In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 26. Runde der tipp3-Bundesliga | Rauter, Gorgon

Alexander Gorgon (FK Austria Wien)In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 26. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Herbert Rauter (Wiener Neustadt) und Alexander Gorgon (Austria Wien) unter die Lupe.

SC Wiener Neustadt – SK Sturm Graz 1:0, Herbert Rauter (6. Minute)

Der SC Wiener Neustadt mausert sich zum Stammgast in unserer Toranalyse. Das liegt aber nicht etwa daran, dass die Niederösterreicher in der Defensive regelmäßig schlecht aussehen, sondern daran, dass in der Winterpause ein taktisch interessantes Konzept entwickelt wurde. Die Elf von Heimo Pfeifenberger agiert gegen den Ball nun aktiver, was zu vielen Pressing- bzw. Gegenpressingaktionen und in weiterer Folge zu Toren führt. Das 1:0 gegen Sturm Graz ist ein weiteres Beispiel für den neuen Spielstil.

Die Wiener Neustädter spielen einen langen Ball von hinten heraus und pressen dann den folgenden zweiten Ball. So wird vor allem ihre überschaubare technische Klasse nicht schlagend. Um die Intensität und Laufbereitschaft der Gastgeber zu verdeutlichen sind die wichtigsten Spieler farbig markiert. In dieser Situation gehen Kristijan Dobras (grün), Matthias Koch (weiß) und Christoph Freitag (schwarz) schon in Richtung Ball, während der angespielte Sturm-Spieler diesen noch gar nicht unter Kontrolle hat.

Der Ballbesitz wechselt, jedoch kann auch Wiener Neustadt nicht kontrolliert angreifen. Der Ball springt bei der Annahme weit weg und geht Richtung Seitenlinie. Aufgrund der günstigen Situation des Umschaltmoments – Sturm muss er die defensive Ordnung finden – wollen die Wiener Neustädter aber den Ball unbedingt im Spiel halten. Es wirkt fast so als ob Dobras dem Gegenspieler den Ball gezielt zuspielt, damit man sofort gegenpressen kann. Freitag läuft sofort an, was den angespielten Grazer zu einem hektischen, unpräzisen Pass veranlasst.

Anhand dieser Szene erkennt man auch, dass es in der österreichischen Bundesliga nicht zwingend notwendig ist, gruppentaktisch einwandfrei zu agieren. Zwar orientieren sich Koch und Thomas Fröschl (blau) bereits hier nach vorne um die Innenverteidiger pressen zu können, mit mehr Ruhe hätte der Linksverteidiger aber den Ball auch behaupten können, da die beiden Spieler im Rücken von Freitag nicht zugestellt sind. Den gleichen Ablauf sieht man auch nach der nächsten Balleroberung.

Fröschl ist hier von drei Gegenspielern umstellt. Statt den Ballbesitz zu sichern und beispielsweise nach hinten zu spielen, folgt ein weiteres Zuspiel in eben diese Enge. Es kommt erneut zum Ballverlust und der Gegner wird wieder umgehend attackiert.

In diesem Bild sieht man, dass die Rollen nun vertauscht sind: drei Wiener Neustädter umstellen einen Grazer. Das Tempo soll bewusst hoch gehalten werden, um den Gegner in ein ständiges Wechselspiel zwischen offensiven und defensiven Umschaltspiel zu zwingen, in dem Wiener Neustadt aufgrund der taktisch saubereren Abläufe als Sieger hervorgeht.

Zwar kann Sturm vorübergehend  in Ballbesitz bleiben, da ein Pass nach hinten gespielt wird, diesen setzen die Wiener Neustäter, wie oben zu sehen ist, entschlossen nach. Herbert Rauter (gelb) fängt den versuchten Rückpass zum Torhüter ab und bringt sein Team früh in Führung.

FK Austria Wien – SV Scholz Grödig 2:0, Alexander Gorgon (75. Minute)

Auch der SV Grödig machte mit guten Abläufen im Pressing und Gegenpressing auf sich aufmerksam. Nach der Winterpause scheint die Truppe von Adi Hütter jedoch außer Tritt zu kommen. Im Kampf um Platz zwei verliert man immer mehr an Boden und musste sich bei der Wiener Austria 2:0 geschlagen geben. Den zweiten Treffer von Alexander Gorgon wollen wir uns genauer ansehen.

Die Austria wirft ein. Trotz großer Überzahl hat Grödig allerdings keinen Zugriff, da man zu weit weg vom Gegenspieler steht. Erst nach dem Einwurf orientiert man sich zum entsprechenden Gegenspieler, ist damit aber anfällig auf ein schnelles Abspiel. Genau das geschieht hier, denn der Ball wird sofort zum Einwerfer zurückprallen gelassen. In der Folge gibt es dann drei interessante Bewegungen, die man im nachstehenden Bild gut sieht.

Zum einen denkt Florian Hart (weiß) offenbar, dass er Thomas Salamon (schwarz) noch im Deckungsschatten hat und geht dementsprechend nicht aktiv zum Ball. Da sich Austrias Mittelfeldspieler jedoch in seinem Rücken davonstiehlt, muss sich der rechte Innenverteidiger nach vorne orientieren. Des Weiteren positioniert sich Philipp Hosiner (rot) an der Strafraumgrenze, weshalb auch der andere Innenverteidiger etwas aus seiner Idealposition herausgezogen wird. Genau in den dadurch geöffneten Raum sprintet Gorgon (gelb) und erzielt sein zweites Saisontor.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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