Im August 2017 wäre Robert Enke 40 Jahre alt geworden. Leider nahm er sich 2009 das Leben und ist somit einer der wenigen Fußballprofis,... Anekdote zum Sonntag (113) –  Ein Blaugrana für die Veilchen?

Tormann ParadeIm August 2017 wäre Robert Enke 40 Jahre alt geworden. Leider nahm er sich 2009 das Leben und ist somit einer der wenigen Fußballprofis, die sich während ihrer Karriere selbsttöteten. Enkes Witwe Teresa leitet heute eine Stiftung, die Bewusstsein für Depressionserkrankungen bei Sportlern schaffen möchte. Das Ziel ist eine depressive Missstimmung einerseits wie eine Muskel- oder Knochenverletzung zu behandeln und somit deren Krankheitswert anzuerkennen und andererseits zu akzeptieren, dass sich psychische Mechanismen von physischen unterscheiden. Robert Enke hatte von frühester Jugend an eine Tendenz zur Schwermütigkeit, die Krankheit kam bei ihm trotzdem in Schüben.

Als es während seines Engagements beim FC Barcelona schlecht lief, war er am Boden zerstört. Er hatte sich bei Benfica zum Weltklassetorwart hochgespielt und war mit Glück zu den Katalanen gewechselt. Dort mussten sich die Enkes wieder auf neue Verhältnisse, eine neue Sprache, ein neues Land, neue Leute und Trainer einstellen. Bei Barça spielte anfangs der junge Victor Valdès. Robert erhielt erst im Cupspiel gegen einen Drittligisten die Chance und es kam, wie es kommen musste: Barcelona blamierte sich und Enke war fix und fertig. Er wusste: Nichts wie weg aus Spanien. Sein Berater sondierte Wechseloptionen, es meldeten sich zahlreiche Trainer und Sportdirektoren: Enkes Name hatte immer noch einen guten Klang. Auch der Ex-Nationalgoalie und jetzige Torwarttrainer Eike Immel rief beim Spanien-Legionär an: „Wir bauen mit einem Riesensponsor bei der Austria um. Willst du nicht zu uns wechseln?“

Wenige Monate zuvor waren Immel und Christoph Daum dank Peter Svetits nach Österreich gelotst worden. „Ein Trainer seiner Klasse ist nicht lange auf dem Markt“, begründete der damalige Sportdirektor der Veilchen im Oktober 2002 diese Entscheidung. In Wien X wollte man eine neue Ära einleiten. Immel und Daum waren Teil des Konzeptes, dass die Veilchen – Onkel Franks Vorhersage gemäß – in die Sternenwelt der Champions League katapultieren sollte. Doch Robert Enke folgte Eike Immels Wunsch nicht. Früher spielte Valdés statt ihm, jetzt war es Bonano. Aber nach Österreich wechseln? Bei der SV Ried hatte sein bester Freund Marco Villa gespielt. Villa konnte sich gegen direkte Konkurrenten, wie Ronald Brunmayr, nicht durchsetzen und versuchte sein Glück danach in Athen eher er nach Nürnberg verschiedene italienischen Klubs beehrte. Immel ließ nicht locker. Er wusste um Roberts Potenzial, aber nicht von Roberts Problemen. Er meldete sich nach wenigen Wochen erneut bei ihm: „Ein halbes Jahr als Leihe?“, schlug er vor. Doch Robert verneinte erneut. Die österreichische Liga war ihm zu beschaulich. Er war zwar depressiv aber trotzdem ehrgeizig und genau das war Teil seines Problems. „Im Moment denke ich nicht an Wechsel.“, würgte er Immel ab.

Später – als Robert vor einem CL-Match gegen Leverkusen aus dem Kader gestrichen wurde – rief Immel zum dritten Mal an. Dieses Mal klangen die Nachrichten aus der österreichischen Hauptstadt schon gedämpfter: „In Wien ist es doch nicht so toll. Wir gehen zu Fenerbahçe.“ Immel und Daum waren Meister und Cupsieger geworden, trotzdem nahmen sie den Hut. Offiziell nannte Daum die „Begrenztheiten und Besonderheiten des heimischen Fußballs“ als Grund. Stronach und Svetits lobte er dagegen für ihr Engagement. Jaja, man sagt eben nicht immer was man denkt.

Die türkische Liga war zwar auch nicht das Gelbe vom Ei, doch bis zum Ende der Transferzeit blieb sie für Robert Enke die einzige Möglichkeit sich zu verändern. Er folgte Immels Ruf diesmal, doch leider sollte die Zusammenarbeit nicht erfolgreich werden.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag