Am vierten Spieltag der österreichischen Bundesliga kam es in der Bundeshauptstadt zum Duell der „Austrias“, nämlich jener aus Wien und aus Klagenfurt. Dabei stand... Analyse: Austria kommt nicht vom Fleck

Am vierten Spieltag der österreichischen Bundesliga kam es in der Bundeshauptstadt zum Duell der „Austrias“, nämlich jener aus Wien und aus Klagenfurt. Dabei stand die Wiener Austria schon gehörig unter Druck, sprang doch aus drei absolvierten Ligaspielen nur ein mickriger Zähler heraus. Man wurde zwar sicherlich etwas unter Wert geschlagen, doch die Tabelle lügt selten. Daher stand man nun gegen den Aufsteiger gehörig unter Zugzwang und ein Sieg war bereits mehr oder weniger Pflicht. Auf der anderen Seite stand die Klagenfurter Austria wesentlich besser da, nachdem man am vergangenen Wochenende gegen Hartberg den ersten Sieg der Saison einfahren konnte. Dadurch konnte man wesentlich entspannter nach Wien reisen und sicherlich befreiter als der Gegner auftreten.

Zähe Partie ohne Tempo und Intensität

Die Wiener Austria unter Neo-Trainer Schmid kommt nicht wirklich in die Gänge und wartet nach wie vor auf den ersten Saisonsieg. Zwar konnte man zuletzt in Salzburg mit einer guten Leistung aufwarten und wehrte sich tapfer, fuhr allerdings letztlich mal wieder mit leeren Händen nach Hause. Taktisch zeigte man sich allerdings zumindest verbessert und die Abläufe schienen besser zu greifen, wodurch man insgesamt wenig zuließ. Diesen Trend wollte man klarerweise fortsetzen, auch wenn die Aufgabe und Herangehensweise gegen den Aufsteiger eine andere sein würde. Daher kehrte man auch von der Fünferkette zurück zur Viererkette und zum eigentlichen 4-2-3-1-Stammsystem, da man davon ausgehen konnte, dass in erster Linie spielerische Lösungen gefragt sein würden. Überraschenderweise erhielt Ex-Kapitän Alexander Grünwald dabei den Vorzug, obwohl dieser bei seinem letzten Auftritt nicht wirklich zu überzeugen wusste.

Die Klagenfurter Austria setzte auf der anderen Seite ebenfalls auf das gleiche System, interpretierte dieses aber klarerweise anders als die Wiener. In erster Linie zog man sich in die eigene Hälfte zurück und ließ die Austria kommen, weshalb man zwei engmaschige Viererketten aufbaute, die die Räume speziell im Zentrum verknappen sollten. Die beiden vorderen Akteure sollten den Sechserraum zustellen, wobei ein Stürmer auf den ballführenden Verteidiger herausrückte, während der andere diese Bewegung absicherte und den ballnahen Sechser deckte. Der Aufsteiger setzte also auf ein klassisches tieferes Mittelfeldpressing und hatte wie man es von einem von Peter Pacult trainierten Team gewöhnt ist, keinen hochkomplexen Matchplan, sondern man versuchte sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und die simplen Basics gut abzurufen.

Das klappte zu Beginn auch recht gut, denn die erste Chance fanden die Gäste nach wenigen Minuten vor. Das sollte allerdings das einzige offensive Ausrufezeichen für längere Zeit gewesen sein, denn ansonsten lief bei den Kärntnern nicht viel zusammen. Die Wiener Austria ließ die Verteidiger der Klagenfurter in Ruhe das Spiel aufbauen und setzte ebenfalls auf Mittelfeldpressing. Doch kombinatorische Lösungen nach vorne waren beim Aufsteiger kaum zu sehen, es regierte meist der hohe Ball auf Zielspieler Pink. Vereinzelt kam etwas Struktur ins Mittelfeld, sofern sich „Zehner“ Greil tiefer fallen ließ, doch das waren nur seltene Momente. Meist agierte man sehr durchsichtig und die Gastgeber hatten wenig Mühe, die Angriffe und vielen hohen Bälle zu verteidigen.

Austria und die fehlende Präzision im letzten Drittel

Und die „Veilchen“? Die taten sich schwer, ins Spiel zu finden. Zu Beginn wirkte man fahrig und nicht bissig genug in einzelnen Duellen, was vermutlich auch mit der abwartenden Haltung zu tun hatte, die man gegen den Ball wählte. Erst nach gut 20 Minuten wurde es etwas besser bei den Wienern und man begann ins Spiel zu finden.

Was war der Plan der Gastgeber? Man setzte auf einen behutsamen Spielaufbau, versuchte die gegnerische Kette in Bewegung zu bringen und geduldig nach vorne zu spielen. Meist geschah dies über die Außenverteidiger, wobei die rechte Seite hier ein Übergewicht hatte und Rechtsverteidiger Teigl zu vielen Ballkontakten kam. Das lag auch daran, dass seine Positionierung etwas höher war als jene von Kapitän Suttner, der sich hinter Fitz stärker um die Absicherung kümmern musste. Die besten Szenen hatte man, sofern die Außenverteidiger aufzogen und äußeren Mittelfeldspieler ins Zentrum einrückten, um den Zwischenlinienraum zu besetzen.

Hier konnte man mit den nachstoßenden Sechsern der Wiener fortlaufend immer wieder den Ball gut in den eigenen Reihen zirkulieren und stimmige Dreiecke aufbauen, weshalb man sich allmählich ein Übergewicht in Ballbesitz erarbeiten konnte. Die Gastgeber bohrten aber auch gezielt eine Schwachstelle der Klagenfurter an und es war deutlich ein Angriffsmuster zu erkennen. Die „Veilchen“ versuchten durch die hohe Positionierung von Teigl den Außenverteidiger des Gegners herauszulocken, der auch immer wieder weit nach außen schob.

Dadurch boten sich immer wieder Räume in dessen Rücken an, die man gezielt suchte und auch attackierte. Dadurch konnte man sich bereits gegen Ende des ersten Durchgangs immer mal wieder freispielen und in Richtung Grundlinie ziehen, wodurch es einige Male brenzlig für die Gäste wurde. Diese Probleme wurden dadurch verursacht, dass das Team von Trainer Pacult nicht passend in der Abwehr durchsicherte und in Richtung Ball nachschob, da die Abwehrspieler meist das Zentrum hielten. Vorerst schlug man aber nur in Ansätzen Kapital heraus, was sich aber im zweiten Durchgang ändern sollte.

Austrias Drangphase gestört durch schlechtes Strafraumverhalten

Nach dem Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit dauerte es nicht lange, bis die Wiener Austria eine regelrechte Druckwelle auf den Aufsteiger aufbaute. Manfred Schmid nahm kleine Anpassungen vor was die Positionierung der Sechser betrifft, was zu einer erhofften Reaktion der Klagenfurter führte. Ein Sechser der Gastgeber ließ sich im Spielaufbau etwas tiefer fallen und stellte eine Überzahl gegen die zwei Stürmer der Gäste her. Dadurch wurde ein zentraler Mittelfeldspieler der Klagenfurter genötigt, nachzurücken, um das Loch zu schließen und Gleichzahl herzustellen. Dadurch entstand allerdings ein kurzzeitiges Loch im verbliebenen Mittelfeld, welches die „Veilchen“ nun gezielt bespielten.

Man überflutete regelrecht die zentralen Zonen mit den eingerückten Flügelspielern und erspielte sich so ein Übergewicht im Mittelfeld, wodurch Klagenfurt nicht mehr wirklich in die Zweikämpfe kam. Die Folge war, dass der Aufsteiger immer mehr wackelte und ein Führungstreffer der Wiener Violetten in der Luft lag. Die Favoritner kamen auch zu einigen hochkarätigen Chancen, ließen diese aber leichtfertig liegen. Tore, die man nicht macht bekommt man, heißt es in einer alten Fußballerweisheit. Es kam dann was kommen musste, denn nach einer Ecke gingen die Gäste aus dem Nichts in Führung und stellten das Spiel auf den Kopf.

Die Wiener Austria machte allerdings dort weiter, wo sie aufhörte, spielte unbeirrt weiter und übte Druck aus. Mit Mittelfeldspieler Jukic, der für den schwachen Grünwald eingewechselt wurde, kam nochmal zusätzlicher Schwung und Dynamik ins Spiel und dieser sorgte mit seinen Hereingaben und Vorlagen mehrmals für Gefahr im Strafraum. Gerade in diesen Situationen wurde es offensichtlich, was eines der größten Mankos der Austria ist – nämlich die Strafraumbesetzung. Mehrmals in dieser Partie brach man über die Flanken dank guter Dreiecksbildung durch, doch die Hereingaben kamen fast nie beim Mitspieler an. Die Ursache war, dass man einerseits oftmals zu wenige Spieler in den Strafraum brachte und diese vordergründig rundum postiert waren. Andererseits: Wenn man die Spieler im Strafraum hatte, agierten sie oft kopflos und ohne Struktur. Die Laufwege wirkten nicht einstudiert und jeder agierte nach Bauchgefühl, was zur Folge hatte, dass mehrmals die Positionen schlicht nicht besetzt wurden.

Exemplarisch hierfür sind Fitz und Djuricin zu nennen, die mit meist mehr spekulierten, statt bestimmte Zonen zu attackieren. Fitz als ballferner Flügelspieler attackierte kaum den zweiten Pfosten, während Djuricin als einziger Mittelstürmer meist nur im Fünfer lauerte und sich versuchte von den Gegenspielern abzusetzen, statt in den Ball zu sprinten. Das kann natürlich auch funktionieren, nur muss es dann in der Umgebung Spieler geben, die mit ihren Laufwegen die Verteidigung unter Druck setzen. Bei der Austria wirkte es so, als würde nach dem Flügeldurchbruch jeder darauf warten, dass der Ball irgendwie zu einem Mitspieler durchrutscht, statt selbst aktiv zu werden und den Ball zu attackieren. Dabei geht es in solchen Situationen nicht nur darum, selbst zu einer Torchance zu kommen, sondern vor allem auch darum für den Mitspieler mögliche Räume zu öffnen.

Exemplarisch hierfür wäre etwa der Rückraum zu nennen, den viele Topteams gekonnt zu bespielen wissen, da die Verteidiger meist darauf bedacht sind, zum Tor zu verteidigen. Wenn allerdings quasi Stillstand herrscht und jeder schon dort lauert, bevor der Ball überhaupt gespielt wird, hat es die Verteidigung leicht, nicht zum Tor zu verteidigen, sondern sich am Gegenspieler zu orientieren, da sie nicht mit Laufwegen zum Gehäuse gestresst werden. Deswegen ist es auch elementar, dass ein Mittelstürmer konstant die erste Stange attackiert, um auch im Rückraum Räume für Mitspieler zu öffnen.

Alternativ kann das natürlich auch jemand anderer sein, doch die erste und zweite Stange, sowie der Rückraum, müssen konstant besetzt werden. Dies fehlte der Austria völlig, weshalb viele Situationen, die man gut herausspielte, nahezu stümperhaft vergeben wurden. Aus der Kritik ausnehmen muss man hier Manfred Fischer, der mehrmals die zweite Stange aggressiv attackierte und zu einigen Möglichkeiten kam, allerdings etwas unglücklich im Abschluss agierte. Hier sieht man zumindest Ansätze, was mit dem unbedingten Willen und der „Geilheit“ auf Tore möglich wäre, wenn man auch aggressiv in die Bälle hineingeht.

Etwas besser wurde es mit dem eingewechselten Stürmer Ohio, der die Präsenz im Strafraum erhöhte und zumindest hin und wieder die erste Stange attackierte. So kam er auch zu einer Topchance, die er jedoch verstolperte. Durch die Umstellung auf 4-4-2 erhöhte man zwar die Präsenz im Strafraum, allerdings auf Kosten der Verbindungen in der Ballzirkulation, wodurch man sich schwerer tat in den ersten beiden Dritteln Klagenfurt auszuspielen und zügig nach vorne zu kommen. Das lag aber auch daran, dass Gäste-Trainer Pacult einen Sechser bereits vor der Führung einwechselte und so das Zentrum stabilisierte. Nach einem Standard gelang der Austria dann doch noch der Ausgleich, eine Schlussoffensive gab es dann aber nicht wirklich zu sehen, da die Kräfte aufgrund der Hitze auch zunehmend nachließen und speziell die Außenverteidiger nicht mehr im höchsten Tempo vorstießen und für Druck sorgten. So blieb es letztlich beim 1:1-Unentschieden.

Fazit

Nach dem vierten Spiel wartet die Wiener Austria also nach wie vor auf ihren ersten Sieg in der Bundesliga. Dabei war dieser bislang in dieser Saison noch nie so auf dem Silbertablett serviert worden, wie gegen Klagenfurt, denn über das gesamte Spiel gesehen war man die klar bessere Mannschaft, brachte die Gäste mehrmals zum Wanken und laut Expected Goals hätte man knappe drei Treffer erzielen müssen.

Letztendlich muss man sich erneut gegen einen unterlegenen Gegner mit einem Punkt begnügen, da man vor allem im letzten Drittel zu wenig Struktur und Zielstrebigkeit aufbaute und aus vielen gefährlichen Situationen insgesamt dennoch zu wenig Kapital schlug. Hier muss man auch die mangelnde Kreativität beanstanden, denn oftmals ist das Spiel im letzten Drittel auch zu statisch und es fehlt an den besonderen Momenten bzw. speziell an Dribblings, die Räume kreieren und für Probleme beim Gegner sorgen.

So ist es exemplarisch, dass Fitz mit zwei gewonnenen Dribblings den Saisonrekord aufstellte, da bislang kein Akteur zuvor mehr als ein Dribbling pro Spiel gewann (zum Vergleich, Ex-Austrianer Sarkaria kam gegen den LASK nach seiner Einwechslung in 30 Minuten alleine auf drei gewonnene Dribblings). Austria-Trainer Schmid steht also noch viel Arbeit bevor und das bevorstehende Programm verheißt nichts Gutes für die Violetten, geht es doch in den nächsten Wochen gegen Sturm, Rapid und den LASK.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic

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