, 18:30 und 20:45 Uhr
Sonntag: je 1 Spiel um 12:00, 16:15, 18:30 und 20:45 Uhr
Montag: 1 Spiel um 21 Uhr im Free-TV auf GOL

Neben dem Free-TV-Spiel auf dem Sender GOL, welcher zum Medienunternehmen Mediapro gehört, zeigt die spanische Tochter des Mobilfunkbetreibers Telefónica, Movistar, jeweils das Topspiel eines jeden Spieltags in der Regel am Samstag um 16:15 Uhr oder am Sonntag um 20:45 Uhr. In der Regel ist dies natürlich mit Beteiligung von Real Madrid oder dem FC Barcelona. Wenn es am Saisonende für diese Klubs um nichts mehr geht, kann es aber auch wie am vorletzten Spieltag ohne die beiden stattfinden. Da war es Real Betis – Sevilla. Die restlichen acht Spiele eines jeden Spieltags laufen auf dem Sender beIN LaLiga, der von Mediapro betrieben wird, aber in Besitz der Qatari Sports Investments ist, welche auch PSG besitzt.
Temperaturbedingt werden die ersten beiden Spieltage vor der ersten Länderspielpause traditionell vornehmlich abends ausgetragen, sodass diese nicht berücksichtigt wurden. Ebenso fanden die letzten beiden Spieltage wie in vielen Ligen abweichend von den Regelanstoßzeiten statt. Des Weiteren flossen die drei englischen Wochen nicht mit in die Wertung ein. Wegen des bevorstehenden Weihnachtsfestes wurde der 17. Spieltag zudem über fünf Tage ausgetragen und nur am Samstag gab es drei Spiele zu normalen Anstoßzeiten, die gezählt wurden.
Die Copa del Rey mit ihrer Hauptphase zwischen Dezember bis Anfang Februar wirkt sich stark auf die Spielplangestaltung in diesem Zeitraum aus. Weil zumindest in den ersten Runden Spiele am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag stattfinden und noch viele Klubs beteiligt sind, entfällt dann auch einige Male das Freitags- oder Montagsspiel.


Am Freitag und Montag dürfen grundsätzlich keine Spiele von Real Madrid, Barcelona, Atlético, Valencia und Teams, die europäisch spielen, ausgewählt werden. In dieser Saison waren das also noch Sevilla, Villarreal, Bilbao und Real Sociedad. Grund dafür ist, dass entweder am Freitag oder Montag das Spiel im spanischen Free-TV gezeigt wird und das Pay-TV bei diesen Klubs die Exklusivrechte besitzt.



Generell lässt sich bei Freitags- und Montagsterminen die geringe Beteiligung der Topklubs feststellen. Wie bereits erwähnt, hängt dies damit zusammen, dass entweder das Freitags- (6x) oder das Montagsspiel (28x) im Free-TV zu sehen ist. Weil die angesprochenen Teams nicht für eine Übertragung in Frage kommen, weicht man auf die nachfolgend beliebten Klubs aus. Dies führt zu der hohen Anzahl an Spielen von Real Betis, Celta, Málaga (trotz der schlechten Saison) und Espanyol. Real Betis spielte darüber hinaus auch sportlich eine gute Saison und qualifizierte sich für die Europa League. Sevilla, Villarreal, Bilbao und Real Sociedad konnten erst ihre Spiele in diesen Zeitslots im Frühjahr austragen, als sie aus den europäischen Wettbewerben ausgeschieden waren. Ansonsten wären sie sicherlich häufiger ausgewählt worden.
Für den Freitag kommt hinzu, dass die Teilnehmer an der Champions und Europa League sowieso häufig nicht am Freitag spielen könnten. Da zudem nur sechsmal das Free-TV-Spiel hier war, sind eher die kleineren Klubs wie Girona, Leganés, Levante und Getafe vorne.




Während um 13:00 Uhr Mittelfeld- und Abstiegskandidaten die Wertung anführen, ist es beim Termin um 16:15 Uhr ganz anders. Die großen Klubs liegen hier vorne. Es wurde sogar ein El Clásico und ein Derbi madrileño zu der Zeit ausgetragen. Einerseits ist natürlich der Fokus auf den asiatischen Markt ein Grund für diese Spielansetzungen, andererseits haben die CL-Teilnehmer vor CL-Spieltagen mehr Vorbereitungszeit als zu den späteren Terminen. Zudem wünscht das spanische Pay-TV sich die Topklubs lieber hier als am frühen Samstagstermin aufgrund besserer Einschaltquoten. Hinzu kommt, dass Premier League und Bundesliga hier keine Topspiele haben. Der 18:30-Uhr-Termin stellt dagegen eine Art „Sandwich“ mit kleinen Klubs dar, welche zwischen den Spielen von Madrid/Barça/Valencia/Atlético/Sevilla/Bilbao, die meistens um 16:15/20:45 Uhr ihre Spiele haben. Den meisten Leuten kommt so eine Pause nach dem ersten Spiel ganz recht, bevor man abends wieder Fußball schaut. Außerdem hat man um 18:30 Uhr als Konkurrenz die Topspiele der Premier League und Bundesliga, sodass das Vorgehen verständlich ist.
Einen Sonderfall stellt Eibar dar. Laut Ligapräsident Tebas ist dies nach Real Madrid und Barça der drittbeliebteste Klub in Japan, was an dem Spieler Takashi Inui liegt. Als Folge davon hatte Eibar die meisten Spiele um 13 Uhr, damit sie in der Primetime in Japan stattfanden.
Zum Tageausklang waren dann wieder Barcelona, Atlético und Real Madrid am häufigsten gefordert. Zu diesem Zeitpunkt hat man auch nur noch Konkurrenz zu einem Topspiel aus der Serie A.




Im Gegensatz zum Samstag existiert am Sonntag nur eine Anstoßzeit, zu der die absoluten Topteams gehäuft antreten und das ist der Termin um 20:45 Uhr. Die hohe Einschätzung von Real Betis durch das Free-TV wird auch durch das Pay-TV belegt, kommt der Klubs doch zu sieben Spiele hier. Etwas überrascht der niedrige Wert von Atlético, aber um auch nachmittags attraktive Klubs zu haben, setzte man sie am häufigsten um 16:15 Uhr an. Auffällig ist ferner, dass drei der vier EL-Teilnehmer eine Anstoßzeit am Sonntag anführen. Um 12 Uhr ist dies Real Sociedad, um 16:15 Uhr Atlético Madrid und um 18:30 Uhr Villarreal. Bilbao als übriger EL-Teilnehmer ist um 16:15 und 18:30 in der Spitze zu finden.
Der 12:00- und 18:30-Uhr-Termin haben gemeinsam, dass dort die Topklubs fast nie bis nie antreten. Um 16:15 Uhr spielen dagegen gehäufter größere Klubs wie Atlético, Barcelona und Bilbao, aber nicht so ausgeprägt wie am Sonntagabend, weil sonntagnachmittags starke Konkurrenz durch die Premier League besteht.

Christoph Trompeter