Der Transfer von Franck Matondo von Straßwalchen zu Kapfenberg sorgte für Aufsehen. Im Interview mit abseits.at spricht der 26jährige Stürmer aus Ungarn über seine... Franck Matondo: „Bin erst bei 30 Prozent“

Der Transfer von Franck Matondo von Straßwalchen zu Kapfenberg sorgte für Aufsehen. Im Interview mit abseits.at spricht der 26jährige Stürmer aus Ungarn über seine ersten Eindrücke beim Bundesligisten, über seine schwierige Vergangenheit und welche Ziele er sich gesteckt hat.

abseits.at: Franck, bis vor einigen Wochen hast du noch für Straßwalchen in der 4. Liga in Salzburg gespielt. Wie waren die ersten zehn Tage bei deinem neuen Verein SV Kapfenberg?
Matondo: Sehr angenehm. Ich wurde gut aufgenommen und es herrscht ein angenehmes Klima in der Mannschaft. Das Tempo ist in der Bundesliga natürlich um einiges höher, an das muss ich mich erst gewöhnen. Ich habe noch konditionelle Defizite, da ich in den vergangenen drei Jahren in unterklassigen Vereinen gespielt habe. Ich denke, dass ich derzeit erst bei 30 Prozent meiner eigentlichen Leistung bin und noch einige Wochen brauche, um voll fit zu sein.

abseits.at: In der Salzburger Liga warst du mit 36 Treffern in 30 Partien der Goalgetter schlechthin. Welche Ziele hast du dir in der Bundesliga gesetzt?
Matondo: Das ist schwer zu sagen, jetzt muss ich mal fit werden und hoffentlich bleibe ich von Verletzungen verschont. Wenn ich bis ins Frühjahr fünf Tore oder mehr schaffe, wäre ich bereits zufrieden.

abseits.at: In den Fan-Foren überwiegt ob deines Transfers eher Skepsis. „Was, schon wieder ein Landesliga-Kicker“ ist nur ein Kommentar zu deinem Wechsel. Was denkst du dir, wenn du das liest?
Matondo: Die Fans von Kapfenberg sollen mir eine faire Chance geben. Das habe ich mir verdient. Werner Gregoritsch wollte mich unbedingt haben, also kann ich kein schlechter Kicker sein.

abseits.at: Es ist ungewöhnlich, dass ein Spieler erst mit 26 Jahren in die Bundesliga wechselt…
Matondo: Es hat in meiner bisherigen Karriere einfach nicht so geklappt, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich habe vor drei Jahren für REAC in der ersten Ungarischen Liga gespielt. Die Lage damals war aber alles andere als zufriedenstellend, denn der Klub stand kurz vor dem Konkurs. Wir standen vor der Wahl, ob wir ohne Gehalt weiterspielen wollen oder uns was neues suchen. Über einen Freund bin ich dann zu Melk nach Niederösterreich gekommen.

abseits.at: Du hattest im vergangenen Jahr auch ein Angebot von St. Pölten. Warum hast das ausgeschlagen?
Matondo: Das war einfach nicht gut genug. Wenn dann will ich bei einem Zweitligisten spielen, der um den Aufstieg mitspielt oder eben bei einem Bundesligisten. In Kapfenberg hat das nun geklappt.

abseits.at: Wie würdest du dich selbst als Fußballer beschreiben?
Matondo: Ich bin ein richtiger Straßenkicker, der vom Fußball besessen ist und ihn jede Minute lebt. Der „Käfig“ war in Budapest mein Zuhause. Ich habe den oft zitierten Torriecher. Ich weiß einfach immer, wann ich wo zu stehen habe. Außerdem bin ich beidbeinig und kann gefährliche Freistöße und Eckbälle treten. In Straßwalchen habe ich einige Elfmeter vergeben, daran muss ich noch arbeiten.

abseits.at: Wer sind deine Vorbilder?
Matondo: Ich war immer ein Fan der beiden ehemaligen Arsensal-Stürmer Ian Wright und Thierry Henry. Das sind beide grandiose Stürmer, die immer den Abschluss gesucht haben. Ich mag aber zum Beispiel auch gerne den Schauspieler Denzel Washington, weil er so wandlungsfähig in seinen Rollen ist.

abseits.at: Dunkelhäutige Spieler sind im österreichischen Fußball selten anzutreffen. Hattest du schon Probleme mit rassistischen Übergriffen?
Matondo: Nein, nie. Weder in Ungarn noch in Österreich. Ich wurde immer sehr herzlich aufgenommen und nie beschimpft. Vielleicht liegt das aber auch daran, weil ich immer sehr offen auf die Menschen zugehe.

abseits.at: Es fällt auf, dass du perfekt Deutsch sprichst. Wo hast du das gelernt?
Matondo: Ich habe in St. Pölten die U10- und U8-Mannschaften trainiert. Die Kinder waren sehr gute Lehrmeister. Ich habe auch kurz einen Deutschkurs besucht. Das wurde mir aber zu langweilig, weil ich die Sprache viel schneller gelernt habe als die anderen. Da waren Leute dabei, die seit vielen Jahren in Österreich leben und kein Wort Deutsch konnten. Das hat mich schon ein wenig schockiert.

abseits.at: Zum Abschluss ein kleiner Ausblick: Was macht Franck Matondo in zehn Jahren?
Matondo: Ich werde auf jeden Fall Trainer sein. Die UEFA B-Lizenz habe ich bereits. Jetzt mache ich gerade die A-Lizenz. Mein großes Vorbild ist Pep Guardiola von Barcelona. Er ist ein sehr intelligenter Mensch und war schon als Spieler eine fixe Größe.

Zur Person:

Franck Matondo wurde am 8. März 1985 in Budapest geboren. Sein Vater flüchtete einst aus dem Kongo nach Ungarn. In seiner Jugend spielte Franck Matondo für Ujpest Budapest. Mit 16 Jahren feierte er sein Debüt in der zweiten ungarischen Liga. Nach einem unglücklichen Gastspiel bei Pforzheim in der 4. deutschen Liga kehrte er nach Ungarn zurück. Dort spielte er kurze Zeit für REAC in der ersten Liga, ehe er nach Melk in die Gebietsliga wechselte. Nach einer Empfehlung des ehemaligen Sturm-Spielers Hannes Reinmayr kam er nach Straßwalchen in die vierte Liga. Dort erzielte er in 30 spielen 36 Treffer und führte die Flachgauer in der abgelaufenen Saison auf den vierten Tabellenrang.

Piro McQueen, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen