Der Schlager der 27. Runde in der tipp3 Bundesliga lautete FK Austria Wien gegen FC Red Bull Salzburg. Viele sahen in dieser Begegnung für... Gute Antwort auf Ausschluss – Salzburg holt bei Austria in Unterzahl ein 1:1

Kevin Kampl (Red Bull Salzburg)Der Schlager der 27. Runde in der tipp3 Bundesliga lautete FK Austria Wien gegen FC Red Bull Salzburg. Viele sahen in dieser Begegnung für die Salzburger die letzte Chance auf eine erfolgreiche Titelverteidigung. Kurz vor der Pause mussten diese jedoch eine rote Karte gegen Isaac Vorsah und das 0:1 hinnehmen. Nach dem Seitenwechsel antworteten sie mit einem klugen Schachzug, der ihnen letztlich noch einen Punkt sicherte.

Vor rund 12.000 Zuschauer in der Generali-Arena lief für den Tabellenführer bei winterlichen Verhältnissen zunächst alles nach Plan. Zwar begann Red Bull sehr druckvoll, was die Austria aber einmal mehr elegant umschiffte. Danach wurden sie immer dominanter und gingen durch Alexander Grünwald per Foulelfmeter in Führung. Die Salzburger bewiesen in der Folge trotz Unterzahl Moral, mehr als der Ausgleich durch Kevin Kampl war aber nicht mehr drinnen.

Hosiner ungewohnt horizontal

FAK-Coach Peter Stöger konnte im Spitzenspiel auf seine stärkste Elf bauen – mit einer Ausnahme. Innenverteidiger Kaja Rogulj, in dieser Saison einer besten der Liga, wurde nicht rechtzeitig fit und musste von Lukas Rotpuller ersetzt werden. Diese Aufgabe erledigte der Burgenländer weitestgehend fehlerlos und hatte gemeinsam mit Nebenmann Manuel Ortlechner Salzburgs Stürmer gut in Griff. Die meisten Ballkontakte bei den Veilchen hatten einmal mehr die beiden Außenverteidiger – Fabian Koch 84, Markus Suttner 78.

Im Spielaufbau drängten die beiden wie üblich stark nach vorne um das Spiel breit zu machen. Ebenso gewohnt waren die fluiden Abläufe im zentralen Mittelfeld zwischen Grünwald, Florian Mader und James Holland. Ungewohnt war hingegen das Spiel von Solospitze Philipp Hosiner. Üblicherweise drängt der Stürmer sehr stark aufs gegnerische Tor, in diesem Spiel driftete er aber meist auf die Seiten ab – nicht ohne Wirkung, wie sich später herausstellen sollte.

Erneute Rotation

Während die Startelf der Gastgeber also (quasi) jene war, die die meisten Spiele bestritt, fand man bei den Gästen im Vergleich zum letzten Spiel eine stark veränderte Formation. In der Innenverteidigung begann neben Rodnei der später ausgeschlossene Vorsah. Trainer Roger Schmidt war sich wohl um die Flexibilität des FAK-Zentrums, das beispielsweise den mannorientierten SV Mattersburg zerfetzte, bewusst und beorderte mit Franz Schiemer einen klassischen Abräumer in die Doppelsechs vor die Abwehr.

Gemeinsam mit seinem Nebenmann Christoph Leitgeb ergab sich dadurch die übliche Arbeitsteilung: Schiemer war vorwiegend für die Absicherung, Leitgeb für den Spielaufbau zuständig. Auf dem rechten Flügeln startete anstelle des individuell und technisch starken Sadio Mane überraschenderweise Stefan Hierländer, links begann Dusan Svento, der wie gewohnt bemüht war, Breite anzubieten. Kampl und Jonathan Soriano suchten hingegen immer wieder den Zwischenlinienraum um den gegnerischen Deckungen zu entgehen.

Die Freirolle von Mader

Das Zentrum war schon im letzten Duell der beiden Mannschaften ein wichtiger Faktor. Wie damals war aufseiten der Salzburger besonders Kampl ein Aktivposten. Seinerzeit bespielte der Slowene als Zehner die Halbräume, in diesem Spiel wollte er sich im Rücken seiner Gegenspieler, zwischen violetter Abwehr und Mittelfeld, als Anspielstation anbieten. Anders hingegen agierte Mader aufseiten der Austria, der sich nicht immer so positionierte, dass er direkt anspielbar gewesen wäre, sondern gerne auch in ballferne, freie Räume auswich. Das war aber nicht weiter schlimm, da er sich gemeinsam mit Grünwald die spielerischen Aufgaben teilte.

Obwohl dieser – vor allem in der ersten Halbzeit von Schiemer – in Manndeckung genommen wurde, kam er auf eine bessere Ballkontakte-pro-Minute-Quote (0,87) als Mader (0,76). Wirkungsvoller schienen aber jene des gebürtigen Innsbruckers gewesen zu sein. Obwohl die Bullen in der Anfangsphase großen Druck ausübten, konnte er sich von diesem befreien oder sich so postieren, dass er für seine Kollegen leicht anspielbar war. Generell zeigte sich das gesamte FAK-Zentrum wieder enorm pressingresistent und fand immer wieder Wege aus der Bedrängnis heraus – meist über die linke Seite, da Hierländer zentraler agierte als Svento.

FAK-Angreifer ziehen Gegner weg

Die zweite große Stärke der Wiener Austria in der laufenden Saison sind die raumschaffenden Bewegungen der Angreifer. Wie bereits erwähnt fügte Hosiner seinem Spiel eine weitere Dimension hinzu, in dem er sich verstärkt in die Breite orientierte. Dies ist für die Gegner deswegen besonders schwer zu verteidigen, weil die Abläufe – anders als bei Rapid – extrem gut abgestimmt sind. Hosiner rückte auf die Außenbahn, der ballnahe Flügelspieler diagonal zurück oder vor und einer der beiden Achter sucht auf Grundlage der daraus resultierenden Räumen die passende Lösung.

Mader rückte manchmal zum Beispiel ebenfalls auf die Seite raus und auch die Außenverteidiger schalteten sich in die Kombinationen ein. Die Folgen: Salzburgs Defensivspieler sahen sich teilweise ungewohnten Gegnern gegenüber und besonders die Innenverteidiger wurden dadurch in Zonen gezogen, in denen sie sich nicht wohlfühlten. Ein Beispiel dafür war die Aktion, die zum Elfmeter führte, als Tomas Jun Vorsah aus den Abwehrzentrum weglockte – die entscheidenden Meter, die dem Ghanaer letztlich fehlten um erfolgreich zu klären (siehe Bild rechts).

Starke Streckung nach Ausschluss

Nachdem der Innenverteidiger die rote Karte sah, stellte Schmidt verständlicherweise auf eine 4-4-1-Grundordnung um. Schiemer wurde in die Viererkette zurückgezogen, Kampl ging auf den Flügel, während Hierländer und Martin Hinteregger bzw. nach dessen Ausscheiden Stefan Illsanker als Doppelsechs agierten. Doch anders als in der ersten Hälfte legten die Mozartstädter ihren primären Fokus auf die Außenbahnen – eine sehr gute Reaktion. Denn an der Aufteilung auf den Seiten änderte sich trotz Unterzahl nichts – weiter zwei gegen zwei.

Die einzige Schwierigkeit war es den Ball im Zentrum zu behaupten und in Drucksituationen präzise zu verlagern. Besonders Svento und Ulmer streckten auf ihrer Seite das Spiel extrem und vor allem effektiv. So hatte nicht nur der Ausgleich seinen Ursprung dort, sondern auch zwei weitere Chancen gingen von links aus. Da FAK-Keeper Heinz Lindner aber beide Male auf dem Posten war, bleibt es beim 13-Punkte-Abstand zwischen beiden Teams, was die Wahrscheinlichkeit auf den Meistertitel der Wiener Austria in die Höhe treibt.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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