Durch den ersten Tabellenplatz nach 19 Runden wird sich beim SK Rapid Wien im Winter personell nicht viel bewegen. Trotz früherer Aussagen von Trainer... Schöttel holt Grozurek und Wydra in Rapids Profikader – was kann Rapids „Next Generation“?

Durch den ersten Tabellenplatz nach 19 Runden wird sich beim SK Rapid Wien im Winter personell nicht viel bewegen. Trotz früherer Aussagen von Trainer Peter Schöttel, dass er neben den besten Amateuren auch ein oder zwei richtig starke Neue in den Kader holen möchte, wird es in der kalten Jahreszeit bei Rapid eher bei Abgängen bleiben. Wer diese Abgänge sein sollen erscheint logisch – aber welche Spielertypen sind die Jungen, die sich bald an die erste Elf des Rekordmeisters heranpirschen könnten?

Die möglichen Winterabgänge sind Hamdi Salihi und Christoph Saurer. Der Vertrag von Ragnvald Soma läuft bis Sommer und wird erfüllt werden, andere Wackelkandidaten wie etwa Boris Prokopic bekommen noch eine Chance. Salihi, 36-facher Bundesligatorschütze für Rapid, passt aufgrund seines statischen Spiels nicht mehr ins Konzept, machte nur vier von 19 Bundesligaspielen von Beginn an mit. Der Albaner, dessen Vertrag ausläuft, wird den Verein jedoch nur bei einem wirklich guten Angebot verlassen. Christoph Saurer, der unter Pacult und Schöttel jeweils auf dem Abstellgleis stand und in der laufenden Saison nur 54 Bundesligaminuten absolvierte, ist wohl ebenfalls ein Opfer des Systems. In der dynamischen Flügelzange, deren Backups eher Burgstaller und Alar sind, ist kein Platz für ihn. Die Hofmann’sche Zehnerposition ist sowieso für alle anderen Spieler tabu – und für eine Position im zentralen, defensiven Mittelfeld reicht Saurers Kampfkraft nicht aus. Dennoch ist es nicht unwahrscheinlich, dass der 25-Jährige seinen Vertrag zumindest bis Sommer aussitzt. Mögliche Konsequenz sofern dies passiert: Training mit den Amateuren, wie es etwa schon bei Mario Konrad der Fall war.

Grozurek als weiterer flexibler Offensivmann

Einen direkten Ersatz für Hamdi Salihi würde man selbst im Falle eines winterlichen Abgangs des Teamspielers nicht verpflichten. In der Kaderhierarchie würden vor allem Deni Alar und Rene Gartler aufrücken, hinter Nuhiu und Burgstaller die wichtigsten Alternativen auf einen Platz im Angriff sein. Und um dahinter für etwas Feuer zu sorgen, wird Rapid den 20-jährigen Amateur Lukas Grozurek in den Kader holen. Grozurek kam im Sommer 2010 vom Wiener Sportklub und spielte eine durchwachsene erste Saison für die Rapid Amateure, die allerdings für das ganze Team schwer war. Grozurek wirkte regelmäßig hölzern, im Kopf nicht schnell genug, technisch schwach. Die neue Saison veränderte den 188cm großen Grozurek allerdings. Unter Trainer Barisic bekam er mehr Sicherheit, wurde flexibler und rochierte im 4-2-3-1 (das oft einem 4-3-3 glich) immer wieder mit den anderen Offensivspielern, sodass er mal am linken, mal am rechten Flügel zu finden war. Seine Stärken hat Grozurek allerdings an vorderster Front, was mittlerweile auch damit zusammenhängt, dass er körperlich stärker wurde. Unterm Strich stehen bisher fünf Saisontore in der Regionalliga Ost und zwei im ÖFB-Cup. Grund genug für Peter Schöttel den Perspektivspieler, der 2011 einen großen Schritt in seiner Entwicklung machte, in den Kader der Kampfmannschaft zu holen.

Wydra sehr früh sehr weit

Ein weiteres Versprechen für die Zukunft ist der erst 17-jährige Dominik Wydra, der ebenfalls im Winter in den Bundesligakader geholt wird. Sein Debüt für die Rapid Amateure gab Wydra am 25.April 2011, kurz nach seinem 17.Geburtstag. Kurze Zeit später erhielt der Mittelfeldspieler einen Jungprofivertrag. Bei Wydra ist die Rückennummer Programm: Der Teenager, der körperlich bereits sehr weit ist, spielt am liebsten auf der „8er“-Position, mimt einen so genannten „Box-to-Box-Midfielder“, der sowohl am eigenen Strafraum arbeitet, als auch am gegnerischen. Damit ist es am Wahrscheinlichsten, dass Wydra in nächster Zeit als Ersatzmann für Thomas Prager angedacht ist, während Heikkinens Ersatz weiterhin Stefan Kulovits wäre. Wydra ist definitiv reif für höhere Aufgaben, zumal seine Ruhe und Ballsicherheit, sowie sein gutes Auge im Offensivspiel, in der Regionalliga bereits mehrfach auffielen. Wydra zählte zudem im ÖFB-Cup zu den besten Spielern der Rapid Amateure.

Zu viele Innenverteidiger – vorerst keine Chance für Behrendt

Die Amateure des SK Rapid können nach einer kurzen Flaute wieder auf eine starke Generation zurückgreifen und so gehen einige Spieler, die im Herbst ebenfalls große Schritte nach vorne machten, beim Kampf um die begehrten Kaderplätze leer aus. Einer von ihnen ist der in Bremervörde geborene Allrounder Brian Behrendt. Der 20-Jährige ist wohl der lauteste Spieler des Amateurkaders, ein echter Motivator und kann auf mehreren Positionen in der Zentrale aufgeboten werden. Seine Stammposition ist die Innenverteidigung, in der jedoch kein Handlungsbedarf besteht, da Soma und Patocka ihre Verträge erfüllen werden. Behrendts großer Vorteil ist jedoch seine Flexibilität und so kann er auch auf den zentralen Positionen des defensiven oder offensiven Mittelfeldspielers eingesetzt werden. Außerdem kommt es nicht selten vor, dass man in heiklen Schlussphasen aus dem Deutschen einen „Ivanov“ macht – denn auch in der Offensive besticht Behrendt durch starkes Kopfballspiel, wodurch man ihn schon mal temporär zum Mittelstürmer umfunktioniert.

Dobras verliert Duell mit Wydra knapp

„Bitte warten“ heißt es außerdem für den in Varazdin, Kroatien geborenen Mittelfeldspieler Kristijan Dobras. Er gilt aktuell als Spielmacher der Rapid Amateure, der seine Rolle jedoch system- und mitspielerbedingt eher defensiv auslegt und daher ähnlich wie Wydra auf einer 8er-Position zu finden ist. Dobras hat seine Stärken defensiv und offensiv, gilt als technisch beschlagen und torgefährlich: In der bisherigen Saison 2011/12 erzielte er in Meisterschaft und Cup sechs Tore für die Rapid Amateure und glänzte zudem mit einigen Assists, unter anderem zwei beim 4:2 Cup-Erfolg gegen WAC/St.Andrä. Dobras ist ebenfalls ein hochbegabter Fußballer und hätte sich einen Schnupperkurs in der Kampfmannschaft verdient, jedoch kommt bei ihm zur internen Konkurrenz (Wydra) auch große Konkurrenz im grün-weißen Bundesligakader hinzu. Dass zwei ähnlich veranlagte Spieler wie Wydra und Dobras gleichzeitig in den Kader gezogen werden, war natürlich unwahrscheinlich. Wydra, etwa 2 ½ Jahre jünger als Dobras, bringt mehr Sicherheit und Robustheit mit als der gebürtige Kroate.

Schaub und Schoissengeyr – die nächste Generation steht bereit

Und dann wäre da noch die nächste Generation, auf die Peter Schöttel wohl nächstes Jahr zurückgreifen wird. Der in Fulda geborene Louis Schaub wurde erst vor einer Woche 17 Jahre alt, unterschrieb aber bereits einen Profivertrag bei Grün-Weiß. Körperlich ist der flexible Flügelspieler noch nicht ganz auf der Höhe, technisch und taktisch präsentierte er sich jedoch schon sehr reif. Christian Schoissengeyr ist etwa zwei Monate älter als Schaub, hätte mit seinen 194cm in der Bundesliga aber schon jetzt keine Probleme körperlich mitzuhalten. Der in der Dominikanischen Republik geborene Innenverteidiger unterzeichnete ebenfalls schon einen Profivertrag in Wien-Hütteldorf, spielt für den SK Rapid derzeit in der U18-Jugendliga, sowie für das österreichische U17-Nationalteam. Ihm steht jedoch noch ein Schritt bevor, den Schaub bereits hinter sich hat: Den Sprung zu den Amateuren in die Regionalliga Ost, der in diesem Winter nicht unwahrscheinlich ist. Möglich, dass Behrendt die frei werdende Stelle von Wydra (so dieser im Matchkader der „Ersten“ ist) im defensiven Mittelfeld auffüllt und Schoissengeyr seine Chance in der Innenverteidigung bekommt.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • JM

    5.Januar.2012 #1 Author

    also ich finde dobras um einiges besser als wydra. allerdings könnte er eher hofmann ersetzen und das will man (noch) nicht.

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