Am Freitag startete offiziell eine neue Ära bei der Wiener Austria, denn Neo-Coach Christian Ilzer und das neue Trainerteam baten zum ersten Training... Der Kader der Wiener Austria im Fokus

 

Am Freitag startete offiziell eine neue Ära bei der Wiener Austria, denn Neo-Coach Christian Ilzer und das neue Trainerteam baten zum ersten Training auf dem Trainingsplatz und dürfen ihre neue Mannschaft kennenlernen – womit auch der Startschuss zur neuen Spielzeit eingeläutet wird. Die spannende Frage wird dabei sein: Welche Vorstellungen und Schwerpunkte wird Ilzer versuchen den Spielern zu vermitteln und wo genau wird der Fokus gelegt werden? Dabei spielen auch Transfers eine wichtige Rolle, wodurch man eine mögliche zukünftige Spielanlage ableiten kann –  u.a. aufgrund der verpflichteten Spielerprofile. Daher wollen wir einen Ausblick wagen, in welche Richtung sich die Kaderzusammenstellung entwickelt und welche Aussagekraft sie bisher hat.

In welche Richtung entwickelt sich die Kaderplanung?

Mit Stephan Zwierschitz, Benedikt Pichler und den zuletzt verpflichteten Maudo Jarjue, Caner Cavlan und Johannes Handl haben die Violetten bereits einige Neuverpflichtungen getätigt, wobei sich auch noch zusätzlich die beiden Rückkehrer Tarkan Serbest und Kevin Friesenbichler (vorerst) zur Mannschaft gesellen werden. Damit weist die Austria bereits einen Kader von 29 Spielern auf, wovon 26 Feldspieler sind. Damit haben die Wiener bereits vor dem Trainingsstart einen recht breiten Kader, der quantitativ auch dazu in der Lage wäre, eine mögliche Doppelbelastung aufzufangen und zu kompensieren.

Gewisse Mannschaftsteile dürften dabei bereits so gut wie in Stein gemeißelt und weitere Neuverpflichtungen auf diesen Positionen unwahrscheinlich sein. So etwa auf der Position des Torhüters, wo die Veilchen wohl mit Pentz, Lucic und Kos in die Saison gehen werden. Dabei wird es wohl einen offenen Zweikampf zwischen Pentz und Lucic geben, die beide in der vergangenen Saison zwar nicht unbedingt brillierten, aber andererseits auch schon unter Beweis stellten, dass sie das Potenzial zu guten Bundesliga-Torhütern hätten und noch vor allen entwicklungsfähig sind. Während Pentz vor allem fußballerisch ein großes Plus mitbringt, scheint Lucic auf der Linie der Stärkere zu sein, weshalb es spannend wird, für welchen Spielertypen sich Ilzer entscheiden wird. Es gab zwar das eine oder andere Gerücht, die Austria würde sich auf dieser Position umsehen und eine zusätzliche Verstärkung in Erwägung ziehen, doch es scheint unwahrscheinlich, dass man dafür finanzielle Ressourcen bereitstellt, obwohl dies keine große Baustelle darstellt. Da wird der Fokus wohl auf wichtigeren Positionen liegen, wo man großen Nachholbedarf sieht.

Die Abwehrreihe dürfte höchstwahrscheinlich ebenfalls durch die zuletzt getätigten Verpflichtungen von Maudo und Cavlan bereits fixiert worden sein. Auf der rechten Seite wird es wohl zu einem Dreikampf zwischen Dauerbrenner Florian Klein und seinen Herausforderern Petar Gluhakovic und Neuzugang Stephan Zwierschitz geben. Dahingehend muss man sich bei den Veilchen wohl keine Sorgen machen, denn sowohl quantitativ, als auch qualitativ ist man auf dieser Position für österreichische Verhältnisse sehr gut besetzt und kann auch mit verschiedenen Spielertypen aufwarten.

In der Innenverteidigung ist man mit Michael Madl, Alexandar Borkovic, Christian Schoissengeyr und den Neuzugängen Maudo Jarjue und Johannes Handl mittlerweile ebenfalls doppelt besetzt, nachdem man den Brasilianer Igor nicht halten konnte. Allerdings hat man eine Einschränkung, denn Schoissengeyr wird wohl erst im September wieder zur Verfügung stehen. Klar ist jedoch, dass für den hochtalentierten Borkovic eine große Rolle vorgesehen ist und er wohl in der Innenverteidigung neben Abwehrchef Madl gesetzt sein wird. Borkovic hat seine Verletzungsprobleme mittlerweile überwunden und konnte in den letzten Spielen mit guten Leistungen aufzeigen, wodurch diese Entscheidung nur die logische Konsequenz ist, das Eigengewächs nun zu fördern und zu fordern. In der Rangfolge danach wird es spannend zu sehen sein, wie sich der Neuzugang Maudo in der Vorbereitung präsentieren und in dem neuen Umfeld einfügen wird und ob er schon frühzeitig Ansprüche auf einen Stammplatz stellen wird können. Notfalls stehen mit Zwierschitz und Ebner zwei weitere Spieler zur Verfügung, die ebenfalls in der Innenverteidigung aushelfen könnten.

Auf der linken Abwehrseite wird es in der Vorbereitung ebenfalls zu einem heißen Kampf zwischen Christoph Martschinko und Caner Cavlan kommen. Martschinko konnte speziell bei seinen letzten Einsätzen im Frühjahr durchaus überzeugen und steigerte sich im Frühjahr kontinuierlich, wodurch er zu seiner alten Form zurückfinden konnte. Dennoch könnte es für Martschinko schwer werden, den Vorzug zu bekommen, denn mit Neuzugang Cavlan könnte ein potenzieller Schlüsselspieler geholt worden sein, der eine wichtige Rolle in der neuen Spielanlage unter Trainer Ilzer einnehmen könnte. Cavlan ist nämlich ein sehr offensiv ausgerichtet und druckvoller Außenverteidiger, der in der Lage ist dem Spiel nicht nur Breite zu geben, sondern mit seinen Vorstößen auch für Gefahr zu sorgen, weshalb seine zehn Scorerpunkte in der vergangenen Saison in der holländischen Eredivisie auch nicht von ungefähr kommen. Cavlan könnte auch der erste richtige Vorbote sein, mit welcher Spielanlage und welchem System Christian Ilzer gedenkt, seine Mannschaft aufs Feld zu schicken. Die „Raute“ könnte dabei ein Revival in Wien-Favoriten feiern und Cavlan eine ähnliche Rolle wie Schmitz in Wolfsberg einnehmen.

Offensive Fragezeichen und richtungsweisende Entscheidungen

Welche Richtung in Punkto Spielanlage die Austria letztlich einschlagen wird, entscheidet sich in der Kaderplanung vor allem in den offensiveren Bereichen – oder besser gesagt im Mittelfeld. In den vorderen Regionen hat die Austria bislang nur Benedikt Pichler in die Hauptstadt gelotst, der sowohl auf der Außenbahn, als auch als Stürmer auflaufen kann – womit er eine gewisse Flexibilität mitbringt und in verschiedenen Systemen zum Einsatz kommen kann. Hier ist die entscheidende Frage, welchen Spieler man in der Offensive noch gedenkt dazu zu holen und vor allem was für ein Spielertyp es sein soll. “Klassische“ Flügelspieler im herkömmlichen Sinn hat man mit Sax, Sarkaria und Pichler drei im Kader, was für ein auf klassischen Flügelstürmer basierenden System quantitativ und qualitativ wohl ein Fragezeichen wäre, selbst wenn man Dominik Prokop noch zu dieser Riege dazuzählen würde. Daher kann man auch konstatieren, dass sofern die Austria keinen weiteren Flügelstürmer verpflichtet, man wohl in Sachen Spielanlage einen anderen Weg einschlagen wird.

Sollte das tatsächlich so sein und man die „Raute“ in Zukunft forciert, dann könnte ein unerwarteter Rückkehrer zu einem Schlüsselspieler mutieren. Tarkan Serbest kehrt nämlich nach aktuellem Stand trotz einer guten Saison in der Türkei zurück, wo er sich als Stammspieler etablieren und zu den besten Spielern seines Teams zählte. Jedoch war Kasimpasa die kolportierte Kaufoption von zwei Millionen Euro zu hoch, da die türkische Lira bekanntlich mit Problemen zu kämpfen hat und dies der heimischen Liga auch finanziell zusetzt. Für die Austria könnte das zum Glückfall mutieren, denn bereits Ex-Trainer Letsch hätte die Qualitäten von Serbest für sein System dringend benötigt, passt doch der Mittelfeldspieler durch sein Fähigkeitsprofil nahezu ideal als Verbindungsspieler in ein „Rautensystem“. Auch aktuell ist es so, dass Serbest als Box-to-Box Spieler und dank seiner Polyvalenz prädestiniert dafür wäre, eine wichtige Rolle unter Christian Ilzer einzunehmen und zum Schlüsselspieler zu werden. Seine Qualitäten als Verbindungsspieler einerseits und seine Präsenz in beide Richtungen andererseits, täten dem Spiel der Austria unheimlich gut und würden zu einer gewissen Ausgewogenheit und Balance führen, wodurch speziell Kapitän Alexander Grünwald profitieren würde. Aber auch ohne dem „Rautensystem“, würde Serbest eine wichtige Rolle einnehmen können, weshalb die Austria danach trachten sollte, das Eigengewächs nicht leichtfertig herzugeben. Von dem „Rautensystem“ könnte auch der hochveranlagte Niels Hahn profitieren, der ebenfalls auf den Halbpositionen zum Einsatz kommen könnte.

Relativ klar wird darüber hinaus jedenfalls sein, dass Ilzer auf einen klaren „Ankersechser“ setzen wird. Dieser soll klarerweise vor der Abwehr agieren und nicht nur der Offensive den Rücken freihalten, sondern auch für spielerische Akzente sorgen und generell das Gesamtgebilde zusammenhalten. Ob dabei James Jeggo, Thomas Ebner oder Vesel Demaku den Vorzug erhalten, bleibt noch offen und wird sich erst in der Vorbereitung herauskristallisieren. Was ebenfalls als gesichert angesehen werden kann ist, dass Kapitän Alexander Grünwald eine Schlüsselrolle in den Überlegungen von Christian Ilzer einnehmen und die Spielanlage auf die Stärken des Spielmachers ausgerichtet werden wird. Ilzer bewies schon beim WAC, dass er diese Art von Spielertyp passend in eine Mannschaft einbauen kann, wodurch speziell Michael Liendl einen „zweiten Frühling“ in seiner Karriere erlebte und nicht umsonst zu den besten Spielern der vergangenen Saison zählte. Daher ist davon auszugehen, dass Kapitän Grünwald das entscheidende Puzzleteil in den Überlegungen von Ilzer werden wird und er zu seinen starken Jahren unter Fink anschließen könnte, wo eine ähnliche Konstellation dazu führte, dass Grünwald perfekt zur Geltung kam und sein volles Potenzial ausschöpfen konnte.

Was ebenfalls relativ sicher sein wird ist, dass die Austria unter Ilzer zumeist mit zwei klaren Spitzen auflaufen wird, da der Steirer dies bei seinen bisherigen Stationen zumeist so handhabte. Mit Alon Turgeman, Christoph Monschein, Bright Edomwonyi, Sterling Yateke und Rückkehrer Kevin Friesenbichler besitzt die Austria auch eine Vielzahl von unterschiedlichen Angreifertypen, die man klarerweise auch irgendwie in das eigene Spielsystem integrieren muss. Wobei es auch hier Fragezeichen gibt, da es für Friesenbichler wohl keine Zukunft in Wien-Favoriten geben wird und sich auch bei Edomwonyi die Gerüchte ranken, dass für ihn ein Abnehmer gesucht wird. Sollten die beiden die Austria verlassen, könnte sich auf der Position noch etwas tun, ansonsten erscheint es als eher unwahrscheinlich, da auch der im Winter verpflichtete Sterling Yateke sein großes Potenzial in der zweiten Liga schon mehrfach andeutete und in Wien immer besser zurechtkommt.

Fest steht jedoch, dass der Kader der Austria größtenteils bereits steht und nur noch auf wenigen Positionen Handlungsbedarf herrscht. Im Endeffekt könnte man das sogar auf nur zwei Positionen runterbrechen: Entweder man holt jemanden für die Achterposition und einen Verbindungsspieler, der sich in der Raute wohlfühlen und der Mannschaft einen Mehrwert verschafft, oder man schnappt sich noch einen dribbelstarken Flügelstürmer, der über die Außenbahn Druck machen kann und dem Spiel Breite geben kann. Allmählich klart die angedachte Spielanlage der Austria auf und anhand der nächsten Neuverpflichtung könnte dies der letzte Indikator sein, wie die Veilchen in Zukunft auflaufen werden.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic