Zum Auftakt der siebten Bundesligarunde traf Admira Wacker Mödling auf die Wiener Austria. Die Niederösterreicher sind das Überraschungsteam der laufenden Saison. Die Veilchen fügten... Ungeduldig, aber effizient: Austria fügt Admira erste Saisonniederlage zu

Alexander Gorgon_abseits.atZum Auftakt der siebten Bundesligarunde traf Admira Wacker Mödling auf die Wiener Austria. Die Niederösterreicher sind das Überraschungsteam der laufenden Saison. Die Veilchen fügten ihnen jedoch die erste Saisonniederlage zu, gewannen mit 1:0 und verdrängten sie von Platz zwei.

Siegtorschütze für die Wiener war Alexander Gorgon. Der 26-Jährige, um den es Gerüchte um einen Wechsel nach Deutschland gibt, erzielte bereits sein siebentes Saisontor – das fünfte nach einem Elfmeter. Sein Team dominierte erwartungsgemäß den Ball, spielte aber oft zu ungeduldig in die Spitze, sodass es vor seinem Treffer kaum Chancen für die Gäste gab und erneut ein ruhender Ball der Dosenöffner war.

Beide Trainer rotieren

Sowohl Thorsten Fink als auch das Duo Ernst Baumeister und Oliver Lederer veränderten ihre Mannschaften im Vergleich zur letzten Runde an mehreren Positionen. Bei den Gastgebern kamen vier neue Spieler in die Startelf, bei der Austria drei – zwei davon in der Abwehr. Interessant war dabei vor allem, dass David de Paula rechts hinten statt Fabian Koch spielte. Der Spanier, eigentlich im Mittelfeld daheim, ist vor allem im Kombinationsspiel stärker und variantenreicher, was gegen die bis dato meist tiefstehenden Niederösterreicher durchaus sinnvoll erschien.

Neben de Paula und Ex-Admira-Kapitän Richard Windbichler kam Kevin Friesenbichler ebenfalls neu ins Team. Der Sommerneuzugang zeigte bei seinem Startelfdebüt, warum ihn die Wiener verpflichteten. Er verfügt nicht nur über eine gute Athletik, sondern bewegte sich auch im Kombinationsspiel und Spielaufbau variabel. Damit balancierte er – ähnlich wie in den anderen Spielen Philipp Zulechner – die Bewegungen des oft eindimensional agierenden Lary Kayode aus. Der violette Neo-Publikumsliebling wechselte, nachdem er gegen Salzburg noch im Sturm spielte, wieder zurück auf den linken Flügel.

Nadelstiche der Gastgeber

Bei der Admira sah man im siebten Saisonspiel die siebte verschiedene Startelf. An der Ausrichtung änderte sich dadurch aber nichts. Die Niederösterreicher spielten in einer 4-1-4-1-Grundformation und legten ihren Fokus auf das Spiel gegen den Ball. Dadurch ergab sich das erwartete Bild: die Austria dominerte die Ballbesitzstatistik, konnte jedoch zunächst kein Kapital daraus schlagen. Die gefährlichsten Aktionen in der ersten Halbzeit fanden die Gastgeber vor – jeweils nach Kontern.

Die Durchbrüche gelangen jeweils über die rechte Seite, was angesichts der Umstände logisch erscheint. Kayode drängte bei der Austria meist ins Sturmzentrum und ließ die Arbeit nach hinten zuweilen schleifen. Mit Thomas Ebner bot die Admira einen laufstarken Rechtsverteidiger auf. Zudem sprach auch die Besetzung im offensiven Mittelfeld dafür. Maximilian Sax ist ein geradliniger Flügelspieler, Eldis Bajrami eher ein spielmachender. Markus Blutsch auf der rechten Achterposition ist vom Typ her ebenfalls tororientier als Philipp Malicsek, der jedoch in Umschaltspiel oft unterstützend nach rechts rückte.

Violette Zwischenlinienraumbelagerung

Ein weiterer Faktor, der den Gastgebern bei ihren Nadelstichen in die Karten spielte, war die mangelhafte Konterabsicherung der Wiener Austria. Diese hatte nämlich meist nur einen defensiven Mittelfeldspieler auf der Zentralachse, der dadurch viel Raum abdecken musste. Andererseits war diese Staffelung im eigenen Aufbauspiel durchaus wirksam und man konnte damit gute Voraussetzungen für den weiteren Angriffsverlauf schaffen. Eine beispielhafte Ordnung sieht man im nachstehenden Bild.

Die Ausgangslage war meist eine 3-3-3-1-Ordnung. Insbesondere die Rolle der offensive Dreierreihe sowie der Flügelspieler war interessant. Letztere suchten häufig den Weg in den Zwischenlinienraum, von wo aus sie flexibel agierten. Dadurch schafften sie naturgemäß Platz für die aufrückenden Außenverteidiger, was jedoch nicht dafür genützt wurde um über diese durchzubrechen. Vielmehr dienten sie als unterstützende Elemente im Spielaufbau. Besser stimmig wirkte dabei die rechte Seite mit de Paula und Gorgon.

Letzterer ließ sich vom Halbraum aus immer wieder zurückfallen, was zusammen mit der höheren Stellung von de Paula und dem entsprechenden linken Aufbauspieler für ein Passdreieck sorgte, über das man häufig und zügig ins zweite Drittel kam. Kayode auf der anderen Seite bewegte sich ebenfalls entgegen, ging dann aber mit Tempo in die Tiefe. Dass die Austria den Zwischenlinienraum belagern konnte lag an der Mannorientierung von Markus Lackner am nächsten Austria-Spieler sowie der tiefen Ausrichtung der Admira-Viererkette.

FAK ungeduldig im zweiten Drittel

Die Austria kam dennoch kaum durch, was an mehreren Faktoren lag. Zum einen reagierten Admiras Achter und Flügelspieler gut auf die geöffneten Räume. Wie man im obigen Bild zum Beispiel erkennen kann, gingen Bajrami und Sax nach innen um die direkten Passwege in den Zwischenlinienraum zu belauern. Andererseits agierten Malicsek und Blutsch äußerst flexibel, stellten je nach Bedarf ein 4-4-2, 4-2-3-1 her oder hielten die 4-1-4-1-Ordnung. So hatte die Admira zwar kaum Zugriff, durch diszipliniertes Verschieben konnte aber ein weiteres Vordringen verhindert werden.

Andererseits war die Austria im zweiten Drittel äußerst ungeduldig. Nachdem man über die erwähnten Abläufe recht schnell dorthin kam, suchte man hastig mit hohen Zuspielen den Weg in die Tiefe, was – wie man in der obigen Grafik erkennen kann – in vielen Fehlpässen mündete. Dies lag in erster Linie an den Bewegungen der offensiven Spieler. Kayode positionierte sich phasenweise neben Friesenbichler im Angriffszentrum und die beiden zeigten abwechselnd Sprints in die Tiefe. So wurde Alexander Grünwald, der in den letzten Wochen in bestechender Form spielt, oft überspielt.

Gegen Ende der ersten Halbzeit und vor allem nach dem Seitenwechsel wurde die Admira dann aktiver, was dem Matchplan der Austria zugutekam. Dadurch wurden die Abstände zwischen den Admira-Mannschaftsteilen größer, wodurch die Austria unbedrängter in die Tiefe spielen konnte. So konnte man insbesondere Kayode besser in Szene setzen und auch Grünwald wurde besser eingebunden. Nach einer Stunde wurde dem Nigerianer beispielsweise durch diesen Ablauf eine gute Möglichkeit eröffnet. Es war der erste Schuss aufs gegnerische Tor. Kurz darauf folgte der zweite, der letztlich den Sieg fixierte.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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