Der SK Rapid Wien trennt sich nach 4 ½ Jahren von Lukas Grozurek. Der 22-Jährige wechselt von den Grün-Weißen zur Admira, wo er ab...

Admira Wacker Mödling - Wappen mit FarbenDer SK Rapid Wien trennt sich nach 4 ½ Jahren von Lukas Grozurek. Der 22-Jährige wechselt von den Grün-Weißen zur Admira, wo er ab dem Frühjahr um einen Stammplatz kämpfen wird. Wir erklären, wieso sich der hochtalentierte Grozurek bei Rapid nicht durchsetzen konnte und welche Rolle er bei der Admira spielen wird.

Der Junge hat alles“, sprach Rapid-Sportchef Andreas Müller, als abseits.at ihn zum Interview traf. Auch aus anderen Ecken des Vereins hörte man immer wieder Geschichten über das gewaltige Potential des „Trainingsweltmeisters“ Grozurek. Ein Spitzname, der in der Rapid-Öffentlichkeit nicht gerne gehört wird und auch dazu führte, dass früher schon andere talentierte Spieler wie etwa Saler oder Lederer von Fanseite verschmäht wurden. „Was bringt’s, wenn er’s nicht auf den Platz bringt?“, so das berechtigte Echo der Beobachter.

Einstellungsprobleme

Und tatsächlich hat dieser Lukas Grozurek etwas. Er ist schnell, beidbeinig, technisch stark, war in der Herbstsaison mit 189cm der körperlich größte Feldspieler im Rapid-Kader – und trotzdem verdrehte der geneigte Fan die Augen, wenn er den Platz betrat. Mangelnder Einsatz, lasche Körpersprache und schwaches Zweikampfverhalten sind sichere Gründe, um bei Rapid nicht zum Publikumsliebling zu werden. Umso seltsamer mutete es an, ebendiesen unspektakulär anmutenden Lukas Grozurek im Training zu beobachten. Es kam nicht selten vor, dass man auf den ersten Blick einen der besten Fußballer der gesamten Mannschaft vermutete. Der junge Wiener brachte sein großes Potential aber nie in Spielen auf den Platz, scheiterte nach und nach am eigenen Selbstvertrauen und dem letzten Biss. Der Output war einfach zu wenig.

Genug Alternativen bei Rapid

Bei Rapid hinterlässt Grozurek keine Lücke. Seine angestammte Position auf der linken Außenbahn ist mit Florian Kainz gut besetzt. Im Zweifelsfall können auch Spieler wie Louis Schaub oder Philipp Schobesberger in einer inversen Rolle auf dieser Position spielen. Möglicherweise ist auch der Tiroler Andreas Kuen im Frühjahr ein Thema. Und dann gibt’s natürlich noch den offensiven Tausendsassa Deni Alar. Kein Wunder, dass „Grozi“ in der Saison 2014/15 nur auf sechs Pflichtspieleinsätze für Rapid kam. Nach 64 Bundesligaspielen verlässt der zweifache U21-Teamspieler die Hütteldorfer in Richtung Admira.

Müde Admira-Offensive

Neben einer wankelmütigen Defensive ist eine völlig zahnlose Offensive das Hauptproblem der Südstädter in der laufenden Saison. Keine Mannschaft erzielte weniger Tore als die Admira, in Oktober, November und Dezember erzielte das Team nur magere drei Tore, blieb in sieben von neun Spielen torlos. Die Stürmer leiden unter Ladehemmung: René Schicker, in der Vorsaison Schütze von elf Toren, hält momentan bei drei. Issiaka Ouédraogo erzielte eines, Benjamin Sulimani ebenso. An den Flügeln herrscht bei der Admira keine Nachhaltigkeit – es wird viel experimentiert, sowohl personell, als auch was die Position an sich betrifft.

Keine typischen Linksaußen

Alleine in den letzten sieben Wochen spielten mit Sax, Auer, Weber, Thürauer und Egho fünf verschiedene Spieler im linken Mittelfeld. Der Interpretation dieser Position bei der Admira ist aber ohnehin breiter Spielraum gegeben. Echte Flügelflitzer hat die Kontermannschaft nicht, es handelt sich eher um Akteure für die Halbpositionen und keine Spieler, die die Grundlinie suchen. Wertvolle Flanken aus dem Spiel heraus sind bei der Admira Mangelware. Der einzige klassische Linksaußen, Wilfried Domoraud, zog sich Anfang Oktober einen Muskelfaserriss zu und fällt seitdem aus.

Grozurek im 4-2-3-1

Die Grozurek’schen Kompetenzen im Spiel der Admira sind relativ klar. Er soll die Linksaußenposition geradliniger gestalten und dem Spiel der Admira damit eine neue Facette einhauchen. Zudem ist ein Stammspieler Grozurek als Linksaußen nicht unwichtig, um dafür zu sorgen, dass wichtige Akteure wie Auer oder Thürauer nicht mehr unnötigerweise „fest“ nach links ausweichen müssen.

Grozurek im 4-4-2

Wenn Grozurek sich bei der Admira durchsetzt, ist damit das 4-2-3-1 nicht unbedingt in Stein gemeißelt. Der Ex-Rapidler kann auch als hängende Spitze agieren, wie er es etwa in jungen Jahren beim Wiener Sportklub und den Rapid Amateuren machte. Auch in einem 4-4-2 wäre der umstrittene Offensivspieler demnach gut aufgehoben. So oder so muss Grozurek zuerst zeigen, dass er dem Leben als Kicker mental gewachsen und bereit ist, für sein großes Potential zu kämpfen und zu arbeiten. Mit Auftritten wie in den letzten 1 ½ Jahren beim SK Rapid gewinnt man auch bei der Admira keine Schönheitspreise.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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