Es sollte der perfekte Sieg für eine Meisterfeier werden. Red Bull Salzburg spielte auswärts gegen Wiener Neustadt und war von Beginn an die überlegene... Mit fünf Toren zum Meistertitel | Red Bull Salzburg souverän in Wiener Neustadt

Es sollte der perfekte Sieg für eine Meisterfeier werden. Red Bull Salzburg spielte auswärts gegen Wiener Neustadt und war von Beginn an die überlegene Mannschaft. Mit viel Einsatz und spielerischer Qualität gingen sie an die Sache ran und bereits in der siebten Minute erhielten sie eine riesige Chance auf den Führungstreffer. Doch Mendes verschoss den fälligen Elfmeter, nachdem Svento bei einem schönen Alleingang zu Fall gebracht wurde. Allerdings fiel nur wenige Minuten später das erste Tor. Fünf weitere sollten in dieser Partie zu sehen sein, vier davon für die Bullen. Mann des Spiels war Stefan Maierhofer, welcher die ersten zwei Treffer besorgte und später mit einer schönen Ablage auf Cristiano glänzen konnte.

Der eingewechselte Mittelfeldspieler traf zum 3:1, was die Vorentscheidung sein sollte. Salzburg ruhte sich dennoch nicht auf diesem sicheren Sieg aus und spielte munter nach vorne, hinten hatten sie jedoch bei den wenigen Angriffen der Gastgeber kleine Probleme. Zwei der drei Torversuche kamen auf Walke, einer landete sogar im Tor, welches das zwischenzeitliche 1:2 besorgte. Glück für die Salzburger, welche nach einer schwierigeren Schlussphase der ersten Hälfte kurz nach dem Seitenwechsel die Hoffnungen der dezimierten Hausherren zu Nichte machten. Es sollte im Nachhinein eine hervorragende Vorstellung der Salzburger werden und perfekt zur Einstimmung auf eine große Feier.

Darum waren die Bullen so stark

Bei den Salzburgern begannen Sekagya und Franky Schiemer in der Innenverteidigung, welche einen ruhigen Tag genossen. Später kam auch Lindgren für Schiemer ins Spiel, um das Aufbauspiel etwas offensiver mit einem aufrückenden Innenverteidiger zu gestalten. Sekagya würde sich hier als absichernder Verteidiger beziehungsweise Manndecker auf Friesenbichler konzentrieren.

Die Außenverteidiger Hierländer und Ulmer bewegten sich viel nach vorne und zeigten eine gute Partie. Sie waren mitverantwortlich dafür, dass die Bullen ihre Gegner weit in die eigene Hälfte hinein drücken konnten und sich in der Offensive leicht taten. Mit der nötigen Breite im Spiel sowie gefährlichen Flanken sorgten sie für eine Alternative zum Passspiel in der Mitte und den Alleingängen der Flügelstürmer. Desweiteren boten sie spätestens nach der roten Karte eine sinnvolle und einfache Option auf den Flügeln für den Spielaufbau.

Dieser wurde vornehmlich von Leitgeb und Mendes da Silva organisiert. Insbesondere Leitgeb zeichnete sich durch schöne vertikale Pässe in die Schnittstellen aus. Dank der aufrückenden Außenverteidiger oder den schnellen Flügelstürmern, welche breit agierten, konnte er exakt diese Löcher bedienen. Dies war eine weitere Ursache für die sehr tiefstehenden Hausherren, da sie nie hoch und dynamisch aufrücken konnten. Es entstand nämlich immer die Gefahr eines Ballverlustes aufgrund der Unterzahl und eines schnellen Passes im Umschaltmoment durch Leitgeb oder auch Mendes. Deswegen mussten sich die beiden nicht extrem weit nach vorne bewegen, sondern konnten auch von hinten ihre offensiven Aufgaben erledigen – weitgehend unbehelligt von Pressing und Druck.

Mit Svento, Zarate und Leonardo besaßen sie ebenso die passenden Offensivspieler für diese Spielweise. Alle drei können sich gegen einen oder teilweise mehrere Gegner im Dribbling durchsetzen und öffnen viele Räume. Sie erfordern teilweise eine Doppelung und aufgrund ihrer hohen Anzahl kann diese nicht wirklich gemacht werden. Leitgeb und Mendes konnten sich immer auf jenen Spieler als Anspielstation konzentrieren, welcher zurzeit nicht gedoppelt wurde und dann mit weiterführenden schnellen Pässe auf die Außen weitere Lücken öffnen. Im Gegenzug stand die Mitte wieder freier und konnte zum Abschluss oder Halbfeldflanken kommen. Bei den ersten drei Toren waren es jeweils Bälle von der Seite, die das Tor vorbereiteten oder zumindest einleiteten.

Maierhofer lebte auch darum in diesem Spiel so auf. Es kamen viele Bälle auf Brusthöhe, die er behaupten konnte. Seine Mitspieler bewegten sich und der Gegner war dezimiert, was zahlreiche Vorteile für Maierhofer hatte. Einerseits konnte er selten von zwei Innenverteidigern in die Mangel genommen werden, andererseits waren die Pässe auf ihn präziser und aus weniger Bedrängnis heraus gespielt. Dank der hohen Stellung Salzburgs hatte er Bindung zu seinen Mitspielern und stand nicht alleine auf weiter Flur wie zum Beispiel in der Europa League. Sie waren in seiner Nähe und er konnte die Bälle ablegen und generell einfachere Pässe spielen. Die Krönung war natürlich sein zweites Tor, welches er auch technisch auf höchstem Niveau erzielte.

Das Herz der Salzburger war dennoch Leitgeb im Mittelfeld. Seine Ballsicherheit und die Fähigkeit sich unter Bedrängnis durchzusetzen ist Gold wert, gegen solche tiefstehenden Mannschaften kommt seine Kreativität natürlich noch stärker ins Spiel. Generell sollte ein technisch starkes Mittelfeldzentrum (mit Leitgeb als einem der beiden Spieler) das langfristige Ziel der Salzburger sein. Zwar benötigen sie für europäische Spiele eine defensivere Ausrichtung, in der Liga ist die Paarung von einem Zerstörer und einem Spielgestalter allerdings falsch – wenngleich Moniz hier ohnehin einiges richtig macht. Ein verletzungsfreier Leitgeb wäre für nationale Belange natürlich ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

Wiener Neustadts Aufstellung

 

Die Hausherren wollten mit einem 4-4-2 die Moniz-Elf vor eine harte Probe stellen. Die zwei Viererketten vor der Abwehr hatten zum Ziel, dass die Räume eng und kompakt gemacht werden. Davor sollte mit zwei Stürmern schnell und durch weite Bälle gekontert werden. Pollhammer und Schicker auf den Außenverteidigerpositionen sollten bei Bedarf und Möglichkeit mit nach vorne gehen, um ihre Vordermänner zu unterstützten. Aufgrund der tiefen Formation, des Platzverweises wegen einer Notbremse für Schicker und den wenigen Angriffen geschah dies aber nie.

Vorne war Friesenbichler kurz nach der roten Karte auf sich alleine gestellt. Da Trainer Peter Stöger die doppelte Viererkette nicht auflösen wollte, sah er sich vor einem großen Problem. Wie konnte er mit zehn Mann defensiv sicher stehen und nach vorne kontern? Er entschied sich dafür, dass Besenlehner auf die Position des linken Außenverteidigers zurückging und von dort aus Pässe spielen könnte. Auf offensive Ausflüge mit Erfolg konnte man ohnehin nicht spekulieren. Stattdessen sollten vorne Saurer auf links und Lindner auf rechts auf Ballgewinne spekulieren. Bei Lindner klappte es einmal, er traf zum 1:2. Allerdings war diese Formation ansonsten extrem ineffektiv und dazu noch problematisch. Durch die höhere Positionierung und dieses „Zockens“ entstanden Löcher in der Abwehr, welche die flexibel und offensiv spielenden Salzburger nutzten. Die mangelnde Unterstützung der Außenverteidiger in der Defensive sorgte für einen weiteren Vorteil bei den Gästen, die schlussendlich souverän und verdient gewannen.

René Maric, www.abseits.at

Rene Maric

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