Seit einem knappen Jahrzehnt gilt der 18-jährige in London geborene Serbe Nikon El Maestro (vorm. Jevtic) in Österreich als Wunderkind und Jahrhunderttalent. Er kickte... Pfosten der Woche (KW 39) – Nikon El Maestro

Seit einem knappen Jahrzehnt gilt der 18-jährige in London geborene Serbe Nikon El Maestro (vorm. Jevtic) in Österreich als Wunderkind und Jahrhunderttalent. Er kickte im Austria-Nachwuchs, heuerte zuletzt nach Gastspielen in London, Valencia und Gelsenkirchen beim SC Wiener Neustadt an und wurde dort am vergangenen Donnerstag suspendiert.

El Maestro, dessen zweite große Leidenschaft neben dem Fußball Hip-Hop ist, hatte im Juni auf YouTube einen Rap veröffentlicht, in dem er die amerikanische Talkmasterin Chelsea Handler als “jüdische Hure” und “Hündin” bezeichnete und zu einem Besuch in Belgrad einlud, wo ihr neben Gruppensex auch einige andere erniedrigende Praktiken zuteilwerden sollten, auf die die Moderatorin laut El Maestro sicher stehen würde. Das Ganze war als Retourkutsche gedacht, weil Handler die Serben insgesamt nach einem Amy Winehouse-Konzert in Belgrad, bei dem sich die Sängerin aufgrund offensichtlicher Alkoholisierung kaum auf den Beinen halten konnte und darob ausgebuht wurde, als “Schande” und “Enttäuschung” bezeichnet hatte. Auch wenn man El Maestro zugestehen muss, dass Handlers verallgemeinernde Aussage von beträchtlicher Dummheit ist, unterbietet seine Reaktion darauf sie diesbezüglich mit Leichtigkeit; zudem transportiert das Machwerk Frauenfeindlichkeit und Rassismus, und das alles offenbar aus gekränktem Nationalstolz.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten für den Arbeitgeber, auf den Vorfall zu reagieren: entweder sieht man das Ganze als Privatmeinung eines Kaderspielers an, die vermutlich noch dazu vor Vertragsunterzeichnung geäußert wurde und tut gar nichts. Oder aber man feuert den Kicker ohne viel Federlesens, weil man der Ansicht ist, dass eine Meinung nur dann als privat durchgeht, solange sie nicht einem größeren Personenkreis gegenüber geäußert wird und alles andere potentiell vereinsschädigende Wirkung entfalten kann. Der SC Wiener Neustadt wählte den goldenen Mittelweg und tat beides: am Dienstag war man laut Manager Alex Gruber “von einer Geldstrafe weit entfernt”, da es sich “letztendlich um sein Privatleben” handelt, ein ”ernstes Wörtchen” würde aber wohl gesprochen werden. Keine 48 Stunden später war El Maestro dann freigestellt und der Klub distanzierte sich von jeglichen rassistischen Aussagen.

Es ist natürlich einfacher, einen 18-Jährigen kaltzustellen als Nachwuchsspielern neben fußballerischen Fähigkeiten auch Werte zu vermitteln, mit denen sich der Verein identifiziert und für die er auch öffentlich eintritt. Ob das im aktuellen Fall erfolgversprechend wäre, darf allerdings bezweifelt werden. In der aktuellen Ausgabe des Magazins “dasbiber” legt El Maestro nochmal nach und rechtfertigt Textpassagen der Marke “Du magst es, wenn dir ein Serbe ins Gesicht ejakuliert” mit den Worten “Das ist so auf der Straße. Wenn du jemanden nicht leiden kannst, greifst du ihn verbal an.”

Das kann man natürlich machen. Dann sollte man sich aber auch nicht wundern, wenn man über kurz oder lang auf genau diese Straße gesetzt wird.

(Lichtgestalt)

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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