In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren,...

In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren, die beim österreichischen Teamchef Marcel Koller gute Karten haben. Zum Abschluss der Saison sehen wir uns die Leistungen jedes einzelnen Legionärs genau an und ziehen Bilanz. Andreas Ivanschitz kam in der vergangenen Saison auf 26 Einsätze in der Meisterschaft, wobei er nur selten über 90 Minuten durchspielen durfte.

Die Saison begann für den Offensiv-Allrounder recht gut, denn in den ersten drei Runden gegen Bayer Leverkusen, den SC Freiburg und den FC Schalke 04 stand er in allen drei Partien von Beginn an in der Startaufstellung und zeigte in diesen Spielen passable Leistungen, wobei ihm in der dritten Runde gegen die “Königsblauen“ gleich sein erstes Saisontor gelang. Ab dem vierten Spieltag deutete es sich an, dass dem Österreicher keine einfache Saison bevorstehen würde, denn nach einer schwachen Leistung gegen Hoffenheim wurde er ausgewechselt und kam auch in den nächsten beiden Runden erst in den Endphasen der Partien ins Spiel. Nach soliden Leistungen zwischen Runde acht und elf zeigte er seine beste Performance in den Runden 12, 14 und 15: In den Spielen gegen den VfB Stuttgart, Bayern München und den VfL Wolfsburg schoss er nämlich jeweils ein Tor (zwei Elfmeter) und steuerte auch drei seiner insgesamt vier Assists bei! Auch spielerisch präsentierte sich Ivanschitz gut gelaunt, was vielleicht auch damit zusammenhing, dass Constantini abgelöst wurde und er sein Comeback im ÖFB-Team feierte.

Knieverletzung stoppt Höhenflug

Am 10. Dezember 2011 zog sich der österreichische Nationalspieler beim 0:0-Unentschieden gegen den Hamburger SV in der 53. Minute eine Innenbanddehnung im Knie zu, durch die er die Vorbereitung in der Winterpause und fünf Meisterschaftsrunden verpasste. Zu diesem Zeitpunkt war er mit fünf Treffern der torgefährlichste Mainzer, wobei er drei seiner fünf Tore aus Elfmetern erzielte. Nach seiner Verletzung sollte er in der gesamten Rückrunde nur noch in einer Partie über die vollen 90 Minuten absolvieren dürfen, nämlich beim 3:0-Auswärtssieg gegen den SV Werder Bremen in der 28. Runde. In diesem Spiel zeigte er auch seine beste Leistung in der Rückrunde und steuerte seinen vierten und letzten Assist der Saison bei. Ansonsten absolvierte er leider auch ein paar Mal Spiele, bei denen ihm nicht viel gelang und er über weite Strecken untertauchte. Beim 1:1-Unentschieden gegen 1899 Hoffenheim war er bis zu seiner Auswechslung in der 59. Minute einer der schwächsten Akteure am Platz, bei den beiden Einsätzen von Beginn an gegen Bayern München in der 31. und dem VfL Wolfsburg in der 32. Runde konnte er ebenfalls keine Akzente setzen und tauchte über weite Strecken der Partie unter.

Ansprüche eines Führungsspielers wurden nicht erfüllt

Ivanschitz sieht sich selbst als Führungsspieler in der Mainzer Mannschaft und es ist gut, dass er diesen Anspruch an sich stellt. Um dem allerdings auch gerecht zu werden, muss er am Spielfeld jedoch um einiges aktiver werden, besonders was den Biss und die Körpersprache angeht. In der Rückrunde musste er um den Platz in der Startaufstellung kämpfen und stand nur fünf Mal von Beginn an am Feld, wobei er überhaupt nur einmal die vollen 90 Minuten absolvieren durfte. Die Einsatzzeiten eines Führungsspielers sehen im Normalfall anders aus.

Der schießwütige Österreicher: eine absolut erstaunliche Statistik

Absolut positiv ist, dass Andreas Ivanschitz in der vergangenen Saison oft den Abschluss suchte. Seine Bilanz in dieser Hinsicht ist sicherlich ein wenig überraschend, denn er lässt die Crème de la Crème der deutschen Bundesliga hinter sich, wie wir im folgenden Diagramm sehen können:

 

 

 

 

(Klick zum Vergrößern)

Ivanschitz schoss in 1372 Minuten 63 Mal aufs gegnerische Tor, was bedeutet, dass er im Schnitt 4,1 Mal pro 90 Minuten aus der Distanz abzog. Wir haben die torgefährlichsten Spieler der deutschen Bundesliga mit dem österreichischen Nationalspieler verglichen und es findet sich kein Spieler, der in der vergangenen Saison im Schnitt öfters den Abschluss suchte. Diese Statistik ist absolut erfreulich und sicherlich der Lichtblick der heutigen Analyse.

Weitere Statistiken

Ivanschitz absolvierte 1372 Minuten in 26 Einsätze, wurde dabei zwölfmal vorzeitig ausgewechselt und kam zehnmal erst als Joker in die Partie. Andreas Ivanschitz kam im Schnitt auf 43,4 Ballkontakte, ein Wert, den er nächste Saison hoffentlich ein wenig in die Höhe schrauben wird können. Von 334 Pässen landeten 74,9% bei seinen Mitspielern, von elf Flanken kamen zwei an. Alle 90 Minuten spielte er 1,38 Schlüsselpässen, also Zuspiele, aus denen ein Tor hätte entstehen können. Im Schnitt ging er alle 90 Minuten 1,19 Mal an einem Gegenspieler vorbei, allerdings blieb er doppelt so oft bei einem Dribbling hängen und verlor den Ball. Keine gute Statistik, denn die meisten Leistungsträger in der Offensive weisen in dieser Hinsicht eine positive oder ausgeglichene Bilanz auf.

Ivanschitz beging 29 Fouls und sah zweimal die gelbe Karte, während er selbst nur 27 Mal gefoult wurde. Er verwandelte alle drei Elfmeter und von seinen sechs Toren erzielte er vier mit dem linken Fuß und jeweils einen Treffer mit rechts und per Kopf.

Fazit

Ivanschitz verlautbarte gegenüber dem Kicker, dass er gerne seinen bis Juni 2013 laufenden Vertrag verlängern würde. Sein Knie macht ihm nun überhaupt keine Probleme mehr und er möchte in der kommenden Saison wieder voll durchstarten. In der Hinrunde zeigte der Österreicher einige Male seine Qualität, die Rückrunde lief allerdings weniger optimal, was aber sicherlich zum Teil auch mit seiner Knieverletzung zusammenhing. Die Phasen, in denen er am Spielfeld komplett abtaucht und nicht sichtbar ist, werden in der nächsten Saison hoffentlich kürzer werden. Es ist Zeit, dass Ivanschitz noch mehr Verantwortung übernimmt, mehr Biss zeigt und wirklich zu einem Führungsspieler in der Mainzer Mannschaft reift. Die Frequenz seiner Distanzschüsse (siehe Diagramm oben) darf er jedenfalls gerne auch in der nächsten Saison beibehalten. Sowohl in der deutschen Bundesliga, als auch im österreichischen Nationalteam.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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