In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 13. Runde der tipp3-Bundesliga | Topcagic, Boyd, Mane

Sadio Mané (Red Bull Salzburg)In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 13. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Mihret Topcagic (Wolfsberger AC), Terrence Boyd (Rapid Wien) und Sadio Mane (Red Bull Salzburg) unter die Lupe.

FC Wacker Innsbruck – Wolfsberger AC 0:1, Mihret Topcagic (2. Minute)

Der Höhenflug des Wolfsberger AC geht auch nach dem Auswärtsspiel beim FC Wacker Innsbruck weiter. Kein einziges Spiel wurde unter Dietmar Kühbauer verloren. Der 2:1-Sieg wurde bereits in der zweiten Minute durch das vierte Saisontor von Mihret Topcagic eingeleitet. Zudem zeigten sich aus Sicht der Tiroler einige Parallelen zur letzten Runde.

Gegen Red Bull Salzburg leistete sich Wacker Innsbruck beim Herausspielen nach dem Abstoß einen leichtfertigen Fehlpass. Auch hier war es ähnlich. Zunächst sehen wir im obigen Bild die Ausgangspositionen. Im Vergleich zum letzten Spiel gegen die Salzburger haben die Innsbrucker mit Thomas Bergmann (grün) sogar noch einen zusätzlichen Spieler um für eine noch sicherere Ballzirkulation zu sorgen. Gegen die vier Feldspieler und den Tormann hat der WAC zunächst keinen Zugriff. Auf der linken Seite haben die Innsbrucker ein Drei-, auf der rechten sogar ein Viereck. Gerade deswegen ist es aus taktischer Sicht äußerst interessant wie es zum Ballverlust kam.

Nachdem der rechte Innenverteidiger von Michael Liendl (weiß) angelaufen wird spielt er ohne Druck zunächst auf Bergmann weiter. Hier sieht man, dass die Wolfsberger aber extrem gut auf diesen Pass reagieren. Sie pressen geschlossen auf den Rechtsverteidiger der Tiroler und erzwingen den Ballgewinn. So stellen Topcagic und David De Paula (schwarz) die Anspielstationen im Zentrum zu, während Bergmann von zwei Spielern frontal unter Druck gesetzt wird. Aufgrund dessen ist Bergmanns Fehler bei der Ballannahme durchaus verständlich, wenn auch nicht entschuldbar.

Nach dem Ballgewinn nutzen die Kärntner das fehlerhafte Verhalten von Stipe Vucur (rot) aus. Der Abstand zwischen dem Kroaten und dem zweiten Innenverteidiger ist zu groß. Schon nach dem Pass auf Bergmann hätte er einrücken müssen um für genügend Absicherung zu sorgen. Da er dies nicht gemacht hat, kann Topcagic problemlos das Zuspiel von Liendl verarbeiten. Zudem zeigt diese Aktion, wie sehr sich in der österreichischen Liga mit taktischer Geschlossenheit die individuelle Schwäche einiger Akteure ausnutzen lässt.

FK Austria Wien – SK Rapid Wien 0:1, Terrence Boyd (88. Minute)

Dem 307. Wiener Derby widmeten wir uns bereits ausführlich, beleuchteten sowohl die taktischen Aspekte im Spiel der Wiener Austria als auch des SK Rapid. Zum Abschluss wollen wir uns auch noch mit dem entscheidenden Tor durch Terrence Boyd auseinandersetzen.

Rapid hat auf der rechten Angriffsseite den Ball. Die Austria macht in dieser Situation noch scheinbar wenig falsch. Der ballführende Gegenspieler wird gedoppelt, dahinter wird auch Boyd (gelb) gedeckt. Obwohl dem US-Amerikaner nachgesagt wird, er sei technisch schwach, löst er sich nach dem Anspiel mit dem ersten Kontakt sehr gut von seinem Bewacher und geht in die Mitte. Einzig, dass Srdjan Spiridonovic (orange) als rechter Mittelfeldspieler auf der falschen Seite steht, passt nicht.

Dadurch ergibt sich auf der ballfernen Seite ein großer freier Raum und für die Austria gilt es einen Pass in diesen zu verhindern. Hier deutet sich das in einem anderen Artikel erwähnte Problem von James Holland (rot) an. Der Australier besetzt zwar die Zentralachse, hat aber quasi keinen Einfluss aufs Spielgeschehen. Dabei wäre dies aufgrund der Fehlposition seines Teamkollegen extrem wichtig.

Hier sieht man die Aktion zu einem etwas späteren Zeitpunkt, als sich Boyd bereits vom Druck gelöst hat. Wäre Holland näher zum Ball gestanden, hätte er Boyd bereits bei dessen Drehung attackieren können. So kommt er aber gegen den Rapid-Stürmer nicht in den Zweikampf und kann den Pass auf den aufrückenden Branko Boskovic (grün) nicht verhindern. Er läuft dann zwar recht schnell dem Ball nach, der Montenegriner kann aber ohne Probleme auf Marcel Sabitzer (weiß) verlagern, der wie man oben sieht das Spiel breit macht.

Nachdem Sabitzer während der gesamten Szene gut von seinem Gegenspieler bewacht wird, kann der Rapidler das Spiel nicht schnell machen und für die Austria ergibt sich eine weitere Möglichkeit zur Balleroberung. Wieder nimmt Holland die entscheidende Rolle ein. Thomas Schrammel (blau) setzt gut erkennbar zum Hinterlaufen an, was Holland auch zur Kenntnis nimmt. Doch statt mit dem Linksverteidiger mitzugehen, orientiert er sich zum Ball um zu Doppeln. Jedoch sieht man, dass auch Kaja Rogulj (schwarz) diesen Weg macht um dem Rechtsverteidiger Rückendeckung zu geben.

Hier sieht man das Resultat. Rogulj steht scheinbar unbeteiligt im Raum. Er steht zu weit weg um Druck auf den Ballführenden ausüben zu können, während der zweite Innenverteidiger in einer Eins-gegen-Eins-Situation mit Boyd steht. Für Fabian Koch und Holland ist der Weg zu Schrammel zu groß um diesen am Flanken zu hindern. Nach der Hereingabe des 26-Jährigen setzt sich Boyd im Kopfballduell durch und sorgt für das Siegtor.

SV Scholz Grödig – FC Red Bull Salzburg 0:3, Sadio Mane (91. Minute)

Daran, dass Red Bull Salzburg sich in dieser Saison zum Meister krönt, zweifelt kaum mehr jemand. Die Mozartstädter fuhren gegen den SV Scholz Grödig den neunten Saisonsieg ein. Matchwinner war Sadio Mane, der beim 3:0-Auswärtserfolg alle Tore erzielte. Den letzten Treffer wollen wir uns genauer ansehen.

Die Grödiger dringen in die Spielfeldhälfte der Bullen ein und werden umgehend von diesen angepresst. Hier wird der Ballführende von hinten und von vorne angelaufen, kann sich aber sehr gut von diesem Druck befreien und zieht in die Mitte. Man erkennt, es liegt eine Analogie zum obigen Rapid-Tor vor. Der Unterschied ist, dass die Salzburger im Vergleich zu den meisten Teams in Österreich auch nach der ersten Pressingreihe den Druck hochhalten. Hier wird dies durch den energischen Lauf von Andre Ramalho (schwarz) demonstriert.

Hier sieht man, dass der ballführende Grödiger, obwohl er den Ball behaupten konnte, von drei Red Bull-Spielern umstellt ist. Aufgrund dessen spielt er den Ball schnell weiter in die Mitte, allerdings nicht präzise genug. Dusan Svento (weiß) antizipiert diesen Pass und fängt ihn ab. Die Salzburger sind nun in Ballbesitz und es zeigt sich der große Unterschied zwischen der Ausrichtung der Grödiger und jener von Red Bull.

Während der Tabellenführer stets bemüht ist, Druck auf den Gegner auszuüben und nach Ballverlusten schnell ins Pressing zu gehen, ziehen sich die Grödiger in dieser Situation geschlossen zurück. Das gibt Valon Berisha (blau) viel Zeit um den anschließenden Steilpass vorzubereiten und punktgenau auf Mane zu spielen.

Auch hier sieht man, dass die Grödiger nach dem Ballverlust äußerst passiv und ungeordnet agieren. Insbesondere Thomas Zündel (rot) schaltet viel zu langsam um, wodurch Mane problemlos den Ball annehmen und Richtung Tor laufen kann. Eine weitere Möglichkeit wäre es gewesen, auf Abseits zu spielen. Dafür hätte sich Ione Cabrera (grün) nach vorne orientieren müssen. Berücksichtigt man aber die vorsichtigen Bewegungen von zuvor, kann man annehmen, dass der SV Grödig dieses Risiko nicht eingehen wollte.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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