Mit einem 2:1-Sieg gegen Schweden festigt die österreichische Nationalmannschaft den zweiten Platz in der WM-Qualifikationsgruppe C. Im ausverkauften Ernst Happel Stadion brachte David Alaba... Österreich besiegt Schweden – Stabiles und aktives Zentrum Grundstein des 2:1

Julian Baumgartlinger (FSV Mainz 05)Mit einem 2:1-Sieg gegen Schweden festigt die österreichische Nationalmannschaft den zweiten Platz in der WM-Qualifikationsgruppe C. Im ausverkauften Ernst Happel Stadion brachte David Alaba das ÖFB-Team per Elfmeter in Führung. Kurze Zeit später legte Marc Janko mit einem Kopfball nach. Erst in der Schlussphase konnten die schwedischen Gäste dem Spiel wieder Spannung einhauchen. Zu mehr als dem Anschlusstreffer durch Johan Elmander reichte es aber nicht.

Das Dreikronenteam startete besser in die Partie, kam durch Elmander und Jonas Olssonzu den ersten guten Chancen. Die ÖFB-Elf hatte Probleme ins Spiel zu kommen, da der Gegner mit seinem mutigen Pressing vor allem den Weg durch die Mitte versperrte. So entstand auch der richtungsweisende Elfmeter einem simplen langen Pass, an den sich individuelle Fehler der Schweden reihten. Danach agierten die Österreicher äußert konzentriert und abgeklärt. Ein wichtiger Grund dafür war die stabile und aktive Zentralachse.

Koller überrascht mit Janko

MAufstellung_AUTarcel Koller brachte eine wichtige Komponente in den österreichischen Fußballverband: Kontinuität. Er setzt auch auf Spieler, wenn diese bei ihren Vereinen nicht Stammspieler sind. In der Startelf dieses Spiel standen gleich fünf Akteure, die in den letzten Wochen oder gar Monaten keine Pflichtspielminute auf dem Rasen verbrachten. Es war, so Koller in der Pressekonferenz nach dem Spiel, sicherlich ein Risiko – zumal davon 50 Prozent der Viererkette betroffen war. Im Tor baute der Schweizer auf Robert Almer obwohl beispielsweise Heinz Lindner in den letzten Woche eine stark ansteigende Formkurve und aufgrund des Meistertitels wohl auch viel Selbstvertrauen getankt hatte.

Für das meiste Aufsehen sorgte aber die Nominierung von Marc Janko als Sturmspitze. Der Türkei-Legionär bestätigte aber einmal mehr, wie gefährlich und wichtig er sein kann, wenn das Spiel auf ihn ausgelegt ist. Nach langer Zeit setzte man ihn wieder mit langen Bällen und Flanken von der Seite ein. Selbst bei Einwürfen ab Höhe des Strafraums wurde er vereinzelt gesucht. Das 15. Länderspieltor war der verdiente Lohn.

Hamren setzt auf offensive Mittelfeldzentrale

Aufstellung_SWESchwedens Teamchef Erik Hamren schickte die erwartete Mannschaft aufs Feld. Links hinten rutschte nach der kurzfristigen Absage von Behrang Safari der Gladbacher Oscar Wendt in die Startelf. Davor agierte der wenige Alexander Kacaniklic wie in der Vorabanalyse bereits ausgeführt. Im Spielaufbau rückte er vom linken Flügel in den Halbraum zwischen den Linien ein und versuchte bei einem Anspiel sofort Richtung Tor zu ziehen. Da sich Zlatan Ibrahimovic und Elmander im 4-4-1-1 der Schweden relativ hoch positionierte bespielte Kacaniklic phasenweise sogar den Zehnerraum.

Auf der Doppelsechs setzte Hamren auf das Duo Rasmus Elm und Kim Källström. Die beiden nahmen durchaus entscheidende Rollen im Spiel ihrer Mannschaft ein, worauf im Folgenden eingegangen wird. Im Spielaufbau unterstützen sie die Innenverteidigung und versuchten über ihre Passstärke das Spiel nach vorne zu treiben. Superstar Ibrahimovic hatte wie erwartet eine Freirolle inne. Mal blieb er anteilslos im Sturmzentrum stehen, mal ließ er sich fallen um dem Spiel von hinten selbst Tempo zu verleihen.

Die Rolle des Deckungsschattens im schwedischen Pressing

Auf die taktischen Aspekte im Spiel des PSG-Stürmers wollen wir aber erst später eingehen. In der starken Anfangsphase war nämlich ein anderer Faktor entscheidend dafür, dass die Schweden optisch überlegen wirkten. Sie begannen die Partie mit ihrem hohen Pressing. Dabei rückten die beiden Sechser relativ weit vor und positionierten sich idealerweise zwischen der österreichischen Innenverteidigung und dem Mittelfeld. Diese Spielweise ist nicht unproblematisch, da sie einen präzisen Einsatz des Deckungschattens voraussetzt. Die gegnerischen Spieler können sich im Rücken der pressenden Sechser nämlich davonschleichen und in anspielbare Positionen bringen.

Das Problem der ÖFB-Elf in der Anfangsphase war jedoch, dass man im Spielaufbau zu große Abstände zwischen den Verbindungsspielern aufriss. So stand David Alaba als technisch stärkster Akteur im Zentrum relativ hoch, während sich Julian Baumgartlinger zu den Innenverteidigern fallen ließ. Alaba konnte sich zwar aus dem Deckungsschatten seiner Gegner rausbewegen, die Passwege waren aber zu weit, weshalb die Zuspiele ohne großen Aufwand abgefangen werden konnten. Das führte zu vielen langen Pässen, von denen glücklicherweise einer entscheidend durchkam. Im hohen Pressing retournierten Elm und Källström die Bällen aufgrund ihres starken Stellungsspiel schnell und konnten so den Druck auf die ÖFB-Defensive konstant hoch halten.

ÖFB-Doppelsechs aufreibender aber effektiver

Die Pressingstrategie der Österreicher wich von den zuletzt gesehenen Varianten etwas ab. Üblicherweise rücken Stürmer und Zehner schon früh auf die gegnerischen Aufbauspieler, in diesem Spiel agierten sie allerdings abwartender. Das war besonders überraschend, wenn man bedenkt, dass Janko begann. Im Vergleich zu den Alternativen, Martin Harnik und Philipp Hosiner, ist dieser antrittsschwächer, was umso schwerer wiegt, je länger der Weg zum Tor ist. Dennoch konnten auch die Schweden kein geordnetes Aufbauspiel aufziehen, was wie auf der anderen Seite in langen Bällen mündete. Auch hier nahmen die Zentrumsspieler die entscheidenden Rollen ein.

Auch Alaba und Baumgartlinger standen gegen den Ball sehr hoch, allerdings nicht in dem Ausmaß, in dem es ihre Gegenüber taten. Sie verhinderten Zuspiele auf die schwedischen Sechser nicht mithilfe des Deckungsschatten sondern gingen mannorientiert auf den jeweiligen Gegenspieler, sobald dieser angespielt wurde. So sah man bei den beiden Österreichern mehr Ballgewinne aus direkten Zweikämpfen heraus, anstatt abgefangener Pässe. Dies geht mit einem höheren läuferischen Aufwand einher, der sich durch eine weitere Komponente zusätzlich erhöhte. Aufgrund der individuellen Stärke von Ibrahimovic mussten sie bei langen Pässen nämlich auch stets konsequent nach hinten pressen um zweite Bälle zu erobern.

Junuzovic besserer Verbindungsspieler

So konnte sich der schwedische Topangreifer kaum in Szene setzen und war über weite Strecken unsichtbar. Besonders in der Phase nach dem 2:0 und in der zweiten Hälfte war dies augenscheinlich. Zwar streckte er das Spiel aufgrund seiner hohen Position sehr stark in vertikaler Richtung, mit der Einwechslung von Sebastian Prödl und dem immer selbstbewussteren Aleksandar Dragovic war aber auch mit langen Bällen nichts mehr zu holen. In dieser Hinsicht war sein österreichisches Pendant, Zlatko Junuzovic, deutlich auffälliger.

Der Werder-Legionär bewegte sich gewohnt viel, bespielte die Halb- und Zwischenlinienräume. Besonders ins Auge stachen seine Bewegungen auf die Außenbahnen. Die Schweden agierten in der Defensive mit zwei engen Viererketten, was auf den Seiten viele Räume bot. Dadurch mussten auch die Außenverteidiger nicht ständig hoch stehen, sondern konnten absichernd hinten bleiben. Kam es aufgrund des Abdriften Junuzovics zu einer Zwei-gegen-Zwei-Stellung auf dem Flügel – die beiden schwedischen Außenspieler gegen Junuzovic und dem jeweiligen ÖFB-Flügelspieler – konnten die Außenverteidiger dann mit Tempo diese Zonen überladen. Mit ein Grund für die vielen Flanken.

Taktische Wechsel in der zweiten Hälfte

Zur zweiten Hälfte stellte Koller dann personell um. Statt dem klassischen Neuner Janko kam mit Andreas Weimann ein beweglicher Angreifer, dessen explosive Spielweise vor allem nach Umschaltmomenten ausgenutzt werden sollte. Interessanterweise schickte man während der kurzen Behandlungspause bei Janko in der ersten Hälfte nämlich nicht den Aston Villa-Legionär sondern Hosiner zum Aufwärmen. Später brachte der Schweizer schließlich noch mit Franz Schiemer einen weiteren Spieler, der für Stabilität sorgen sollte – vor allem gegen die hohen die Bälle.

Dementsprechend packten die Schweden auch nicht die Brechstange aus, sondern brachten mit Anders Svensson und Ola Toivonen zwei technisch beschlagene und kombinationsstarke Spieler. Daraus formte man ein 4-1-3-2 mit Ibrahimovic und Elmander als Spitzen, die trotz ihrer robusten Körper das letzte Tor nicht brachial erzwangen sondern mit einer schnellen Kombination herausspielten. Nachdem die Pfeife von Schiedsrichter Gianluca Rocchi in den Schlussminuten bei zwei strittigen Szenen im rot-weiß-roten Strafraum stumm blieb, darf Österreich weiter von der ersten WM-Teilnahme seit 1998 träumen.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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