Neun Spieltage sind in der österreichischen Bundesliga absolviert, Zeit für eine erste Analyse der Tabellenstände im Vergleich mit den Vorsaisonen. Gibt es neue Punkte-... Statistisches: Die Bilanz des ersten Saisonviertels

Neun Spieltage sind in der österreichischen Bundesliga absolviert, Zeit für eine erste Analyse der Tabellenstände im Vergleich mit den Vorsaisonen. Gibt es neue Punkte- oder Torrekorde? Lassen sich Meister und Absteiger bereits vorhersagen? Wer sind die besten Heim- und Auswärtsteams? Analysiert wurden die Heim-, Auswärts- und Gesamttabellenstände nach dem ersten Saisonviertel seit der Saison 2000/2001.

Wenigste Remis, Auswärtsteams regieren

In 45 Spielen gab es 39 Siege und nur 6 Unentschieden, das ist nicht nur Spitze in diesem Jahrtausend, sondern auch eine erfrischende Änderung zur Vorsaison: nur 29 Siege und satte 16 Unentschieden bedeuteten damals neuen Negativrekord (2006 gab es 15 Remis). Das hat zur Folge, dass mit 129 Punkten auch der Rekord aus dem Jahr 2009 um einen Punkt übertroffen wurde. Der Vergleich mit dem Vorjahr täuscht aber, es gab immer wieder Saisonen mit wenigen Remis zum Auftakt: bisheriger Bestwert war 2009 mit nur sieben Unentschieden, dreimal gab es lediglich acht Punkteteilungen (2004, 2008, 2010).

Ein neuer Rekord wurde auch auf fremden Plätzen aufgestellt: 21 Auswärtssiege pulverisierten die bisherige Bestmarke von 18 Erfolgen in der Fremde aus dem Jahr 2002. Zwei weitere Bundesligarekorde konnte Tabellenführer Austria Wien einfahren: mit sieben Siegen wurde der Rekord von Innsbruck, Pasching und Rapid aus den Jahren 2001-2003 eingestellt. Die erzielten 21 Punkte sind aber keine neue Bestmarke, die halten weiterhin Innsbruck (2001) und Rapid (2003) mit 23 Punkten. Weiters schafften die Violetten als erstes Team fünf Siege in fünf Auswärtsspielen, nur Rapid 2003 mit vier Siegen aus vier Spielen blieb ebenfalls ohne Punktverlust in der Fremde.

Keine neue Torflut, Defensive ist Trumpf beim Triumphieren

Die neue Rekordzahl an Siegen wurde mit „nur“ 126 Toren bewerkstelligt, das bedeutet Platz acht im Ranking, sogar ein Treffer weniger als in der Remis-Saison des Vorjahres. Unangefochtener Spitzenreiter bleibt das Jahr 2009 mit 158 Treffern, mit Respektabstand folgt das Jahr 2008 mit 140 Toren. 58 Tore von Auswärtsteams bedeuten allerdings Platz drei in der Auswärtstabelle hinter 2002 (60 Tore) und 2011 (59 Tore). Trotzdem gab es auch diesmal kein positives Torverhältnis der Auswärtsteams, dies gelang nur 2002 mit +6 Treffern.

Daheim mau, auswärts hui – weitere Belege

Eine weitere Premiere: kein einziges Heimteam blieb ohne Niederlage, das gab es die letzten 13 Saisonen im Startviertel noch nie. Dafür schafften es Austria und Salzburg als erst zweites Duo nach Rapid und Mattersburg 2007, auswärts ohne Niederlage zu bleiben. Mit 15 bzw. 13 Auswärtspunkten belegen die beiden Mannschaften nun Platz eins und zwei der erfolgreichsten Auswärtsteams, bisherige Bestmarke waren 12 Punkte von Rapid 2003. Die stärkere Auswärtsbilanz bestätigt auch ein Blick auf die Spitzenteams. Die Top 3 der Tabelle holten 37 Auswärtspunkte – deutlicher Ligarekord vor dem Jahr 2002 mit 29 Punkten, aber nur 28 Heimpunkte, was ex aequo der letzte Platz mit dem Jahr 2006 bedeutet. Es ist auch das erste Mal, dass der ersten Drei der Tabelle auswärts mehr Punkte holten als vor heimischem Publikum. 58 Punkte total für das Spitzentrio bedeutete weiters ein Einstellen des Ligarekords aus dem Jahr 2002.

Dunkelheit am Ende der Tabelle

Innsbruck als Tabellenletzter darf sich ebenfalls unrühmlicher Rekorde freuen: acht Niederlagen in neun Spielen schaffte noch kein Team zuvor. Ein weiterer einsamer Rekord dürfte die Tiroler ebenfalls noch länger begleiten: 0 Punkte und 0 Tore auswärts gab es ebenfalls noch nie. Zwar blieben immerhin schon 14 Teams vorher im ersten Saisonviertel auswärts ohne Punkt, schossen dabei aber zumindest ein Tor (dies waren Salzburg 2003, Sturm 2004, Mattersburg 2010). 2008 schafften es mit Altach, Kapfenberg und Mattersburg das einzige Mal gleich drei Mannschaften, auswärts alle Punkte liegenzulassen. Das schlechteste Heimteam heißt übrigens Wr. Neustadt und darf als zehntes Team in 13 Saisonen keinen Heimerfolg feiern. Dieses Kunststück schafften die Niederösterreicher auch schon im Vorjahr, damals noch gemeinsam mit Innsbruck und Mattersburg – das einzige Mal, dass drei Mannschaften dies zu Hause vollbringen konnten.

Prognosen Meister und Absteiger möglich?

Sechs Mal wurde der Tabellenführer nach neun Spieltagen auch Meister, sechs Mal nicht – eine klare Tendenz ist hier nicht erkennbar. Der durchschnittliche Vorsprung, wenn vorne, betrug knappe drei Punkte, war der spätere Meister nicht auf Platz eins, betrug der Rückstand im Schnitt sogar 5,5 Punkte. Für die Verfolger ist hier also noch alles drin. Ebenso wenig klar das Bild beim Absteiger: sieben Mal behielt man die rote Laterne, fünf Mal schaffte man doch noch den Klassenerhalt. Der Absteiger hatte im Schnitt fast fünf Punkte Rückstand, wenn auf dem letzten Platz, aber nur etwas über drei Punkte Vorsprung, wenn nicht Letzter. Die Tiroler müssen also noch nicht zu zittern beginnen, statistisch gesehen haben sie noch alle Chancen auf Platz neun oder besser. Allerdings hat Innsbruck mit jenen Absteigern, die zum ersten Viertel auch schon Letzter waren, folgendes gemeinsam: alle holten keinen einzigen Auswärtssieg. Auch für die Austria gibt es ein nicht so gutes Vorzeichen: nur drei Meister waren nach neun Spielen das beste Auswärtsteam, fünf das beste Heimteam (diesmal Rapid). Nur Innsbruck 2001 und Salzburg 2006 schafften die Bilanz bestes Heim- und Auswärtsteam und wurden Meister, den Negativ-Rekord schlechtestes Heim- und Auswärtsteam schaffte nur die Admira 2005 und stieg ab.

Christian Ditz, abseits.at

Christian Ditz