Richard Trenkwalder war der zweite große Investor im österreichischen Fußball. Mit seiner Personaldienstleistungsfirma wollte er den ASK Schwadorf bis in die Bundesliga bringen um... Richard T.'s Gespür für Spielerverträge

Richard Trenkwalder war der zweite große Investor im österreichischen Fußball. Mit seiner Personaldienstleistungsfirma wollte er den ASK Schwadorf bis in die Bundesliga bringen um dort zu reüssieren. Nach 10 Jahren hat man es nun geschafft, auch wenn Trenkwalder das Vehikel änderte und auch sonst die eine oder andere Laschheit der Bundesligastatuten ausnutzte.

LIZENZVERSCHIEBUNG

Ab März 2008 passierte eine von vielen kuriosen Lizenzverschacherungen. Die drittklassige Admira, die irgendwann in grauer Vorzeit einmal in Jedlesee in Floridsdorf ansäßig war, wurde zur zweiten Mannschaft des „FC Trenkwalder Admira“, die erste Mannschaft sollte besagtes Schwadorf ersetzen und somit spielte der Kunstverein Trenkwalder Admira, der wie ein Drittligist hieß, in der zweiten Spielklasse und der Dorfverein Schwadorf, der ein solcher ist, in der dritten Spielklasse als zweite Mannschaft – oder neudeutsch „Juniors“. Nachdem man im Endeffekt als Schwadorf innerhalb von zehn Jahren von der Bezirksliga in die Bundesliga kam, ist dies nicht nur mit einem wohl überproportinalem Geldaufwand pro Liga möglich, sondern auch mit einigen skurilen Wegen der Finanzgebarung. Und genau dies könnte dem Mäzen nun auf den Kopf fallen.

SOZIALVERSICHERUNG UND DOPPELVERTRÄGE

Die Anmeldung von de-facto Profispielern unterhalb der zweiten Spielklasse bringt in Österreich immer die wunderlichsten Dinge zum Vorschein. Die Spieler erhalten ein Profigehalt, sind aber selten beim Verein direkt angestellt. Fahrkostenrückerstattung, Doppelverträge und Schwarzgeldzahlungen sind grundsätzlich eine traurige Realität in Österreichs Fußballunterhaus. Richard Trenkwalder wischte im Gespräch mit einer großen Tageszeitung die Vorwürfe als „Anfängerfehler“ vom Tisch und behauptet, ohnehin vor „zwei, drei Jahren“ 250,000 Euro nachgezahlt zu haben und sah die Sache somit als erledigt an. Klar sollte sein, dass Spieler wie Thomas Mandl, Marek Kincl oder Toni Ehmann wohl nicht wegen der tollen Stimmung und dem schönen Ort in die Südstadt wechselten, ein exorbitant hohes Gehalt scheint die Sache angenehmer gestaltet zu haben. So weit, so gut und kein Problem. Nun tauchen aber Vorwürfe auf, dass ein Spieler, der zu den Topverdienern gehört, einen Doppelvertrag unterzeichnet hatte, wohl um Abgaben zu sparen. Der Spieler stieß im Winter 2010 zum Verein und zeigte Bereitschaft, einen an sich verbotenen Vertrag zu unterzeichnen. Immerhin, würden dem FC Lustenau Punkte für so ein Verhalten abgezogen,würden derzeit 2 Pünktchen reichen, um die Liga auf den Kopf zu stellen, der Admira den Meistertitel zu entziehen und die Altacher, die zwar laut Trenkwalder auch vor ihrer eigenen Tür kehren sollten, in die Bundesliga zu hieven. Doch gibt es überhaupt etwas, was sich Richard Trenkwalder vorzuwerfen hat?

ALLES IN ORDNUNG?

Welcher Spieler nun dem Kurier seinen Vertrag zugespielt hat, ist zwar uninteressant, es handelt sich allerdings um den Spieler Manuel Hervas. Dieser unterschrieb zwei Verträge: Einen mit dem Fußballklub Admira und einen mit der Admira Asset Gmbh., die sich um die Persönlichkeitsrechte kümmert. Das Vorgehen scheint folgendermaßen: Ein Kicker, der bei der Admira spielen soll, erhält einen Generalvertrag, in dem Nettosummen angegeben sind. Dieser Vertrag wird vom Präsidenten der Admira Asset und vom Spieler unterzeichnet. Er gilt mehr oder weniger für den Spieler, damit er weiß, wie viel er in Österreich verdienen wird. Im zweiten Vertrag, dem offiziellen Dienstverhätnis, befindet sich dann eine ordentliche Bruttosumme, dieser ist vom Präsidenten des Vereins und vom Angestellten unterschrieben. Das tatsächliche Gehalt allerdings entspricht dem ersten Vertrag, da die Differenzsumme die Entschädigung dafür ist, dass man seine Persönlichkeitsrechte abtritt. Der fahle Beigeschmack: Sowohl Sitz als auch Präsident der beiden Vertragspartner des Kickers sind ident.

SO WEIT LEGAL, SO WEIT VERWIRREND

Eine teilweise Privatfinanzierung von Spielern ist nichts neues im Österreichischen Fußball, so wurde der Transfer von Nacer Barazite zur Austria auch privat finanziert, aber eben von einer eigenen Körperschaft. Es scheint, dass der einzige Fehler hierbei bei der Fußballergewerkschaft und auch bei den Medien liegt, da sich Richard Trenkwalder anscheinend sehr wohl an die Bestimmungen gehalten hat, auch wenn die Optik im ersten Moment etwas schief erscheint. Die Aufdecker des Kuriers versuchten nun, entweder wider besseren Wissens oder durch nicht ausführlich getätigte Recherche, einen Skandal zu kreieren.

Die User des Austrian Soccer Board demaskierten den vermeintlichen Skandal jedoch schnell als Sturm im Wasserglas, was mittlerweile auch dem Investigativjournalisten aufgefallen ist. Auch im von Skandalen, Ungereimtheiten und wahnwitzigen Entscheidungen getriebenen Kuriositätenkabinett „Fußballösterreich“ lauert nicht hinter jedem lauten „Skandal“-Ruf ein ebensolcher.

Georg Sander, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen