Am 10. August trifft das österreichische Nationalteam in Klagenfurt auf die Slowakei. Teamchef Vladimir Weiss gab vergangenen Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz seinen 19-Mann-Kader... ÖFB-Elf als "irischer Härtetest" für die slowakische Nationalmannschaft

Am 10. August trifft das österreichische Nationalteam in Klagenfurt auf die Slowakei. Teamchef Vladimir Weiss gab vergangenen Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz seinen 19-Mann-Kader bekannt und machte der österreichischen Auswahl große Komplimente. Trotz der netten Worte nehmen die Slowaken in dieser Partie die Favoritenrolle ein, auch wenn mit Robert Vittek, Stanislav Sesták und Martin Skrtel drei Stammspieler fehlen werden.

Der slowakische Trainer sah die bittere 1:2-Niederlage des österreichischen Nationalteams gegen Deutschland und warnte die anwesenden Journalisten davor, die Mannschaft von Didi Constantini zu unterschätzen. Er meinte, dass sich eher die Österreicher einen Sieg verdient hätten und dass die Niederlage sehr unglücklich ausfiel, da die Heimmannschaft mehr vom Spiel hatte. Der slowakische Teamchef freut sich auf das Freundschaftsspiel gegen Österreich, da er von diesem Spiel wichtige Aufschlüsse erwartet.

ÖSTERREICH WIE IRLAND

Während das österreichische Team die Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 bereits abhaken kann, haben die Slowaken noch alle Chancen auf den Gruppensieg. Vor den letzten vier Spieltagen liegen die Slowakei, Russland und Irland mit 13 Punkten an der Tabellenspitze, wobei die Slowaken die beste Bilanz in den direkten Duellen haben und deshalb trotz der schlechteren Tordifferenz Tabellenführer sind. Nach zwei Siegen in den ersten beiden Runden gegen Mazedonien und Russland setzte es eine unerwartete 1:3-Niederlage in Armenien. Danach gab es zwei knappe 1:0-Siege gegen Andorra und ein 1:1-Unentschieden gegen Irland. Am 2.September tritt die Slowakei in Dublin zum Rückspiel gegen die Iren an, weshalb sich Teamchef Vladimir Weiss über das Freundschaftsspiel gegen Österreich freut. Der 47-jährige Slowake meint nämlich, dass beide Mannschaften einen ähnlichen Spielstil praktizieren und auf körperlich robuste Spieler setzen. Weiss wird diesen Test daher sehr ernst nehmen und auf große Experimente verzichten.

DAS SLOWAKISCHE SYSTEM UND DIE SCHLÜSSELSPIELER

Während die Slowaken während der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 noch ein 4-4-2-System spielten, überraschten sie beim Turnier in Südafrika mit einem flexiblen 4-2-3-1-System. Eine Schlüsselrolle nahm Robert Vittek ein, der zuletzt im Nationalteam weitaus erfolgreicher agierte, als auf Vereinsebene. Seine letzte überragende Saison absolvierte der Slowake vor sechs Jahren beim 1.FC Nürnberg, als er in der deutschen Bundesliga 16 Treffer erzielte. In der vergangenen Winterpause scheiterte ein Wechsel von Ankaragücü zu Red Bull Salzburg bekanntlich nur an einem defekten Faxgerät. Der 29-jährige Stürmer war insbesondere beim 1:0-Sieg gegen Italien der überragende Spieler. Die slowakische Abwehr überwand mit weiten Bällen auf die Solospitze das italienische Mittelfeld und Vittek gelang es über die gesamte Spielzeit den Ball anzunehmen und perfekt vor den gegnerischen Verteidigern abzudecken. Auf diese Weise gewann er Zeit für die drei offensiven Mittelfeldspieler Stoch, Hamsik und Jendrisek, die immer wieder gefährlich in die freien Räume stoßen konnten. Da sowohl Vittek als auch Sesták gegen Österreich verletzungsbedingt fehlen werden, wird Teamchef Weiss umstellen müssen. Die Chancen stehen gut, dass mit dem Stürmer Filip Sebo ein Mann im Sturm beginnen wird, den die österreichischen Fußballfans gut kennen. Der bullige Stürmer absolvierte insgesamt 35 Meisterschaftspartien für die Austria (5 Tore), ehe er zu den Glasgow Rangers wechselte, wo er sich aber nicht durchsetzen konnte und in seiner ersten Saison 20 Mal als Edeljoker in die Partie kam. Nach einem mäßig erfolgreichen Engagement beim FC Valenciennes wechselte er zu Slovan Bratislava wo er vergangene Saison in 23 Meisterschaftsspielen 22 Treffer erzielte, wodurch er sich den Titel des Torschützenkönigs sicherte. Auch im Nationalteam hat der 27-jährige Stürmer eine beachtliche Trefferquote, denn in seinen insgesamt 13 Einsätzen gelangen ihm sieben Treffer.

SOLIDE ABWEHR UND INDIVIDUELL STARKE MITTELFELDSPIELER

Die etatmäßige Innenverteidigung der Slowaken bilden im Normalfall Martin Skrtel (Liverpool) und Jan Durica (Lokomotive Moskau). Die slowakischen Medien gehen davon aus, dass nach der Verletzung von Martin Skrtel Lubomir Michalik gute Chancen auf einen Einsatz hat, da Teamchef Weiss insbesondere für das Spiel gegen Irland einen großen, robusten Innenverteidiger im Abwehrzentrum aufstellen möchte, der alles wegräumt, was auf Kopfhöhe in den Strafraum kommt. Obwohl Michalik nur in der dritthöchsten englischen Spielklasse bei Carlisle United spielt, glaubt Weiss, dass er der richtige Mann für die kommenden Aufgaben ist. Auf der rechten Seite der Viererkette spielt mit Peter Pekárik ein Abwehrspieler aus der deutschen Bundesliga. Der 24-jährige absolvierte vergangene Saison 23 Spiele für den VfL Wolfsburg und hinterließ auch bei der Weltmeisterschaft in Südafrika einen guten Eindruck.

Der Star der Slowaken ist ohne Zweifel der beidbeinige Mittelfeldregisseur Marek Hamšík, der beim SSC Neapel sein Geld verdient und für seinen Arbeitgeber in 143 Meisterschaftsspielen 41 Treffer erzielte. Hamšík spielt im 4-2-3-1 System meist zentral hinter dem Mittelstürmer, kann aber auch eine Reihe dahinter zum Einsatz kommen, oder über die rechte Seite für Druck sorgen. Der technisch starke und torgefährliche Regisseur darf nie aus den Augen gelassen werden und sollte oberste Priorität für die österreichischen defensiven Mittelfeldspieler haben. Neben Hamsik verfügen die Slowaken über weitere individuell starke Spieler, die aus der zweiten Reihe für Gefahr sorgen können. Filip Holosko (Besiktas Istanbul), Erik Jendrisek (SC Freiburg) Miroslav Stoch (Fenerbahce Istanbul) und Teamchef-Sohn Vladimir Weiss (Manchester City) sind heiße Kandidaten für die Außenbahnpositionen im offensiven Mittelfeld. Jeder der oben genannten Spieler hätte im österreichischen Nationalteam einen Stammplatz, weshalb die Favoritenrolle klar an die Slowaken geht (zumindest wenn es im österreichischen Nationalteam immer nach Qualität ginge…). Unser Gegner verfügt über eine hohe Anzahl von Legionären, die bei ihren Vereinen eine tragende Rolle spielen. Dennoch zeigt die Formkurve der Slowaken seit dem Qualifikationsspiel gegen Russland nach unten und das österreichische Nationalteam kann mit den heimischen Fans im Rücken für eine kleine Überraschung sorgen, wenn es gelingt die gegnerischen Schlüsselspieler zu neutralisieren.

Stefan Karger, www.abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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