In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht...

AlanIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 33. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Philipp Hosiner (Austria Wien), Alan (Red Bull Salzburg) und Kevin Kampl (Red Bull Salzburg) unter die Lupe.

In der Spielanalyse des Sonntagsspiels wurde im Rahmen des Fazits erwähnt, dass das Gefälle in der österreichischen Liga sehr groß ist. Die „Kleinen“ bieten leichtfertig Räume an, die die individuell überlegenen „Großen“ einfach bespielen können. Im Rahmen der 33. Runde gab es zwei solcher Duelle, in denen sich dies auch widerspiegelte.

FC Wacker Innsbruck – FK Austria Wien 0:1, Philipp Hosiner (83. Minute)

Lange Zeit sah es für die Wiener Austria bei Wacker Innsbruck nach einem Unentschieden aus. Erst der 30. Saisontreffer von Torjäger Philipp Hosiner brach den Bann und die Veilchen siegten dank zweier weiterer Tore in der Schlussphase schließlich mit 3:0. Sehen wir uns nun diesen richtungsweisenden Treffer genauer an.

Vorlagengeber James Holland (blau) hat hier im rechten Halbraum viel Platz, was mehrere Gründe hat. Zum einen stehen die Innsbrucker in einem geschlossenen Block auf der ballfernen Seite und können nicht beliebig schnell verschieben. Die Viererkette wird durch die hohe Stellung der beiden FAK-Stürmer nach hinten gedrängt, weswegen der Linksverteidiger gegen Tomas Jun (orange) zu spät kommt.

Einzig ein weniger stürmisches Verhalten von Christopher Wernitznig (grün) hätte einem Pass in den Freiraum vorbeugen können. Der Tiroler Flügelspieler attackierte nämlich recht kopflos gegen den Rechtsverteidiger der Wiener und wird mit einem einfachen Pass ausgespielt. Hätte er sich fallen gelassen, wäre der Passweg in die Mitte versperrt gewesen.

Holland kann anschließend ein paar Meter mit dem Ball am Fuß zurücklegen und diagonal auf Hosiner (gelb) spielen, der ebenfalls frei zum Abschluss kommt. Dafür verantwortlich sind die Verschiebebewegungen der Gastgeber. Nachdem der Ballführende von niemandem attackiert werden kann, rückt Martin Svejnoha (schwarz) nach vorne.

Dementsprechend muss sein Nebenmann, Sebastian Siller (rot), nach links schieben, da sonst Nacer Barazite im Zentrum frei gewesen wäre. Das wiederrum sorgt dafür, dass Hosiner mehr Platz zugestanden wird. Zudem spielt auch Jun in dieser Szene eine wichtige Rolle, da er mit seinem Lauf den Außenverteidiger wegzieht und Holland dadurch Raum verschafft.

SC Wiener Neustadt – FC Red Bull Salzburg 0:2, Alan (16. Minute)

Mit einem 6:0-Kantersieg beim SC Wiener Neustadt hielt sich Red Bull Salzburg nach der Cup-Blamage gegen den FC Pasching zumindest die theoretischen Chancen auf eine Titelverteidigung offen. Die Bullen waren dabei sowohl individuell als auch taktisch überlegen, obwohl die Niederösterreicher brauchbare Ansätze lieferten. Neben diesen sah man beim 2:0 für Red Bull durch Alan aber auch, dass es bei ihnen an der gruppentaktischen Abstimmung fehlt.

Hier sieht man die Ausgangssituation. Die Wiener Neustädter stehen mit zehn Spielern kompakt und durchaus geordnet hinter dem Ball – für einen Außenseiter eine gängige Variante. Normalerweise verschieben solche anschließend einheitlich im Block und zwingen den Gegner gemeinsam ab einer gewissen Grenze zu Zweikämpfen bzw. Ballverlusten. Die Wiener Neustädter waren sich aber offensichtlich uneinig, wo diese Grenze zu ziehen ist.

Der Ballführende spielt zurück und die Ordnung der Heimischen beginnt sich aufzulösen. Die beiden Achter gehen auf den Ball, woraufhin sich dahinter Probleme ergeben und eine Fehlerzuordnung nur schwer durchführbar ist. War es geplant, dass die beiden Achter attackieren, verhalten sich die Viererkette und der Sechser falsch, da sie in so einem Fall für Rückendeckung zu sorgen haben.

Ansonsten sind sie Opfer des ungestümen Rauslaufens der Mitspieler, denn die Salzburger agieren technisch bekanntlich auf hohem Niveau und können solche Mängel leicht ausnützen. Sadio Mane (weiß) lässt sich fallen und zieht so Innenverteidiger Christian Ramsebner (schwarz) aus seiner Position heraus. Dies öffnet den Raum für einen potentiellen Steilpass auf Alan (gelb).

Ein generelles Problem der Wiener Neustädter – und das lässt sich mit Sicherheit sagen – ist der hohe Ballfokus. Anstatt vorausschauend potentielle Anspielstationen zuzustellen, gehen sie stets geschlossen auf den Ball. Da die Salzburger diesen sehr schnell spielen, bekommen die Niederösterreicher daher erst gar nicht die Möglichkeit Zweikämpfe zu führen.

Eine Konsequenz des hohen Ballfokus ist, dass die Salzburger zwei Dreiecke – mit Mane und Kevin Kampl (blau) als Eckpunkte im Zwischenlinienraum – bilden können und Alan in der Spitze leicht geschickt werden kann. Anstatt den Brasilianer schon vorm Zuspiel zu blockieren, richten die beiden Bewacher, Manuel Wallner (rot) und Dennis Mimm, ihren Blick ausschließlich auf den Ball. Als das Leder schließlich beim Red Bull-Stürmer ankommt ist es zu spät.

SC Wiener Neustadt – FC Red Bull Salzburg 0:3, Kevin Kampl (63. Minute)

Wie man vorausschauend agiert und einheitlich attackiert, zeigten die Salzburger beim 3:0. Sie fingen in der gegnerischen Hälfte einen Pass ab und setzten einen Konter.

Hier sieht man die Phase der Balleroberung. Mit sieben Spielern setzen die Bullen den Spielaufbau der Wiener Neustädter unter Druck, die wiederum sehr große Abstände zwischen den Linien einhalten. Valon Berisha (blau) hat deshalb kaum Mühe den Pass in die Mitte abzufangen und dann per Doppelpass mit Kampl (gelb) an den Strafraum zu kommen.

Der Norweger dreht ab und für die Wiener Neustädter ergibt sich die Möglichkeit den Angriff abzuwürgen. Allerdings bedarf dies einer guten Abstimmung, was bei einem Abstiegskandidaten der tipp3-Bundesliga kaum zu fordern ist. Wie seine Kollegen beim vorigen Tor verliert auch Jiri Lenko (schwarz) seinen Gegenspieler aus den Augen, da er sich nur auf den Ball konzentriert.

Dabei ist der Laufweg des Tschechen noch nicht mal grundlegend falsch, allerdings passt die Abstimmung zu den Mitspielern nicht. So hätte Wallner (rot) ebenfalls früher rausschieben müssen um Kampl bei der Ballannahme zu stören. Dahinter hätten selbstverständlich die anderen Wiener Neustädter nachrücken müssen: Ramsebner nach vorne um Alan abzudecken, Mimm (orange) entsprechend auf Soriano. So hatten die Gäste aber leichtes Spiel und konnte eine Phase mit vier Toren in 15 Minuten einläuten.

Bildquelle: http://www.laola1.tv/

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

Keine Kommentare bisher.

Sei der/die Erste mit einem Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.