In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 11. Runde der tipp3-Bundesliga | Walch, Mane, Royer

Daniel Royer - FK Austria WienIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 9. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Clemens Walch (SV Ried), Sadio Mane (Red Bull Salzburg) und Daniel Royer (Austria Wien) unter die Lupe.

Wolfsberger AC – SV Josko Ried 1:1, Clemens Walch (90. Minute)

Unter Dietmar Kühbauer befindet sich der Wolfsberger AC im Aufwind. In den bisherigen vier Bundesligaspielen holten die Kärntner acht Punkte und sind damit vom letzten Tabellenplatz weggekommen. Gegen die SV Ried sah es für den WAC bis kurz vor Schluss nach einem Sieg aus, ehe Clemens Walch für die Innviertler in der 90. Minute ausglich. Zu diesem Zeitpunkt waren die Wolfsberger jedoch bereits nur mehr zu zehnt, was auch beim Gegentor ein Faktor war.

Die WAC-Kicker formieren sich in der Defensive in einer 4-4-1-Grundordnung, wie das obige Bild zeigt. In Unterzahl ist es jedoch schwer, Zugriff auf das Aufbauspiel des Gegners zu erlangen, vor allem wenn man nicht kompakt genug agiert. Der Stürmer hängt naturgemäß in der Luft und kann nach der Seitenverlagerung nicht schnell genug folgen, weshalb der ballführende Rieder keinen Druck spürt und nach vorne gehen kann. Dieser und der tiefe Sechser der Rieder locken die ballnahen WAC-Mittelfeldspieler David De Paula (rot) und Sandro Gotal (schwarz) nach vorne, was zwei Effekte zur Folge hat.

Zum einen wird der Zwischenlinienraum größer, was jedoch keine Auswirkung zeigt, da die SV Ried ihre Spieler breit aufstellt um die WAC-Formation zu strecken. Zwar gelingt dies nicht, da die Wolfsberger bewusst eng bleiben, jedoch erlangt dadurch Robert Zulj (blau) auf der linken Seite viel Platz. Das ist zunächst nichts als Fehler einzustufen, allerdings kommt Gotal aufgrund seines Herausrückens nicht schnell genug zurück um Zulj zu stellen.

Mit vielen Bewegungen nutzen die Rieder nun die Überzahl aus. So wird etwa Zulj vom aufrückenden Rechtsverteidiger hinterlaufen und kommt Furkan Aydogdu (weiß) entgegen und zieht damit den rechten Innenverteidiger des WAC aus dem Abwehrzentrum heraus. Üblicherweise würde die restliche Viererkette nachrücken, hier werden der linke Innen- und Außenverteidiger jedoch  von den vielen breitstehenden Oberösterreichern gezwungen ihre Positionen zu halten. Deshalb klafft ein großes Loch zwischen die beiden WAC-Innenverteidiger, zu dem sich vier Rieder orientieren. Das stellt De Paula vor eine schwierige Aufgabe.

Einerseits muss er den direkten Passweg in die Tiefe verstellen, andererseits Zulj bei seinem Horizontaldribbling stören. Dies erfordert ein besonders präzises Gefühl für den Einsatz des Deckungsschattens, das in der österreichischen Bundesliga jedoch nur wenige Spieler mitbringen. So steht der Brasilianer scheinbar untätig herum und Zulj kann auf den langen Pfosten flanken. Dort hat Walch (gelb) viel Platz, da Manuel Kerhe (grün) zu lange braucht um zurückzukommen. Der Mittelfeldspieler musste nämlich zuvor Druck auf einen der gegnerischen Sechser ausüben, was üblicherweise der zehnte Feldspieler übernommen hätte.

FK Austria Wien – FC Red Bull Salzburg 0:1, Sadio Mane (8. Minute)

Das Maß aller Dinge in der tipp3-Bundesliga ist aktuell der FC Red Bull Salzburg. Die Mozartstädter sind seit 30 Bundesligaspielen ohne Niederlage und führen mit sechs Punkten Vorsprung die Tabelle an. Am vergangenen Sonntag schlugen die Bullen den amtierenden Meister Austria Wien, der unter der Woche in der Champions League punktete. Bereits in der achten Minute brachte Sadio Mane die Gäste in Führung.

Ausgangspunkt für das Tor ist ein langer Einwurf von Christian Schwegler, dem der obige Luftkampf zwischen zwei Austrianern und Alan folgt. Zwar dürfte in dieser Situation der Salzburger nicht als Sieger hervorgehen, allerdings endet unsere Fehleranalyse nicht an dieser Stelle, denn auch gruppentaktisch verhält sich die Austria nicht einwandfrei. Dass ein Spieler der eigenen Mannschaft ein Kopfballduell verliert, kommt in einem Spiel nämlich häufig vor. Dementsprechend müssen solche Situationen von den Mitspielern entsprechend abgesichert werden um im Gegenpressing den Ball zu erobern.

An der Mittellinie stehen zwar drei FAK-Spieler näher zum Ball als ihre Gegenspieler im Rücken, jedoch wirken sie sehr passiv, scheinen nicht den zweiten Ball zu antizipieren. Auf der anderen Seite stehen die ballnahen Verteidiger weiter weg vom Geschehen als ihre direkten Gegenspieler. Besonders Manuel Ortlechners Position (rot) sticht hier ins Auge. Der Austria-Kapitän versteckt sich hinter Jonathan Soriano (weiß) – vermutlich um in einem etwaigen Sprintduell einen Startvorsprung zu haben. Allerdings geht dieser Schuss nach hinten los und Ortlechner muss einen weiten Weg gehen um zum Ball zu kommen.

Ortlechner rückt heraus, kommt jedoch zu spät und die Salzburger können mit Tempo und in Überzahl auf das Tor der Wiener zulaufen. Unter diesen Umständen ist es für die FAK-Abwehr äußert schwer, den Angriff aufzuhalten. Angesichtes dessen, kann man ihr keinen Vorwurf machen. Der übriggebliebene Innenverteidiger attackiert den Ballführenden, die beiden Außenverteidiger rücken hinter ihm ein um abzusichern. Salzburgs Flügelspieler gehen naturgemäß den umgekehrten Weg, wollen das Spiel in die Breite ziehen. Dementsprechend hat Mane (gelb) auf der linken Seite genügend Platz um einen Haken zu schlagen und den Führungstreffer zu erzielen.

FK Austria Wien – FC Red Bull Salzburg 1:1, Daniel Royer (24. Minute)

Zu einer ähnlichen Situation kam es auch beim Ausgleich durch Daniel Royer, den wir uns zum Abschluss dieser Toranalyse näher ansehen wollen.

Im obigen Bild sieht man die Ausgangssituation. Die Salzburger üben geschlossen Druck auf den Ballführenden aus. Dieser wird gedoppelt, dahinter sind sowohl Tomas Simkovic (blau) als auch die Anspielstationen ins Zentrum zugestellt. Der einzige Ausweg ist ein langer Ball entlang der Seitenlinie, da dort aufgrund des hohen Salzburger Pressings viel Platz vorhanden ist.

Das liegt unter anderem an der hohen Position von Innenverteidiger Martin Hinteregger (rot), der seinem Gegenspieler Philipp Hosiner (schwarz) in die gegnerische Spielfeldhälfte gefolgt ist. In der Folge haben die Wiener schließlich den Vorteil, das aktive Team zu sein, auf dessen Bewegung die Salzburger reagieren müssen. So kommt Hosiner beispielsweise aufgrund seiner Antrittsstärke vor Hinteregger zum Ball. Auch die restlichen Austria-Kicker sind im Umschaltspiel stärker, weswegen es zu einem Überzahlkonter der Veilchen kommt.

Aufgrund mangelnder Unterstützung muss Hinteregger nach dem verlorenen Duell mit Hosiner den nachrückenden Florian Mader (weiß) attackieren. Hosiner geht wieder ins Zentrum, zieht damit Rodnei (orange) weg und macht Platz für Simkovic. Dass Hosiner bewusst den Raum für seinen Mitspieler öffnet, erkennt man am Handzeichen des Stürmers, mit dem er Mader anzeigt auf die Seite zu spielen.

Wie für die Austria beim 0:1 gilt auch für Red Bull Salzburg hier: aufgrund der Tatsache, dass sich der Gegner in Überzahl befindet und der Angriff bereits viel Tempo aufgenommen hat, lässt sich dieser kaum verteidigen. Rodnei und Andreas Ulmer (grün) positionieren sich grundsätzlich richtig zwischen zwei Gegenspielern. So könnten sie, je nachdem wohin der Ball gespielt wird, den jeweiligen Salzburger übernehmen. Da Mader aber seinen Lauf konsequent durchzieht, muss Rodnei diese Position verlassen um ein Zuspiel auf den Austrianer zu verhindern. Ulmer schiebt dahinter dementsprechend nach und ist bei der langgezogenen Flanke von Simkovic zu weit weg von Royer um diesen am Abschluss zu hindern.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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