Verhaltensweisen, Unterbringung etc. Die WM in Qatar ist zu Recht umstritten. Da waren nicht nur die Korruptionsvorwürfe um die Vergabe der WM 2010, die... WM in Katar: Wissen und Verhaltenstipps für Live-Zuschauer

Verhaltensweisen, Unterbringung etc.

Die WM in Qatar ist zu Recht umstritten. Da waren nicht nur die Korruptionsvorwürfe um die Vergabe der WM 2010, die das Fußballfest überschatten. Es ist auch der Staat Qatar selbst, der in der Kritik steht. Über 6500 Menschen sind bei den Bauarbeiten für die WM 2022 gestorben. Die Gründe dafür waren die katastrophalen Arbeitsbedingungen für die Arbeitsmigranten. Eine Missachtung der Menschenrechte hat nachweislich vorgelegen. Außerdem gibt es Kritik an dem Golfstaat als Austragungsort eines Fußballfestes. Denn aufgrund der streng muslimischen Verhaltensregeln wird es sicher nicht möglich sein, dass die Fans ausgelassen wie sonst feiern können. Auch die Missachtung von Frauen- und Homosexuellenrechten hat für viel Kritik gesorgt. Auch ausländische homosexuelle Paare können nicht ohne Gefahr als Zuschauer bei der WM teilnehmen. Worauf sollten sich Fans aus Österreich einstellen, wenn sie dennoch zur WM nach Qatar reisen möchten? Wie sieht es inzwischen mit der Unterbringung aus? Was kosten die Tickets? Welche Verhaltensregeln sollten beachtet werden? Letzterer Aspekt ist besonders wichtig, denn einige bei uns als normal geltende Verhaltensweisen können selbst Touristen theoretisch ins Gefängnis bringen.

Das Problem mit der Unterbringung in Qatar

Qatar ist auf den Ansturm der WM Fans vergleichsweise schlecht vorbereitet. Es gibt zwar einige Hotels, die sich jetzt im Bau befinden und pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft fertig werden sollen, aber die Kapazitäten werden voraussichtlich nicht ausreichen. Es ist davon auszugehen, dass Hotelübernachtungen, wenn überhaupt möglich, sehr teuer sein werden. Die Organisatoren der WM haben jetzt mit Ausweichmöglichkeiten geworben.

Für Fans soll es Zelte zum Übernachten geben. Die in unmittelbarer Nähe der Stadien gelegenen Zelte sollen allerdings nicht klimatisiert sein. Die zu erwartenden Temperaturen für den Winter machen eine Klimatisierung aber auch nicht unbedingt erforderlich.

Etwas luxuriöser erfolgt die Unterbringung in Zelten in Qatar am Küstenstrand. Die Veranstalter bewerben die etwa 200 gut ausgestatteten Zelte als „Event Tourismus“.

Eine weitere Möglichkeit ist in den umliegenden Ländern unterzukommen. Von dort aus soll es für Fans bis zu 160 Pendelflüge geben. Günstig wird diese Variante allerdings sicher nicht sein.

Wo kann man Tickets für die WM kaufen und was kosten sie?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Tickets für die WM 2022 Qatar zu kaufen. Der gängigste Weg ist über die offizielle Webseite des Weltfußballverbandes FIFA. Hier können sich Fans für ein Ticket bewerben. Wird ein Zuschlag erteilt, erhält der Interessent eine Benachrichtigung und kann die Karte über sein Onlinekonto kaufen.

Auch die nationalen Verbände können Tickets verkaufen, allerdings nur für die Spiele, an denen ihre Nationalmannschaft beteiligt ist. Wichtig ist auch zu wissen, dass die Tickets über die Verbände nur an Personen mit Wohnsitz in dem jeweiligen Land verkauft werden. Wer über den österreichischen Verband an ein Ticket kommen wollte, müsste also einen Wohnsitz in Österreich haben. Da Österreich aber leider die Qualifikation nicht geschafft hat, gibt es für 2022 keine Tickets über den Verband.

Darüber hinaus gibt es auch Drittanbieter, die Tickets für die WM auf verschiedenen Portalen anbieten. Die Preise können hier sehr hoch sein, außerdem sollte man darauf achten, dass es sich um ein seriöses Unternehmen handelt. Mit etwas Glück kann man über solche Portale aber auch kurzfristig noch ein Ticket ergattern.

Die Kosten für die Tickets

Für die WM 2022 in Qatar werden die Tickets in vier Kategorien eingeteilt. Die Plätze in der Kategorie 1 sind die besten und auch teuersten. Sie befinden sich an den Längseiten des Spielfeldes. Die Kategorie 4 ist am günstigsten, diese Tickets sind aber ausschließlich der Bevölkerung Qatars vorbehalten. Die Kategorie 3 ist für viele Fans interessant, denn die Plätze liegen hinter den Toren und die Karten sind etwas günstiger.

Entscheidend für den Ticketpreis ist einerseits die Kategorie der Plätze, andererseits aber auch die Turnierphase. Die Gruppenspiele sind günstiger als die K.o. Rundenspiele. Das Individualisieren von Spielplänen für die Fußball-WM 2022 ist für Firmen längst ein eigenes Marketinginstrument. Die teuersten Spiele sind das WM-Eröffnungsspiel zwischen Ecuador und Qatar, das Halbfinale und das Finale. Die Tickets kosten ab 250 und bis über 6000 EUR. Einen Überblick über die aktuellen Ticketpreise finden Fans auf der Webseite der FIFA.

Dürfen Fans bei der WM Alkohol trinken?

In Qatar ist der Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit grundsätzlich illegal. Es gibt allerdings Ausnahmen für bestimmte Hotelbars mit ausländischen Touristen. Dort ist es möglich, Alkohol zu bestellen. In Geschäften ist Alkohol nur mit besonderer Genehmigung erhältlich.

Für die WM hat es jetzt eine Kompromisslösung gegeben, wie die FIFA mitteilte. Auf dem jeweiligen Stadiongelände soll Bier auch mit Alkohol ausgeschenkt werden. Hierfür gelten allerdings ganz klare Regeln. Alkohol darf nur vor und nach dem Spiel im Umfeld des Stadions an bestimmten Stellen ausgegeben werden. Während der Spiele und direkt in den Stadien ist Alkohol hingegen streng verboten. Dort wird es nur Softdrinks und Wasser geben.

Die FIFA teilte außerdem mit, dass es ein Fan Festival geben werde. Ab 18:30 Uhr Ortszeit soll dort dann auch alkoholhaltiges Bier verkauft werden.

Achtung: Sowohl die Einfuhr als auch der Konsum jeglicher Drogen (auch Cannabis) kann mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden.

Liebe und Sexualität: hier sollten Fans wirklich aufpassen

Ganz so wie sonst wird es ganz sicher in vielerlei Hinsicht nicht werden in Qatar. Das gilt vor allem für die Themen Liebe und Sexualität. Unverheiratete Fans sollten sich gründlich informieren, denn bei Missachtung der lokalen Gesetze können auch sie im schlimmsten Fall im Gefängnis landen. Das Magazin Fokus weist ausdrücklich auf diese Gefahr hin.
Sexualität ist in Qatar nur für Eheleute erlaubt. Außerehelicher Geschlechtsverkehr kann mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft werden. Paare, die nicht verheiratet sind, sollten also vorsichtig sein. Die Fans müssen darauf vorbereitet sein, sich in der Öffentlichkeit entsprechend zu verhalten. Denn auch der Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit ist in Qatar nicht gern gesehen.

Homosexualität ist in Qatar ebenfalls strafbar, es gibt hierbei prinzipiell keine Ausnahme für Touristen. Homosexuellen Fans wird dringend davon abgeraten, ihre Liebe in der Öffentlichkeit zu zeigen. Im schlimmsten Fall drohen Haftstrafen, Auspeitschung und sogar die Todesstrafe. Schon allein aus diesem Grund befürworten viele Menschen einen Boykott der WM in Qatar.

Die Kleiderordnung für Frauen und Männer

Das islamische Land hat eine strengere Kleiderordnung, es gelten entsprechende Empfehlungen für Touristen, um Unannehmlichkeiten zu vermeiden. Grundsätzlich ist freizügige Sommerkleidung nicht empfehlenswert. T-Shirts und lange, weit sitzende Hosen gelten als okay, auch 7/8 Hosen, über knielange Röcke und Kleider und kurzärmelige Hemden bei Männern sind sicher unproblematisch. Es ist aber drauf zu achten, dass die Kleidung die Schultern, die Beine und das Dekolleté verdeckt. Für Frauen sind daher Shorts, kurze Röcke und Kleider und ärmellose Tops tabu. Auch für Männer gelten Shorts als unangemessen.

Der Umgang mit einheimischen Frauen in der Öffentlichkeit

Männliche Touristen sollten es unbedingt vermeiden, arabische Frauen in der Öffentlichkeit anzusprechen. Wenn eine Familie beispielsweise nach dem Weg fragen möchte, sollte die Frau die andere Frau ansprechen, das ist unproblematischer.

Fazit

Qatar als Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft ist für viele Fußballfans ein Skandal, der das Image der FIFA weiter verschlechtert hat. Wer dennoch zur WM reisen möchte, sollte sich auf die besonderen Umstände einstellen. Das Alkoholverbot ist ebenso zu beachten, wie das Verbot von Homosexualität, unehelichem Sex und Drogenkonsum. Auch auf verschiedene Kleider- und Verhaltensregeln sollten sich Touristen einstellen. Nicht zuletzt dürfte auch die Unterbringung ein Problem werden, da die Kapazitäten begrenzt sind.

Erwin Novotny