In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 12. Runde der tipp3-Bundesliga | Alan, Topcagic, Beric

AlanIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 12. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Alan (Red Bull Salzburg), Mihret Topcagic (Wolfsberger AC) und Robert Beric (Sturm Graz) unter die Lupe.

FC Red Bull Salzburg – FC Wacker Innsbruck 1:0, Alan (8. Minute)

Der FC Red Bull Salzburg stellte mit dem Sieg gegen Wacker Innsbruck einen neuen Bundesligarekord auf, denn noch nie gelang es einer Mannschaft 31 Spiele in Folge ungeschlagen zu bleiben. Die Tiroler stellten auf dem Weg zum Rekord keine große Hürde dar. Bereits in der achten Minute ging man durch Alan in Führung. Dabei zeigten die Salzburger ein gutes Pressing, während sich die Innsbrucker selbst in Bedrängnis brachten.

Hier sieht man, dass die Salzburger ihren Gegner bereits früh unter Druck setzen wollen. Die Innsbrucker reagieren darauf allerdings grundsätzlich sehr gut. Die beiden Innenverteidiger fächern sich sehr breit auf und positionieren sich neben dem Strafraum. Gemeinsam mit dem Torhüter und dem zurückgefallenen Sechser bilden sie ein Viereck, so wie es beispielsweise auch der FC Barcelona macht.

Die Salzburger Stürmer haben dadurch trotz ihrer hohen Position keinen Zugriff. Rücken sie auf die Innenverteidiger, geben sie die Mitte preis. Bleiben sie zentral, hat der Gegner die Möglichkeit über die Außen nach vorne zu spielen. Genau dieses Szenario trifft schließlich auch ein – allerdings nicht ganz so wie geplant.

Der Pass von Szablocs Safar auf den Innenverteidiger ist viel zu leicht gespielt und die Salzburger nutzen dies um Druck auf diesen auszuüben. Alan (gelb) läuft den angespielten Innsbrucker an, Jonathan Soriano (rot) rückt auf den zentralen Gegenspieler. Dahinter sieht man, dass auch die Mittelfeldreihe der Bullen nach vorne schiebt und den Druck zusätzlich erhöht. Aufgrund dessen kommt auch Kevin Kampl (blau) eher an den schlecht gespielten Befreiungsschlag der Tiroler als sein direkter Gegenspieler.

Nachdem Kampl sich im Eins-gegen-Eins durchgesetzt hat, kommt es zu der obigen Überzahlsituation zugunsten der Salzburger. Simon Pieisinger (grün) muss den Ballführenden attackieren, Tomas Abraham (schwarz) schiebt dementsprechend nach. Dadurch wird Alan am langen Pfosten frei und muss den Querpass von Kampl nur mehr über die Linie schieben.

Wolfsberger AC – SC Wiener Neustadt 1:1, Mihret Topcagic (48. Minute)

Das zweite Tor, das wir uns im Rahmen dieses Artikels näher ansehen wollen, fiel im Heimspiel des Wolfsberger AC gegen den SC Wiener Neustadt. Nachdem Herbert Rauter die Gäste aus Niederösterreich in Führung brachte, glich Mihret Topcagic nach dem Seitenwechsel aus.

Die Wiener Neustädter befinden sich im Vorwärtsgang, der WAC steht aber defensiv äußerst gut. Alle möglichen Anspielstationen sind zugestellt und es kommt zur Eins-gegen-Eins-Situation zwischen Michael Liendl (blau) und Mario Pollhammer (schwarz). Der Ballführende hat hier zwei Optionen. Entweder er versucht mit Tempo am Wolfsberger vorbeizugehen oder er macht einen Haken nach innen, was aufgrund der Bewegungen der Gegenspieler erfolgsversprechender wäre.

Sowohl Liendl als auch der ballnahe WAC-Innenverteidiger orientieren sich nämlich zur Seitenlinien. Durch ein Dribbling in die Mitte hätte Pollhammer also den Druck gelöst. Der Rechtsverteidiger entscheidet sich aber weder für die eine noch für die andere Option und vertändelt den Ball. Die Wolfsberger schalten in der Folge gut um, was in erster Linie an Liendl liegt.

Der WAC-Spielmacher behauptet den Ball zunächst gut und schlägt dann einen präzisen Steilpass auf Topcagic (gelb). Allerdings stehen die Wolfsberger Verteidigung nicht optimal. So rückt Peter Hlinka (rot) zwar auf Christian Falk (grün) heraus, allerdings hält er einen zu großen Abstand zum rechten Verteidiger ein und öffnet so den Passweg in die Spitze. Zudem erlaubt Mattias Sereinig (weiß) seinem Gegenspieler die ballnähere Innenbahn zu nehmen. Die dadurch verlorenen Meter kann der Innenverteidiger nicht mehr aufholen und muss zusehen wie Topcagic den Ausgleich erzielt.

SK Rapid Wien – SK Sturm Graz 0:2, Robert Beric (26. Minute)

Im Sonntagsspiel der zwölften Runde trennten sich der SK Rapid Wien und der SK Sturm Graz mit einem 2:2-Unentschieden. Dabei glichen die Gastgeber in der zweiten Halbzeit dank zweier Elfmeter die 2:0-Führung der Grazer aus der ersten Hälfte aus. Doppelter Torschütze für die Blackies war Robert Beric, dessen zweites Tor wir uns genauer ansehen wollen.

Hier sieht man den Augenblick vor der Balleroberung. Die Grazer halten den Druck auf den Ballführenden groß. Von vorne läuft ihn Daniel Offenbacher (blau) an, in seinem Rücken wartet Beric (gelb). Die ballnahen Mitspieler sind allesamt blockiert. Einzig Anel Hadzic (rot) positioniert sich aufseiten der Grazer etwas falsch. Er stürmt diagonal aus dem Sechserraum vor seinen Gegenspieler raus, anstatt sich vorsichtiger hinter bzw. neben ihm zu orientieren.

So wäre der Passweg in den offenen Raum hinter dem Außenverteidiger frei gewesen. Allerdings fehlt dem ballführenden Rapid-Spieler dazu aufgrund des hohen Drucks die Übersicht und er versucht einen Diagionalpass. Abgesehen davon, dass zwei Grazer im Zielgebiet genau auf diesen Pass warten, ist dieser unpräzise gespielt und Sturm kann zum Gegenschlag ansetzen.

Nach dem Ballverlust ist die Unordnung eines Teams in aller Regel am größten. So muss auch Rapid erst wieder in defensive Ordnung finden, wozu ihnen aber von den Grazern keine Zeit gelassen wird. Üblicherweise versucht die verteidigende Mannschaft sofort Druck auf den Ball auszuüben und ins Gegenpressing zu gehen. Allerdings macht das Rapid in dieser Situation nicht geschlossen genug. So gehen die ballnahen Spieler auf den Ball, während sich die Abwehr nach hinten orientiert. Dadurch haben die beiden Grazer im Zwischenlinien viel Platz.

Besonderes Augenmerk ist auf das Verhalten von Beric und Stephan Palla (grün) zu richten. Während der rechte Außenverteidiger sofort den Weg diagonal nach hinten sucht um abzusichern, macht Palla weder das, noch geht er zum Ball. Beric erkennt dies und läuft sofort nach außen um die verbleidende Rapid-Dreierkette auseinanderzuziehen und Platz für  Offenbacher zu machen.

Nachdem dieser an den Ball kommt, rückt der mittlere Verteidiger auf ihn heraus und die beiden anderen orientieren sich in die Mitte um die Zentralachse so kompakt als möglich zu halten. Dadurch wird Beric frei. Da die Verteidiger aber zuvor nach hinten gewichen sind, kann auch hier kein Druck auf den Ballführenden ausgeübt werden und Beric ohne Probleme angespielt werden. Der Slowene scheitert zwar im ersten Versuch, setzt den zweiten dann aber in die Maschen.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem