Im Spitzenspiel der 35. Runde in der österreichischen Bundesliga bezwang Meister Red Bull Salzburg die Austria mit einem 3:2-Sieg. Dabei verlief das Spiel für... Trotz 0:2-Rückstand: RB Salzburg feiert Auswärtssieg bei Austria Wien

austria_rbsalzburg_smallIm Spitzenspiel der 35. Runde in der österreichischen Bundesliga bezwang Meister Red Bull Salzburg die Austria mit einem 3:2-Sieg. Dabei verlief das Spiel für die Bullen höchst unglücklich und man lag bereits mit 0:2 in Rückstand. Doch speziell in der zweiten Halbzeit bewies man Moral und legte trotz der vorzeitig gesicherten Meisterschaft einen großen Siegeswillen an den Tag. Für die Austria hingegen bleibt es gegen Salzburg wie verhext und man blieb trotz toller zwischenzeitlicher Ausgangsposition erneut ohne Erfolg gegen die Bullen.

Salzburg aktiv und spielbestimmend

Bei beiden Mannschaften gab es vor dem Spiel kaum Überraschungen. Bei der Austria kehrte der angeschlagene Rotpuller in die Mannschaft zurück. Salzburg lief nahezu in der Bestbesetzung auf, nachdem man noch im letzten Spiel gegen die Admira eine B-Elf aufs Feld schickte. Der junge Amadou Haidara durfte dabei sein Startelf-Debüt feiern. Die Gäste aus der Mozartstadt übernahmen von Beginn an die Initiative und nahmen das Spiel in die Hand. Dabei agierte man aus einer 4-4-2/4-2-3-1 Mischformation heraus, in welcher der frisch ins Nationalteam berufene Laimer die Position der hängenden Spitze einnahm.

Man legte dabei den Fokus auf eine ruhige Ballzirkulation und war sich auch nicht zu schade längere Ballbesitzphasen aufrechtzuhalten, während man in der Vergangenheit eher für das direkte vertikale Spiel nach vorne bekannt war. Dabei bespielte man den Gegner mittels vieler Kurzpässe, um dann im richtigen Moment das Spiel auf die andere Seite zu verlagern und die dribbelstarken Flügelspieler einzusetzen oder für gefährliche Hereingaben zu sorgen. Durch die asymmetrischen Flügelspieler konnte Lazaro eine sehr breite Position auf dem Feld einnehmen und auf die Spielverlagerungen lauern, während sein Pendant Berisha sich freier bewegte und sehr oft im Zentrum zu finden war. Interessant war dabei auch die Rolle von Laimer, welcher sich immer wieder aus der Sturmspitze heraus in die rechten offensiven Halbräume des Feldes fallen ließ, um mit seinen Mitspielern für Überladungen zu sorgen und im Anschluss daran Flügeldurchbrüche zu kreieren bzw. Lazaro in Stellung zu bringen.

Gegen den Ball versuchte man zu Beginn etwas verzögert ins Angriffspressing überzugehen und ließ den Gegner meist einige Pässe spielen, bevor die Stürmer mittels bogenförmigen Anläufen die Verbindung zwischen den beiden Innenverteidigern der Veilchen kappen sollten und den Gegner damit zu langen Bällen zu zwingen. Nach Ballverlust betrieb man ein überaus aggressives Gegenpressing und versuchte den Ball wieder rasch zurückzuerobern. Dabei ließen sich die Innenverteidiger der Bullen sehr oft bereits relativ früh nach hinten fallen, um dem Gegner nach Ballverlust keinen Rückraum anzubieten für das schnelle Konterspiel.

Austria verteidigt tief und lauert auf das Umschaltspiel

Die violetten Gastgeber rückten gegen Salzburg von der eigenen Spielanlage etwas ab und ließen den Gegner bewusst gewähren, nachdem man im letzten Spiel der beiden Teams versuchte das eigene Ballbesitzspiel selbstbewusst durchzuziehen und dabei gnadenlos ausgekontert wurde. Man formierte sich in einer 4-1-4-1 Anordnung und versuchte konstant in einem engen Block den Raum in der eigenen Hälfte zu verschließen. Dabei lag der Schwerpunkt naturgemäß auf dem Verteidigen des Zentrums, um den Gegner auf die Außenbahn zu drängen und von dort aus für Ballgewinne zu sorgen. Dabei sorgte man für relativ gute Abstände zwischen den Mannschaftsteilen und machte es für den Gegner schwer sich durch das Zentrum zu kombinieren. Man versuchte allerdings zu Beginn auch mal weiter vorne zu attackieren und eine gute Balance zwischen tiefem Verteidigen und hohem Attackieren zu finden.

Im eigenen Ballbesitz versuchte man meist schnörkellos nach vorne zu kommen, wobei man auch immer wieder versuchte längere Ballbesitzphasen einzustreuen und so quasi für Entlastung zu sorgen. Dabei präsentierte sich speziell Holzhauser sehr variabel und tauchte sehr oft auf den beiden Außenbahnen auf, um seine Mitspieler zu unterstützen und von dort aus enge Situationen mit seiner starken Technik aufzulösen.

Optimaler Spielverlauf für die Gastgeber

Das Spiel begann für die Austria nahezu mustergültig und man konnte bereits nach gut fünf Minuten für die frühe Führung sorgen. Ein unangenehm angetragener Eckball von Holzhauser wurde von Ulmer unglücklich in das eigene Tor abgelenkt. Mit der Führung im Rücken tat sich die Austria sichtlich leichter den Gegner in Schach zu halten und man traute sich auch immer wieder selber Akzente zu setzen. So hatte Pires nach einem schön vorgetragenen Angriff bereits die große Möglichkeit auf das frühe 2:0, die er jedoch liegen ließ. Salzburg hatte zu Beginn noch Probleme im Spiel nach vorne richtig konkret zu werden und konnte erst gemächlich für Gefahr vor dem gegnerischen Tor sorgen. Dabei war speziell die linke Seite meist der Ausgangspunkt für die eigenen Angriffsbemühungen, da der aktive Ulmer immer wieder gut getimte Aufrückbewegungen zeigte und sein Gegenspieler Tajouri so manches Problem mit dem verschließen seiner eigenen Schnittstelle hatte, da er sich meist zu früh auf seinen Gegenspieler orientierte und so den Passweg durch die Mitte öffnete. Jedoch konnte die Austria dank einer guten Strafraumverteidigung diese Szenen vorerst bereinigen.

In eben jener Phase, wo Salzburg etwas stärker wurde leistete sich jedoch Torhüter Stankovic einen kapitalen Fehler. Kayode bewies mal wieder seine Giftigkeit und ging einem Rückpass auf den Torhüter nach, welcher sichtlich nervös wurde und infolgedessen den Stürmer die Möglichkeit gab den Ball hinter die Torlinie zu spitzeln und für die 2:0-Führung zu sorgen. Mit der komfortablen Führung im Rücken zog sich die Austria daraufhin in die eigene Hälfte zurück und ließ den Gegner kommen. Die Salzburger zeigten sich hingegen relativ unbeeindruckt von dem Rückstand und spielten weiterhin geduldig in Richtung gegnerisches Tor. Man setzte sich dabei in der gegnerischen Hälfte fest und rückte mit der gesamten Mannschaft auf, in der Hoffnung noch den Anschlusstreffer vor der Pause zu erzielen. Das gelang dann auch mustergültig und der Startelf-Debütant Haidara sorgte per traumhaftem Distanzschuss für das 2:1 kurz vor der Halbzeitpause.

Salzburg geht volles Risiko, Austria sorgt kaum mehr für Entlastung

Die Gäste aus der Mozartstadt waren durch den Anschlusstreffer naturgemäß zusätzlich motiviert und wollten das Spiel im zweiten Spielabschnitt unbedingt drehen. Dabei ging man noch aggressiver zu Werke und sorgte mit dem eigenen intensiven Angriffspressing und hohem Aufrücken der ganzen Mannschaft dafür, dass sich die Austria kaum mehr aus der eigenen Hälfte befreien konnte. Die Veilchen wurden zunehmend bei Ballbesitz auf die Flügel gelenkt und dann von mehreren Gegenspielern isoliert, weshalb man immer seltener längere Ballbesitzphasen aufrechterhalten konnte und viele Bälle einfach blind nach vorne geschlagen werden mussten, die natürlich meist wieder postwendend zurückkamen. Dabei rückte selbst der ballferne Flügelspieler der Bullen nun extrem weit Richtung Ball hinein und sorgte so konstant für einen hohen Balldruck. Jedoch dauerte es noch bis zur 65. Minute, ehe man richtig gefährlich vor dem gegnerischen Tor wurde. Für die Austria kam es dabei sogar knüppeldick. Zuerst sorgte Hwang für den Ausgleich, ehe nur wenige Augenblicke später die Passivität der Austria erneut bestraft wurde und die Salzburger das Spiel mit dem Treffer von Lazaro sogar komplett drehen konnten.

Mit dem erstmaligen Führungstreffer im Rücken zogen sich die Salzburger daraufhin immer weiter zurück und ließen die Austria vermehrt kommen. Jedoch bissen sich die Veilchen die Zähne an der hervorragend organisierten Defensive der Gäste aus und schafften es kaum noch für Gefahr zu sorgen. Der Trainer der Gastgeber probierte es deswegen nochmal mit dem Mut der Verzweiflung mit der Brechstange und wechselte für die Schlussphase zusätzlich zwei kopfballstarke Stürmer ein, um zumindest noch das Unentschieden zu erzwingen. Die Gäste aus Salzburg wackelten jedoch kaum mehr noch und spielten das Ergebnis relativ trocken und souverän nach Hause.

Fazit

Die Austria muss im Kampf um die Vizemeisterschaft letztlich einen erneuten Rückschlag einstecken. Dabei lief nach der komfortablen 2:0 Führung und der guten ersten Hälfte alles nach Plan für die Veilchen und der erste Saisonsieg gegen die roten Bullen schien in greifbare Nähe gerückt, Jedoch fing man sich durch das Traumtor von Haidara zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt kurz vor dem Halbzeitpause den Anschlusstreffer ein und dadurch wanderte das Momentum auf die Seite der Gäste.

In der zweiten Halbzeit stand man dann insgesamt zu tief in der eigenen Hälfte und schaffte es dadurch auch kaum mehr noch für wichtige Entlastung zu sorgen. Die Salzburger hingegen bewiesen Charakter und konnten zum ersten Mal in dieser Saison einen 1:0 Rückstand in einen Sieg umwandeln. Ausschlaggebend dafür war sicherlich die hoch aggressive Spielweise in der zweiten Halbzeit, wodurch sich der Gegner aus dieser Umklammerung kaum mehr noch befreien konnte. Damit tankt man eine Woche vor dem Cupfinale noch einmal zusätzliches Selbstvertrauen und geht mit einer breiten Brust in die letzten beiden Spiele hinein.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic