In der Öffentlichkeit kommt es selten gut an, wenn Spitzenverdiener, wie der Manchester-City-Stürmer Carlos Tévez, Woche für Woche in den Medien ihre Unzufriedenheit kundtun.... Carlos Tévez – Weltstar ohne Selbstbestimmung

In der Öffentlichkeit kommt es selten gut an, wenn Spitzenverdiener, wie der Manchester-City-Stürmer Carlos Tévez, Woche für Woche in den Medien ihre Unzufriedenheit kundtun. Der englische „Guardian“ legte nun Dokumente vor, die die Lage des Stürmerstars in einem etwas anderem Licht erscheinen lassen. Tévez war jahrelang Spielball von Investoren und hatte wenig Mitspracherecht, was seinen Karriereplan betraf.

KIA JOORABCHIAN – MEDIA SPORTS INVESTMENTS KAUFT CORINTHIANS

Kia Joorabachian ist der erste Name, den man sich in dieser etwas verworrenen Geschichte merken muss. Der gebürtige Iraner, dessen Familie im mittleren Osten die größte Automobilzulieferfirma besitzt, gründete mit 33 Jahren die Media Sports Investments, die gleich darauf den brasilianischen Verein S.C. Corinthians Paulista erwarb. Der Investmentfond stellte dem neuen Trainer Daniel Passarella sogleich zahlreiche neue Spieler zur Verfügung, wobei der mit Abstand spektakulärste Transfer in der Verpflichtung von Boca-Juniors-Stürmer Carlos Tévez bestand, der um 22 Millionen Dollar seinen Besitzer wechselte. Die Phrase „seinen Besitzer wechselte“ darf ruhig wortwörtlich verstanden werden, denn der Investmentfond erwarb tatsächlich sämtliche wirtschaftlichen Rechte des Fußballers.

WER STEHT HINTER DER MEDIA SPORTS INVESTMENTS?

Kia Joorabachian versuchte stets die Investoren der Media Sports Investments geheim zu halten. Es wurde unter anderem spekuliert, dass Roman Abramowitsch Anteile am Fond besaß. In Wahrheit waren jedoch zwei andere Oligarchen die Kapitalgeber: Der Georgier Badri Patarkatsishvili und der Russe Boris Beresowski.

Patarkatsishvili war einst Dinamo-Tiflis-Präsident und flüchtete im Jahr 2007 nach London, da er es sich mit dem georgischen Präsidenten Micheil Saakaschwili verscherzte. Beresowski war sein russischer Geschäftspartner, der ebenfalls im Londoner Exil lebt. Patarkatsishvili starb vor drei Jahren unter mysteriösen Umständen und Beresowski führt nun gegen seine Hinterbliebenen einen Prozess, in dem es unter anderem um die Tévez-Transfererlöse geht. Beresowski behauptet, dass ihm von allen Unternehmungen 50 Prozent zustünden, während Patarkatsishvilis Familie Beweise vorbringen will, die belegen, dass Beresowski aus dem Vertrag herausgekauft worden sei. Nur durch diesen Gerichtsprozess gelangten die Investoren der Media Sport Investments ans Licht.

TÉVEZ ALS SPIELBALL DER MSI

Von den Fußballfans wird sich Tévez angesichts seiner Gage nicht viel Mitleid erwarten dürfen, aber diese Hintergrundgeschichte erklärt zumindest, warum Tévez nicht eher in seine Heimat wechselte. Die Investoren wollten das Maximum aus ihrem Investment herausholen und der Argentinier hatte wohl nur wenig Mitspracherecht, was seine Karriereplanung betraf. Der Stürmer wird sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, weshalb er seine Transferrechte leichtfertig an die MSI abgab. Einem 20-jährigen, der in den Slums von Fuerte Apache aufwuchs, kann man jedoch nur bedingt ankreiden, dass er sich von Leuten wie Kia Joorabachian übervorteilen ließ.

WELTSTAR OHNE SELBSTBESTIMMUNG

Nachdem Tévez in 38 Partien 25 Tore für die Corinthians erzielte, unterschrieb er im August 2006 bei West Ham United. Die Transferrechte an dem Spieler hielt jedoch weiterhin der Investmentfond, weshalb der Verein später 5.5 Millionen Pfund Strafe zahlen musste. Die Premier League verlangte außerdem, dass bei seinem nächsten Wechsel sämtliche Rechte an dem Spieler vom Verein erworben werden müssen. Tévez unterschrieb einen Leihvertrag mit Option bei Manchester United. Joorabchian gründete daraufhin die Harlem Springs Corporation und kaufte den Stürmer um 24 Millionen Pfund der Media Sports Investment ab. Es wurde eine Ratenzahlung beschlossen: 3 Millionen im Juli 2007, weitere 3 Millionen ein Jahr später und 18 Millionen in den nächsten drei Jahren. United überwies in den nächsten beiden Jahren im Gegenzug ebenfalls jeweils 3 Millionen pro Jahr an Leihgebühr an die Harlem Springs Corporation. Die Option den Stürmer nach Ende des Leihgeschäfts um 25.5 Millionen Pfund „freizukaufen“ nahm der Verein jedoch nicht wahr, weshalb Joorabchian mit Manchester City verhandelte. Der gebürtige Iraner musste schließlich noch 18 Millionen Pfund an die MSI überweisen.

Manchester-City-Eigentümer Scheich Mansour erlöste Joorabchian schließlich. Die Unterschrift des Argentiniers war ihm etwa 45 Millionen Pfund wert. Das Geld überwies er der Harlem Springs Corporation, sodass sich Joorabchian über eine Rendite von rund 21 Millionen Pfund freuen durfte. Die 24 Millionen Pfund, die er insgesamt an die MSI überwies, sind nun Gegenstand des Gerichtsstreits zwischen Beresowski und Patarkatsishvilis Erben. Carlos Tévez ist nun nicht mehr in den Fängen einer Investmentfirma, hat aber einen Vertrag bis zum Jahr 2014 bei Manchester City unterschrieben. City wäre bereit Tévez gehen zu lassen, wenn sich ein Verein findet, der etwa 40 Millionen Pfund Ablöse für den Argentinier bezahlen kann. Ein Wechsel zu den Corinthians scheiterte wegen einer fehlenden Bankgarantie. Carlos Tévez wird sich also noch ein wenig gedulden müssen, bis er endlich wieder nach Südamerika zurückkehren darf.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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