Da spielen zwei Nachbarn des unteren Tabellendrittels gegeneinander und die Auswärtsmannschaft gewinnt mit 5:0. Was war da los, werden sich vermutlich viele fragen. Eigentlich... Analyse: Admiras 5:0-Kantersieg in Mattersburg

Da spielen zwei Nachbarn des unteren Tabellendrittels gegeneinander und die Auswärtsmannschaft gewinnt mit 5:0. Was war da los, werden sich vermutlich viele fragen. Eigentlich nicht viel Außergewöhnliches könnte eine mögliche Antwort darauf sein. Die Partie zwischen Mattersburg und der Admira hatte sehr viele Eigenschaften eines gewöhnlichen „Mainstream-Bundesligaspiels“. Soll heißen: Ideenlose Heimmannschaft im eigenen Ballbesitzspiel, ein abwartendes Gästeteam und ein Spielrhythmus, der sich aus dem Kampf um die zweiten Bälle und sich aneinanderreihenden Umschaltsituationen zusammensetze. Die größte Überraschung sollte nach Spielschluss noch folgen. Zuvor aber noch eine taktische Spielanalyse.

Grundordnungen und Personal

Nachdem beide Trainer am vergangenen Spieltag spezifische Gegneranpassungen vorgenommen hatten, setzten in diesem Spiel sowohl Baumgartner als auch Buric auf ihre bevorzugten 4-2-3-1 Grundordnungen. Dabei interpretierten die Südstädter ihre Positionen vor allem im eigenen Ballbesitzspiel wesentlich flexibler und beweglicher als die Burgenländer. Der nominelle Zehner Christoph Knasmüllner zeigte uns dabei mit seinen sehr zurückfallenden Bewegungen einige interessante Mechanismen im Aufbauspiel der Admira, wodurch bei der Mannschaft von Gerald Baumgartner einige Male Zuordungsprobleme im Pressing entstanden.

Auch im personellen Bereich nahm Baumgartner im Vergleich zum letzten Spiel gegen Altach einige Veränderungen vor.
Die Abwehrkette bestand aus den beiden Innenverteidigern Malic und dem eigentlichen Sechser Erhardt. Flankiert wurden die beiden von den Außenverteidigern Rath auf der linken Seite und Hart auf rechts.
Die Sechser-Positionen bekleideten Jano und Florian Sittsam. Auf den Flügeln kamen die schnellen und beweglichen Gruber und Okugawa zum Zug, welche vor allem den Raum hinter der Abwehr der Admira attackierten sollten. Vornehmlich natürlich nach Kopfball-Verlängerungen von Stefan Maierhofer. Dieser bildete zusammen mit Michael Perlak die Sturmlinie. Perlak bewegte sich viel um Maierhofer herum und versuchte nach Ablagen bzw. Ballbehauptungen von Maierhofer anspielbar zu sein und das Spiel in die Tiefe weiterzuleiten.

Bei der Admira bestand die Viererkette vor Torhüter Leitner aus Wostry und Strauss im Zentrum sowie aus Ebner und Zwierschitz auf den Außenverteidigerpositionen.
Lackner und Toth bekleideten die Sechser-Positionen, wobei man durch die häufig sehr tiefe Position von Knasmüllner auch von einem Dreier-Mittelfeld sprechen könnte. Vereinzelt entstanden dadurch im Aufbauspiel der Admira 4-1-4-1 Staffelungen mit Daniel Toth auf der alleinigen Sechs.
Die Offensiv-Positionen innerhalb der 4-2-3-1 Grundordnung wurden auf dem linken Flügel von Dominik Starkl sowie von Maximilian Sax auf rechts besetzt. Lukas Grozurek spielte erneut im Sturmzentrum.

Mattersburger Spielanlage: Rustikalität vor Kreativität

Mit der Überschrift ist über das Spiel der Burgenländer leider schon relativ viel gesagt. Die Mannschaft fokussiert sich sehr stark auf das Spiel gegen den Ball, auf die zweiten Bälle und auf die daraus entstehenden Umschaltsituationen. An und für sich ist auch das keine unpassende Herangehensweise für einen mittelständischen Verein wie der SV Mattersburg einer ist. Gegen höher eingestufte Gegner führt diese Spielweise auch häufig zum Erfolg, was mit ein Grund ist für die Ausgeglichenheit innerhalb der Liga.
Problematisch wird es aber dann, wenn man auf einen Gegner trifft, der einen das Spiel und den Ball überlässt. Dann kommen unübersehbare Schwächen im Ballbesitzspiel zum Vorschein, sei es in Sachen Kreativität, Staffelungen oder der Passqualität. Auch die Mattersburger bekamen dies gegen die abwartende Admira vor allem in der ersten Halbzeit zu spüren. Bedingt durch ihren Umschaltfokus fehlten ihnen völlig die Kreativität und die nötigen Staffelungen, um durchschlagskräftig vor das Tor der Südstädter zu kommen.

Dabei war das Spiel gegen den Ball der Burgenländer zu Beginn erneut nicht schlecht. Wie von Gerald Baumgartner forciert setzten sie auf ein aktives Angriffspressing und attackierten die Admira sehr hoch. Die vorderste Pressinglinie um Maierhofer und Perlak liefen die Innenverteidiger der Admira aggressiv an und zwangen sie so zu überhasteten Abspielen. Auch hinter der ersten Pressinglinie waren die Aufgaben und Positionen klar strukturiert. Die beiden zentralen Mittelfeldspieler Jano und Sittsam rückten auf und stellten mit der notwendigen Mannorientierung die ballnahen Optionen für die Innenverteidiger zu. Überwiegend waren sie dabei mit Toth und Lackner beschäftigt. Das Zurückfallen von Knasmüllner sollte in solchen Situationen doch für einiges an Verwirrung sorgen. Er konnte einige Male die klaren 2 gegen 2 Zuordnungen im Zentrum auflösen und durch die entstandene Überzahlsituation entweder sich selbst oder einen der beiden Sechser freispielen. Dies war zwar ein recht simpler, dafür aber umso effektiverer Schachzug von Damir Buric. Nicht ganz optimal waren in diesem Zusammenhang die Positionen der beiden Flügelspieler Gruber und Okugawa. Sie orientierten sich ebenfalls relativ mannorientiert an den Außenverteidigern der Admira und waren dadurch häufig tiefer als die beiden Sechser. Dadurch waren zwar meistens die Passwege auf die Außenverteidiger zugestellt, öffnete gleichzeitig aber Räume in den Halbräumen bzw. im Zentrum, wodurch die nominelle Unterzahlsituation in diesen Bereichen noch stärker zum Vorschein kam.

Alles in allem stand aber der Mannschaftsverbund vor allem in der Anfangsphase durchaus kompakt und sauber strukturiert im Feld. Dadurch zwang man die Admira zu einer sehr tiefen und teilweise auch risikoreichen Ballzirkulation, aus der heraus wenig bis gar keine gefährlichen Angriffe entstanden sind. Leider waren aus Sicht der Mattersburger aber auch keine wirklich aussichtsreichen Balleroberungen dabei, wodurch das Pressing nicht viel für das eigene Offensivspiel abwerfen konnte.

Interessante Pressingsituation aus der ersten Halbzeit. Perlak übt aggressiv Druck auf Wostry aus, der daraufhin zurück auf Tormann Leitner spielt. Perlak geht durch und attackiert sogar zusammen mit Stefan Maierhofer Andreas Leitner. Dem bleibt in dieser Situation nur noch der lange Abschlag.
Interessant auch die angesprochenen Strukturen hinter der ersten Pressinglinie.
Gut zu erkennen ist das Zurückfallen von Knasmüllner und die dadurch entstehende Mittelfeld-Struktur aus einem Sechser und zwei Achtern.
Auch zu sehen ist in dieser Aktion das Einrücken von Ebner in den linken Halbraum.

Dabei stellt sich natürlich zwangsläufig die Frage, wie man gut verteidigen kann und trotzdem fünf Gegentore kassiert. An dieser Stelle muss man aber etwas genauer differenzieren. Bei keinem der fünf Gegentreffer ist der Pressingmechanismus der Mattersburger von der Admira spielerisch ausgehebelt worden. Das heißt, dass man aus Sicht der Mattersburger nicht den Fehler machen sollte und grundsätzlich die Ausrichtung im Spiel gegen den Ball anzweifeln sollte. Wie bereits beschrieben war dies nicht so schlecht wie das Ergebnis vielleicht vermuten lässt. Die drei Gegentore in der ersten Hälfte zum Beispiel waren wirklich eine Verkettung von unglücklichen Situationen, wie man an dieser Stelle oft so schön sagt.

Beim ersten Gegentor wird zuvor der Freistoß zehn Meter zu weit vorne abgespielt, wodurch der Admira ein simpler Pass in den offenen Zwischenlinienraum sowie ein anschließender Querpass ausreichten, um Starkl in Schussposition zu bringen. Das dessen Schuss noch unhaltbar abgefälscht wurde, passte perfekt zu dieser Situation.
Beim zweiten Tor fällt ein blind gespielter Befreiungsschlag von Sittsam Lackner vor die Füße, der dann mit einer sehr schönen Flanke hinter die Abwehr Ebner in Szene setzt.
Und beim dritten Treffer keine zwei Minuten später reicht den Südstädtern ein gewonnener zweiter Ball samt einer guten Umschaltbewegung aus, um das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Lukas Grozurek konnte in dieser Aktion seine Qualitäten als Zielspieler zeigen.

Wo steht Stefan Maierhofer?

Diese Frage haben sich zumindest im Spiel gegen die Admira die Mitspieler des „Major“ gestellt, wenn sie den Ball am Fuß hatten. Auf diesem Gedanken war eigentlich das komplette Angriffsspiel der Burgenländer aufgebaut. Mit langen Bällen auf Maierhofer wollte man das erste und zweite Drittel so schnell wie möglich überbrücken und dann nach Kopfball-Verlängerungen des besagten Maierhofer den Raum hinter der Abwehr der Admira attackieren. Dabei positionierte man sich grob gesagt in einer 4-2-4 Ordnung, in der die beiden Sechser die Aufgabe hatten, die zweiten Bälle aufzusammeln und anschließend das Spiel zu verlagern oder erneut in die Tiefe zu spielen.
Aber es daran schlichtweg an Durchschlagskraft. Aufgrund des gewählten Spielrhythmus entstand überhaupt kein Spielfluss und es fehlten spielerische Akzente, um gefährlich vor das Tor kommen zu können. Deshalb stand nach 90 Minuten auch lediglich ein Torschuss aufs Tor zu Buche. Das ist für eine Heimmannschaft schon bedenklich wenig.

Interessante Abläufe in Admiras Aufbauspiel

Das Aufbauspiel der Admira war mit der interessanteste Aspekt in dieser Partie. Vor allem deshalb, weil die Südstädter trotz des Angriffspressings der Mattersburger versuchten das Spiel von hinten aufzubauen. Sehr aktiv wurde dafür auch Tormann Leitner eingebunden, der deshalb nach Strauss und Knasmüllner auf die drittmeisten Pässe kam.

Gut und effektiv waren wie bereits beschrieben die zurückfallenden Bewegungen von Christoph Knasmüllner. Er suchte die Nähe zu den beiden Sechsern Toth und Lackner und sorgte damit für einige Zuordnungs- und Übergabeprobleme beim Gegner. Etliche 3 gegen 2 Überzahlsituationen im Zentrum sind dadurch zustande gekommen.
Daniel Toth ließ sich als Reaktion darauf ebenfalls etwas tiefer fallen und war dadurch einige Male in der hintersten Aufbaulinie neben oder zwischen den beiden Innenverteidigern zu finden.

Dazu gab es interessante Wechselspiele auf der linken Seite zwischen Thomas Ebner und Dominik Starkl. Ebner spielte einige Male im Aufbauspiel als „einrückenden Außenverteidiger“ und positionierte sich im linken Halbraum. Dominik Starkl blieb daraufhin breit auf dem linken Flügel und konnte einige 1 gegen 1 Situationen provozieren, in denen er mit seiner Schnelligkeit und Wendigkeit versuchte seine Stärken auszuspielen.

Das Einrücken von Ebner war jetzt nicht wirklich spielentscheidend und auch nur sehr vereinzelt zu sehen (auch weil sich die Admira nie konstant in der gegnerischen Hälfte festsetzten konnte), es ist aber aufgrund des bloßen Gedankens erwähnenswert. Pep Guardiola war es damals bei den Bayern in der Saison 2013/2014, der erstmals seine Außenverteidiger in die Mitte bzw. in die Halbräume ziehen hat lassen. Einige Trainer nahmen daraufhin diese Variante mit auf in ihren Taktik-Werkzeugkasten. In Österreich leistete Thorsten Fink mit seiner Austria diesbezüglich Vorarbeit. Auch er lässt seine Außenverteidiger (vor allem Martschinko) regelmäßig in die Mitte ziehen um Raum für seine pfeilschnellen Flügelspieler zu schaffen. Dosiert und flexibel eingesetzt bietet diese Variante einer Mannschaft sehr viele Möglichkeiten und Alternativen.

Größte Überraschung nach Spielschluss

Für die größte Überraschung des Spieltags sorgte nach Spielschluss Admira-Coach Damir Buric mit seinem Wechsel nach Deutschland zu Greuther Fürth. Daher ist es noch ein bisschen schwieriger, das ansonsten schon eigenartige Spiel mit diesem verrückten Ergebnis einzuordnen.
Ohne die Entwicklung der Admira in den letzten Monaten im Detail verfolgt zu haben machte es schon den Eindruck, dass Buric eine stabile Mannschaft mit einem nüchternen Plan geformt hat. Es gab nie Extreme im Spiel der Südstädter unter Buric, dafür aber immer wieder kleinere und effektive Anpassungen in Bezug auf taktische Grundordnungen oder Spielerrollen. Das komplette Gesamtpaket von Damir Buric dürfte daher auch Greuther Fürth überzeugt haben, ihn zu verpflichten.

Über den tatsächlichen Leistungsstand beider Mannschaften gibt uns das Spiel, wie vielleicht bereits durchgedrungen, wenig bis gar keine Aufschlüsse. Mattersburg war nicht so schlecht und die Admira nicht so gut wie das Ergebnis vielleicht vermuten lässt. Deshalb macht es am meisten Sinn, die nächsten Wochen beider Teams abzuwarten, bevor man Einschätzungen abgeben kann. Dazu kommt bei der Admira jetzt noch ein Trainerwechsel, der in dieser Saisonphase ebenfalls nicht ganz leicht zu handeln sein wird.

Sebastian Ungerank, abseits.at

Sebastian Ungerank

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