Heute trifft die österreichische Nationalmannschaft auf Finnland, das mit 21 Kaderspielern nach Klagenfurt reist. Im Kader der Finnen gibt es keine Überraschungen und man...

Heute trifft die österreichische Nationalmannschaft auf Finnland, das mit 21 Kaderspielern nach Klagenfurt reist. Im Kader der Finnen gibt es keine Überraschungen und man darf auch systemtechnisch keine Wunderdinge der kühlen Nordmänner erwarten. Auf Österreich wartet ein 4-3-2-1-System mit teils biederen, teils sehr dynamischen und schussgewaltigen Spielern.

In den letzten Länderspielen konnte Finnland nicht überzeugen: In Dänemark gab’s eine 1:2-Niederlage, gegen Ungarn ein 0:0, gegen Schweden eine 1:2-Heimniederlage und gegen die Niederlande eine 0:2-Niederlage, ebenfalls in Finnland. In all diesen Spielen verlagerte sich Finnland darauf die Defensive kompakt zu halten, spielte entweder mit drei defensiven Mittelfeldspielern oder in einem 4-1-4-1-System, in dem die offensiven Mittelfeldspieler ebenfalls sehr defensive Parts einnahmen. Das tatsächlich letzte Länderspiel Finnlands am 22.Jänner gegen Trinidad & Tobago (3:2) ist in der Vorbereitung auf das heutige Spiel nicht ernst zu nehmen, da Finnland mit einer B-Elf antrat und nur 5 von 17 eingesetzten Spielern zum etatmäßigen A-Kader zählten.

Man kann die taktischen Möglichkeiten der Finnen einfach zusammenfassen:

  • Gegen Moldawien (das 4:1 vom 2.September 2011 war der letzte Sieg der Finnen) praktizierte man ein fast schon mutiges 4-2-3-1-System
  • Gegen Teams wie Dänemark oder Schweden sah man 4-3-2-1-Systeme mit robusten Spielern für die Zentrale und schnellen Außenbahnspielern.
  • Gegen klar überlegene Teams wie die Niederlande sah man ein sehr defensives 4-1-4-1, allerdings mit einem Stürmer, der keine Nadelstiche im Konter setzen, sondern den Ball halten und andere Spieler nachrücken lassen soll.

 

Angesichts der aktuellen Kräfteverhältnisse ist daher anzunehmen, dass Finnland gegen Österreich das etablierte 4-3-2-1-System anwenden wird.

Die letzten Aufstellungen der Finnen in Bewerbsspielen (Klicken um die Grafiken zu vergrößern):

Dänemark – Finnland (2:1)

Finnland – Schweden (1:2)

Finnland – Niederlande (0:2)

Der Torhüter

Der etatmäßige Keeper der Finnen ist eigentlich Jussi Jääskeläinen von den Bolton Wanderers, der jedoch aktuell verletzt ist und nicht zur Verfügung steht. Sein erfahrener Ersatzmann ist der 30-jährige Otto Fredriksen vom russischen Verein Spartak Nalchik, wo aktuell auch Ex-Rapid-Verteidiger Milan Jovanovic unter Vertrag steht. Fredriksen gilt als ruhiger und disziplinierter Keeper, ist aber einer, der schon mal den einen oder anderen Schuss durch die Hosenträger rutschen lässt. Nicht nur deshalb steht Finnlands Teamtrainer Mixu Paatelainen derzeit eher auf den 22-jährigen Lukás Hradecky vom dänischen Verein Esbjerg. Der in Bratislava geborene Torhüter ist ein extrovertierter und lauterer Typ als Fredriksen und hat den für Torhüter immer häufiger werdenden Vorteil der Jugend.

Die Innenverteidiger

Unumstrittener Boss der finnischen Abwehr ist AZ-Alkmaar-Abwehrchef Niklas Moisander. Der 26-Jährige gilt als umsichtiger und spielender Innenverteidiger, der das Spiel gut lesen kann und innerhalb des Teams eine wichtige Integrationsfigur ist. Moisander beherrscht das Stellungsspiel im Raum, ist mit seinem zweiten Innenverteidiger immer gut abgestimmt. Allerdings flog er im Kalenderjahr 2011 gleich dreimal vom Platz – davon einmal in der Europa League gegen die Wiener Austria.

Um den zweiten Platz streitet sich der allseits bekannte Salzburg-Legionär Petri Pasanen mit  Djurgarden-Fixstarter Joona Toivio (23). Der neunfache Teamspieler gilt derzeit als einer der torgefährlichsten Verteidiger der schwedischen Liga. Defensiv ist Toivio allerdings nicht unumstritten: Sein hölzernes Laufspiel ist vielen ein Dorn im Auge und auch für technische Fehler ist der 186cm-Mann immer wieder gut. Eine größere Zukunft wird dem jüngeren Juhani Ojala (22) vorausgesagt. Auch er steht im Kader des finnischen Teams, spielt seit Oktober 2011 für die Young Boys Bern, bei denen er sich noch nicht durchsetzen konnte, und ist mit 191cm nicht nur größer als Toivio, sondern auch technisch stärker.

Die Außenverteidiger

Die besten Aussichten auf einen Einsatz in der linken Verteidigung hat der 23-jährige Jukka Raitala von Osasuna. Eigentlich gehört der zehnfache Teamspieler der TSG Hoffenheim, wo er sich aber bisher nicht durchsetzen konnte und daher nach Spanien verliehen wurde. Raitala gilt als Verteidiger, der einen starken Offensivmann vor sich benötigt. Er selbst beschränkt sich eher auf seine Defensivaufgaben und nimmt trotz gutem Laufspiel und körperlicher Robustheit nur sehr selten aktiv am Offensivspiel seiner Mannschaft teil.

Auf der rechten Seite setzte Paatelainen immer wieder auf den flexiblen Kari Arkivuo (28), der 2005 im Nationalteam debütierte, aber trotzdem erst 15 Teamspiele auf dem Buckel hat. Der Außenverteidiger des schwedischen Vereins Häcken spielte alleine in den letzten zwei Jahren auf fünf verschiedenen Positionen in Abwehr und Mittelfeld, gilt als verlässlicher, guter Zweikämpfer. Allerdings sind die Flanken und Pässe des ehemaligen Holland- und Norwegen-Legionärs wechselhaft.

Der flexible Ersatzmann für diese Spieler ist Veli Lampi (27) von Arsenal Kiev. Lampi kam erst im vergangenen Sommer von Willem II Tilburg in die Ukraine und spielt keine außergewöhnlichen, dafür aber taktisch disziplinierte Partien auf der rechten und linken Seite der Abwehr. Seltener kommt er auch als Innenverteidiger zum Einsatz. Als Lampi am 25.September 2011 gegen Obolon Kiev traf, war es sein erstes erzieltes Tor seit fünf Jahren – damals traf er noch fürs finnische U21-Nationalteam.

Der zweite Ersatzmann für die Außenpositionen in der Verteidigung heißt Markus Halsti und wäre ein Spieler mit Potential für mehr gewesen, hätte er nicht immer wieder mit seinen kaputten Knien gekämpft. Aktuell spielt Halsti seit fast vier Jahren für Malmö FF in Schweden, wo er in der Innenverteidigung zum Einsatz kommt. Ein Wechsel zu Atalanta Bergamo im Jahr 2008 zerschlug sich – dem konditionell starken und ausdauernden Halsti machten einmal mehr die Knie einen Strich durch die Rechnung.

Das zentrale Mittelfeld

Der Chef im finnischen Mittelfeld ist der 24-jährige in Moskau geborene Roman Eremenko, der aktuell neben dem Israeli Natscho im 4-2-3-1-System von Rubin Kasan fix gesetzt ist. Eremenko gilt als Kampfsau, die schnell hinter den Ball kommt, ist technisch solide und aufgrund seines strammen Schusses durchaus torgefährlich. Der 41-fache Teamspieler, der 19-jährig zu Udinese Calcio wechselte und danach auch 3 ½ Jahre für Dynamo Kiev spielte, ist aus der Zentrale des finnischen Nationalteams nicht wegzudenken.

Auch die Achse Ring-Sparv, die rund um den Box-to-Box-Midfielder Eremenko agiert, hat sich bereits im Nationalteam etabliert. Alexander Ring ist erst 20 Jahre alt und wechselte vor kurzem von HJK Helsinki zu Borussia Mönchengladbach. Er fiel den Scouts der deutschen Überraschungsmannschaft vor allem aufgrund seiner taktischen Disziplin und seinem guten Auge auf. Ring wird häufig als „defensiver Spielmacher“ bezeichnet, überzeugte in seinen ersten Gladbach-Trainings sogar als Flügelstürmer, machte aber bisher noch keine Partie für den Tabellendritten der deutschen Bundesliga.

Ein komplett anderer Typ ist Tim Sparv, 194cm groß, 24 Jahre alt und derzeit beim FC Groningen unter Vertrag. Während Ring eher ein Spieler ist, der nach Deutschland oder Italien passt, strebt Sparv eine Karriere in der englischen Premier League an – und das schon sehr lange! Im Alter von 15 Jahren wechselte der defensive Mittelfeldspieler zum FC Southampton, wo er sich jedoch nie durchsetzen konnte. Über Halmstad landete er aber schließlich bei Groningen, wo er als linker, defensiver Mittelfeldspieler in einem 4-4-2-System nicht mehr wegzudenken ist.

Das offensive Mittelfeld

Das finnische Nationalteam lebt im offensiven Mittelfeld vor allem von guten Flügelspielern. Und wenn man von Finnland und guten Fußballern spricht, kommt man an Helsinkis Stammtischen schwer an einer Diskussion über Alexei Eremenko jr. vorbei. Dieser wiederum ist uns aufgrund seiner Extravaganz einen Absatz wert, obwohl er nicht in Klagenfurt dabei sein wird. Der Bruder von Roman Eremenko wurde in Rostov-na-Donu geboren, auch der Vater der beiden war Fußballer beim FF Jaro und HJK Helsinki. Der 28-jährige Eremenko wechselte im Alter von 20 Jahren nach Italien zu Lecce und avancierte bald zum Fußball-Weltenbummler Finnlands: Saturn Ramenskoe in Russland, Metalist Kharkiv in der Ukraine, nach der Zwischenstation FF Jaro war es schließlich der schottische Klub Kilmarnock. Und mittlerweile landete Eremenko bei Rubin Kazan, wo in der ersten Elf jedoch kein Platz für ihn ist. Alexei Eremenko jr. gilt als einer der stärksten finnischen Fußballer seiner Generation, allerdings machte er auch immer wieder mit Alkoholexzessen und Frauengeschichten auf sich aufmerksam. Der 53-fache Teamspieler ist ein heißer Tipp für einen Platz am rechten Flügel, auch wenn man sagt, dass eine Stelle als hängende Spitze oder offensiver Verbindungsmann in einem 4-4-1-1-System (wie es bei Kilmarnock der Fall war) für den starken Techniker am besten geeignet wären.

Auf der rechten Mittelfeldseite ist aufgrund des Fehlens von Alexei Eremenko Kasper Hämäläinen (25) gesetzt. Der Djurgarden-Legionär ist beidbeinig und kann auch im zentralen Mittelfeld spielen. Das System, das im finnischen Team praktiziert wird, kommt Hämäläinen jedoch ohnehin mehr entgegen. Der 21-fache Teamspieler kann sowohl am Flügel 1-gegen-1-Situationen suchen, als auch auf einer Zehnerposition Bälle verteilen. Es ist ihm allerdings auf jeder denkbaren Position lieb, wenn er einen laufstarken Defensivspieler hinter sich hat.

Einer der interessantesten finnischen Fußballer könnte im linken Mittelfeld zum Einsatz kommen: Perparim Hetemaj (25) wurde im Kosovo geboren und kam im Alter von sechs Jahren nach Finnland, wo er alle Nachwuchsnationalteams durchlief. Der beidbeinige Mittelfeldspieler hat stets einen sehr großen Aktionsradius und spielt geordnet und ohne offensive Kunststücke. Er ist kein typischer Flügelspieler, sondern eher einer, der sich in Rückwärtsbewegung oder bei Ballverlusten auf eine zentrale Halbposition begibt und dort sehr rational agiert. Hetemaj ist außerdem aufgrund seiner Weitschüsse gefürchtet.

Die beiden Ersatzmänner fürs offensive Mittelfeld sind auf dem Papier interessante Charaktere, zeigen jedoch im A-Team durchwegs schwache Leistungen. Mika Väyrynen (30) war zuletzt bei Red Bull Salzburg im Gespräch, landete dann aber nach zehn Jahren in Holland bei Leeds United, wo er derzeit nur Einwechsler ist. Väyrynen ist ein rechter Mittelfeldspieler, der es bevorzugt von außen nach innen zu ziehen und nicht zur Grundlinie zu gehen. Der zweite Ersatzmann ist Daniel Sjölund (28), der auf der schwedischen Insel Aland geboren wurde und nur in seinen Jugendjahren in Finnland kickte. Danach spielte er für die Reservemannschaften von West Ham United und Liverpool und mittlerweile seit 2003 für Djurgarden, für das er in über 200 Pflichtspielen 30 Tore erzielte. Bei Djurgarden spielt er auf einer typischen Zehnerposition, die es jedoch im finnischen Nationalteam aktuell so gut wie nie gibt.

Auch mit dabei: Riku Riski (22), der erst bei fünf Einsätzen für das Nationalteam steht, allerdings im Angriff und auf beiden Flügeln eingesetzt werden kann und somit immer eine gute Option für Trainer Paatelainen ist. Er wechselte vor wenigen Wochen von Örebrö zum norwegischen Klub Honefoss.

Der Angriff

Der neue Star im Sturm der Finnen ist der 21-jährige Teemu Pukki, der aktuell beim FC Schalke 04 unter Vertrag steht. Für die A-Nationalmannschaft machte er erst neun Spiele und noch kein Tor, dennoch ist der neue Shootingstar nicht aus der ersten Elf wegzudenken. Pukki ist ein guter Techniker, der sich auch defensiv aufopfert und mit seiner positiven Einstellung und Ausstrahlung eine Mannschaft mitreißen kann.

Die beiden Ersatzleute im Angriff sind Njazi Kuqi und Timo Furuholm. Kuqi (28) spielte bereits für zehn Klubs in fünf Ländern, steht aktuell bei Panionios Athen unter Vertrag. Im Nationalteam kam er das letzte Mal vor 3 ½ Jahren zum Einsatz, als er noch für die TuS Koblenz spielte. Seine Statistik im Team ist jedoch einmalig: Drei Spiele, drei Tore. Furuholm (24) hingegen wechselte im Winter vom FC Inter Turku zu Fortuna Düsseldorf (bisher drei Einwechslungen) und war in der Saison 2011 mit 22 Toren der beste Torschütze der finnischen Liga. Der 185cm große Furuholm ist ein klassischer Mittelstürmer, der dort steht, wo er stehen soll, wirkt manchmal etwas hölzern, ist aber in Wahrheit technisch durchaus stark und oft auch zu verspielt. Furuholm ist der Sohn des ehemaligen Kickers und heutigen Eurosport-Kommentators Tapio Furuholm.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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