In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 34. Runde der tipp3-Bundesliga | Hosiner, Grünwald, Vujadinovic

Nikola Vujadinovic (SK Sturm Graz)In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 34. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Philipp Hosiner (Austria Wien), Alexander Grünwald (Austria Wien) und Nikola Vujadinovic (Sturm Graz) unter die Lupe.

 

FK Austria Wien – SC Wiener Neustadt 1:0, Philipp Hosiner (29. Minute)

Dank eines 3:1-Siegs gegen den SC Wiener Neustadt ist der FK Austria Wien nur mehr einen Punkt vom Titel entfernt. Dabei überzeugten die Veilchen einmal mehr durch ihr starkes Zentrum. Das Mittelfeldtrio agiert dabei sehr fluid und steht im Pressing sehr kompakt, was man auch beim Führungstreffer durch Philipp Hosiner sah.

Wie man in diesem Bild erkennen kann, ist der der Druck auf den ballführenden Wiener Neustädter extrem hoch. Ein Wiener attackiert ihn, die anderen nehmen ihm die Abspielmöglichkeiten. Spielt er auf die beiden vor sich, ist die Wahrscheinlichkeit eines Ballverlusts sehr groß. James Holland (blau), der in unmittelbarer Schlagdistanz zu den beiden zentralen SCWN-Kickern steht, würde den angespielten Spieler sofort attackieren, während seine Mitspieler den Kreis herum zusammenziehen würden. Deshalb wird der grüne Bereich anvisiert, da dort die Dichte an Gegenspielern weit niedriger ist. Allerdings misslingt dieses Zuspiel und FAK-Rechtsverteidiger Emir Dilaver kann einen sehenswerten langen Pass auf Hosiner spielen.

Dem schnellen Stürmer der Wiener spielt das selbstverständlich in die Karten. Zudem wird noch von einem weiteren Umstand begünstigt. Die Viererkette der Gäste steht, wie man in diesem Bild sehen kann, relativ tief, wodurch es unwahrscheinlicher ist, dass sie einen Gegenspieler in Abseits stellen können. Man erkennt aber auch das Wechselspiel mit den gegnerischen Stürmern. Hosiner (gelb) und Alexander Gorgon (schwarz) stehen nämlich sehr hoch und provozieren zu einem gewissen Grad auch den vergrößerten Abstand zum Mittelfeld.

FK Austria Wien – SC Wiener Neustadt 2:0, Alexander Grünwald (37. Minute)

Auch das zweite Tor der Veilchen geht auf einen langen Pass zurück, nachdem sich die Wiener Neustädter sowohl kollektiv als auch individuell nicht richtig verhielten. Ausgangspunkt war ein Freistoß an der Mittellinie, der diagonal in Richtung des linken Flügelspielers geschlagen wurde.

Dort wird Gorgon (gelb) von zwei Niederösterreichern zunächst richtigerweise attackiert, allerdings nicht konsequent genug, so dass sich der Austrianer einfach lösen kann und in weiterer Folge über den Raum hinter den herausgerückten Außenverteidiger Tempo aufnehmen kann. Zwar war der Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Oliver Drachta hart und die Aufregung der Wiener Neustädter ist gerechtfertigt, dennoch hätten sie es erst gar nicht so weit kommen lassen müssen.

Ein weitverbreitetes Problem im Defensivspiel österreichischer Teams ist die fehlende Rückendeckung, wenn ein Mitspieler in den Zweikampf geht. Bei den Niederösterreichern führte dies erst letzte Woche zu einer 0:6-Heimniederlage. Hier hätte vor allem Innenverteidiger Christian Ramsebner rausrücken müssen und in weiterer Konsequenz der ballferne Block nachschieben müssen um unter anderem Hosiner (blau) in der Mitte zustellen müssen.

SK Sturm Graz – SV Josko Ried 2:1, Nikola Vujadinovic (84. Minute)

Nach drei Niederlagen am Stück feierte der SK Sturm Graz am Sonntag den ersten Sieg unter Neo-Coach Markus Schopp. Beim 3:1-Sieg über die SV Ried profitierten die Steirer zwar auch von der einen oder anderen Fehlentscheidung des Schiedsrichters, allerdings offenbarten die Gäste beim vorentscheidenden 1:2 durch Nikola Vujadinovic auch schwerwiegende Stellungsfehler. Vorausgegangen ist dem siebentem Saisontreffer des Montenegriners ein Eckball.

Die Rieder verteidigen solche Standardsituationen mit einer Raumdeckung und wurden damit in dieser Saison unter anderem schon von Rapid Wien überrascht. Der große Nachteil dieser Deckungsvariante ist, dass man gegenüber dem Gegner einen herben Dynamikverlust im Luftzweikampf hat, da dieser mit Anlauf hineingehen kann. In diesem Fall nutzt dies Rubin Okotie (blau) aus. Der Stürmer trifft zwar nicht, allerdings sorgt seine Wucht dafür, dass Thomas Gebauer die Flanke nicht kontrolliert entschärfen kann und der Ball nur kurz geklärt werden kann.

Der Ball kommt auf die Seite zu Manuel Weber, der flanken kann. In der Mitte haben die Rieder zwar scheinbar eine Überzahl, allerdings wird in dieser Szene ein weiteres großes Manko der österreichischen Liga schlagend: der hohe Ballfokus. Die Innviertler orientieren sich ausschließlich am Ball und vernachlässigen die Zuordnung, die aufgrund der vorangegangenen Raumdeckung beim Eckball ohnehin schon eine gute Absprache erfordert hätte. So kann Vujadinovic – im wahrsten Sinne des Wortes – im zweiten Anlauf den Dynamikvorteil im Kopfballduell ausspielen und einköpfen.

Bildquelle: http://www.laola1.tv/

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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