In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 12. Runde der tipp3-Bundesliga | Schreter, Leitgeb, Gorgon

In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. Den Beginn machen die Treffer von Marcel Schreter (Wacker Innsbruck), Christoph Leitgeb (Red Bull Salzburg) und Alexander Gorgon (Austria Wien).

FC Wacker Innsbruck – SV Ried 1:0, Marcel Schreter (41. Minute)

Beim Debüt von Neo-Coach Roland Kirchler gewann Wacker Innsbruck dank des Treffers von Marcel Schreter 1:0. Ausgangspunkt des Goldtors war ein Freistoß von Thomas Bergmann auf Höhe der Mittellinie.Ein solches Szenario stellt im Allgemeinen aufgrund der weiten Entfernung zum Tor noch keine allzu große Gefahr dar, zumal die Tiroler auch nur mit vier Spieler in Strafraumnähe stehen.

Im obigen Bild erkennt man klar die Zuordnung: eine drei-gegen-drei-Situation, die sich zu einer Überzahl zugunsten der Oberösterreicher verschiebt, da Marcel Ziegl den Weg zum Ball sucht und sich sein Gegenspieler davon entfernt. Entscheidend für das Tor ist – neben dem gewonnenen Kopfballduell von Simon Piesinger gegen Ziegl – der Zweikampf Schreter (schwarz) gegen Thomas Reifeltshammer (weiß). Der Abstand, den letzterer einhält, mag auf den ersten Blick etwas groß erscheinen, ist aber aufgrund der Flugbahn des Balls durchaus legitim. Allerdings sollte er für den Torschützen entscheidenden Charakter haben.

Zunächst antizipiert Reifeltshammer falsch, geht dem Ball entgegen und hat dadurch einen Startnachteil gegenüber Schreter, der sich aufgrund des oben erwähnten Abstands, der dem Tiroler eine höhere Endgeschwindigkeit erlaubt, erhöht. Außerdem muss bekrittelt werden, dass Tormann Wolfgang Schober zu stark an der Torlinie pickt. Aufgrund dieser abwartenden Haltung kommt er beim Herauslaufen genauso wie sein Abwehrchef zu spät und Schreter kann zum umjubelten Siegtor einschieben.

Red Bull Salzburg – Wolfsberger AC, 2:0 Christoph Leitgeb (36. Minute)

Das Ketten- und Linienspiel war der Sargnagel für den Wolfsberger AC im Spiel gegen Red Bull Salzburg, aber die Kärntner ließen phasenweise auch die Aggressivität vermissen, die man braucht um gegen einen individuell stärkeren Gegner zu bestehen. Ein Beispiel dafür ist das 2:0 durch Christoph Leitgeb, bei dem der Meister das Tempo auch variierte und sich gut bewegte.

Der Antritt von Kevin Kampl zwingt seinen Gegenspieler Michel Liendl dazu ihn an seinen Mitspieler zu übergeben (schwarz). Dadurch kann der Ex-Austrianer in der Folge keinen Druck auf den Ballführenden ausüben oder den Passweg zu Leitgeb, der wie angedeutet viel Platz hat, zustellen. Ein ähnliches Szenario ist auch auf der linken Bildseite zu sehen, wo sich Michele Polverino zunächst versichern muss, dass Valon Berisha von der Abwehr übernommen wird (gelb) und deswegen Leitgeb bei dessen Tempovorstoß nicht effizient stören kann.

Neben dieser Tempoänderung stechen auch die guten Bewegungen der Salzburger Angreifer ins Auge. Soriano kommt zunächst entgegen, lässt den Ball zu Leitgeb zurückprallen und zieht dann seinen Gegenspieler vom Zentrum weg um Platz zu schaffen (grün). Die Folge: Michael Solbauer (schwarz) muss die Mitte sichern, Berisha (weiß) kann sich in dessen Rücken davonstehlen, wo er aufgrund des späten Einrückens von Dario Baldauf (gelb) den Ball empfangen kann undihn auf Leitgeb zurücklegen kann.

Dass dieser zum Abschluss kommt, ist in erster Linie auf das zaghafte Abwehrverhalten der WAC-Defensive zurückzuführen, denn wie man oben erkennen kann, hatte man doppelt so viele Spieler in der Nähe des Balls als die Bullen.

FK Austria Wien – SK Rapid Wien 1:0, Alexander Gorgon (29. Minute)

Der erste Treffer des Derby-Doppelpacks von Alexander Gorgon hatte seinen Ursprung in einem Einwurf von Markus Suttner. In dieser Szene wurden zwei Hauptprobleme in Rapids Defensivverhalten sichtbar.

Hier sieht man, dass Tomas Jun rund 20 Meter vor dem Tor viel Zeit und Platz hat um den Ball anzunehmen um in weiterer Folge einen Steilpass in Rapids Strafraum zu spielen. Der Grund dafür ist Rapids fehlende Kompaktheit, den Gegner am aktiven Flügel einzukesseln und die Wege zum passiven zuzustellen. Innenverteidiger Gerson müsste einrücken und den Abstand zu seinem Kollegen Mario Sonnleitner und Jun zu verkleinern. Der Empfänger dieses Passes, Philipp Hosiner, ist in dieser Situation noch gut isoliert, verschafft sich aber mit einem direkten Laufweg zum Tor hin bzw. hinter die Abwehr Platz.

Begünstigt wurde er dabei von Rapids zweiten Hauptproblem in der Defensive: der hohe Ballfokus der einzelnen Spieler. Sowohl Thomas Prager und Muhammed Ildiz als auch Sonnleitner orientieren sich nur am Ball. Tatsächlich hätte dies nur letzterer müssen, aufgrund des Fehlverhaltens der anderen beiden standen nämlich in weiterer Folge Tomas Simkovic und Hosiner frei im Sechzehner. Außerdem sieht man auch in dieser Szene, dass eine engere Stellung von Gerson für mehr Rückendeckung gesorgt hätte. Katzers schlampiger Klärungsversuch und Gorgons Abschlussstärke taten ihr Übriges – 1:0, womit der Weg zu Austrias zweitem Derbysieg in Folge geebnet war.

Bildquelle: http://www.laola1.tv/

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

  • Rorschach

    23.Oktober.2012 #1 Author

    Der gute Herr Sonnleitner heißt Mario und nicht Andreas 🙂

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    • Axl

      23.Oktober.2012 #2 Author

      Danke, ist ausgebessert. Keine Ahnung wo ich da mit meinen Gedanken war…

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