Am zweiten Spieltag der EM-Qualifikationsgruppe G stand für Österreich eine schwere Auswärtsreise auf dem Programm – man gastierte in Israel. Dabei waren die Österreicher... Analyse: Österreich blamiert sich in Israel

Am zweiten Spieltag der EM-Qualifikationsgruppe G stand für Österreich eine schwere Auswärtsreise auf dem Programm – man gastierte in Israel. Dabei waren die Österreicher nach der unglücklichen 0:1-Niederlage gegen Polen bereits unter Zugzwang, da man drohte, bereits frühzeitig den Anschluss nach oben zu verlieren. Auf der anderen Seite holte Gastgeber Israel gegen Slowenien nach Rückstand noch ein 1:1-Unentschieden heraus und konnte somit zumindest etwas Selbstvertrauen tanken.

Österreich abwartend und eiskalt

Im Vergleich zum Spiel gegen Polen, entschied sich Teamchef Franco Foda auf drei Positionen Veränderungen vorzunehmen. Für den angeschlagenen Alaba rückte Ulmer auf die Position des linken Flügelverteidigers, während mit Schlager und Zulj frische Kräfte ins Mittelfeld kamen. Interessanterweise wurde Lazaro, der gegen die Polen noch als rechter Flügelstürmer aufgeboten wurde, eine Etappe nach hinten beordert und ersetzte Lainer als Flügelverteidiger. Für Lazaro keine neue Position, denn in Berlin füllt er diese Rolle bereits seit längerer Zeit aus. Die Umstellungen waren dennoch äußerst interessant und wurden natürlich nicht ohne Hintergedanken getätigt.

Zunächst einmal veränderte sich dadurch die systematische Formation der Österreicher etwas. Aus dem 3-4-3/5-4-1 wurde nämlich mehr eine 3-3-3-1/5-1-3-1 Anordnung. Die Dreier- bzw. Fünferkette blieb also gleich, nur in den vorderen Regionen gab es Anpassungen. Kapitän Baumgartlinger gab den alleinigen Sechser vor der Abwehr, während Schlager und Sabitzer die jeweiligen Halbräume besetzten und Zulj hinter der einzigen Sturmspitze Arnautovic platziert wurde. Mit der Aufstellung von Schlager, zielte man darauf ab, mehr Präsenz und Durchschlagskraft im rechten Halbraum zu entwickeln, da sich Lazaro gegen die Polen in dieser Rolle nicht wirklich wohlfühlte. Die Nominierung von Zulj zielte ebenfalls genau auf den ausgedachten Matchplan in der Offensive ab. Israel agiert nämlich mit einer Fünferkette und aus einer 5-3-2/5-2-3 Mischformation heraus, was jener der Österreicher zumindest ähnelte.

Das Trainerteam rundum Foda schien dabei vor allem die Abwehr als Problemzone des Gegners identifiziert zu haben, welche man auch gezielt anbohren wollte. Dabei spielte nicht nur Stürmer Arnautovic eine wichtige Rolle, sondern auch Mittelfeldspieler Zulj. Dieser nahm nämlich oft eine sehr hohe Positionierung ein und agierte quasi als hängende Spitze, wodurch er mit Arnautovic immer wieder auf einer Höhe stand. Der Hintergedanke dabei war, dass man mit Arnautovic und Zulj zwei starke Wandspieler zur Verfügung hat, die den Ball sehr gut abschirmen und das Spielgerät an ihre Mitspieler weiterleiten konnten. Dieses Angriffsmuster sollte dann auch das prägende Element im Offensivspiel der Österreicher sein. Meistens visierte man im eigenen Ballbesitzspiel mit den Pässen nach vorne die beiden Offensivspieler an, die dann auf Schlager oder Sabitzer im Halbraum ablegen sollten, damit diese dann aus der Etappe heraus mit Dynamik nach vorne stoßen konnten. Dieses Muster kann man beim ersten Bild gut erahnen:

Oft angewandtes Angriffsmuster der Österreicher, Arnautovic und Zulj stehen sehr hoch und bieten sich als Wandspieler an (schwarze Linie), während im Halbraum meist ein Mitspieler für die Ablage bereitsteht (gelbe Linie) und man im Anschluss an die Ablage, mit Tempo die letzte Linie des Gegners attackiert.

Aus diesem ausgedachten Angriffsmuster schlug man auch recht früh in dieser Begegnung Kapital. Nach einer Spielverlagerung, bediente der aufrückende Lazaro die beiden Wandspieler mit einem Querpass, Zulj steckte mustergültig auf Arnautovic durch und schon stand es 1:0 für die Gäste.

Das war auch die erste längere Ballstafette der Österreicher, die prompt belohnt wurde. Davor hatten die Israelis einen höheren Ballbesitzanteil und sie ließen auch danach das Spielgerät vermehrt in den eigenen Reihen laufen. Das sah grundsätzlich ganz ordentlich aus, denn die Dreierkette fächerte man auf, die beiden Flügelverteidiger gaben dem Spiel Breite und man positionierte zwei Sechser vor der Abwehr, die sich als Anspielstationen anboten. So hatte man viele Spieler in den tieferen Regionen platziert und baute stabile Verbindungen auf. Das Problem dabei, man kam nur äußerst schwerlich in die gegnerische Hälfte und der Übergang nach vorne klappte nur unzureichend. Die Gäste ließen zwar die Ballzirkulation von Israel zu und übten ein eher passives Mittelfeldpressing aus, konnten aber die Passwege nach vorne meist gut verschließen. Österreich verteidigte aus einer 5-1-3-1 Formation heraus und mit der Mittelfeldreihe konnte man die Passwege recht gut abdecken, wie man das beim nächsten Bild gut sehen kann:

Israel versucht das Spiel aufzubauen, Österreich verteidigt mit einem 5-1-3-1 und orientiert sich bei der Defensivarbeit an den jeweiligen Gegenspieler in der Umgebung.

Da jedoch die Österreicher recht häufig nur einzeln auf den ballführenden Gegenspieler herausschoben und nur selten Druck machten, fanden die Israelis meist eine Passoption in der Breite und entzogen sich dem Zugriff. Einerseits konnte man also kaum Ballgewinne in höheren Regionen erzielen, andererseits aber stand man recht stabil und konnte das Vorwärtskommen der Gastgeber gut eindämmen, ohne viel Aufwand betreiben zu müssen. Jedoch schläferte man sich dadurch gewissermaßen selber etwas ein. Speziell die Verteidigung der Israelis wirkte im Spielaufbau alles andere als sattelfest, wurde aber höchstens situativ attackiert. Sobald man das nämlich tat und sie doch mal anpresste, folgten prompt Fehler und Ballverluste.

Als größte Gefahrenquelle machten die Österreicher vermutlich die Angriffsreihe der Israelis aus, weshalb man sich darauf fokussierte. Die beiden Stürmer Dabbur und Zahavi interpretieren ihre Rollen nämlich äußerst weiträumig, tauchen überall auf und lassen sich permanent fallen, um sich als Anspielstationen anzubieten. Daher galt es einerseits die Passwege zu ihnen zu versperren, andererseits ordnete Foda aber seine Innenverteidiger zusätzlich an, ihre Wege aufzunehmen und sie zu verfolgen, wie man das beim nächsten Bild gut erkennen kann:

Israel am Ball, Österreich verteidigt hier mit einem 5-4-1. Die beiden Offensivspieler der Gastgeber lassen sich fallen und versuchen sich als Anspielstation anzubieten, werden jedoch von Dragovic und Hinteregger sofort verfolgt.

Damit konnte man diese Fallbewegungen der Offensivspieler zwar recht gut neutralisieren, stabil wirkte das ganze Abwehrkonstrukt jedoch nicht. Zu oft fehlte es an der passenden Absicherung, stand die Abwehrlinie zu breit oder man schob nicht schnell genug nach. Es war also nicht so, dass die Österreicher den Israelis keine Angebote machten, sondern dass die Gastgeber diese einfach noch nicht ausnutzen konnten. Generell war das Spiel der Österreicher bis zum 1:1 bereits äußerst pomadig und lethargisch. Es fehlte am richtigen Nachdruck in den Aktionen und speziell die Ballbesitzphasen waren alles andere als sauber und man bewahrte nicht immer die Ruhe. Wie auch im Vorfeld des Ausgleichstreffers, als Hinteregger einen gewonnenen  Ball unnötigerweise einfach unkontrolliert nach vorne schlug, dieser postwendend wieder zurück kam und zum Ausgleich führte.

Erst nach diesem Ausgleichstreffer, schienen die Österreicher den Ernst der Lage erkannt zu haben und begannen ihr Spiel mit mehr Nachdruck zu gestalten. Man spielte wieder fokussierter und zielstrebiger im Ballbesitz, streute vermehrt Pressingsequenzen ein und agierte nun wesentlich aggressiver. Prompt begannen die Israelis auch ordentlich zu wackeln und sich viele Fehler zu leisten, was auch zu einer Chancenflut der Österreicher führte. Nur dem überragenden Torhüter der Israelis war es in dieser Phase zu verdanken, dass die Gäste nicht in Führung gingen. Statt den erneuten Führungstreffer zu erzielen, gab es für die Österreicher den nächsten Schockmoment zu verkraften. Eine scharfe Freistoßflanke verwertete Zahavi zum 2:1 Führungstreffer der Israelis und die Gastgeber stellten damit das Spiel innerhalb weniger Minuten völlig auf den Kopf. Das war dann auch der Pausenstand und die Österreicher mussten sich in der Kabine nun neu sammeln.

Spiel entgleitet den Österreichern völlig

Bereits vor dem Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit, entschied sich Teamchef Franco Foda Anpassungen bei seiner Mannschaft vorzunehmen. Vom  5-1-3-1 System und dem hochstehenden Zulj rückte man ab, stattdessen gab es von nun an ein klares 5-3-2 zu sehen. Zulj rückte dabei zurück ins Mittelfeld und positionierte sich neben Baumgartlinger und Schlager, währen Sabitzer die klare zweite Spitze neben Arnautovic gab. Mit der Umstellung spiegelte man nun mehr oder weniger die Formation der Israelis und erhoffte sich dadurch mehr Zugriff auf das Spiel. Doch bereits kurz nach dem Wiederanpfiff, wirkte das ganze Konstrukt der Österreicher weiterhin alles andere als stabil. In den ersten beiden Aufbausequenzen schenkte man den Ball bereits unnötigerweise wieder her und Israel kombinierte sich in einer Szene schön von hinten bis nach vorne in die Spitze, wo Zahavi mit einem Schuss nur knapp den Kasten verfehlte. Die Gastgeber waren von der Führung sichtlich beflügelt und zeigten speziell in der Offensive immer wieder ihre technischen Fertigkeiten, wobei speziell Dabbur und Zahavi mit ihrem unheimlichen Direktheit und technischen Sauberkeit herausragten. Jedoch hatten auch die Österreicher die Chance, den Ausgleich zu erzielen. Nach einem Freistoß wurde ein Dragovic-Kopfball auf der Linie geklärt, der damit seine dritte hochkarätige Torchance nicht verwerten konnte.

Stattdessen kam es für die Österreicher sogar noch dicker. Zahavi erzielte mit einem Distanzschuss ein Traumtor und stellte damit auf 3:1 für die Gastgeber. Doch vor allem die Art und Weise, wie dieses Tor entstand, sollte den Österreichern zu denken geben. Israel konnte den Ball seelenruhig zirkulieren lassen, wieder zeigte sich diese pomadige und lethargische Haltung bei den Österreichern und man übte überhaupt keinen Druck auf den Ballführenden aus. Darüber hinaus verfolgte kein Innenverteidiger die Fallbewegung von Zahavi, der im Zwischenlinienraum seelenruhig den Ball empfangen und aufs Tor feuern konnte. Wie viel Platz Zahavi hatte, kann man beim nächsten Bild sehen:

Szene im Vorfeld des 3:1, Zahavi setzt sich nach hinten ab und steht dadurch vollkommen frei. Hier hätte von Hinteregger das Kommando an Baumgartlinger kommen müssen, Zahavi zu übernehmen, oder die riskantere Variante, er hätte selber die Situation im Vorfeld antizipieren und herausrücken müssen.

Danach entschloss sich Teamchef Foda das Risiko zu erhöhen und einen Doppeltausch vorzunehmen. Mit Onisiwo und Janko wurden zwei neue Offensivkräfte eingewechselt und das System auf ein 4-3-3 umgestellt, wobei Sabitzer nun die Achterposition einnahm. Mit diesem Wechsel, verabschiedeten sich die Österreicher dann auch endgültig von einem strukturierten Ballbesitzspiel. Stattdessen gab es nun hohe Bälle und Flanken in Hülle und Fülle zu betrachten, womit selbst die limitierte Abwehr der Israelis nur wenig Mühe hatte.

Neben den offensiven Unzulänglichkeiten, setzten sich auch jene in der Defensive fort. Beim 4:1 durch Dabbur wirkte es so, als hätten sich die Österreicher einen Gegentreffer nach einem Konter eingefangen, so offen war die Defensive der Gäste. Dabei standen die Österreicher wenige Sekunden davor noch versammelt um den Strafraum herum, rückten danach jedoch völlig wild heraus und wurden mit einem einfachen Pass aufgerissen. Da zeigten sich erneut die Probleme in der Defensive und die mangelnde Kompaktheit, die die Israelis gnadenlos bestraften.

Danach warf Österreich alles nach vorne und versuchte noch einmal den Anschluss wiederherzustellen, was tatsächlich auch klappte. Man versuchte es nach den unzähligen hohen Bällen in den Strafraum einmal spielerisch, und prompt resultierte daraus das 4:2. Doch das war nur ein kurzer Ausreißer, danach setzte man die übliche Praxis fort und konnte damit die Gastgeber auch kaum gefährden. Somit blieb es auch beim 4:2 Sieg der Israelis.

Fazit

Ein völlig eigenartiger Auftritt, den die Österreicher in Israel da hinlegten. Obwohl man perfekt in dieses Spiel startete und früh in Führung ging, agierte man bereits kurze Zeit danach viel zu nachlässig, pomadig und mit zu wenig Nachdruck. Die Israelis hatten über weite Strecken der ersten Halbzeit viele Probleme, jedoch setzten sie die Österreicher schlicht zu wenig unter Druck, um diese noch mehr zu entblößen und auszunutzen. Stattdessen kämpften sich die Gastgeber irgendwie in die Partie zurück und erzielten nicht nur den Ausgleich, sondern gingen dann auch überraschend in Führung. In der zweiten Halbzeit griffen dann auch die Umstellungen von Teamchef Foda nicht wirklich und man blieb weiterhin pomadig und überhaupt nicht stabil, wodurch man sich relativ leichtfertig zwei weitere Treffer einfing. Darüber hinaus stellte man das konstruktive Spiel nach vorne ein und schlug nur noch hohe Bälle in den Strafraum, statt spielerische und flache Lösungen zu kreieren, wodurch man den limitierten Israelis wunderbar in die Karten spielte. So verlor man letztlich dieses Spiel verdient und hat damit den Start in die Qualifikation für die EM völlig verpatzt.

Dalibor Babic

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